„Der Druck ein besserer Mensch zu sein,  er ist immer da. Und wird größer und größer und größer.“  – Greys Anatomy

Sie wacht nach einem tiefen, erholsamen, vierstündigen Schlaf auf, öffnet die Augen und schwingt im nächsten Moment voller Elan die schlanken, sexy gebräunten Beine aus dem Bett. Im Bad ist sie nach einem 10 Kilometer Lauf schnell fertig. Die eiskalte Dusche bringt pure Energie und pulsierendes Leben in ihren Körper und Geist und obendrein ihren langen schwarzen Haaren den ultimativen Glow.

Rasch und genussvoll  noch dem Powerdrink mit Superfoods gesättigt, macht sie sich auf, in einen Tag mit neuen Herausforderungen, weiteren Siegen und nie endenden  Erfolgen. Sie ist umgeben von Menschen, die sie lieben, respektieren und unterstützen, sich in ihrem Glanz und ihrer Großartigkeit sonnen und hoffen, einen Augenblick ihrer Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Als der Tag sich dem Ende zuneigt und sie glücklich und mit sich im Reinen in ihr frisch bezogenes Heavenly Bett schlüpft, lächelt sie beseelt. Sie ist unendlich glücklich darüber, dass ihr Leben und ihre Entwicklung einem Traum gleicht. Sie wird ihrem Anspruch, jeden Tag besser  zu werden – innen und außen  –  jeden Tag ein bisschen mehr gerecht. Sie wird klüger, fokussierter, erfolgreicher, strategischer, einfach besser in allem.

Mit einem Gefühl der tiefen Befriedigung schläft sie ein.

Irgendwie habe ich das Gefühl etwas Entscheidendes vergessen zu haben…..Was war das nur?..

Oh ja, jetzt weiß ich es: Gerade ging es nicht um Anna. Es ging um Lara

Lara Croft.

Lara, abenteuerlustige, eloquente, erfolgreiche,  selbstbewusste, eigenständige und starke Frau mit einer atemberaubenden Figur.

Nun will vermutlich keiner von uns  wirklich Lara Croft sein. Doch die Ansprüche an uns selbst ähneln denen, die an eine Comic-Helden- Figur angelegt werden. Schneller, besser, schöner, erfolgreicher, klüger, empathischer.

Du musst ein Ziel haben. Du musst dich entwickeln. Du darfst nicht stillstehen.

Da ist er:

Der Druck, ein besserer Mensch zu sein

Du kannst nix lesen, gucken oder machen, ohne dass es dir – zart oder hart – kühl oder heiß – aber immer verläßlich um die Ohren gehauen wird, was für ein fantastischer Mensch du bist. Du bist einmalig , fantastisch, genial. Du kannst eine Delle ins Universum hauen, den Unterschied machen. Die extra Meile gehen. Eine heißblütige Liebhaberin sein. Eine verständnisvollere Frau werden. Im Business durchstarten. Den perfekten Body haben. Den kreativsten und innovativsten Shit entwickeln. Geld scheffeln. In Heels stöckeln und in Sneakers rennen.

Das alles wohnt schon in dir. Da ist nur ein bisschen Aufschiebitis im Weg. Ein paar limitierende Glaubenssätze im Weg. Ach das kriegen wir hin. Du musst einfach nur jeden Tag ein bisschen weiter an dir arbeiten. Und das ist wirklich easy. Das sind Tricks und Tools.

Denk einfach dran und vergiss es nie:

Am Ende bekommst du deinen Lohn. Du wirst dann das leben, was du eh schon  in dir hast. Du wirst deine Genialität leben. Du wirst in deinem Bereich die Beste sein, die Schönste, die Klügste.

Einfach weil du weiter gemacht hast.

Toll, oder?

Es geht doch darum deine Genialität zu leben. Das Besondere wachsen zu lassen. Das Mittelmaß hinter dir zu lassen. Der Welt deine Genialität zu schenken.

Ist das die Aufgabe, die wir alle haben?

Der Druck, erfolgreicher sein zu müssen

Das ist alles gar nicht negativ gemeint, denn es ist ja eine feine Sache ein guter Mensch sein zu wollen. Es ist gut, die Dinge die dir wichtig sind, gut machen zu wollen. Deinen Kindern das Beste geben zu wollen für ihren Weg. Deinen Job, so gut zu machen wie es geht.

Einfach im Leben mehr lernen, als zu vergessen.

Das Perfide daran ist, dass dieser Wunsch allzu leicht in Relation gesetzt wird. Auch wenn du  selbstverständlich weißt, dass der  Vergleich eine ganz böse Sache ist. Also wirklich böse. Das wissen wir alle. Aber dennoch willst du natürlich deinen Job besser erledigen. Und wenn du dich schon nicht nicht mit XY vergleichst (you remember: böse Sache!), so bleibt doch immer noch der Vergleich mit dir. Mit deinem Ideal.

Wenn du heute also gut bist, willst du morgen besser sein. Genau hier sitzt das Problem. Denn das geht nur, wenn du die Peitsche schwingst. Denn unter uns – so easy ist es nicht sich im permanenten Raketenschubmodus zu befinden. Tatsächlich ist es sogar menschlicher zu denken, dass, wenn du heute gepowert hast,  du morgen die Beine hochlegen willst. Ermattet. Chillen. Loslassen.

Ich weiß das. Und ich weiß, dass es stimmt, auch wenn es uns gern anders vermittelt wird:

Da wird propagiert, dass jeder Erfolg, jede Verbesserung, Euphorie auslöst, Hormon-Cocktails, innere Pusher und Unstoppables. Stimmt alles auch. Doch es gibt eine  außerdem eine andere Wahrheit, die gerne voller Contenance verschwiegen wird.

Okay, jetzt wird es wehtun.

Rein statistisch betrachtet gehören wir alle zum Mittelmaß. Das ist eine einfache Kurve. Also etwa 2% sind außerordentlich schlecht, 2% außerordentlich gut. Die 96% dazwischen sind Mittelmaß. Innerhalb dieses Mittelmaßmischmasch steigt natürlich diese Mittelmaßkurve an, hat einen Peak, fällt wieder ab.

Dennoch – es ist Mittelmaß.

Puh. Das ist eine kaum zu akzeptierende Wahrheit.

Ich bin vermutlich auch Mittelmaß. Du wahrscheinlich auch (hättest du sonst Zeit so etwas Mittelmäßiges wie meinen Blog zu lesen? 😉  Du würdest wahrscheinlich stattdessen ein gutes Fachbuch über DEIN Thema lesen, damit du morgen  etwas besser wüsstest als heute (Notiz für mich: Ich sag es doch immer wieder: SCHREIB DEIN VERDAMMTES BUCH ZUENDE, FRAU MÜNSTER. SONST WIRD DAS NIX).

Wenn also die meisten von uns sich innerhalb dieses unaussprechlichen, weil so austauschbaren  Mittelmaß bewegen, ist das natürlich mit der Exzellenz ein bisschen doof. Mega-Doof. Tatsächlich baut das Streben nach immer höher, immer besser, immer sexier einen extrem blöden Druck auf, wenn du unter statistischen Aspekten eben eher eine ganz wunderbare und kluge und auch erfolgreiche Frau, aber eben  Durchschnitt-Frau,  als eine Marie Curie sein wirst.

Vom großen Irrtum über Ziel und Ergebnis

Ja und jetzt? Ich hasse das immer, wenn alles runtergemacht wird. UND JETZT??! Was bringt mir das jetzt, wenn ich weiß, dass ich mit dem ganzen Streben nach mehr und höher aufhören los?

Sollen wir jetzt alle selbstzufrieden die Hände über dem Bauch falten und uns feist lächelnd zurücklehnen und das Schlechteste in uns rauslassen?

Nein.

Es geht vielmehr darum Ziele nicht mit Ergebnissen zu verwechseln. Es geht darum, mal die Zügel locker zu lassen und den großen Zusammenhang zu sehen. Es geht darum, dir den Druck vom Kessel zu nehmen.

Es ist ein wunderbares Ergebnis, wenn du am Ende deines Lebens zurückblickst und weißt, dass du nicht stehenbleiben wolltest. Dass du bereit warst immer wieder zu lernen, zu erkennen, zu revidieren, neugierig wie ein Kind Neues auszuprobieren, Altes auch mal loszulassen. Zu lieben, zu versagen, weiter zu lieben. Liebe anzunehmen. Verständnisvoll und gut zu sein zu dir und anderen. Die Umwege des Lebens zu nehmen. Dich unbändig zu freuen, wenn etwas klappt. Und nach einen Tritt gegen die Wand auch schulterzuckend hinzunehmen, wenn du was versammelt hast.

Wie sagte mir neulich meine liebe Freundin Doro von Nowshine: Und wenn du Fehler im Kundengespräch machst, ist das kein Problem. Die Menschen lieben Fehler. Weil sie selber welche machen.

Tja, so einfach ist das. Kein großes Ding.

Was wäre also möglich, wenn wir einfach akzeptieren, dass wir nicht an dem einen oder anderen Ende der Exzellenz-Kurve sind. Sondern ganz normale Menschen. Mittelmaß. Ein ungeheurer Druck würde abfallen, weil du nicht mehr den Maßstab der Perfektion, des ständigen Wachstums an dich anlegen müsstest.

Was wäre möglich, wenn deine Vorbilder nicht die perfekten, makellosen perma-erfolgreichen Brain- und Body-Ikonen wären. Wenn du vielleicht ein bisschen mehr die unperfekte Kate Moss in dir akzeptieren würdest, anstatt immerzu nach der perfekten Jackie O. zu suchen.

Und weißt du was? Ich mag dich genauso wie du bist. Ich weiß, dass ist schwer. Ich weiß es wirklich, schließlich schreibt hier Mrs-Looking-For-Perfection-Each-And-Every-Day (wenn ich mich so lassen würde,  wie mein Ego will). Lasse ich aber nicht. Denn ich weiß es besser.

Also, wie wäre es, wenn du und ich einfach mal die #10daysbebravedetoxchallenge machen? Wir versuchen es einfach. Wir versuchen es einfach mal zehn Tage lang nicht besser, klüger, schöner, erfolgreicher, lustiger, sexier, dranbleibender oder whatever zu sein.

Lass uns einander gegenseitig und liebevoll unterstützen, einfach mal #justme zu sein.

Xoxo

 

Claudia

6 Comments

  1. Liebe Claudia.
    Wieder einmal ein toller Blog Artikel. Ich mag deine Art zu schreiben und die Dinge beim Namen zu nennen.
    Danke dafür und einen wundervollen Samstag.
    Alles Liebe Anett

    1. Liebe Anett,

      danke, du Liebe. Klartext schreiben und auch so handeln – das ist das, was ich möchte. Und deshalb macht es mich wirklich glücklich, dass es genauso bei dir ankommt.

      Eine wunderschöne Woche für dich

      Xoxo

  2. Liebe Claudia, s chön, einfach sein zu dürfen! Unperfekt, ungeschminkt, uncool, unruhig, und unheimlich frei dadurch – danke! Liebe Grüße, von der anderen Claudia

    1. Liebe, liebe Claudi,

      klar ist wachsen und lernen und erkennen eine feine Sache. Aber alle, die meinen Blog lesen, machen das eh im Überfluss. Menschen brauchen auch mal eine Unterstützung dabei, einfach mal zu sein. Sich anzunehmen. Sich zu entspannen. Kein Optimieren.

      Und in der Zwischenzeit wäre es doch auch mal sehr schön, wenn die anderen, die die so selbstzufrieden sind, mal machen oder nachdenken oder aushalten.

      Wie wäre es, sich selber auch mal einfach okay zu finden? Für einen Moment. Kein Druck. Freiheit.

      Ich danke dir von Claudia zu Claudia für dein Feedback.

      Deine Claudi

  3. Wie herrlich entspannend: Ich bin Mittelmaß und darf es bleiben! Und ja, ich habe es ausprobiert, in einem klitzekleinen Bereich perfekt zu sein. Aber es hat mich nicht glücklich gemacht, ich wurde dafür nicht geliebt. Vielleicht respektiert, und ganz vielleicht bewundert. Aber die Anstrengung ist zu hoch und es nicht wert!

    Vielen Dank Claudia, dass Du mich daran erinnert hast.

    1. Liebe Katrin,

      danke für deine Worte, die mich total berührt haben.

      Tja, die Suche nach Perfektion… Diese sinnlose Reise, wer kennt sie nicht? Kannste vergessen. Genau wie du es sagst. Es lohnt sich nicht, denn du kommst den Menschen damit nicht näher. Im Gegenteil. Jeder Schritt in Richtung Perfektion entfernt dich von anderen Menschen und zwar sowohl professionell als auch privat.

      Irgendwann hast du, liebe Katrin, anscheinend diesen Ritt gestoppt. Was ist passiert? Was hat dich gelehrt, dass es das nicht wert ist?

      Liebe Grüße

      Claudia

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