chaos

Es gibt Dinge, die lassen deinen Puls steigen.

Dazu gehören z.B. eine Steuerprüfung, ein Gerichtsverfahren, eine Prüfung der Rentenversicherung, ein Besuch der Gewerbeaufsicht  und ein Kundentermin nach einer fetten Reklamation oder auch Restrukturierungsmaßnahmen in dem Unternehmen, in dem du arbeitest.

Auch Anna kennt diese Situationen. Sie hasst sie. Aus tiefstem Herzen. Sie brechen immer dann in ihr Leben, wenn alles gerade gut läuft. Wenn sie wieder einmal der Illusion erlegen ist, dass sie das Leben kontrollieren kann durch optimierte Planung und Strategie und Organisation.

Anna hält das Schreiben des Anwalts in den Händen und kann kaum ein Zittern unterdrücken. Der Kunde wirft ihr vor, sie habe ihr Honorar falsch abgerechnet. Sie spürt die Augen der Kollegen, die den Absender gesehen haben, auf sich gerichtet. Anna zwingt sich weiterzuatmen. Spürt Bilder in sich aufsteigen. Bilder ihres Versagens, ihrer Fehler, des Tribunals. Sie fühlt die nackte Panik, die sie zu verschlingen droht.

Anna kann nicht einmal wütend auf  ihren Kunden sein. Nicht empört. Denn sie kann sich einfach nicht mehr im Detail erinnern, wie es damals gelaufen ist. Anna kann nicht ausschließen, dass ihr  ein grober Patzer unterlaufen ist.

Es ist so lange her. Die ganze Geschichte war so kompliziert damals. Und ja, wenn sie ganz tief gräbt, dann erinnert sie, dass es verschiedene Entscheidungsoptionen gab. Sie hat entschieden. Denn das ist ihr Job. Doch sie ist sich  nicht sicher, ob sie damals  richtig entschieden hat.

Solche Situation kennt jeder von uns. Etwas läuft verdammt aus dem Ruder.

Der Ausgang ist ungewiß. Deshalb gibt es diverse  Optionen

  1. Der super GAU tritt ein. Du verlierst den Job. Weil du angeblich vorsätzlich gehandelt hast, zahlt die  Haftpflicht nicht. Du wirst aus deiner Wohnung zwangsgeräumt und landest unter der Brücke.
  2. Du kommst aus der Sache mit Blessuren, aber de facto mit einem blauen Auge raus.
  3. Es geht einfach irgendwie gut.

Anna denkt immer und zwar sofort, dass Variante 1 eintritt. Nein, es ist kein aktiver Akt. Anna ist auf Panik und Katastrophe programmiert. Stürzt ihr Kind, wird es sterben. Gibt’s ne Prüfung der Rentenversicherung, wird sie im Knast landen.  Hat der Mieter Schimmel in der Wohnung, muss komplett saniert werden.

Anna weiß das. Das ist schon mal sehr gut Süße! Denn sonst wäre es noch ein bisschen blöder. Doch Anna wollte nicht immer Opfer ihrer wilden Gedankenspiele sein. Sie hatte es satt, wenn ihre Ängste ihr den Atem nahmen. Sie wollte ihren Ängsten nicht die Macht über ihre Gefühle und ihre Gedanken geben.

Deshalb hat sie im Lauf der Zeit ihre „best of gegen Super-GAU Gedanken“ entwickelt. Die holt sie raus und spult sie ab, wenn die Angst sie wieder mal zu übermannen droht.

Funktionieren ist schlecht, aber hyperventilieren ist noch schlechter

Zunächst gilt es Zeit zu gewinnen. Minuten, Stunden, Tage. Die Zeit, die es braucht, damit du nicht sofort und ausschließlich mit Panik reagierst. Denn egal, welche vermeintliche Katastrophe dich bedroht: Deine erste Reaktion brauchst du nicht. Sie schadet dir nur, ist ein mieser Verräter. Auch wenn du immer ein Sonnenscheinkind bist – im Angesicht des metaphorischen Tigers hast du Angst.

Und dieser Angst gilt es – umgehend und mit einem scharfen und rasant herabsausenden Peitschenhieb – den Mund zu verschließen und in die Ecke zu verbannen.

Nur gewonnene Zeit. Keine Lösung. Keine Strategie.

Dennoch ist diese Maßnahme gut zu dir. Ist wie ein ganz besonderer  Freund. Denn in diesen ersten Sekunden kannst du viel falsch machen. Porzellan zerschlagen. Dummheiten sagen. Torheiten tun. Deshalb ist diese Ersthilfe-Maßnahme ein Plädoyer für das Nichtstun. Eine Hymne ans „Weitermachen“ und ans „Funktionieren“.

Damit gewinnst du 10 Minuten, bist du die zweite Stufe der Rakete gegen die Panik abfeuern kannst.

Mein Mantra: Halt erst mal die Klappe

In der ersten Phase sollest du nicht reden. Ruf nicht deine Freundin, nicht deinen Anwalt an. Erzähl es nicht der Kollegin, nicht dem Pfarrer. Halt besser die Klappe. Einen Moment lang.

Was soll ein Gespräch bringen, in dem du unsortiert und von den nachtschwärzesten Gedanken erfüllt, ein Füllhorn an Gedankenschnipseln, Ängsten, Tatsachen und Befürchtungen über einen Un-Informierten ausschüttest? Was soll der andere sagen, was soll er fragen und was tun?

Vielmehr wird dein Gegenüber mit seinen Ängsten und Erfahrungen reagieren. Vielleicht beruhigt dich das Gespräch. Vielleicht beunruhigt es dich. Möglicherweise will dieser vermeintliche Retter, der  in dieser Phase deiner Angst nicht mehr als ein Überlaufventil für dich ist, aber seinerseits von seinem verdammten Ärger auf der Arbeit erzählen.

Deshalb ist der Tipp Nummer 2: Rede nicht SOFORT über deine Angst. Nimm dir Zeit. Fahr dein ganz persönliches  Notfallprogramm.

Und ja, es wird noch geredet. Nur nicht jetzt.

Wald macht froh und marschieren tut es zur Not auch

Die Macht des  Gefühls, wenn die Angst in dir hochsteigt, die Angst vor dem Verlust des Jobs oder auch die Angst vor der Diagnose des Arztes, ist größer als du glaubst  ertragen zu können. Der Moment, wenn das Herz schneller schlägt. Das furchtbare und mächtige Gefühl, wenn die Haut deiner Arme und Beine kribbelt. Dieses schmerzhafte Grummeln im Bauch, das dich an Durchfall denken lässt.

Du spürst all das ganz genau und kannst es kaum ertragen. Du drohst durchzudrehen. Es MUSS etwas wirklich Schlimmes in diesem Moment passieren, denn wie sonst solltest du dir die Ergreifung deines Körpers von dieser fremden Macht erklären?

Das meine Liebe, ist ganz einfach. Denn was du erlebst, ist die Macht der Biologie. Ist unser Erbe. Ist deine Waffe gegen den Säbelzahntiger. Der ungewisse und  bedrohliche Verlust deines Arbeitsplatzes oder andere, ähnlich fiese Dinge, sind der Säbelzahntiger 4.0 der Neuzeit. Sie machen dir Angst und versetzen dich in Alarmbereitschaft, in Kampfmodus. Alle deine körperlichen und geistigen Funktionen sind fokussiert auf die Gefahr – den Säbelzahntiger.

Es ist aber kein Tiger da. Dein Tiger ist abstrakt, nicht greifbar, nicht durch deine körperliche Überlegenheit zu besiegen. Nicht besiegbar in dem Moment, wenn du die Gefahr spürst. Das weiß dein biologischer Zauberkasten aber nicht. Er spielt noch auf der Klaviatur deiner Hormone, wie er es schon vor Urzeiten getan hat.

Wenn jedoch der Kampf auf Leben und Tod ausbleibt, auf den deine Biologie im Angesicht des Todes programmiert ist, bleibt deinem Körper heute nur die Umleitung des Hormon-Kampf-Chaos auf  deinem Körper.

Das Prickeln deiner Arme ist nichts als die umgeleitete Power der Hormone, die dich in einen optimalen Status gepusht haben. Dieser Powermodus wird kribbelnderweise runtergefahren und kompensiert, denn du läufst nicht weg, sondern bleibst reglos.

Das Grummeln im Bauch  ist nichts anderes als die Gemeinsamkeit mit einem Ur-Angst-super-Hack von Tieren,  die sich auf  der Flucht vor dem Säbelzahntiger des Stuhls entledigen, um leichter und schneller bei der Flucht zu sein.

Alle diese Symptome, die dich so gefangen halten und dich ängstigen, sind auf simple Biologie, auf das Erbe unseres Gen-Pools zurückzuführen. Dieses Wissen schafft Erleichterung, Entspannung und gibt dir eine machtvolle Waffe an die Hand.

Geh raus. Gib deinem Körper die Möglichkeit sich dieses hochexplosivem Hormon-Cocktails zu entladen. Du brauchst nicht zu flüchten. Es reicht, dass du deinen Puls hochtreibst, marschierst, atmest, dich auspowerst. Wie durch ein Wunder verschwinden dadurch diese Symptome, die dich so erschreckt haben. Die dich in ihrem eisernen Klammergriff hielten. Sie werden sich auflösen, wolkengleich verpuffen.

Gib dem Kopfmenschen den Raum, der ihm gebührt

Das ist der Moment, wo du dich besser fühlen wirst. Du siehst, dass du noch immer du selbst bist. Die Welt sich weiter dreht und nichts bislang passiert ist.

Jetzt kannst du deine Ratio rausholen. Du kannst die Situation überprüfen. Selbst wenn du erkennst, dass du die Lösung für dein Problem nicht kennst, kannst du jemanden fragen, der es besser weiß. Das ist ein großer Unterschied, denn es bedeutet, dass dein Problem lösbar ist, nur du die Lösung nicht kennst.

Du kannst dein Problem abwägen, gewichten, Wahrscheinlichkeiten abschätzen und skalieren.

Hier werden sich  schon viele vermeintliche Katastrophen als kleine Unpässlichkeiten auf dem Weg entpuppen. Und für die großen Katastrophen wirst du so die bestmögliche Lösung gefunden haben.

Dein Vorbild: Bob der Baumeister

Durch ihren Katastrophenmodus schafft sich Anna ein Abonnement zu gefühlten Katastrophen. Mit jeder weiteren Episode zementiert sie die Chaos-Beton-Verknüpfungen ihrer neuroyalen Verbindungen tiefer und fester. Dauerhaftes negatives Denken schafft neue Vernetzungen in unserem Hirn. Selbstverständlich Verknüpfungen der Angst und der Panik.

Doch was in die eine Richtung funktioniert, geht auch in die andere Richtung. Je öfter du es schaffst, dein aufkommendes Katastrophendenken abzubremsen und umzulenken, umso mehr kannst du deine Schreckens-Programmierung neu definieren. Kannst der eigene Baumeister deiner neuen neuroyalen Infrastruktur sein. Die Königin deiner neuen Gelassenheit.

Deshalb lohnt es sich für dich Annas „Halt deine Klappe, du Angst-Furie“ Programm abzuspulen und so gelassener dein Leben zu genießen.

Anna hat noch ein paar Tipps auf Lager. Aber die gibt es ein anderes Mal. Und natürlich ist Anna und bin ich keine Ärztin. Das sind einfach erprobte Tipps fundiert mit Diesem und Jenem. Wenn du ein medizinisches Problem hast, sind wir nicht die Ansprechpartner.

Was sind deine Tipps, wenn  die irrationale Angst mal wieder zuschlägt?

Take care – und bleib glücklich

 

Claudia