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Wann hast du das letzte Mal mit deiner Freundin eine Nacht durchgefeiert? Oder auf einer Decke am See  gelegen und ohne jedes Zeitgefühl und jede Verpflichtung stundenlang geredet und gelacht? Wie oft telefonierst du mit den Frauen in deinem Leben? Und wann bist du das letzte Mal einfach bei einer Freundin  vorbeigefahren, ohne Verabredung, ohne Zeitplanung, ohne Organisation – einfach auf einen Kaffee – nach hinten offen?

In meinem überoptimierten Alltag kommt das viel zu kurz. I know. Aber ich hab das im Griff. Natürlich. Ich mach mir meine Inseln. Gönn mir von Zeit zu Zeit quality time mit meinen Herzens-Frauen. Na klar, hätte ich gern mehr davon. Aber es klappt halt nicht immer. Wir chatten, wenn es mal wieder nich geklappt hat. Zu lange im Office, Hund krank, Weihnachtsgeschenke besorgen. Dies, das.

So ähnlich sieht der Alltag von unzähligen Frauen aus. Zwischen Job, Business, Networking, Geschäftsreisen  und Terminen, Familie, Partner und  Kindern, Eventplanung und Kochen und Co. fällt manches von der Wunschliste. Wir stehen nicht allein in dieser  Welt und wollen es auch gar. Wir tun das, was wir lieben. Aber eben nicht alles gleich viel. Wir verteilen unsere Zeit. Setzen Prioritäten und schieben nach hinten oder ziehen vor.

Was aber, wenn wir zu viel  Funktionieren und tatsächlich  nicht genug von der notwendigen Dosis an Frauen-Power und an  weiblicher Wärme und Empathie, an Spaß und Ausgelassenheit bekommen?

Du glaubst, das könnte dir nicht passieren? Du glaubst, du würdest eine Unterversorgung  erkennen und für dich sorgen? Dann hast du eine wunderbare Fähigkeit DICH zu hören. Pflege und hege diesen Highway to your heart, denn damit hast du einen Goldschatz.

Meine Herzensstraße ist noch nicht perfekt asphaltiert. Sie hat noch Schlaglöcher, Schotterstellen und Pfützen. Sie führt durch den dunklen Wald, durch dürre Täler und dann wieder durch dichtbevölkerte Straßen in Downtown New York.

Diese Hindernisse sorgen dafür, dass ich meine innere Stimme manchmal  nicht höre. Oder nur ganz leise, scheinbar verschnupft. Ich sollte mir Zeit nehmen und genau hinhören. Mache ich ja auch: Welches sind meine nächsten Business Schritte? Sind meine Kinder glücklich? Geht es meinem Mann gut? Wie gewinne ich diesen Kunden?  Welche strategischen Entscheidungen stehen an? Möchte ich lieber Urlaub in den Bergen oder am  Meer machen? Worüber möchte ich den nächsten Artikel schreiben?

Meine innere Stimme hat immer was zu erzählen. Sie schweigt nie. Sie plappert, ist überbordend, möchte alles. Ich höre ihr zu, schärfe meine Intuition um zu erspüren, was ich wirklich will. Nehme diese Botschaft und gleiche sie anschließend mit den Sachargumenten ab und dann

GO!

Ach ja, da ist noch diese leise Stimme im Hintergrund. Die von den Frauen erzählt. Von den wunderbaren Frauen in meinem Leben, meinen Töchtern, meinen Freundinnen – offline und online. Jede einzelne von ihnen weiß, was sie mir bedeutet.

Aber wenn mein inneres Ich meint, nur ab und zu nur wie ein Mäuschen wispern zu müssen, dann kommen wir nicht zusammen. Ich kann mich nicht auch noch darum kümmern.

Rede! Rufe! Schreie!

Aber das tut deine Frauen-Sehnsucht-Stimme nicht. Denn wir Frauen verstehen einander. Keiner macht Druck. Jeder kennt die Situation. Abgesagte Verabredungen? Kenn ich, Süße. Holen wir nach.

„I have been there.“

Zum Glück hilft mir manchmal das Leben auf die Sprünge. Das Leben, das dafür sorgt, dass ich genauer hinschaue. Das Leben, das Schicksal oder wer auch immer für mich sorgt, der mir einen Botschafter schickt. Einen Botschafter, der mir eine Inspiration schenkt und mir hilft zu sehen. Der mir hilft, nicht zu glauben, was ich denke, sondern wirklich zu sehen.

Ein leicht  dahin gesagter Satz ließ mich erkennen, dass ich euch vermisse. Meine wunderbaren Frauen. Ich vermisse die Leichtigkeit. Vermisse den Wechsel der Emotionen. Vermisse die Wechsel der Gesprächstempi von zart zu hart. Von YouTube zu Depression. Von Angst im Job zu Fairtrade. Von liebevoller Schwesternschaft zu spitzzüngiger Lästerschwester.

Wieder war es Doro von Nowshine, die mir den Anstoß gab. Doro – auch eine Freundin. Neu noch und doch ganz nah.

„Ich zieh mich bei Snapchat zurück. Hier sind einfach zu wenige.“

Dieser Satz löste in mir etwas aus. Doch da war dieser Wechsel der Ebenen. Ich musste lange nachdenken und musste erkennen, dass ich meinen Weg verloren hatte. Ich hatte einen snapchat account, weil es ein hervorragender Business Kanal war: nah am Kunden und doch ganz glamourfrei. Komm in meinen Alltag. Ich nehme dich mit.

Das war  die Theorie. Und ist es immer noch.

Doch meine Realität war eine kleine Insel der Sistahood, die ich mir geschaffen hatte. Auf meinem Kanal waren meine Frauen. Meine Frauen, denen ich zutiefst verbunden war, da waren meine  Kinder und auch die Kinder meiner Freundin, ein paar andere wunderbare Frauen  und natürlich  Doro – aber nicht ein Kunde.

Also warum tat ich das? Warum investierte ich Zeit?

Weil es die einfache und die leichte und die schlechteste Art war, meine Dosis an Frauenwärme zu bekommen. Zeitoptimiert. Perfekt eingepasst in meinen Alltag. Die 5 Minuten, die es braucht, um die Seele zu öffnen.

Und dann bin ich gegangen. Es war wie ein Trennungsschmerz. Nicht nur auf meiner Seite.

„The first cut is the deepest.“

Ich habe danach  die Frauen zurück in mein reales Leben geholt. In einer Dosis wie schon lange nicht mehr: gemeinsame Abende, Besuche, lange Telefonate, persönliche chats.

Auch du solltest genau hinschauen, ob du den Frauen in deinem Leben den Platz einräumst, der ihnen gebührt.

Denn in uns  ist diese tiefe Sehnsucht nach Verbundenheit, nach einer Nähe, die nur Frauen einander schenken können. Da ist eine Unbedingtheit, eine Albernheit und eine Ausschließlichkeit.

Da ist das Versinken im Moment. Nur wir zwei. Wir brauchen keinen anderen. Ich für dich und du für mich. Forever.

Das ist etwas romantisiert und etwas pubertär. Und in der kompletten Ausschließlichkeit wollen wir es auch nicht wirklich in unserem Leben als erwachsene Frauen. Denn schließlich leben wir das Leben, das wir uns ausgesucht haben. Aber für einen Abend, einen Tag, einen Moment.

Die Essenz der Beziehungen zwischen Freundinnen ist elementar. Es gibt Studien, die belegen, dass Menschen, die Freundschaften pflegen, weniger oft erkranken. Weniger stressanfällig sind. Selbst die psychische  Stabilität steigt, wenn wir intensive und warme Beziehungen zu anderen Menschen pflegen.

Doch Freundschaft kommt nicht einfach in dein Leben. Schaff Räume und  Situationen, nimm dir Auszeiten. So wie du vielleicht einen fixen wöchentlichen Termin für deine Lieblingsserie hast, bau dir deine Frauenzeit ein.

Es gibt kein Patentrezept, das in jedes Leben passt. Aber such dir deinen Weg zu den Frauen deines Herzens und lass es passieren.

„We have to make it happen.“

Und auch wenn Thelma und Louise keine Vorbilder sind und das Ende ihrer Freundschaft nicht erstrebenswert ist, so ist doch trotz aller Dramatik in der Schlussszene des Films, die Intensität, die Verbundenheit und auch die Freude am Dasein zu spüren, die in dieser Form nur eine Freundin dir vermitteln kann.

Hol dir ein bisschen Leichtigkeit zurück in dein Leben. Denn genau darum geht es doch: Wir alle wollen glücklich sein.

Take care und bleib glücklich.

 

Claudia

2 Comments

  1. So eine schöne Entscheidung! Snapchat ist schön aber ich habe mich unter Druck gesetzt damit. Wenn ich nichts gepostet habe, fragten die Frauen nach was los ist. Puuuh. Meine Kunden fanden Snapchat uninteressant. Also ging ich. Straight zu Hilda auf eine Latte Bowl. Und wir redeten, lachten und weinten (wir weinen irgendwie immer, Hormone… wir brauchen Östrogen ;)) Wie schön das ist weißt du. Oooooh so schön!

    1. Liebe Doro,

      ja, ich weiß, wie schön das ist. Es ist Soulfood in einer Form, die eben nur Frauen einander geben können. Nicht das Männer einem nicht auch viele schöne Sachen geben könnten, aber das eben nicht.

      Ihr weint auch immer? Das beruhigt mich.

      Vielen Dank für deine lieben Worte. Und hoffentlich trinken wir mal zu dritt einen Tee oder auch Champagner.

      Ich danke dir für die Inspirationen, die du dir mir immer wieder gibt.

      Liebe Grüße

      Claudia