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Ich hasse Kochen! Ich schäme mich fast, das zu sagen, denn gute und frisch zubereitete Mahlzeiten waren immer ein Muss in meinem Leben. Aber mittlerweile ist Kochen für mich nur noch ein Zeiträuber. Ich zwinge mich dazu und bin komplett schlechter Laune. Sicher gibt es auch für dich etwas, das du erledigen musst, aber einfach nicht magst. Zu dem du dich aufraffen musst und jedesmal einen Widerwillen verspürt. Wie wäre es, wenn du einen Tipp bekommst, der dir hilft, diese eine Aufgabe leichter zu bewältigen? Einen Tipp, der wirklich funktioniert.

So ging es mir kürzlich mit meinem Koch-Thema nachdem ich den genialen Podcast von Calvin Hollywood zum Kinderriegel Prinzip gehört habe. Die Funktionsweise des Kinderriegel Prinzips ist so simpel wie genial. Du belohnst dich dabei für das Erledigen einer dir unangenehmen Aufgabe mit etwas, das du wirklich gerne magst. In Calvins Fall mit einem Kinderriegel, wenn er eine bestimmte Art der Bildbearbeitung erledigt.

Während des Hören des Podcasts ploppten in meinem Kopf Bilder aus der Hundeschule auf. Um unseren Hunden das gewünschte Verhalten beizubringen, bekamen sie nach erfolgreicher Erledigung einer Übung  ein Leckerli, das sie wirklich liebten. Durch ständige Wiederholung wurde das richtige bzw. gewünschte Verhalten antrainiert.

Beide Techniken funktionieren nach dem gleichen Prinzip, haben aber eine andere Ausgangsbasis. Beim Kinderriegel Prinzip geht es darum, dich darauf zu trainieren, etwas, das du nicht magst, aber erledigen musst, leichter zu erledigen. In der Hundeschule hingegen geht es darum neues, gewünschtes Verhalten anzutrainieren. Beide Techniken kommen aus dem Bereich der Konditionierung. Mit  Konditionierung  ist es vereinfacht gesagt möglich gewünschtes Verhalten zu erzielen durch eine positive Belohnung bzw. unerwünschtes Verhalten abzutrainieren, durch „Strafe“. Diese Belohnung ist ein  sogenannter Verstärker, mit dem es möglich ist, die Häufigkeit des gewünschten Verhaltens zu steigern.

Ein sehr spannendes Thema, das mich nicht mehr losließ. Wie wäre es , wenn ich durch diese Prinzipien der Konditionierung meine persönliche  Aufgabe – das Kochen – erledigen könnte, ohne jedesmal komplett genervt und schlechter Laune zu sein? Und wie genial wäre es, wenn auch du deine ungeliebte Aufgabe dadurch leichter bewältigen könntest? Beim  Kinderriegel Prinzip wird die klassische Konditionierung mit positiven Verstärken etwas abgewandelt. Denn ich möchte auf keinen Fall öfter kochen. Im Gegenteil: Es geht vielmehr darum eine ungeliebte Tätigkeit einfacher zu erledigen.

Finde deinen ganz persönlichen Kinderriegel

Im ersten Schritt solltest du deshalb deine persönliche unangenehme Aufgabe exakt definieren. Das sollte allerdings nicht so schwierig sein. Etwas schwieriger ist es nun für dich festzulegen, was dein persönlicher Kinderriegel ist. Deine Belohnung sollte realisierbar sein. Such dir etwas aus was bezahlbar, leicht und unproblematisch zu bekommen ist. Der Kinderriegel ist eigentlich nicht ideal, denn selbst wenn du ihn liebst, ist es sicherlich nicht sinnvoll, wenn du – wie beim Kochen – fast täglich diese Belohnung brauchst. Mein persönlicher Kinderriegel ist es Hörbuch zu hören. Ich liebe es und habe es mir vor Jahren mühsam abgewöhnt, da ich ein richtiger Junkie geworden war und jede Nacht zu wenig Schlaf bekam, da ich nie  ein Ende finden konnte.

Halte deine Belohnung exklusiv

Deshalb erlaube ich es mir als persönliche Belohnung, wenn ich nun koche, Hörbuch zu hören. Und zwar nur dann.  Und zwar unabhängig davon wie sehr ich es mir wünsche die Geschichte weiter zu hören. Wichtig ist, dass du dir die Belohnung wirklich nur dann gönnst, wenn du genau diese Aufgabe erledigt. Du darfst die Belohnung nicht verwässern, sondern musst sie exklusiv halten.

Das hat zwei Effekte. Zum einen bin ich während des Kochens abgelenkt und denke nicht ununterbrochen darüber nach, wie wenig ich es mag. Ich bin ganz in der Geschichte des Hörbuchs und erledige meine Aufgabe fast mechanisch. Zum anderen entwickle ich positive Gefühle zum Kochvorgang. Denn ich weiß, dass ich dieses schöne Gefühl – meine persönliche  Belohnung  – wirklich nur dann bekomme.

Lass eine Gewohnheit daraus werden

Wenn du diese Vorgehensweise über eine gewisse Zeit anwendest, wirst du merken, wie die negativen Gefühle, die du während der für dich unangenehmen Tätigkeit hattest, langsam geringer und weniger dominant werden. Dir wird es gelingen diese Aufgabe leichter anzugehen und sie zurechtzustutzen auf eine Sache, die erledigt werden muss.

Der Vorteil ist außerdem, dass du aus der Spirale der negativen Gefühle herauskommt. Du wirst idealerweise dabei sogar positive Gefühle entwickeln, da deine Fokussierung mehr auf die Belohnung als auf die Erledigung der Sache selbst gerichtet ist.

Mind the gap

Natürlich gibt es ein Aber. Du solltest dir bewusst sein, dass du eine Technik anwendest mit der du deine eigentlichen Gefühle überlistet. Du erlernst also nicht etwas im klassischen Sinne oder motivierst dich nicht. Tatsächlich überlistet du dich selbst mit Tricks dazu, etwas zu tun, was du eigentlich nicht möchtest. Eigentlich widerspricht diese Vorgehensweise genau dem, was gut für dich ist. Normalerweise geht es hier im Blog darum, dich zu unterstützen, wie du erkennst was du liebst und dies auch zu leben. Du solltest dir deshalb bewusst sein, dass du dich – wenn auch freiwillig – manipulierst. Du veränderst also deine natürliche Reaktion.

Deshalb solltest du diese Technik nicht wahllos anwenden, um dich zu einer Vielzahl von Aktivitäten zu zwingen, die dir nicht wirklich wichtig sind. Schau erst mal, ob du die leidliche Aufgabe überhaupt erledigen musst. Vielleicht gäbe es die Möglichkeit diese Arbeit zu delegieren. Möglicherweise ist die Erledigung der Aufgabe auch überhaupt nicht notwendig und du kannst sie ganz fallenlassen. Wenn du aber nach dieser kritischen Betrachtung zu dem Ergebnis kommst, dass du diese Aufgabe erledigen musst und dass das auch grundsätzlich okay für dich ist, kannst du diese Hürde mit deinem persönlichen  Kinderriegel leichter nehmen.

Ich koche zwar immer noch nicht gerne, aber es ist leichter. Mit der Anwendung dieses simplen Tricks kannst du dich darauf trainieren, eine ungeliebte aber notwendige Tätigkeit leichter zu erledigen. Was ist deine unangenehme Aufgabe, die du in Zukunft  mit dem Kinderriegel Prinzip leichter erledigen möchtest?

Deine

 

Claudia

 

 

 

2 Comments

  1. Hallo Claudia,
    wie wahr. Bei mir ist der Kinderriegel ebenfalls Hörbücher. Ich liebe Kochen, aber ich hasse Bügeln. Folglich wird beim Bügeln gehört. Das hat auch den Vorteil, dass ich beim Hören nicht einschlafe. Was sonst nämlich nach spätestens einer Viertelstunde passiert. 😀
    Danke für den schönen Artikel!
    Birgit

    1. Liebe Birgit,
      es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt. Danke. Das Einschlafen beim Hörbuchhören ist mir auch schon oft passiert. Es ist schon faszinierend, wie man sich selbst programmieren kann.
      Liebe Grüße

      Claudia