Nur einer kann das letzte Stück Pizza bekommen.

Nein, du sollst kein egoistischer Egomane werden. Aber du solltest aufhören, immerzu so lieb, so nett, so höflich, so verdammt kontrolliert und so emphatisch zu sein.

Nein, ich meine nicht, dass du total und komplett und allumfassend unfreundlich, gemein und rücksichtslos werden sollst. Doch du solltest die Bitch in dir zum Leben erwecken. Ihr ein wenig Atem einhauchen, pulsierende Lebenskraft, überbordende Energie.

Nein, nicht immer. Aber auch. Bitches haben ein paar Sachen drauf, die den Uneingeweihten sehr schwer fallen. Bitches sagen Sachen, die unhöflich sind.

Nein, du musst keine böse, gemeine, rücksichtslose Hexe werden, um deine Ziele erfolgreich zu erreichen. Denn du bist ganz wunderbar, so warmherzig und liebevoll wie du bist. Aber es gibt ein paar klebrig-süße, weiblich-verklärte Softskills, die dich dabei massiv behindern, dass du das bekommst, was du dir wünschst. Die es dir unnötig schwer machen.

Bitches kennen ein paar smarte Abkürzungen. Sie haben ein paar Tricks drauf. Eigentlich ist es ganz einfach. Wie bei einem One-Pot-Gericht: sie schmeißen ein paar leckere Sachen in den Topf, sie lassen die Sachen weg, die nicht schmecken, ein bisschen Würze, Feuer aufdrehen und go!

Deshalb teile ich mit dir mein Erfolgs-Manifest einer Bitch. In einer kleinen Serie verrate ich dir meine Hacks, die ich  von Bitches gelernt habe. Und weißt du was? Manchmal sind mein Bitches-Ikonen weiblich, manchmal männlich, manchmal sind es Kinder und gelegentlich ist es das Leben selbst.

Fünf Fähigkeiten, die dich deinem Traum, glücklich und erfolgreich zu sein, einen großen Schritt näher bringen. Fünf Folgen einer Mini-Serie.

Den Start macht die Fähigkeit, kindisch-stur und ohne jede Vernunft für seine Wünsche einzustehen – wenn es nicht anders geht.

Anna hatte das Gefühl in einer Endlosschleife festzustecken. Das Murmeltier grüßte täglich und sie fand sich wieder, schon wieder, in der bekannten Situation: Reihe 7 im Flieger, verhasster Mittelplatz, eingepfercht zwischen ihrem Mann zur Rechten (natürlich hatte er den Gangplatz) und einem fremden Mann zur Linken. Sie versuchte sich zu entspannen, nahm ihr Buch, lehnte sich zurück und schob die Ellenbogen in Richtung Armlehnen.

Beide besetzt. Auf beiden Lehnen lagen entspannt abgelegt, in feinen Zwirn gehüllt, zwei Männer-Ellenbogen.

Anna spürte eine leises Grollen aus der Tiefe ihrer Seele. Sie hasste es, keine Armlehne im Flieger zu haben. Sie hasste den Mittelplatz und sie hasste es, wie diese Kerle in aller Selbstverständlich eine Armlehne für ihre anlehnungsbedürftigen rechten und linken Arme in Anspruch genommen hatten.

Und sie hasste es, so zu empfinden. So kindisch. Albern. Konfrontativ.

In gewohnter Manier verkloppte Anna in ihrem Inneren die Kerle, fluchte über den Egoismus von Männern im Allgemeinen und sagte

kein Wort.

Aber dann war da etwas in ihrem Inneren, dass sich unüberhörbar bemerkbar machte. Da war irgendetwas, das raus wollte. Da war gegen jede Vernunft der Wille, diesen total lächerlichen und unnützen Kampf auszufechten.

Okay, zuerst die altbekannten, zaghaften Versuche. Anna drängte ihren Ellenbogen auf die von ihrem Mann besetzte Armlehne, sagte höflich, doch bestimmt, dass sie ihren Arm ablegen wolle. Natürlich kam sofort die Replik, leise und rasch hingemurmelt, irgendwas mit Rücken.

Der erste Instinkt war, es gut sein zu lassen. So wie jedesmal. Sie wollte nicht wegen einer Armlehne streiten. Und wenn er doch Schmerzen hatte. Der Flug dauert ja nicht lange….

„Du ziehst das jetzt durch!“ my inner Bitch

Und bevor Anna wusste, was sie tat, hörte sie sich bitchy wie eine Vorstadt-Rotzgöre mit aufstampfenden Fuß, in unüberhörbarer Lautstärke lamentieren, in einem Ton, der nichts Gutes verhieß, einer Tonlage, die versprach, dass da noch ein paar Pfeile im Köcher sind:

„Aber dann habe ICH ja gar keine Armlehne.“

Ein paar Köpfe drehten sich, es gab ein paar hochgezogene Augenbrauen und wie von Zauberhand wurde eine Armlehne für Anna frei gemacht, selbstverständlich garniert mit ein paar warmen, höflichen und entschuldigenden Worten, dass alles gut sei, so lange sie –  Anna – zufrieden sei. Dass man sich gerne kleinmache, um sie zufriedenzustellen. Von ihrem Mann gab es natürlich keine ganze, freie Armlehne. Aber das war okay, schließlich waren sie verheiratet und so leicht werden die Kämpfe in Beziehungen nicht ausgefochten. Doch auch von ihm gab es eine halbe Lehne, eine Art  Kompromiss, immerhin und ohne Widerworte. Das war okay. Man muss Siege erkennen.

Anna fühlte, wie sich ein breites, selbstzufriedenes Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete, sie hätte vor Freude über ihren kleinen Sieg am liebsten laut gejauchzt. Sie hatte vergessen, wie gut es sich anfühlt, einfach nur seinen Willen durchzusetzen. Gegen jede Vernunft.  Sie lehnte sich , vollkommen entspannt, zurück, okkupierte die 11/2 eroberten Armlehnen und genoss den Flug.

Gefangen im Korsett der Höflichkeit

Annas Kampf betraf nur eine Armlehne. Scheinbar. Doch tatsächlich ging um viel mehr. Worum es ging, was sich in Anna abgespielt hat, war der innere Kampf zwischen ihrer Höflichkeit und ihrem übermächtigen Wunsch etwas zu haben.

Sie wollte etwas. Doch der andere auch. Aber es gibt nur ein letztes Stück Pizza (GNTM lässt grüßen). Entweder du nimmst es oder der andere. Im Kindergarten kennst du noch sehr genau deine Bitch, du bist noch nicht durch die Schule des Lebens, Muttis Ermahnungen, hochgezogene Augenbrauen und Sozialisation gelaufen.

Finger weg. Ich nehme das letzte Stück.

Höflichkeit ist eine feine Sache. Sehr wichtig. Ermöglicht sie uns doch ein Miteinander. Ein Verstehen. Frieden, wo sonst nur Streit wäre.

Doch wie immer macht die Dosis das Gift. Durch evolutionäre Schleifen, biologische Gegebenheiten und zu oft gehörte „Der Klügere gibt nach“, durch das weibliche Ur-Bedürfnis nach Harmonie, ist bei Frauen die Höflichkeit stärker ausprägt. Das Bedürfnis zu kooperieren statt zu konkurrieren. Natürlich sind das Stereotype, von denen es Ausnahmen gibt. Doch das ist jetzt nicht wirklich wichtig. Oder würdest du das hier lesen, wenn es bei dir anders wäre?

Fakt ist, von 10 Frauen würden 9 nicht dreist das letzte Stück Pizza nehmen. Sie würden fragen, anbieten, teilen. Don’t get me wrong. Ich finde das wunderbar. Ich liebe Höflichkeit und glaube die Welt ist ein besserer Ort, wenn wir freundlich und respektvoll miteinander umgehen.

Doch Höflichkeit total und einseitig ist kein Wert, sondern doof. Ich verspreche dir, wenn du im Flieger auf dem  Mittelplatz zwischen zwei Männern sitzt, werden „deine“ Lehnen niemals freibleiben, nur damit du sie in Besitz nehmen kannst, wenn du möchtest. Du bist unter Männern. Du musst versuchen, sie zu verstehen:

„Da ist eine Lehne und die nehme ich mir. Wenn du sie gewollt hättest, hättest du sie dir genommen.“

so lautet das Credo des Mannes. Und deshalb nimmt er sie sich. Er erwartet zurecht, dass wenn du die verdammte Lehne willst, du auch verdammt noch mal etwas dafür tust.

Vergiss jetzt mal  Annas Lehne. Vergiss das letzte Pizzastück. Doch die Regel, die dahinter steht,  ist universell: Wenn du etwas willst, was andere auch wollen, musst du manchmal unhöflich sein. Du musst sagen, was du willst. Du musst dir holen, was du willst und du musst wissen, dass der andere nicht happy darüber ist. Und  du musst es trotzdem machen wollen.

Geknechtet von der Vernunft

Die Ratio, dieses wunderbare Instrument und Organ der größten menschlichen Errungenschaften – ich verehre sie. Immer wieder bin ich fassungslos und begeistert, was der menschliche Geist hervorbringen kann.

Doch ich weiß auch, unsere Vernunft kann auch ein Feind sein. Kann uns im Weg stehen und uns ein Bein stellen.

Anna ist bislang dem Kampf um ihre Armlehne auch wegen ihrer Vernunft aus dem Weg gegangen. Sie wollte nicht kindisch sein, wollte sich nicht in ihre Vorschulzeit zurückversetzt fühlen, wo um jeden Zentimeter Platz auf der Bank in der Aula zwar wortlos, doch umso verbissener, gekämpft wurde. Territorium, dass es zu erobern und dann zu verteidigen galt.

Es war ihr zu blöd, zu kindisch und einfach zu  lächerlich.

Ja, vielleicht genießen wir auch ein kleines wenig dieses Gefühl, zu gut sein für diesen Kampf um Banalitäten, um Kleinigkeiten. Ist es nicht ein klein wenig so, dass wir Frauen uns zurücklehnen und larmoyant über diese Grabenkämpfe der Männer lächeln? Überheblich sagen wir:

„Okay, behalte sie, deine dumme Lehne. Ich habe keine Zeit und keine Lust für so einen Scheiß.“

Selbstzufrieden genießend, dass wir nicht so Instinkt-getrieben unser Territorium verteidigen müssen. Wir kichern zusammen, über das Bedürfnis der Männer zu siegen, den Längsten zu haben. Ist doch egal, macht ihr ruhig. Wir haben das letzte Wort. Immer. Weil wir klüger sind. Und gelassener. Und höflicher.

Doch Fakt ist: Anna war die Höflichste, die Klügste, die Kooperativste.

Doch die Armlehne hatte sie nicht.

Bevor du dein Ziel avisiert, musst du dir die Arena anschauen und die Waffen auswählen. Wie Katniss Everdeen  musst du das Terrain sondieren, die bevorstehenden Schlachten analysieren, dein Ziel definieren und dann Sweetheart, musst du die Waffen auswählen und nicht immer ist Höflichkeit das Mittel der Wahl.

Das hört sich nach Kampf an? Vielleicht. Ein bisschen. Nix Schlimmes. Es wird keine Toten geben.

Getrieben vom Wunsch geliebt zu werden

Eigentlich ist es nur ein Kampf gegen dich selbst. Ein Kampf gegen Muster, die du so verinnerlicht hast, dass du es nicht einmal selbst bemerkst.

Sowas tut man nicht.

Ganz tief drinnen ist die Frage, die Befürchtung, die Angst davor, was die anderen denken könnten. Die Sorge, dass sie dich hassen oder auch einfach nur nicht lieben könnten. Da ist dieser tiefe und unstillbare Wunsch, dass sie dich wirklich gut und schön und großartig finden.

Hast du schon mal drüber nachgedacht, ob der Kerl, der dir im Flieger die Lehne wegnimmt, sich darüber schon jemals Gedanken gemacht hat, wie du ihn findest? Ich weiß es nicht. Ich bin nicht er. Doch ich weiß, dass Frauen ein großes Problem mit Ablehnung haben. Dass da der große Wunsch geliebt zu werden ist. Da ist  das unstillbare Bedürfnis gelobt zu werden für das was wir tun, was wir sind, was wir geben.

Und manchmal glaubst du eben, dass du nicht einmal die Armlehne einfordern darfst, weil dich dann niemand mehr liebt und du dich lächerlich machst.

Ich schwöre dir, du wirst geliebt werden. Ich habe lange mit Anna gesprochen und sie hat mir anvertraut, dass sie den geilsten Flug ihres Lebens hatte, denn ihr Nachbar zur Linken hat nicht einen Moment lang die Lehne zurückerobern wollen, er war ausgesucht höflich und hat sie widerspruchslos als Sieger anerkannt.

Und weißt du was? Beim Rückflug hat Anna, noch bevor sich irgendwer gemütlich einrichten konnte, rechts und links die Armlehnen okkupiert und die neu erlangte Unverschämtheit genossen.

Manchmal musst du kämpfen und manchmal sogar im Schlamm und schmutzig und verschwitzt. Ich verrate dir etwas: Es ist okay. Wenn nicht der Kampf zu deinem Credo, wenn nicht der Egoismus zu deiner zweiten Natur wird.

Take care und sei glücklich und bringe die Bitch in dir zur Welt

 

Deine Claudia

2 Comments

  1. Damit sprichst du bestimmt viele Frauen an liebe Claudia, denn täglich sehe ich die, die sich für andere aufopfern. Ich habe damit vor Jahren aufgehört ;). Ich hatte starke Freundinnen, die mich da durch geleitet haben, die sehr gut für sich einstehen können. Die aber mittlerweile teilweise den Überblick verloren haben und weder sich noch andere mit ihrem Lifestyle glücklich machen. Man muss halt wissen wo man aufhören soll, damit man sich nicht auch auf der anderen Seite verliert.
    Aber im Flieger sitze ich immer am Fenster 😉

    Sending LOVE, Doro

    1. Meine Liebe,

      genau deswegen bist du ein Vorbild für so viele Frauen, denn you have been there und du hast den Weg heraus gefunden. Ich verstehe, was du meinst: Es ist eine Gratwanderung, sich nicht zu verlieren, in dem Bedürfnis für sich einzustehen und dennoch nicht zur egoistischen Hexe zu mutieren.

      Aber you know what: Da sehe ich keine Gefahr bei uns. Und wenn, dann haben wir uns.

      Aber wir sind die Frauen, die lieben. Wir verschwenden keine Energie für’s Hassen, Wütend- und Sauersein.

      Danke für deine lieben Worte und den Fensterplatz für mich zu erobern ist mein Ziel 2017.

      Sei umarmt

      Claudia