Anna, meine süße, liebe, ein  bisschen chaotische, aber immer suchende Anna, ist endlich wieder da und sie kann dir dazu etwas erzählen. Anna ist aktuell in fremden Gefilden unterwegs. Sie arbeitet gemeinsam mit einem Team  an einem absolut innovativen und kreativen Projekt mit. Es geht um das Einkaufserlebnis der digitalen Zukunft. Industrie 4.0. Digitalisierung. Na ja, ist für dich im Detail auch nicht so wichtig. Es geht also um die Optimierung des Einkaufs in der digitalen Welt. Um Vereinfachung. Um Zeitersparnis.

Anna sitzt in diesem dynamischen Team. Sie ist die einzige Frau. Und wie in jedem Team gibt es den Bremser. Den „Ja, aber…“ Kerl. Das Team diskutiert darüber, was sich der Kunde wünscht. Und der Kollege, nennen wir ihn Karl, wendet gegen das innovative, bahnbrechende und zukunftsorientierte Modell ein:

„Aber ich will meine Tomaten beim Einkaufen in die Hand nehmen. Ich will sie riechen. Ich will sie haptisch erleben. Das ist Bestandteil meines Wunsches als Kunde.“

Alle im Meeting – zu 100% Männer bis auf Anna – nickten zustimmend. Ein Mann, der verstand und  empathisch erfasste, was der Kunde im Supermarkt so will. Ja, der Kunde will einkaufen. Mit all seinen Sinnen. Er will wissen, ob die Tomate nach Tomate riecht.

Anna nickte nicht. Anna dachte nach. Anna fragte nach. Oh, Anna du kannst deine Klappe einfach nicht halten. Anna war eine kluge Strategin. Bevor der ahnungslose Karl überhaupt realisierte, was passierte, tappte er in alle Fallen, die Anna charmant lächelnd, auslegte.

„Wer kocht denn bei Ihnen zu Hause?“ – Anna zum ahnungslosen Karl

Karl lächelte. Er liebte es, zu kochen. Every now and then. Besonders an Wochenenden. Also an Wochenenden, wo es passte. Nicht kollidierte mit seinen Terminen. Aber Karl war auch nicht blöd. Er redete sich nichts ein und antwortete wahrheitsgemäß, dass seine Frau in der Regel das Kochen übernehme.

Anna lächelte, wie nur Anna lächeln kann. Sanft wie Mona Lisa. Doch sie hatte schon längst die Beute im Visier. Das ahnungslose Beutetier wußte es nur noch nicht.

„Und wer geht bei Ihnen zu Hause einkaufen?“ – schoß Anna die nächste Frage ab.

Larmoyant lächelnd räumte Karl ein, dass das seine Frau erledige. Er denkt (und sagt natürlich nicht. Er ist ja nicht lebensmüde) schließlich sei er ja der Hauptverdiener der Familie, seine Frau habe einen 20 Stunden-Job. Arbeitsteilung. Diesdas.

Da werden sie abgeschossen, die Fragen, die schon von Anfang an in Annas Kopf Spalier standen. Die Fragen, die sich stellen mussten. Die Fragen, die dennoch nur jemand wie  Anna stellt.

„Warum erzählen Sie mir dann davon, dass Sie die Tomaten haptisch beim Einkauf erleben wollen? Warum reden Sie über etwas, von dem Sie keine Ahnung haben? Warum tun Sie so, als wenn Sie wüssten, wie jemand fühlt, der einkaufen geht?“

Dummer, dummer Karl. Er ist voll in Annas Falle gelaufen. So ein Kluggeschnacke lässt ihm jemand wie Anna nicht durchgehen. Doch auch wenn ich Anna gefeiert habe, als sie mir diese Geschichte erzählte, geht es hier weder um Annas diabolischen Sieg, noch um Karls Waterloo, noch um Einkaufs-Erlebnisse der Zukunft.

Doch aus dieser kleinen Geschichte lässt sich sehr effizientes Bitch-Wissen lernen. Du kannst lernen  die Herren und Damen Krull zu entlarven.

Mach immer den Reality-check

Anna hat dir mit dieser Episode ein fettes Geschenk gemacht. Glaub nicht alles, was dir jemand erzählt. Erlaube es dir, dich zu fragen, ob derjenige Ahnung von dem hat, wovon er spricht. Nicht allein der Fakt, dass dein Gegenüber ein Argument, eine Behauptung oder auch einen vermeintlichen Fakt vorträgt, macht es zur Wahrheit.

Wie oft beobachte ich mich dabei, dass ich das Argument des anderen mit Leben, mit Fakten, mit Zustimmung fülle,  einfach weil ich glauben möchte. Kennst du das?

Vielleicht passt es in dein Weltbild. Dein emotionales Kopfkino startet sofort. Du gleichst deine Erfahrungen ab und füllst den Vortrag des anderen mit Erlebnissen und Emotionen.

Oder aber deine allzeit, höfliche, respektvolle, politisch korrekte Grundhaltung, nötigt es dir ab, das Argument ernst zu nehmen, ohne den Wahrheitsgehalt, die empirische Qualität kritisch zu hinterfragen. Ohne die Motivation deines Gegenübers in Frage zu stellen. Ohne dich selbst zu fragen,

„Weiß Karl überhaupt wovon er spricht?“

Doch genau das solltest du aber tun. Nein, du solltest nicht der Anti-Dreamer werden, der visionslose Checker. Doch dich zu fragen, ob Karl oder Linda oder Peter Pan überhaupt wissen können, was sie als absolute Wahrheit vorbringen, ist mehr als legitim. Das  bringt dir effektive Lebenszeit, die du in nutzlosen Gedankenwirwarr verbringen würdest. Es beendet Diskussionen, die ineffektiv sind und Sweety, es bringt dich auf das Podest, wenn jemand dich zweifellos runterstossen will.

Du kannst es wie Anna zur Virtuosität in dieser Disziplin bringen

„Ich liebe es jemanden beim Lügen zuzuhören, wenn ich die Wahrheit kenne.“

oder du kannst dich einfach fragen, ob jemand schwindelt, um mit etwas davon zu kommen. Und ihm dann leise lächelnd, nicht boshaft, die Hand zur Wahrheit reichen.

Bitch up your life

Soweit Annas Lektion, die doch etwas länger geworden ist, als ich erwartet hatte. Anna, du hast meinen Respekt. Ich hätte mich stundenlang mit dem Klugschnacker Karl auseinandergesetzt.

Noblesse oblige oder der Kluge schweigt

Aber was ist das Learning aus Annas Jagdbeute „Karl“. Soll man nur reden, wovon man Ahnung hat?

Das meine Süße, hast du mehr als verinnerlicht. Du redest nur, wenn du dir sicher bist. Hat du nur einen Zweifel und stellst bloß Thesen auf, räumst du es ein und bittest um Feedback (außer natürlich mit deinem Mann, da geht es schon mal um’s Ganze. Aber das ist ne andere Geschichte).

Du nimmst dein Gegenüber ernst. Hörst dir die Argumente an. Setzt dich auseinander.

Du hältst es vornehm nach Wittgenstein und redest nur, wovon du Ahnung hast. Oder um es drastischer zu sagen: Du hast Dieter Nuhrs Credo verinnerlicht

„Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“

Und genau deshalb stolperst du über die Karls dieser Welt. Die Karls und Karlinnen, die einfach mal etwas behaupten. Die überzeugt sind. Oder auch nicht. die es aber einfach versuchen.

Du bist ihnen ausgeliefert.

Können kommt nicht nur von Wissen

Du fragst dich jetzt vielleicht, ob ich dich dazu anleiten möchte, in Zukunft dummes, unwahres Geschwafel von dir zu geben, nur um deine Ziele zu erreichen. Schließlich ist das hier die Erfolgs-Bitch-Serie.

Nein. Darum geht es nicht.

Aber hast du dich schon mal gefragt, ob alle deine Aussagen verifiziert sein müssen? Warum es dir so unglaublich wichtig ist, nichts Falsches zu behaupten? Warum du dich nicht einfach entspannen kannst und einfach mal eine Thesen-Bombe in die Luft wirfst und schaust, was sich daraus entwickelt?

Wie effektiv kann Empathie Wissen und Erleben ersetzen?

Musst du die Französische Revolution erlebt haben, um eine Haltung dazu zu haben? Ganze Berufsstände von Historikern wären erwerbslos, wenn die tatsächliche Teilnahme an der Brot- und Kuchen-Revolution notwendig wäre, um sich damit auseinanderzusetzen.

Blinde Flecken als Erfolgsfaktor

Das was Karl getan hat und mit ihm ganze Heerscharen, ist das Konzept Ignoranz. Karl hat bewusst ignoriert, dass er nicht weiß, wie jemand empfindet, der täglich einkaufen geht. Stattdessen hat er seine Empathie eingesetzt und sich in diesen Menschen eingefühlt.

Und Karl hat sogar ein gutes Argument in das Meeting eingesetzt, auch wenn er keine Ahnung hatte, wovon er spricht. Aber er hat versucht, es sich vorzustellen.

Was wäre, wenn du dir genau das von Karl abguckst? Du bist eine Frau. Empathie kannst du. Unser genetische immer vorhandener Softskill – sagen alle Karrierebiebeln. So wie wir nicht einparken können, können wir uns stattdessen einfühlen.  Versuche einfach, mal wie Karl etwas zu behaupten. Natürlich kann es dir passieren, dass eine Anna im Meeting sitzt und dich auszählt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass du damit durchkommst, ist sehr viel größer. Denn die meisten von uns sind nicht Anna.

Wenn du mit dem Konzept Ignoranz erfolgreich bist, hast du einen Etappensieg erreicht. Du hast die Chance, das, worum es dir geht, in der nächsten Instanz vorzutragen. Im nächsten Meeting. In der nächsten Diskussion. Genau dort, wo es dir wichtig ist.

Versuch einfach mal den Karl in dir zu wecken und damit durchzukommen. Keine Sorge. Du sollst genauso klug und smart bleiben, wie du bist. Du sollst einfach die verdammte nächste Tür aufmachen, in dem du den charmanten Felix Krull in dir zum Leben erweckst.

Mach dir keine Sorgen. Auf der nächsten Ebene ist Zahltag. Dann musst du liefern. Aber es wäre doch furchtbar schade, wenn du diese Chance nicht mehr bekämst, nur weil Karl a.k.a. Felix Krill sich an dir vorbeigeschummelt hat.

Be great – bleib glücklich

 

Deine Claudia

 

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