Anna stößt einen tiefen Seufzer aus. Sie weiß es ganz genau: Wenn sie nur noch von einem einzigen, unübertroffenen, weltbesten und superpowerpushenden Experten lesen muss, wird ihr speiübel.

Meine süße Anna widmet sich  ihrem Job, ihrer Familie, ihren Freunden, ihrem Körper, ihrer Gesundheit und ihrem Mindset  gleichermaßen mit großer Begeisterung, Ernsthaftigkeit und Engagement. Doch es gibt noch etwas anderes, das ist ihr wirklich wichtig  ist: Sie will ein guter Mensch sein. Sie möchte ein glücklicher Mensch sein.

Annas Ziel – neben den konkreten, monetären oder auch ideellen Zielen –  ist es, zu wachsen. Sie möchte die beste Version ihrer selbst sein. Begreift ihr Leben als eine Reise. Immer weiter. Hingucken. Verstehen. Und wieder ein Stückchen weiter. Weitergehen und weiter beobachten, teilhaben und lernen. Für  Inspirationen  und Begegnungen offen sein. Immer weiter. Es gibt kein Ende.

Ja, sie hat Ziele beruflicher und ideller Natur. Doch für ihr persönliches Wachstum gibt es kein Ziel. Das einzige Ziel ist es, den eigenen Ansprüchen zu genügen. Nicht bequem zu werden. Und den eigenen Ansprüchen Flügel zu geben, sie wachsen zu lassen.

Und deshalb liest Anna Bücher. Ist in Foren unterwegs. Folgt Blogs. Diskutiert mit Familie und Freunden und manchmal auch Fremden über Dinge, über das Leben und über Werte. Über richtig und falsch. Über Gut und Böse. Über Wege und Erkenntnisse. Über Wachstum und manchmal auch über Netflix und den neusten Tüllrock (ich will ja Anna nicht in den Olymp heben, sondern fein bei der Wahrheit bleiben).

Anna nimmt die Inspirationen auf, die ihr Leben bereichern. Sie zum Nachdenken bringen, ihr helfen zu wachsen.

Doch was zu viel ist, ist zuviel!

Ob online oder offline die Zahl der selbsternannten Experten wächst. Wächst immer weiter, reicht schon bis in den Himmel. Immer neue Wortkonstruktionen. Der Glücksmacher-Experte, die Jobkreatörin-Expertin , der Liebeslover-Experte, die Lunchlowcarb-Expertin, der beyourextremeFashion-Experte.

Leute, was ist mit euch los?

Anna möchte wachsen. Ja, und zwar in jeder Hinsicht. Ihr ist kein Umweg zu weit und sie scheut auch nicht die fiesen, tief sitzenden Erkenntnisse. Die, die wirklich weh tun, die deinen Blick in den Spiegel mit Tränen verschleiern, weil du etwas gesehen hast, was du lieber nicht gesehen hättest.

Die Moment, wenn du siehst, dass du bequem, behäbig und auch gemein sein kannst. Vielleicht nur in Ansätzen, aber deinem Qualitätsanspruch genügt es  dennoch nicht.

Genauso ist Anna. Sie sieht, was sie sehen muss, wenn der Weg es notwendig macht. Also erzähl ihr nichts von Komfortzone.

„Komfortzone. What’s that, Sweety?“ – Anna

Anna ist wirklich bereit und zwar so sehr und mit offenen Herzen, das Beste anzupeilen, aber sie will leben und sie will lieben. Sie will ihren Job machen und sie will Erfolg  haben.

Aber gerade ihr wichtigstes Ziel, der Wunsch und das Streben danach ein glücklicher, ein guter Mensch zu sein, der auch das Notwendige für seinen Erfolg tut, ist ziemlich schwer zu erreichen. Anna weiß NATÜRLICH, dass sie selbst für ihren Weg verantwortlich ist, aber diese Expertenschwemme macht es ihr schwer.

In schönen Videoclips, mit blumigen Worten, mit knackigen „How to…“ Artikeln, mit perfekt optimierten Sales pages, in hippen hyperdynamischen  Seminaren und offline mit Flyern, Gutscheinen, Magazinartikeln  und Kalendersprüchen wird dir gesagt, was du noch brauchst. Was dich von deinem Erfolg, deinem Glück oder deiner erfüllten Spiritualität trennt.

Was du tun MUSST!

„Hey Honey, da gibt es  noch ne Menge, was du lernen, erkennen und  begreifen musst. Lass dich bloß coachen, buch den online Kurs. Leiste dir dieses Buch. Du musst unbedingt diesen Film sehen, damit du wirklich erkennst.“

Über jeden Kanal wirst du  überschwemmt, geflutet, geprimert und vorbereitet auf die Erkenntnis, dass du einfach noch nicht genug weißt, nicht gut genug bist und noch richtig Massen an Wissen brauchst, um durchzustarten und zwar in egal welcher sche*ß Hinsicht.

STOP!

Ja, Anna will ein guter Mensch sein. Doch sie will sich auch gut fühlen. Möchte ihr Leben genießen. Sich  freuen über einen Nachmittag in der Sonne mit frisch gebackenem Pflaumenkuchen. Möchte im Job einfach nur stolz und satt sein, wenn sie ein gutes und hochwertiges Produkt verkauft hat – zumindest einen verdammten Tag lang.

Sie will nicht immer nur denken, was sie nicht kann, hat, weiß. Ihr Fokus ist das Positive. Das, was sie schon kann. Sie möchte genau davon mehr machen, es optimieren und nicht gleich für das nächste Alhambra rennen und kämpfen und sich verpflichten.

Einfach mal genug sein und genießen.

Und genau dabei stehen ihr die Experten im Weg. Natürlich will Anna nicht jeden einzelnen von ihnen verdammen , denn sie möchte es wirklich wissen. Sie hat noch einen Weg vor sich. Aber Herrgott, sie will auch nicht jedem Rattenfänger hinterherlaufen. Ach, sie will sich einfach nicht von jedem Experten verunsichern lassen. Sie möchte sich Unterstützung holen, wenn sie welche braucht und ansonsten auch mal die Unmengen an Wissen, das sie bereits hat, einfach mal umsetzen.

Und deshalb gibt’s hier für sweet Anna und für dich meine persönlichen Best of Tipps, damit du checken kannst,

  • was du wirklich brauchst
  • und wann du es brauchst

und wann du alle anderen in die Wüste schicken kannst und einfach deinem Bauchgefühl folgen solltest.

Mista, von welche Uni kommscht du?

Du solltest es dir erlauben genau hinzuschauen, wenn jemand dein Geld möchte. Du solltest es dir erlauben, zu überprüfen, ob der vermeintliche Verkaufsprofi zumindest seinen eigenen Lebensunterhalt sichern kann. Ob der Rhetoriktrainer dich  fünf Minuten in einem YouTube Clip fesseln kann. Oder ob der Glückscoach irgendwann auch mal  happy aussieht.

Was genau macht den Powerhelden zum Experten? Dass er sich Experte nennt? Nein, sein Können und sein Wissen. Ein Experte überzeugt durch seine Expertise nicht durch seinen Titel.

Wenn einer dir also dazu verhelfen will, in drei Monaten sechsstellig zu verkaufen, dann sollte er zumindest wissen, was ne BWA ist. You know what I mean?;)

Also lass dich nicht blenden von dem wohlfeilen Wortgebilde, der bunt und blinkend gestaltenden Werbung, sondern schalte deine Kompetenz ein und checke deinen Experten.

Beware of Küchenpsychologen

Ebenso  solltest du dich vor den ewig hilfreichen in Acht nehmen, die gleich noch die passende Erklärung für deine Baustelle parat haben. „Du kannst nicht verkaufen? Oh, da war wohl in der Familie ein echtes Problem mit der Schicht vorhanden.“ „Du bist ungerecht zu deinen Kindern? Ja, ich fürchte da kommen ganz alte Sachen hoch aus deiner Kindheit.“

Wenn du diese Art von Rumdoktorn in deinem Gefühls- und Kopfleben magst, vergiss was ich gesagt habe. Doch  wenn nicht, dann ein riesen JA von mir, wenn sich dir bei dieser Art der Küchenpsychologie die Fußnägel hochstellen. In der Regel kommen diese netten Analysen ganz ungefragt. Denn wer bittet schon seinen Verkaufscoach um eine Analyse der eigenen frühkindlichen Prägung und was bitteschön, ist die Expertise des selbsternannten Verkaufsexperten, die ihn dazu ermächtigt mir rasch noch in Freudscher Manier die Mutti-Vati-Besenkammer-Ängste wegzuzaubern.

Lieber Experte, nimm einfach deine Finger weg. Oder wie mir einmal eine ganz bezaubernde Person sagte:

„Hör auf mit dem Rumgecoache. Ich will das nicht, dass du in meinem Kopf rumstocherst.“

Deshalb: Experte bleib bei deiner Expertise.  Was wir Menschen brauchen, sind Menschen, die das Beste aus uns herausholen. Die uns helfen, die Perlen zu erkennen, die in uns versteckt sind. Menschen, denen es Freude macht, uns auf UNSEREM Weg zu unterstützen. Das können professionelle Experten sein oder einfach auch der alte Mann, der unter einem Apfelbaum sitzt und seinen Frieden geschlossen hat mit seinem Leben und uns gelassen große Wahrheiten verrät. Das können Menschen sein, die wir bezahlen oder aber Menschen, die zufälligerweise unseren Weg kreuzen und uns mit einem einzigen Satz zum Nachdenken bringen.

Was wir brauchen, sind Menschen, die wissen, dass das Beste schon in uns ist und die uns helfen genau das  zu sehen.

Take care und bleib glücklich und wachse zum Himmel – aber nur wenn du Bock drauf hast

 

Dein größter Fan Claudia

 

2 Comments

  1. Liebe Claudia,

    Du triffst wieder mal den Nagel auf den Kopf.

    Du musst, du sollst und wenn du nicht, ja dann bleibst du halt in deiner Küche beim Kuchenbacken. Business mit reisen, dass ist wahre Freiheit. Lass dir helfen, ich bringe dich auf die Spur. Ich kann es nicht mehr hören, lesen, sehen.

    Ich liebe Kuchen backen und die ganz normalen Dinge des Alltags und jahaaaa, ich weiß, ich lieg da völlig falsch,
    so läuft Leben nicht.

    Ganz ehrlich, ich kann die ganze Schei** auch nicht mehr hören. Ich bin selber Coach mir fundierter Ausbildung, Zertifikaten und kann tatsächlich in alten Familienmustern und System „rumstochern“.

    Was ich auch gelernt habe, dass Leben ist nicht nur analysieren, auseinander nehmen, zerpflücken und zerlegen bis nix mehr übrig bleibt, von wem auch immer.

    Leben ist im Winter Tüllrock tragen oder der komische Kopf am nächsten Morgen, nach einer rauschenden Party, weil es einfach so schön war.

    Liebe Grüße
    Petra

    Ps.: Jetzt mach ich mich dran „mein Ding“ ein bisschen zu pushen, mit Hilfe von einem genialen Coach. Die gibt es tatsächlich. „Die Perlen unter den Sä…“

    1. Liebe Petra,

      das ist großartig: Du hast direkt eine Fortsetzung meines Posts geschrieben – Eine Ode an das ganz normale, wunderbare und bunte Leben! Herrlich. Das sollten wir nicht so untergehen lassen; da geht vielleicht noch was.

      Genau darum ging es mir: All denen, die so wie du genervt von diesem Gebaren sind, aus dem Herzen zu sprechen. Denn im Grund wissen wir es selbst, dass so nicht funktioniert. Das echte Leben kommt eben mit Tüllrock und Tüdelkopf (da hast du ein fantastisches Bild erschaffen) daher und nicht automatisiert.

      Wenn du magst, lass uns doch mal skypen.

      Liebe Grüße aus den Niederlanden (ja, manchmal reise ich auch 😉

      Claudia