Trost

 

 

„Dem nächsten, der mir was von Dranbleiben  erzählt, hau ich eine rein.“ – Anna

Anna ist genervt von dem ganzen verdammten Optimierungs- und Dranbleiben Schei*.  Ihr ist gerade gar nicht danach an irgendetwas dranzubleiben, durchzuhalten oder die selbst aufgestellten Regeln einzuhalten. Anna geht  es schlecht. Sie ist traurig, deprimiert und  verzweifelt. Sie ist erschöpft und angestrengt. Sie möchte einfach nur Loslassen, aber auf keinen Fall DRANBLEIBEN.

Ihr ist einfach alles gerade zu viel: Da ist der häßliche Streit mit ihren Geschwistern wegen Omas Erbe, die Kinder, mit denen sie in den letzten Wochen so anstrengende und sinnlose Diskussionen führen musste. Ihr Mann, der ständig auf Geschäftsreise ist. Ach ja, und ihr Business muss sie auch am Laufen halten.

Sind wir nicht alle ein bisschen Anna?

Jeder von uns geht durch diese Phasen, in denen du das Gefühl hast überfordert zu sein. Es ist  einfach nicht mehr zu schaffen.  Du bist traurig, wütend und müde und mutlos und erschöpft.

Da stehst du dann mit deinen wunderbaren selbst aufgestellten Regeln, die deine Werkzeuge sind um dranzubleiben. Aber du bist nicht in der Lage dazu. Du willst einfach nicht.

Und dann kommt das schlechte Gewissen:

„Wenn du jetzt aufgibst und nicht dranbleibst, dann kannst du dein eigenes Ding vergessen. Reiß dich mal zusammen. Die anderen bekommen das auch alle hin.“

– dein schlechtes Gewissen, der Verräter

Diese Kombination – auf der einen Seite dein schlechtes Gewissen, das dich drangsaliert und auf der anderen Seite deine  Erschöpfung und Traurigkeit – ist sehr hinterhältig. Sie treibt dich immer weiter  in die Enge. Sorgt dafür, dass es dir noch schlechter geht.

Du bist ratlos. Weißt nicht,  wie du aus der Nummer wieder rauskommen sollst.

Aber es gibt Wege. Diese Wege sind wie Techniken der Kampfkunst. Du darfst  dich nicht gegen den Druck wehren, sondern du musst die Kraft und die Richtung des Angriffes aufnehmen und in  deine Energie und zu deinem Nutzen umlenken.

Jetzt dreht die Münster völlig durch. Wie soll das denn  gehen?

Cry me a river

Du bist traurig und dafür gibt es einen Grund. Dich gegen deine eigenen Gefühle zu wehren und dennoch stark sein zu  wollen, kostet dich ungeheure Energie. Mach damit Schluß und gib diesem Gefühl einfach Raum.

Gib den Tränen, die in dir sind, Raum. Tränen  geben dir Erleichterung und lösen den Druck. Tränen sind ein wunderbares Tool der Selbstliebe. Wie bei einem brodelnden Kessel kannst du den Dampf ablassen. Du hast die Macht mit Tränen, deinen Gefühlen und Gedanken, die in deinem Hirn und Herz wie verrückt hin und her tanzen und dir keine Ruhe geben,  den Druck zu nehmen mit einem Schwall zu entladen.

Wenn du es dir erlaubst schwach zu sein und zu heulen, wird der Tränenstrom versiegen und du wirst eine Art Frieden spüren. Frieden darüber, endlich mal nicht mehr stark sein zu wollen.

Ich selber weine erst seit 20 Monaten. Seit mein Mann fast gestorben wäre, weine ich. Ich weine über Verluste, ich weine über schöne Dinge, ich weine, weil meine liebe Freundin schwanger ist,  ich weine, weil ich erschöpft bin und ich weine über Disney Filme. Das hat mich mehr voran gebracht, als die vorherige jahrzehntelange Tränen-Enthaltsamkeit.

Wenn du weinst, kommst du anderen Menschen näher. Sie sehen deine Gefühle, deine Schwächen und  deine Verletzlichkeit.

Du setzt die Masken ab.

Darum wünsche ich dir, dass du weinst, wenn du traurig bist. Ich wünsche dir, dass du weinst, wenn du kraftlos und verzweifelt bist.

„Cry me a river, built a bridge and get over it.“

Gönn  dir einfach die Phase totaler Verzweiflung. Gönn dir das Gefühl ratlos und kraftlos und mutlos zu sein. Vielleicht reicht schon ein Abend. Vielleicht brauchst du länger. Dein Leben, deine Entscheidung.

Aus diesem Loslassen wirst du Kraft schöpfen.

DEKLARATION: ICH HÖRE  AUF  DRANZUBLEIBEN

Ich schreibe diesen Blog, um  dich voran bringen auf deinem Weg die beste Version deiner selbst zu werden.  Dir dafür Impulse und Inspirationen zu geben.

Wenn du mehr Unterstützung willst, werde ich dich auch treten und ich werde dich pushen. Dir helfen voran zu kommen und erfolgreich zu sein.

Aber wichtiger als dein Erfolg ist mir dein Glück. Deshalb gebe ich dir eine Regel, an die du dich halten solltest um glücklich zu sein:

Wenn du traurig und mutlos bist, versuche nicht dranzubleiben.

Es ist nicht der Moment um dranzubleiben. Dranzubleiben hieße, dass du gegen dich selbst handelst.

Bei all deinen Zielen, solltest du selbst, dein Glück, das übergeordnete  Ziel  sein.

Dranbleiben ist kein Ziel, sondern ein Mittel.

Also Relax.

Das ist die wichtigste Regel. Vergiss für einen Moment deinen Weg, deine Mission, deine Vision und sei einfach traurig und kraftlos und mutlos.

21, 22, 23….

Du wirst merken, wie groß die Erleichterung ist , die du spürst, wenn du genau das zulässt: Loslassen statt dranbleiben.

Sollen doch die verdammten anderen für heute dranbleiben. Du liegst in der Hängematte mit einem schönen Buch, zwischendurch weinst du und dein Business ist dir egal. Deine Persönlichkeitsentwicklung ist dir egal.

Die Kunst, dein Ding zu machen oder „Hör auf mir ein schlechtes Gewissen zu machen!“

Mach dein Ding.

Dein Ding zu machen bedeutet auch und insbesondere, dass du auf dich hörst. Dass du bei dir bist. Dass du irgendeine verdammte Art von Dialog mit dir selbst hast.

Es ist  großartig, dass du dranbleiben willst. Dass du ein besserer Mensch werden willst.

Aber dann solltest du diese „Art of living“ doch auch auf dich anwenden! Du musst nicht deine Gefühle und Sehnsüchte verstecken. Du musst nicht das vermeintliche Killer Programm abziehen. Sondern du musst erkennen, dass du die Macht hast. Die Macht abzugleichen  zwischen Soll und IST. Die Macht abzugleichen, wie weit bin ich und wo will ich hin?

Es ist dein Ding: Deshalb hast du die Macht das Tempo festzulegen, Umwege zu machen, Pausen einzulegen und Unterbrechungen hinzuzunehmen.

Fazit

Wenn du dir selbst vertraust, wenn du dir ganz sicher bist, dass du das Richtige tun und entscheiden wirst, nimmst du der Situation den Schrecken.

Versuch nicht dagegen anzukämpfen, wenn es dir mal schlecht geht, sondern nimm es einfach an. Wir alle kennen das. Was für eine Erleichterung es offen zuzugeben. Lass den Tränen freien Lauf, entspann dich und mach dir keine Vorwürfe.

Dich selbst ernst zu nehmen und dich um dich selbst zu kümmern, ist der erste und wichtigste Akt auf dem Weg ein besserer und glücklicher Mensch zu werden. Aber auch auf dem Weg erfolgreich zu sein.

Stemm dich nicht gegen den Sturm, sondern flieg mit ihm.

Diese Erkenntnis und diese Freiheit wird dir eine enorme Erleichterung geben. Der Bonus an dieser Haltung  ist, dass es dir sehr viel schneller wieder besser gehen wird als den anderen die immerzu kämpfen, dranbleiben, stark sind und nie verzweifeln und loslassen.

Gerade weil du gut zu dir selber bist.

Und wenn du nach deiner kleiner Me-Time wieder fit bist, kannst du erneut loslegen  und  wieder dranbleiben auf deinem Weg – aber glücklich und nicht frustriert und mutlos. Und dieser kleine Umweg wird dich auf lange Sicht zur Siegerin machen.

Take care und bleib gesund

 

Deine Claudia

12 Comments

  1. Hallo liebe Claudia,

    vielen Dank!
    Ich musste wirklich lachen! Genauso erging es mir jetzt auch.
    Ich hatte die Schnauze SO voll, haha!
    Ich hab’ mich auf Diät gesetzt.
    Scheint wohl ein kollektives Ding zu sein 😉

    Ganz viele liebe Grüße

    Melanie

    1. Hi liebe Melanie,

      das ist doch genau die große Kunst: DU hast dich auf Diät gesetzt. Zu erkennen, nein, eher, ohne jeden Zweifel zu wissen und fühlen, dass du dazu niemanden brauchst, der dir das erlaubt, ist das wahre Learning. Weniger an der Sache, aber dafür mehr an dir bleiben.

      Wie geil, dass du lachen musstest. Denn das ist doch manchmal eine wahre Erleichterung. Der Moment, wenn du erkennst: Scheiß drauf. Mein Weg, mein Regeln. Lasst mich einfach mal einen Moment in Ruh.

      Später – wenn du Bock hast – startest du aber wieder, liebe Melanie. Denn das wäre zu schade.

      Liebe Grüße

      Claudia

  2. Hallo Claudia,
    Du hast das super gut beschrieben. Den Entschluss und die Umsetzung seinen eigenen Weg zu gehen, hat manchmal eine sehr lange Vorlaufzeit.
    Mit Freude und Respekt

    Ulrich

    1. Lieber Ulrich,

      ich freue mich sehr über dein positives Feedback. Ich danke dir. Es halt schwer die Balance hinzubekommen zwischen sinnvollem Input und Motivation von außen und demgegenüber zu erkennen und entscheiden, ab wann du dich selbst dabei verlierst, deinen eigenen Weg und Stil. Ich selber muss mich immer mal wieder darauf fokussieren. Habe aber schon eine gewisse Distanz zu dem ganzem Input bzw. wann es zuviel wird. Wie bekommst du das hin?

      Liebe Grüße

      Claudia

      PS Ich mag diene Artikel sehr

      1. Hallo Claudia,

        momentan bin ich am Testen, um meinen nächsten Schritt zu machen. Es ist einfach spannend den Weg zu sich selbst zustehen zu gehen. Meine Richtschnur zur Zeit ist stehe ich zu 100% dahinter.

        Mit Freude und Respekt

        Ulrich

        1. Hi Ulrich,

          das ist ein super Ziel. Hört sich sehr spannend an. Lass es mich gern wissen, wenn du den nächsten Schritt gemacht hast. Ich bin neugierig.

          Herzliche Grüße

          Claudia

  3. Danke Claudia,

    ich weine auch erst seit 14 Monaten.
    Immer und immer wieder, es ist nicht mehr die Zeit Tapfer zu sein, duchzuhalten ….sondern die Zeit von Gefühlen…
    schwer anzunehemen wenn man über 40 Jahre ein geübter Durchhalter und Dranbleiber war….

    So ein schöner Beitrag, bringt mich zum Weinen!
    Herzlichst Katrin

    1. Liebe Katrin,

      danke für deine Offenheit. Ja, es ist wirklich schwer eine geübte „Heulsuse“ zu werden. Ihc freue mich, dass du erfolgreich bist und in diesem Fall ist dranbleiben ganz wunderbar 😉

      Ich wünsche dir außerdem auch ganz viel Lachen in deinem Leben

      Merci für deine lieben und lobenden Worte.

      Herzliche Grüße

      Claudia

  4. Vielen Dank Claudia,
    für einen Artikel, der ein wichtiges Thema anspricht,
    für einen Artikel, den ich voll und ganz erlebt habe und immer wieder erlebe. Doch ich bin mittlerweile dankbar für dieses Erleben, meine vermeintliche Schwäche, denn ich ziehe eine große Stärke daraus.

    Liebe Grüße,
    Heike

    1. Dann, meine liebe Heike, bist du mega erfolgreich, denn das ist die hohe Schule, seine Schwächen anzunehmen und zu erkennen, dass darin ein unheimlich großes Potential liegt. Üblicherweise sind wir heftig damit beschäftigt unsere Schwächen zu vertuschen. Es freut mich sehr für dich, dass du bereits soviel geschafft hast.

      Liebe Grüße

      Claudia

  5. Danke Claudia,

    du sprichst mir aus der Seele. ImSommer hatte ich so ein, ach ihr Dranbleiber, Ihr könnt mich alle gernhaben.

    Die Technik fordert mich heraus, Inhalte sollen geschrieben werden, mindestens 1000 Wörter lang, Posten musst du jeden Tag und und und…… Bleib ja schön dran, sonst wird das nix.

    Ich hatte so was von die Nase voll, ich wollte „einfach“ nur mal wieder ich sein, mich spüren, spüren um was es mir überhaupt geht, dass habe ich vor lauter bleib ja dran gar nicht mehr gewusst. Ich war von all dem weiter weg den je.

    Es gut sein lassen, loslassen von dem Sichtbarkeit-Kommerz. Genau das hat mich wieder auf meine Spur gebracht. Mit Selbstliebe, Selbstwert und Selbst-bewusst-sein mein Ding so zu tun wie es zu mir passt.

    Nun laufen wir beide, gemeinsam, mein Ding und ich, Hand in Hand.

    Liebe Grüße
    Petra

    Ps.: Ich liebe deine Artikel, dein Stil ist umwerfend anders.

    1. Liebe Petra,

      es ist wirklich wunderschön, dass du dadurch, dass du auf DICH gehört hast, zurückgefunden hast zu deinem Weg. Diese ganze Selbstentwicklungs- und Optimierungskiste kann einen wahnsinnigen Druck aufbauen. Auch wenn durch die Tools und Methoden eigentlich genau das Gegenteil erreicht werden soll – nämlich Menschen unterstützen auf ihrem Weg. Danke, dass du mit uns teilst, wie sich der positiv gemeinte Ansatz für dich ins Gegenteil verkehrt hat und du die Reißleine gezogen hast. Bravo! Deine Ehrlichkeit bedeutet mir viel.

      Bei allem Wunsch nach Erfolg, nach Entwicklung, nach Optimierung gibt es immer nur einen Weg – nämlich deinen! Schön, dass du und dein Ding, wieder gemeinsam unterwegs seid.

      Und last but not least danke ich dir. Es ist wunderschön für mich zu hören, dass meine Arbeit dich unterstützt. Und ja, ich versuche genau das zu schreiben, wovon ich überzeugt bin. Kein Mainstream, sondern mein Weg, um Menschen zu unterstützen.

      Ganz liebe Grüße

      Claudia