Du wärst schon längst auf dem Zenit deines Erfolgs, wenn es diese verdammte Zeit-Kiste nicht gäbe!

Die Zeit, von der einige Oberschlaue (das sind garantiert Singles, ohne Familie, ohne Job, ohne Freunde, ohne Sport, ohne Irgendwas und lügen tun sie auch) sagen, dass sie für alle gleich sei und jeder von uns exakt die gleichen 24 Stunden habe, ist der Killer Nummer 1. Wenn es diese fiese Zeitmisere nicht gäbe, hätte ich mein Buch schon zu Ende geschrieben, hätte ich einen Waschbrettbauch, wäre meine Website schon längst mal wieder up-gedatet und wäre ich mit meiner Mama schon längst in einen Wellnesstempel gegangen.

Doch Anna a.k.a. me, myself and I, weiß, wie es läuft: Eigentlich ist alles perfekt durchorganisiert. Ein langer Tag mit 1.000 Aktionen voller Liebe, Business und auch mit Alltäglichem, wie Spülmaschine ausräumen, neigt sich dem Ende zu. Anna hat noch ein wunderbares Bio-Mais-Hühnchen im Ofen gebraten, hübsch H.A.P.P.Y Challenge mäßig angerichtet, nett geplaudert beim Dinner. Vor dem Yoga hat sie noch das hippe Ofenselbstreinigungsprogramm auf den Weg gebracht, um dann in vollkommener Entspannung ihre Yoga-Session zu absolvieren. Doch dann holt sie das Leben ein: Das Selbstreinigungsprogramm bedeutet dann doch wohl eher, dass sie vor dem Start deselben schon mal  selber putzen soll, was sie nicht getan hat. Leichte Rauchschwaden suchen sich ihren Weg  und der Rauchmelder löst zuverlässig Alarm aus. Der Mann weiß überhaupt nicht, was los ist, der Hund heult  in Panik erbärmlich wie ein Disney-Wolf, dem Mutter, Vater und alle Geschwister in einer Nacht genommen wurden.

Chaos pur.

Anna bricht hektisch ihre Yoga Sitzung ab, ihre Ooom-Entspannung ist dahin und der Puls von gefühlt 22 (gibt es sowas?) auf gefühlt 3.000 (und das gibt es; ich bin mir so sicher),  versucht den heulenden Hund zu beruhigen, dem Mann in kargen Worte zu erklären was los ist und dann  reißt sie hektisch die Terrassentür auf und versucht auf dem Tisch hüpfend an den verdammten Rauchmelder zu kommen und das Ding zum Schweigen zu bringen.

Und ihre Planung und Entspannung ist dahin. Nicht zum ersten Mal.

Zeit ist das Dauerbrenner-Thema, aber für Frauen irgendwie ein bisschen mehr. Liebe Klischee-Polizei, verzeiht mir: Ich weiß, dass es auch Männer gibt, die dieses Problem haben. Und ja, ich weiß auch, dass es Frauen gibt, die diese Zeit-Kiste taff durchziehen. Ersetzt bitte einfach das Geschlecht, so wie es für euch passt. Ich nehme schlichtweg die Regel und nicht die Ausnahme.

Okay, Frauen und Zeit. Also, wir Frauen haben einfach häufiger das Problem unsere Bedürfnisse als Priorität Nummer 1 vor die Bedürfnisse anderer zu setzen. Also in meiner Welt jedenfalls. Und meine Welt ist voll von den talentierstesten, wunderbarsten, klügsten und lustigsten  Frauen ever. Doch alle eint, dass sie etwas (wieder Klischee-Alarm) Mütterliches haben. Dabei ist es vollkommen unwichtig, ob sie Mütter sind, waren oder überhaupt werden wollen. Es geht einfach nur um das, was ich mit mütterlich meine: Eine große, empathische Fähigkeit andere Menschen zu verstehen, abzuholen und zu unterstützen.

Ich weiß nicht, warum man diese Fähigkeiten mit dem Begriff des Mütterlichen verbindet. Ist aber auch wurscht. Wir können auch statistisch an das Thema gehen und dann wird meine These zu 100% bestätigt. Im dieswöchigen Spiegel wird  aufgerollt, wie sehr in Deutschland Frauen noch im Geschlechterklischee feststecken und wie stark das die Karriere und den Erfolg und die Finanzen von Frauen beeinträchtigt.

Und weil sich so viele Frauen mit dem leidigen Thema Zeit  herumschlagen, habe ich meine 10 besten Tipps gegen die Zeitfalle zusammengestellt – bullshit-frei, ohne Klugschnack und alltagserprobt:

Tipp 1 – Easy, aber effektiv: Drei Freunde, das sind wir

Ich überlege mir jeden Tag meine TOP 3. Die Dinge, dir mir wirklich wichtig sind und die ich unbedingt erledigen will. Ich schreibe diese Herzens-Aufgaben am Abend – ganz old-school – per Hand auf ein Blatt Papier und gleiche diese smarten Aufgaben am nächsten Morgen noch mal dahingehend ab, ob irgendein Feintuning notwendig ist (z.B. Kind krank, Kollege krank, Wellensittich tot, usw…) . Und dann GO!

Emails, Telefonate, Outlook-Erinnerungen, usw.. an jedem einzelnen  Tag können (und werden – that’s for sure) alle möglichen TO DO’s runterfallen, aber diese magischen Drei werden erledigt. Das hilft mir besonders, wenn ich eigentlich zu viele To Do’s  auf dem Zettel habe und schon vorher klar ist, dass ich nicht alles erledigen kann. FOKUS hilft immer.

Tipp 2 – Ungewohnt zwar, geht aber doch

Ich mache nicht alles selber. Hört sich ganz klar und einfach an, ist es aber nicht für jeden. Wenn mir jemand etwas abnehmen will, nehme ich einfach an. Gegen meinen ersten Impuls. Gegen den Gedanken, dass der andere Stress haben könnte, sich organisieren oder länger arbeiten muss. Meinem Mutti-Instinkt, der das kaum annehmen kann, verbiete ich den Mund:

„Klappe!“

Oder ich bitte sogar  um Hilfe oder  delegiere – was dann allerdings schon manchmal mit hart unterbundener Schnappatmung verbunden ist. Doch  ich halte es aus. Und ich halte es auch aus, wenn es dann etwas anders läuft, als ich es geplant hatte. Ich halte es auch aus, wenn es nur zögerlich erledigt wird. Und ich falle niemals in die Falle

„Ach, dann mach ich es lieber selbst!“

Das durchzuziehen schaffe ich nicht immer allein. Manchmal sind es die helfenden Hände meiner Töchter oder Freundinnen, die ein Zurückfallen in alte Muster verhindern.

Tipp 3 – Ehrlich, wen interessiert es, wer den Kuchen gebacken hat?

Nicht alles so wichtig nehmen. Es ist nicht relevant, ob der Kuchen am Wochenende gekauft oder von dir selbst gebacken ist.

Check mal vollkommen wertfrei, welche Arbeiten, die du gar nicht magst, du einfach weglassen oder verschlanken kannst. Da verbergen sich riesige, vollkommen unnötige Zeiträuber. Das alles sind Zeitfenster, die du für dich besser nutzen kannst.

Tipp 4 – Manifest gegen permanente Aktion

Tue einfach mal nichts. Nimm dir im  absoluten Chaos 10 Minuten nur für dich. Meditiere. Geh spazieren oder mach Yoga. Mehr dazu kannst du hier lesen.

So bekommst wieder den Fokus und bist überhaupt erst in der Lage, vernünftig zu liefern.

Tipp 5 – Vergiss die klugen Tipps (also außer meine)

Definiere DEINE Prioritäten und schenke genau diesen deine Zeit aus vollem Herzen. Denn die anderen haben keine Ahnung davon, was dir wichtig ist und was für dich Erfolg und Glück bedeutet. So habe ich kürzlich auf einer Seite für männliche Freiberufler den Tipp gelesen, dass sie ihrer Familie verbieten sollten, in den  definierten Ruhezeiten das Arbeitszimmer zu betreten.

In einem Bericht für weibliche Unternehmerinnen stand hingegen, dass sie der Familie immer Prio vor dem Job einräumen sollten.

Lösung: Die Wahrheit kennst nur du. Und wenn du  genau auf dein Herz hörst, machst du es richtig.

Tipp 6 – Einen Scheiß muss ich

Ich arbeite konsequent daran,  die Worte „Ich muss“ aus meinem Wortschatz zu streichen.

Wie meine liebste Accounty-Dingens-Partnerin Christina Baier zu sagen pflegt:

„Einen Scheiß muss ich.“

Hinter diesem Satz steckt eine große Wahrheit. Wie oft verstecken wir uns hinter dem, was wir vermeintlich müssen, um dem, was wir wollen, nicht oberste Priorität einzuräumen? Ich ertappe mich dabei ständig. Die Worte „ich muss…“ strömen wie selbstverständlich aus meinem Mund und nehmen mir vermeintlich die Entscheidungsmöglichkeit über meine Zeit.

Doch mit dieser bittersüßen Formulierung delegieren wir die Verantwortung und kuscheln uns in die Opfer-Ecke. Einen Scheiß musst du. Streich „ich muss“ rigeros aus deinem Vokabular und entscheide dich bewusst: Ich möchte meinen Sohn vom Fußball abholen, ich will diese Auswertung nochmal durchgehen, ich möchte mit dem Hund Gassi gehen, ich möchte erst die Wäsche waschen, bevor ich diesdas mache. Du triffst die Entscheidung. Nicht immer voller Liebe. Aber immer in voller Verantwortung. Und das Süße, gibt dir echte Zeit-Hoheit. Denn du kannst selbstverständlich auch sagen:

„Nein, ich möchte nicht kochen. Ich möchte erst dieses Angebot zu Ende schreiben.“

Indem du jeden Tag auf’s Neue daran arbeitest „ich muss“  zu canceln, erlangst du immer mehr Hoheit über deine Zeit – und ja,  dieses klebrige „ich muss“ rutscht mir auch ständig heraus. Gerade deshalb arbeite ich umso härter daran, diesen fiesen, unerwünschten Bewohner „ich muss“  aus meiner Hütte zu schmeißen – egal wie oft ich drüber stolpere.

Tipp 7 – Routine versus Abenteuer light

Routine wird eigentlich als hoch effektives Time-Tool gehandelt. Das ist auch bis zu einem gewissen Grad richtig, doch irgendwann hast du so viele Rituale, dass du für die Erledigung aller den ganzen Tag brauchst und abends das Gefühl hast, überhaupt nicht zu deinen Sachen gekommen zu sein. Die Quintessenz ist, dass  Routine allein  nicht immer hilft.

Ich versuche deshalb stattdessen  gelegentlich etwas Neues zu machen. Es ist egal, was das ist. Lad den Strassenmusikanten zu euch zum Dinner ein. Färbe dir die Haare grün. Sag einen Tag lang nur 100% die Wahrheit.

Okay, so krass muss es nicht sein. Manchmal reicht es schon, dass du einfach einen anderen Weg ins Office fährst. Spontan im Café frühstückst. Oder Killer Heels trägst, wenn du sonst eher zur Sneakers Fraktion gehörst.

Gewinnst du damit wirklich Zeit? Nicht unbedingt. Aber dein Gefühl zu deiner Zeit-Hoheit verändert sich. Du erkennst, dass du die Königin deiner Zeit bist.

Top 8 – Dreimal ist Bremer Recht

Einer meiner Lieblings-Tricks. Ich bin darin zwar noch keine Expertin, aber ich arbeite daran – weil es sich lohnt.

Ich sage dreimal nein, bevor ich einmal ja sage. Sounds stupid? Ja, vielleicht, aber für mich funktioniert es. Wenn es dir so geht wie mir, prasseln täglich zahllose Bitten auf dich ein: „Kannst du das mal quer lesen?“, „Kannst du das Geschenk besorgen?“, „Würdest du bitte xy anrufen?“. Ich sage gern und ich sage oft ja. That’s me.

Doch ich weiß auch, dass ich meine Zeit will. Für mich, für meine Projekte, für meine Ziele. Darum verteile ich „Neins“. Das fällt mir schwer. Manchmal verschlucke ich mich fast daran. Aber ich ziehe es durch.

Und neben der Zeit, die ich dadurch gewinne, mache ich manchmal sogar andere Menschen happy, die sich freuen endlich einmal mir etwas geben zu können.

TOP 9 – Verordne dir nicht die Kreuzigung

Jeder, wirklich jeder Time-Hacker verordnet dir eine Email und Social Media Diät:  Mails & Co nur once or twice a day, Apps löschen, Emails erst ab Mittag checken. Alles kluge Tipps. Die kann ich dir weiter empfehlen. Wenn du sie durchziehst – konsequent – wirst du richtig Zeit für dich gewinnen.

Aber hier geht es um meine besten Tipps und zwar bullshit-frei. Da ich genau diesen wirklich super guten Tipp selbst nicht hinbekomme, will ich dich auch nicht verscheißern und dir Wasser predigen, während ich Wein trinke.

Was für mich jedoch funktionieret, ist, jeden Tag bewusst zu entscheiden, wie ich meinen Social Media Tag und Email Tag  heute gestalte. Passt ein Intervall? Alle 3 Stunden, eine 5 Minuten Pause jede Stunde oder gibt’s zwischen 9.00 und 16:00 ne Null Diät und danach freien Konsum? Ich überlege mir jeden Tag, welches meine Tagesziele sind und wie Email & Co dazu passen und ich erlaube mir dann genau das, was dazu passt.

Meine bester  Weg ist also mich zu fragen: Was bringt mich heute genau dahin, wo ich hinwill? Was macht mich glücklich ? Und was bringt mir meinen Erfolg? Und genau das erlaube ich mir dann.

Diese Flexibilität  bringt mir  richtig viel Zeit.

Top 10 – Make it or shake it

Wenn mich Aufgaben erreichen, die wahnsinnig schnell und easy von mir und zwar in weniger als fünf Minuten zu erledigen sind, dann mache ich sie direkt und auch selber. Denn sie zu delegieren oder auch nur zu terminieren, würde mich mehr als fünf Minuten kosten und deshalb ist done in diesem Fall besser als schieben.

Top 11 – Darf’s vielleicht 100g sein?

Die meisten meiner Aufgaben, die ich dauerhaft und anhaltend und zu meinen wirklichen Seelenschmerz permanent aufschiebe, sind mega Aufgaben. Aufgaben, die so groß sind, dass ich gleich die ganze Welt retten könnte. Na ja, ein bisschen übertreibe ich, aber ein Buch ist nicht so schnell geschrieben, eine neue Website nicht mal eben konzipiert und eine neue Marketing Strategie nicht aus der Hüfte geschossen. Das sind Mammut-Projekte.

Mein Mega-Tipp für Mega-Aufgaben ist unschlagbar für mich: Hau das verdammte Ding kaputt. Zerschlag es. Mach draus ein 10.000 Teile Puzzle. Nicht eines, dass du mal eben erledigt, sondern eines, das du auf einem separaten Tisch in  mehreren gemütlichen Abenden zusammensetzt. An diesen kuscheligen und fokussierten Abenden machst du vielleicht jeweils  100 Teile, möglicherweise auch weniger. Du machst einfach so viele, wie es zu deinem Tag passt.

Genauso kannst du es mit deiner Mega-Aufgabe machen. Nimm z.B. die neue Webseite: Schreib heute die Texte für die „Produkte“-Seite und in einer Woche machst du die „Services“-Seite. Mach einfach deinen persönlichen Himalaja-Trip  machbar, in dem du 100 kleine Anstiege draus machst.

Probiere doch mal einen Tipp aus und lass mich wissen, ob es bei dir auch funktioniert. Was ist dein   Trick für DEINE  Zeit?

Und jetzt wünsche ich dir ein ganz wunderbares Wochenende, an dem du die Zeit einfach fließen lassen und das Leben genießen kannst.

Take care und bleib glücklich

 

Deine Claudia

2 Comments

  1. An deinen Tipps ist was dran! Ich werde sie mir mal näher anschauen, denn das ist wirklich ein kollektives Frauenproblem. Ist einfach so, wir sind so gestrickt. Die einen mehr, die anderen weniger. Ganz abstellen werden wir es nicht, das wäre so, als würde man einem Hund das Bellen verbieten ;). Aber wir können lernen, uns aufzuopfern, danke Süsse!

    1. Ja Süße, genauso ist es: Das Bellen können wir dem Hund nicht verbieten (herrliches Bild), aber wir können ihm beibringen, dass er warten muss.

      Und das ist schon ein harter Job für so Geber-Frauen wie uns. Aber es lohnt sich genau deshalb dranzubleiben. Denn jedes „nein“, dass wir anderen geben, ist ein „ja“ für uns selbst. Ich freue mich immer wie verrückt, wenn ich es mal durchziehe.

      Yours

      Claudia