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Es gibt immer diesen EINEN Moment.

Diesen  Moment, wo dir alles klar wird. In dem du plötzlich verstehst.

Der Mann und die Frau saßen im Flieger, kurz nach dem Start. Sie  hatten Glück: In der vollen Maschine hatten sie eine Dreierreihe für sich. Ein Platz war freigeblieben. Ganz rasch, fast folgsam, legte sich  der Mann auf die Bank, die durch die hochgeklappten Armlehnen entstanden war,  suchte sich wie ein Kätzchen ein optimales Plätzchen, rollte sich ein. Der Mann legt seinen Kopf in den Schoß der Frau, schloss die Augen, atmete ruhig und glitt ganz rasch und leicht wie ein Kind, hinüber in die andere Welt.

Wie einer inneren Programmierung folgend geschahen diese Schritte ganz rasch und fließend, ganz unaufgeregt, wie selbstverständlich. Tatsächlich gab es eine Programmierung. Der Mann folgte den wortlosen Befehlen  des Schmerzes. Der Schmerz, der immer da war, wie ein siamesischer Zwilling. Der Mann hatte seinen  stummen Bruder verstehen gelernt und wusste,  was dieser brauchte, damit er brav und still und kontrolliert in seiner Ecke blieb und weiter schlummerte. Er gab seinem, im  Moment  stillen, doch manchmal vor Zorn rasenden Bruder, genau das Gewünschte. Noch bevor ein Wunsch ausgesprochen war. Der Mann legte sich hin, kuschelte sich ein und entspannte sich. Und gemeinsam schliefen die beiden ungleichen Brüder ein  und wussten, dass sie gemeinsam diesen Flug schaffen würden.

Dieser Mann ist mein Mann

Sein Kopf liegt in meinem Schoß. Ich lege meinen  übergroßen Schal über ihn, damit er es gemütlich und warm hat. In diesem Moment erkenne ich mit einer unglaublichen Klarheit, warum und wie unendlich stolz ich auf meinen Mann bin.  Ich bin tief berührt von dieser leisen, stillen Stärke, die in diesem Annehmen des SEINS und IST liegt.

Mein Mann ist immer ein Macher gewesen und ist es. Tag für Tag für Tag.  Obwohl er sicher denkt, dass er auf seinem Weg zurück ins Leben kein Macher ist.

Doch genau das ist er. Mit einer großen Klarheit geht er die Schritte, die notwendig sind. Einen nach dem anderen. Oder auch drei zurück. Wenn das Schicksal ihn zurückwirft, er hinfällt, verzweifelt ist, sich geschlagen glaubt, ist er immer noch der Gestalter, der er immer war. Niedergestreckt vielleicht, verzweifelt, mutlos. Doch dieser starke und niemals aufgebende Mann ist immer da.  Manchmal steht er in der Ecke, sammelt Kraft. Und dann geht er erneut.

Denn es reicht ein einziger schmerzfreier Tag, nein, tatsächlich reicht ein einziger schmerzfreier Moment und das Kind, das immer Abenteuer sucht, der Mann, der immer groß träumt  und noch größer gestaltet, erhebt sich aus den Trümmern des Schmerzes, in denen er  gefangen gehalten wurde. Explosionsartig ist er in seiner ganzen Präsenz da. Lacht, ist verrückt, plant, macht und ist ohne Limit.

Sobald mein Mann auch nur einen Zipfel seiner schmerzfreien Freiheit zu fassen kriegt, greift er zu. Ohne zu zögern. Und dann gibt es Gas und lebt den Moment. Lässt das Leben durch jede Pore seines Körpers strömen und verbreitet Passion pur. Für alles, was gerade passiert: ob Business oder privat.

Obwohl es Tage und Phasen gab und gibt, in denen dieser starke Mann das Gefühl hat, gebrochen zu sein, lässt er nicht los. Er zieht sich zurück, funktioniert, ist scheinbar in einer anderen, in seiner Welt, in die ihn niemand begleiten kann. Wie in einer Höhle ist er dort: Nur er und der Schmerz. Doch niemals verliert er den Fokus. Funktioniert die eine Maßnahme nicht, gönnt er sich die Phase der Mutlosigkeit, um dann nur um so eindeutiger zu gehen.

Jeder Moment, den er zu fassen bekommt, wird genutzt. Mit voller Leidenschaft und absolutem Engagement. Dabei erscheint kein Ziel zu groß. Manchmal möchte ich ihn beschützen vor seinen übergroßen Zielen und Ansprüchen. Muss ich aber nicht. Denn er erreicht sie alle: Ob Flugschein oder Kundentermine, ob ärztliche Freigaben oder Reisen.

Das hat mein Mann getan, seit ich ihn kenne.

Doch seine Zielauswahl ist gewachsen. Heute ist sein Ziel auch auf sich zu hören, sich Ruhe zu gönnen, in Kontakt zu sein mit Herz und Seele. Still zu stehen. Innezuhalten. Abzuwarten. Auszuhalten. Die ganz klaren Ansagen des Körpers und der Seele zu respektieren. Still zu sein. Und zuzuhören.

Seine Stärke hat neue Stärke gewonnen.

Er stand vor dem Scheideweg:

  • Stehenbleiben und aufgeben.
  • Zuhören und wachsen und dranbleiben.

Mein Mann hat den schweren Weg gewählt. Den Weg des stillen Kampfes, einem Bambus gleich. Nicht gegen den Wind stemmen, sondern mit dem Sturm wiegen.  Die Stärke des Biegsamen, des Lernenden. Die Übermacht dessen, der nicht am Alten festhält, sondern die Wandel des Lebens lebt. Neue Bedingungen erkennt, annimmt und die nächste Stufe erklimmt.

Ich weiß nicht, ob mein Mann erkennt, was er leistet. Wahrscheinlich sieht er nur, was nicht läuft. Sieht nur, was er nicht kann.

Doch ich sehe etwas ganz anderes:

  • Ich sehe einen Mann, der neue Werte hinzugewonnen hat.
  • Sehe einen Mann, der erkennt, dass er unendlich mehr ist als die Summe seiner Leistungen und Erfolge.
  • Sehe einen Mann, der Schwächen annimmt.
  • Ich sehe einen Mann, der an Tiefe gewonnen hat und die stillen Botschaften hört und versteht.
  • Sehe einen Mann, der Fragen stellt. Antworten hört. Und immer die Zukunft, immer die Liebe sieht.

Ein Mann, der selbst nicht weiß, dass er ein Vorbild ist. Ein Vorbild der leisen Stärke, des Durchhaltevermögens und der Liebe.

Ein Mann, der nicht weiß, wie unendlich stolz ich auf ihn bin.

Wahrscheinlich sagen wir es einander viel zu selten, wie stolz wir auf einander sind. Wir verlassen uns darauf, dass der andere es ganz sicher weiß, wie wir empfinden.

Deshalb nehme ich diese Zeit der Besinnung und der Liebe zum Anlass, meinen Mann und euch diese Botschaft zu senden. Schluß damit sich darauf zu verlassen, dass die anderen schon wissen, was wir denken. Schluß mit inneren Lobpreisungen und her mit öffentlichen Bekenntnissen. Denn vielleicht fehlt genau dein laut geäußertes Wort des Lobes und des Stolzes genau dem einen Menschen.

Mein Wunsch ist, dass ich dich anrege dazu, DEINEN Menschen wissen zu lassen, dass du stolz auf ihn bist. Und ihm damit vielleicht heute genau den Kick gibst, den er brauchte.

Auf wen bist du stolz? Weiß es DEIN Mensch?

Take care – bleib glücklich

 

Deine Claudia

6 Comments

  1. Liebe Claudia,
    tief berührend Deine Liebeserklärung an Deinen Mann…. Ich danke Dir auch für die Aufforderung, bei dieser Geschichte dabei zu sein… Allerdings mache ich das bei meiner Person bzw. Personen lieber mündlich…. und ich danke Dir für die Anregung – lieber Gruß – Conny

    1. Liebe Conny,

      wenn ich dich anregen konnte, bin ich happy. Wir sollten den Menschen viel öfter sagen, dass wir sie lieben, stolz auf sie sind oder einfach großartig finden, was sie tun. Die Freude, die ich z.B. mit meiner Stolz-Botschaft meinem Mann schenken konnte, ist unbezahlbar.

      Ich danke dir sehr für deine lieben Worte.

      Liebe Grüße und see u

      Claudia