Manche Mythen halten sich hartnäckig. Zu den sagenumwobenen, hochgepriesenen Mythen gehört das Hohelied auf die Fähigkeit sich anzupassen.

Ganze Karrierefibeln und -Bibeln stimmen in den Lobgesang ein.  Anpassungsfähigkeit wird als DIE Key-Kompetenz für andauernden Erfolg, hohe Zufriedenheit, immerwährende Liebe und ungeheure Teamfähigkeit gepriesen.

Was hat es eigentlich mit dieser Schlüsselkompetenz auf sich? Bist du wirklich verloren, wenn du dich mal nicht anpassen willst? Und warum verdammt noch mal, wird diese süße kleine Nettigkeit wie selbstverständlich uns Frauen als qua Geburt mitgegeben vorausgesetzt?

Von der Kraft des biegsamen Bambus

Ganz selbstverständlich und voller Stolz nehmen wir unsere Fähigkeit zur Anpassung hin und schulen diese Fähigkeit und optimieren sie, wann immer es geht.

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber Anna ist davon überzeugt, dass genau diese Fähigkeit das Geheimnis ihres Erfolges ist. In jeder Hinsicht – beruflich und privat. Biegsam wie ein Bambus im Wind nimmt sie die Schwingungen der Umwelt aus, wiegt sich im lauen Lüftchen des Frühlings. Im böigen Herbststurm muss sie schon mal ganz ordentlich auch nach rechts oder links zum Boden oder nach oben hin ausgleichen. Doch immer bleibt sie bei sich. Bleibt immer ganz sie selbst. Sie kämpft nicht gegen den Sturm, sie wird seine Gefährtin. Macht, was immer notwendig ist. Nimmt die Kraft des Angriffs auf, geht mit ihm, wandelt ihn um in ihre Energie. Verwandelt sie in Kraft.

Doch anders als andere verschleißt sie sich nicht im Kampf gegen etwas. Sie nimmt die Kraft des Angreifenden auf. Gibt sich der Kraft hin. Folgt der Energiewelle. Und so wie Wellen im Meer, die langsam ausrollen und so  immer mehr an Kraft verlieren, bis sie schließlich ganz sanft deine Füße umspülen, übersteht Anna Angriffe von außen.

Mit dieser Methode nimmt Anna wirkungsvoll erbosten Kunden, aggressiven Konkurrenten, übergriffigen Freunden und nervigen Kindern die Kraft von heftigen und negativen Emotionen. Ohne einzusteigen in die nichtendende Spirale von Angriff und Verteidigung, Erwiderung und Replik bleibt Anna gelassen, ausgleichend, lösungsorientiert und halbwegs entspannt. Na ja, entspannt ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Doch sie hat es in dieser Fähigkeit zu so einer Virtuosität  geschafft, dass sie ihre eigenen widerstreitenden Gefühle wie Wut, Angriff und puren, reinen Ärger kontrollieren kann.

Fast schon meditationsartig. Mantragleich.

„Ich lasse mich nicht provozieren. Ich nehme den Angriff nicht auf.“

Anna weiß, dass sie durch das jahrelange Training in dieser Fähigkeit gelassen zu bleiben und sich anzupassen, anderen genau den einen Schritt voraus ist. Hinter ihr bleiben Konkurrenten zurück. Zerschunden vom Kampf. Aufgerieben bei der Durchsetzung ihrer Ziele, Träume und Wünsche.

Zufrieden steht sie da. Kein Schweißtröpfchen auf der Stirn. Regungslos, freundlich und zugewandt. Ruhig, ganz bei sich. Unzählige, gänzlich blutfreie Kämpfe hat sie so gewonnen, ganze Schlachten überstanden.

Was zur Hölle soll falsch dabei sein?

Das Dreamteam: Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

Daran ist nichts falsch, liebste, süße Anna.

Ganze Herrscharen von Personalern würde Menschen wie Anna mit Kusshand in ihr Team aufnehmen. Familienstreitigkeiten würden ins Leere laufen und unnütze, rein destruktive  Streitigkeiten würden vermieden werden, wenn Menschen, die wie Anna die Fähigkeit zur Flexibilität und zur Anpassungsfähigkeit haben, ins Boot geholt würden.

Eine Welt, die sich immer schneller dreht, in der die Anforderungen immer komplexer werden, in der das, was heute richtig war, morgen schon falsch ist, ist Anpassungsfähigkeit bahnbrechend, lösungsorientiert und im Team unerläßlich.

Anpassungsfähigkeit ist die Fähigkeit, sich auf neue und unbekannte und manchmal auch unbequeme Situationen einzustellen. Während andere noch den Verlust des Gestern beklagen, ist der Anpassungsfähige schon wach und präsent dabei das Jetzt zu scannen, einzuschätzen und dabei die nächsten notwendigen Schritte zu planen.

Ja, es ist richtig: Die Fähigkeit sich anzupassen, ist eine ganz besondere, erfolgs- und lösungsorientierte Fähigkeit, die dich entscheidend voranbringen kann.

Der Teufel steckt immer im Detail

Deine primäre Aufgabe ist es nicht,  Konflikte zu lösen, Disharmonien aufzufangen , dich ihnen hinzugeben, sie auszugleichen und in leichte Brisen aufzulösen. Es ist auch nicht vordergründig dein Ziel dich bambusgleich den Stürmen des Lebens hinzugeben, dich zu wiegen, ohne zu brechen, um sanft zum Ziel zu gelangen.

Deine primäre Aufgabe ist es das Richtige zu tun. Das Richtige für dich.

Das hört sich ziemlich egoistisch an für dich? Ist es auch. Aber genau dann, wenn du das tust, was das Richtige für DICH ist, bist du in der Lage, das Beste, was zu bieten hast, in diese Welt zu bringen.

Es ist sinnlos, wenn du deine Kraft immerzu darauf verschwendest, stets  das probate Mittel zur angepassten Zeit einzusetzen, um über Höxen und Stöckchen zum Ziel zu gelangen. Immer darauf bedacht, der Bambus zu sein und nicht die Eiche. Ein Verbiegen dieser Art ist überflüssig, kräftezehrend und sinnlos, wenn es zum Selbstzweck wird.

Es geht also um mehr als darum  der biegsame Bambus oder die eiserne Eiche zu sein.

Es geht darum, DU  zu sein.

Eine der tragischsten Fehlinterpretation

Don’t get me wrong: Anpassungsfähigkeit ist eine sehr coole Kompetenz, aber sie sollte nicht zum Selbstzweck werden und du  musst sie an der Longe führen, musst die Zügel unter Kontrolle halten und jederzeit der Boss bleiben. Nimm das Bild, das für dich passt. Nur die Botschaft zählt. Wichtig ist, lass diese sexy Lady der Anpassungsfähigkeit nicht die Bühne dominieren.

Denn das verlockende Bild des Bambus hat seine Tücken. Wird fälschlicherweise herangezogen. Fehlinterpretiert. So wie auch dieses Zitat:

„Empty your mind, be formless, shapeless. You put water in a cup, it becomes the cup, you put water into a bottle it becomes the bottle, you put it in a teapot it becomes the teapot. Water can flow or it can crash. Be water, my friend.“ – Bruce Lee

Unisono wird die Fähigkeit anpassungsfähig WIE Wasser zu sein, als die Kunst propagiert, die es zu perfektionieren gilt. Überhole deine Konkurrenz, indem du dich der Situation anpasst, widerstandslos bist, keine Reibungsflächen bietest.

„Sei wie Wasser…“

BULLSHIT.

Es geht in diesem Zitat und bei der Erreichung deiner Ziele nicht darum WIE Wasser zu sein. Die Botschaft ist:

„Be water, my friend.“ – Bruce Lee

Sei das WASSER . Finde die Ruhe und Kraft in dir. Schau in dich hinein. Realisiere, was da wirklich ist.

Sehe dich. In deiner Ganzheit. Das Schöne und das weniger Schöne. Das Leichte und das Schwere. Und akzeptiere dich. Ohne Widerspruch. Sei ganz still und bewertungslos. Wie Wasser eben.

Mach was draus, Honey. Ich weiß du kannst es!

Es ist nicht dein Job, dich fortwährend zu wiegen, anzupassen, zu genügen und alles in der Hoffung, dass du irgendwann das bekommst , was du dir so sehr wünschst.

Die Wahrheit ist: Wenn du dich doch noch so sehr anpasst, der perfekte, immer biegsame nie zerbrechende Bambus bist, dein Ziel bekommst du nicht serviert.

Doch wenn dein Moment kommt, wo du Farbe bekennen musst, dann ist deine Key-Kompetenz eben nicht mehr deine Anpassungsfähigkeit, sondern deine Fähigkeit den Schlag ins Gesicht auszuhalten.

Und dann musst du, ganz klar, ganz eindeutig, voller Überzeugung und mit deiner ganzen Kraft zum Gegenschlag auszuholen. Dann musst du dem Sturm eins überziehen:

Eindeutig, blitzschnell und schmerzhaft.

Danach kannst du die Haare richten, die Lippen nachziehen und deinem Widersacher sehr anpassungsfähig und nonchalant den kontrollierten Rückzug gewähren. Denn diesen lauten Moment, den brauchst du nicht. Denn du hast, was du wollest:

Du hast dein Ziel erreicht.

Ich hoffe, dieser kämpferische und zutiefst positiv und motivierend gemeinte und auch sehr weibliche Schlachtruf hat dich motiviert, im neuen Jahr für deine Ziele zu gehen. Auf deine Art – souverän, fokussiert, verletzlich und unendlich stark!

Es wird ein großartiges Jahr!

Take care und bleib glücklich

 

Deine Claudia

6 Comments

  1. Juchu, schöner Artikel, vor allem die letzten Absätze 😀 <3
    Danke für deine immer wieder erfrischenden Ansätze, liebe Claudia!
    "Denn diesen lauten Moment, den brauchst du nicht. Denn du hast, was du wollest."
    Yes! Ein Hoch auf Anpassungsfähigkeit, Biegsamkeit, Flexibilität und Empathie. Und zur rechten Zeit für genau Deins einstehen, punktuell, mit totaler Zielkraft und Präzision. Und dann wieder weiterschwingen 🙂

    Alles Liebe und vielen Dank
    Lydia

    1. Liebe Lydia,

      yes, wie schön, dass mein Post genauso bei dir angekommen ist: Anpassungsfähigkeit ist eine tolle Kompetenz. Ja ABER nur wenn die Balance stimmt.

      Es freut mich unbändig, dass dich mein Artikel erfrischt. Denn das möchte ich: anregen, inspirieren, erfrischen, den Tag netter machen. Ich danke dir.

      Ich liebe übrigens deine Formulierung und schwinge deshalb mit dir weiter.

      Hab einen großartigen Abend

      Claudia

  2. LIKE A NINJA!!! Ganz hervorragend liebe Claudia. Dem Sturm eins überziehen. Biegsam bleiben aber dennoch bei sich bleiben. Energie umwandeln. Sich nicht verwundbar machen. Die nächsten Schritte überlegen, während andere ihre Wunde lecken und jammern. Genau so verstehe ich Anpassungsfähigkeit. Schade, das genau dies gerade so oft fehlinterpretiert wird, beziehungsweise gleichgesetzt wird mit neutralem Verhalten, nur nicht anecken, bloß mit der eigenen Meinung hinter dem Berg halten. Das lässt sich doch eleganter regeln. Eben genau so, wie Du es so wunderbar umschreibst. Ich liebe Deine Art Dich auszudrücken und den Dingen den Interpretationsraum zu gewähren. Herzlichst Elke (Lilli)

    1. Ach Lilli,

      und ich liebe deine Kommentare 😉

      Du bist genau die, die weiß, wie es geht. Die metaphorische Faust auf den Tisch, wenn es sein muss und die Macht des flexiblen Bambus erkennen und nutzen. Und NIEMALS dauerhaft beides zu verwechseln. Denn das ist die Key-Kompetenz: Zu erkennen, wenn du Lady-Hammerhart sein musst und wann du butterweich und emphatisch besser deine Ziel erreichst. Und zwar ohne dich selbst zu verlieren.

      Ach was soll ich sagen: Du hast es perfekt beschrieben in deinem Kommentar, der – wie alle deine Kommentare – meinen Blog bereichert.

      Liebste Grüße

      Claudia