Hochsensibel und happy – das passt zusammen wie Mahatma Gandhi und Dschingis Khan. Gucci und Benediktinerorden.

In Teil 1 dieser Serie ging es darum, dass es eben die gibt, die sich immer ein bisschen mehr verantwortlich fühlen. Und diese mitfühlenden sind eben überdurchschnittlich oft hochsensibel.

Un der Hochsensible spürt mehr. Ist durchlässig. In einer Welt voller Ungerechtigkeiten schnappt er nach Luft wie ein Fisch auf dem Trocknen. Er verbraucht unfassbar viel Kraft um überhaupt stehenzubleiben, zu lächeln, stehenzubleiben trotz all der emotionalen Ohrfeigen die emotionale Trampeltiere verteilen, ohne es überhaupt zu merken. Er hat kein Mittel gegen die Osmose, die ungefiltert Müll in seine Seele befördert.

Anna brauchen wir nicht, denn es gibt so viele andere, die wie Anna versuchen, die Macht der Gefühle, des Mitfühlens zu beherrschen, zu kontrollieren. Sie wissen, dass sie sich nicht hingeben dürfen, denn die Welle des Mitfühlens ist so groß, alles verschlingend. Sie suchen ihren Weg. Ihren Weg zwischen Empathie und Distanz, zwischen  Helfen und zusehen. Sie versuchen offen und präsent zu sein und dennoch ihr Innerstes, diese fragile Seele, die schon so oft fast zerbrochen ist, zu schützen. Sie bewegen sich zwischen totaler Hingabe und unerklärlicher Kühle. Immer auf der Suche nach dem Weg, der ihren Gefühlen, dem ständigen Mitfühlen, ihrer Empathie Raum gibt und dennoch einen geschützten Raum bietet für die offen und ohne Panzer dargebotene Seele.

Da ist die unfassbar faszinierende, talentierte, charmante, feminine Frau mit platinblondem Haar, dem Körper einer Göttin, die eine oberflächliche Dummheit pflegt, um sich zu schützen. Da ist der extrem begabte Kreative, der schreibt, spielt und gestaltet, von Millionen geliebt und dennoch von Selbstzweifeln geplagt wird.

Ob Marilyn M., die nie die Zufriedenheit gefunden hat, die sie gesucht hat  oder Charlie C., der es erst als 70-ig-jähriger, zu einer zaghaften Art der Selbstliebe geschafft hat. Ob Anna A. oder Martin Mustermann, sie alle suchen ihren Weg ganz sie selbst zu sein – sensibel, mitfühlend, sehend –  und dabei nicht zu zerbrechen.

Der Schmerz meines Mitgefühls. Die Fähigkeit zu fühlen, mitzufühlen. In die Tiefe. Dahin wo dir keiner mehr folgt. Da sind Tränen, die in dir aufsteigen, wenn du den Schmerz deiner Freundin fühlst. Da ist die schlaflose Nacht, wenn du an die Sorgen deines Mannes denkst. Da ist die Sorge um dein Kind, ob es den Druck der Welt aushalten mag. Da ist die Trauer über das Versagen eines geliebten Menschen, der sich diese Niederlage nicht verzeiht und ganz gelb wird vor Gram und Selbsthass.

Du versuchst durch die Welt zu gehen. Leicht und voller Freude. Das Leben umarmen, den Moment feiern mit jeder Faser deines seins. Du versuchst es immer weiter.

Dennoch – all deine Systeme sind immer in Alarmbereitschaft. Bereit für Alarmstufe ROT. Immer offen, immer in Rufbereitschaft, für den, der ruft. Jeder Moment der Leichtigkeit verflüchtigt sich, wenn du den Hass und den Schmerz der Welt spürst oder er nur in deine Nähe kommt. Noch während alle anderen tanzen und lachen, erstirbt dein Lachen. Du erstickst an dem Schmerz, den du mitempfindest.

Alles Leichte ist verflogen. Und da ist nur noch Schmerz. Dein Schmerz oder der Schmerz der anderen. Durchlässig. Kein Unterschied.

Ich will nie aufhören die Farben zu sehen

Hochsensibilität hat ein Problem.  Ein Marketing- und Imageproblem. Hochsensibilität ist Schmerz, ist Mitfühlen bis der Arzt kommt. Ist draufzahlen. Ist Zweifeln und ist Tränen. Salzige, bittere Tränen in der Nacht, wenn alle schon schlafen oder die anderen noch feiern, während du fassungslos zurückbleibst und es kaum ertragen kannst. All das Böse in der Welt, die dummen und sinnlosen Streitigkeiten. Die Grabenkämpfe, der Druck der anderen, die Konkurrenz, die Sinnlosigkeit der Kämpfe.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Ich stelle dir jetzt eine Frage, die alles verändert:

Würdest du deine Sensibilität, deine Empathie, deine Fähigkeit mehr zu fühlen und sehen, hergeben?

Wenn du diese Gabe leichten Herzen ablegen könntest, wie eine lästige Warze, wie eine alte Haut hinter dir lassend, dann musst du nicht mehr weiterlesen, denn dann weißt du schon deinen Weg.

Doch du, genau du, der Mensch, für den ich schreibe, wird die Fähigkeit zu fühlen nicht hergeben wollen. Er wird schwanken, vielleicht sogar einen Moment überlegen. Verlockt sein: „wie schön wäre es, nicht mehr so viel zu leiden. Mitzufühlen. Getroffen und gepeinigt von dem Hass und der Dummheit der anderen.“ Doch nach einem Moment oder auch einer Nacht des Zögerns, wüsstest du es:

Diese Fähigkeit gehört zu dir. Würdest du sie hergeben, würde es dir gehen wie Dorian Gray , der einen tückischen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. So sehr diese Gabe des Mitfühlens dich schmerzt, so sehr liebst du es, zu sehen, zu fühlen. Und du bist bereit den Preis zu zahlen.

„It’s gonna be alright, girl“

Dass du diese Entscheidung treffen würdest, ist Teil deiner Magie. Deines Charismas.

Es ist schön, dass es dich gibt. Dass es Menschen gibt, die so tief fühlen. Die Inkaufnehmen zu leiden, um zu fühlen. Die bereit sind den Preis des Mehr-Fühlens zu zahlen. Die Welt ist reicher und bunter durch dich.

Es ist gut, dass du fühlst, wie du fühlst. Doch du musst auf dich aufpassen, denn sonst verbrennst du. Deine Kerze wird von beiden Seiten abbrennen. Du wirst zahlen, wirst emotional bankrott sein und nichts

gar nichts mehr

zu geben haben.

Genau deshalb gebe ich dir meine und Annas 2 Superhacks,  wie du dein wunderbares, zartes, tiefes und mehr sehendes Naturell so schützt, dass du so viel und so lange wie möglich deine Liebe und dein Verständnis in die Welt bringen kannst.

 

Superhack #1 – Mein Baby gehört zu mir

Stell dir vor, dass du für dein Baby sorgst. Bist hingebungsvoller Geliebter, kompromisslose Freundin, im Notfall killende Mutter:

„Mein Baby gehört zu mir“

Es gibt Situationen, die sind nicht verhandelbar. Nämlich genau die, in denen es um die Menschen geht, die du liebst.

#zerotolerenance

Würdest du ernsthaft überlegen, einen Weg zu gehen, bei dem einer deiner Lieblingsmenschen über die Klinge springt? Für das höhere Wohl? Würdest du deine tiefste Aufgabe, dein absolutes inneres Commitment hergeben für ein wohltemperiertes Einerlei?

Nun gut, denn dein Lieblingsmensch bist du. Solltest du sein. Ich höre dich schon aufschreien. Denn du liebst doch die anderen. Du bist so sehr bei ihnen.

Doch noch mehr solltest du bei dir sein. Dein eigener knallharter, nicht kompromissbereiter Bodyguard, der jedem eins auf die Schnauze gibt, der dich verletzen will. Das meine Süße, solltest du für dich tun. Damit du noch lange und unversehrt, mit buntem und glänzendem Gefieder deine Liebe in die Welt bringen kannst.

Superhack #2 Einmal ist keinmal oder einmal ist einmal zu viel

Du bist hochsensibel aber nicht blöd. Also versuch gar nicht erst Argumentationsketten zu finden, mit denen du das schlechte Benehmen der anderen rechtfertigst, Entschuldigungen findet, die Wange noch einmal hinhält und um metaphorische Schläge bittest.

Wir sind Menschen also suchen wir nach Erklärungen und Entschuldigungen. Manche Menschen sind hochsensibel und ZUSÄTZLICH  konfliktscheu. Doch die Wahrheit ist: Das eine geht prima ohne das andere. Und umgekehrt. Wenn ich immer einen Euro bekäme, wenn jemand mir sagen würde, er könne dem anderen nicht verbal eines auf die Nase geben, weil der andere ihm so leid täte und die zarte Seele in Wahrheit einfach Angst vor der fiesen Auseinandersetzung hat. Ja, also, wenn ich immer dann den EURO bekäme, hätte ich Kohle ohne Ende und würde direkt auf die Kö fahren und mir zwei neue Handtaschen kaufen.

Also Sweety, wir müssen jetzt tapfer sein. Manchmal scheuen wir einfach den Konflikt. Wir wollen es bequem. Wir haben einfach keine Lust auf den Streit. Und wir haben ein bisschen Angst vor der Reaktion und der Ablehnung der anderen.

Das ist okay.

Doch als extrem sensibler Mensch kannst du dir nur eine bedingte Anzahl derlei fauler Kompromisse erlauben. Denn auch wenn die Klappe vor lauter Harmoniebedürfnis gehalten hast, wird das deiner zarten Seele keine Ruhe gönnen. Zu sehr fühlst du deinen Fehler, deine Unehrlichkeit. Hast Sorge, was passieren könnte. Hast Sorge, was du hättest verändern können.

Und deshalb musst du da durch. Wenn dich etwas zutiefst stört und umtreibt, ungerecht und falsch ist, solltest du den Konflikt angehen.

Für dein Wohl.

Weißt du, was man über Hochsensible sagt?

„When one cries, the other can taste the salt.“

Ich weiß nicht, wer das gesagt hat, doch in diesen Worten ist  soviel Poesie und soviel Liebe. Sei glücklich über deine Gabe,  liebe, als wenn kein Morgen gäbe und bring deine Empathie in die Welt. Und mach die Welt dadurch besser. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Dein größer Fan

 

Claudia xoxo

 

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