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„Du musst großartig im Scheitern sein“ ist ein Tipp, den ich dir vor ein paar Monaten in einem Artikel gegeben habe. Und mit diesem Tipp bin ich in guter Gesellschaft. In den letzten Wochen wird die Fähigkeit zu scheitern als DER ultimative Erfolgsfaktor gefeiert. Der Faktor, der dir hilft deine Persönlichkeit weiterzuentwickeln und der darüber hinaus auch noch – nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit – ohne jeden Zweifel zum Erfolg führt.

“ Failing fast and failing often”

ist eines der Zitate, die im Netz richtig gut gehen. Eine virale Epoche, in der Scheitern als der Erfolgsbooster gefeiert wird.

Und ja, es ist wirklich eine herausragende Eigenschaft, wenn du es schaffst zu scheitern und wieder aufzustehen. Doch im Moment passiert mehr. Es ist wie ein kollektiver „Wir begrüßen unser Scheitern freudig“  Sonnengruß. Wenn du auf diesen Zug aufspringst, machst du es dir nur unnötig schwer. Denn so funktionieren wir nicht. Und je klarer dir das ist, umso leichter erschaffst du dir eine wirkliche Siegermentalität.

1. Das Märchen von der Großartigkeit des Scheiterns

Wie geht es dir damit, wenn du bei jedem Motivations-Coach, in jedem Lifestyle Ratgeber und natürlich im Kreis deiner Erfolgsgruppe, immer wieder erlebst, wie das Scheitern gefeiert wird?

Es geht dir schlecht!

Du fühlst dich meilenweit entfernt von einer hoch entwickelten Persönlichkeit und einer wahren Gewinner-Mentalität. Denn du empfindest anders. Du bist wütend, wenn du scheiterst. Du ärgerst dich und zweifelst an deinen Fähigkeiten. Dein Gefühls-Karussell springt von Aggression über Schuldzuweisungen mit einem super intensiven Stop bei Existenzängsten hin zu Lethargie. Und während du das alles spürst und dich die negativen Gefühle gefangennehmen und dir eine ausweglose, trübe und dunkle Zukunft aufzeigen, ist dir bewusst, dass du motivationstechnisch versagt hast. Denn du hast es nicht geschafft, dein Scheitern zu feiern.

Dabei solltest du doch dein Scheitern begrüßen

  • als Gelegenheit aus deinen Fehler zu lernen
  • als Gelegenheit um zu wachsen
  • als Gelegenheit zur Analyse und Verbesserung
  • als mathematische Wahrscheinlichkeit, die dir aufzeigt, dass du nur dabei bleiben musst und on the long run Erfolg haben wirst.
  • als kleines Spiel mit dir selbst, dass dich immer wieder voran bringt

Ja, dir ist bewusst, dass du es so empfinden solltest. Tust du aber nicht.

Was du wirklich empfindest sind starke Zukunftsängste, fiese Versagensängste, finanzielle Sorgen und haltlose Selbstzweifel.

Es ist ein Märchen, dass Scheitern großartig ist! Scheitern ist schmerzhaft. Und das weiß auch jeder. Lediglich mit Abstand und in der Rückschau sagt es sich super leicht, wie du gescheitert bist und dieses Scheitern damals positiv annehmen konntest.

Deshalb nimm dir den Druck und glaube nicht, dass Scheitern eine wundervolle Erfahrung ist.

2. Scheitern ist sau-blöd

Wenn du Erfolg anstrebst, musst du an dich, deine Ideen und dein Team glauben. Du musst von der Großartigkeit deines Projekts überzeugt sein. Du musst gegen alle Zweifel und Kritik daran festhalten, weil du dir sicher bist, dass die Idee und dein Plan genial ist. Diese Haltung ist Grundvoraussetzung allen erfolgsorientierten Handelns. Und wenn du nun fokussiert für deine Idee gehst, bist du auf Erfolg programmiert. Und ein Scheitern ist nicht vorgesehen in diesem Szenario. Wenn du deinen Zweifeln diesen Platz einräumen würdest, würde genau das deine Fähigkeit durchzuhalten sabotieren.

Und jetzt sag mir bitte: Wie soll es bei dieser Ausgangslage großartig sein, wenn dein Plan komplett schief geht?

Die Idee, Scheitern zu lieben und gleichzeitig für eine Idee zu brennen und für deinen Erfolg zu kämpfen, ist der schwarze Schimmel, die hügelige Ebene und die gelockte Blondine im Sleek Look.

Wenn du eine Entscheidung getroffen hast für dein Projekt, programmierst du dich auf Erfolg, du blendest deine Zweifel und Ängste aus und benutzt deine Fokussierung um Erfolg zu haben.

Und dann zu scheitern ist nur sau-blöd.

Ja, du kannst etwas daraus lernen, aber der Moment des Scheiterns wird niemals schön sein. Warum sollte er auch schön sein?

3. Du verpasst die Chance besser zu werden

Nein, nicht immer ist das Universum schuld, dass du gescheitert bist. Und nein, Scheitern ist auch nicht lediglich ein Spiel, aus dem du freudig etwas lernen kannst. Du solltest damit rechnen, dass Scheitern dich Geld kostet. Oder du könntest einen Marktvorteil verlieren. Oder die ganze Planungsarbeit und Energie könnten vergebens investiert gewesen sein. Wenn du jedes Scheitern wie einen guten Freund freudig begrüßt, lässt du die große Chance außer acht, die dir das Scheitern tatsächlich bietet.

Ja, denn Scheitern ist kein Freund und auch nicht großartig. Aber Scheitern ist ein super Coach, dein bester Mentor und deine Privat-Uni mit dem weltbesten Professor. Und zwar dann, wenn du dein Scheitern nutzt, um Kassensturz zu machen und die Gründe für das Versagen genau herauszuarbeiten. Die scharfe Analyse bietet dir die Chance die gemachten Fehler nicht zu wiederholen. Die Analyse ist die Chance dich zu verbessern.

Wenn aber Scheitern dein bester Freund ist, wirst du nie Erfolg haben. Von den wirklich erfolgreichen Menschen liebt niemand das Scheitern. Gewinner lieben es zu gewinnen. Und Erfolg ist gewinnen. Wenn dir ein großes Projekt, in das du sehr viel Herzblut und Energie gedeckt hast, von einem Konkurrenten weggeschnappt wird, dann solltest du verdammt noch mal richtig sauer sein.

Denn diese Wut und der Ärger und auch die Ängste sind der Motor, es erneut zu versuchen. Sind der Motor, es beim nächsten Mal besser zu machen. Sind der Motor, um eine neue Strategie auszuprobieren.

Aber ein Gewinner liebt das Scheitern nicht. Das Scheitern ist der beste Lehrer der Welt. Aber er ist nicht dein Freund.

4. Und du musst trotzdem ein Meister im Scheitern sein

Ein Gewinner liebt das Siegen. Und er weiß, dass er auch scheitern wird. Und deshalb wird er seine Fähigkeit zu scheitern trainieren. Wo andere noch die Wunden lecken, wird erst schon wieder aufgestanden sein und nach neuen Projekten, neuen Wegen und Strategien suchen. Das ist die wirkliche Fähigkeit und Voraussetzung für Erfolg: Dein Scheitern wieder und wieder auszuhalten. Und dennoch wieder an dich zu glauben und zu lernen, was du besser machen kannst. Und mit geballter Energie den nächsten Plan zu starten.

Aber niemals wird ein Gewinner sein Scheitern mit geöffneten Armen liebevoll wie ein verlorenes Kind empfangen und freudig begrüßen. Und deshalb höre auf, dich selber zu zwingen das Scheitern zu lieben. Denn wenn du das tust, verbrauchst du wertvolle Energie. Diese Kraft könntest du viel besser in dich investieren.

Nimm deinen Ärger und deine Wut als Motor und Katalysator um voranzukommen. Um genau der zu sein, der wieder aufsteht. Und während die anderen mit ihrem Scheitern noch ein liebevolles Tänzchen tanzen, bist du schon wieder auf dem Weg und auf der Suche nach dem nächsten Erfolg.

5. Eine Kuh ist kein Esel oder warum ein Gewinner scheitern nicht liebt

Wenn du als Unternehmer erfolgreich sein willst, dann bist du nicht nur warm und weich und mit dem Universum im Einklang. Natürlich sollst du dein Business und deinen Job lieben. Aber am Ende jeden Monats bekommst du eine betriebswirtschaftliche Auswertung und dort stehen die Zahlen und diesen Zahlen musst du dich stellen. Du musst die Zahlen analysieren und wenn diese belegen, dass du gescheitert bist bei einem Projekt, dann ist es dein Job, an den Schräubchen zu drehen. Du musst nach Wegen suchen, wie du erfolgreicher sein kannst. Und zwar um genau das, was du liebst, erfolgreich weiter machen zu können.

Wenn du also scheiterst, nimm die Erkenntnisse aus der Analyse als Learning mit und setze es zu deinem Vorteil ein. Irgendwann musst du die Entscheidung treffen, ob du erfolgsorientiert arbeiten willst. Und wenn das so und du nicht nur schnuckeliges Hobby Business haben willst, dann muss dein Ziel sein zu gewinnen und nicht zu scheitern. Und auch wenn du weißt, dass du immer wieder scheitern wirst, solltest du  es nicht lieben.

Fazit

Und darum halten wir es mit Churchill

„Success is not final, failure is not fatal: it is the courage to continue that counts.“

Du solltest dir den Druck nehmen, dein Scheitern wie einen guten Freund zu begrüßen. Sei wütend, verzweifelt und mache dir Sorgen. Erlaube dir diese Gefühle. Lerne es, diese Gefühle auszuhalten: die einsetzende Schnapp-Atmung, die Schlaflosigkeit, die Fressattacken  oder Appetitlosigkeit oder wie auch immer du auf Scheitern reagierst. Und habe in dir die Kraft aufzustehen und weiterzumachen und dein Scheitern als ein Learning zu akzeptieren.  Diese Fähigkeit ist einer DER wirklichen Erfolgsfaktoren.

Deine

 

Claudia