SEteintürme

Foto ©Silvia Voigt

Wir starren auf die Anzeigetafel des Fahrstuhls und sind fassungslos, dass sich nichts tut.

Ich stehe mit meiner Tochter im Fahrstuhl des Hotels und wir reden und plappern und lachen. Der Fahrstuhl steht still. Es dauert lange. Sehr lange,  bis wir es überhaupt bemerken. Wir tauschen Blicke und wortlos verstehen wir, dass keiner von uns den Fahrstuhlknopf gedrückt hat.

Nicht meine Verantwortung.

Komplette Entspannung. Verloren im Moment.

Leichtigkeit.

Mit  einem explodierenden Lachen beugt sich einer von uns vor und drückt den magischen Knopf, der  den Fahrstuhl bewegt.

Fast fragen wir uns, warum der Fernzauber versagt hat, der sich doch um diese leidige Aufgabe kümmern sollte?

#notmyjob

Eine banale Episode anläßlich eines grandiosen, unbeschwerten, super-leichten Mommy-daughter- Wochenendes, dass ich kürzlich mit meiner jüngsten Tochter im zauberhaften Braunschweig  verbracht habe. Eine Episode, die sich zahllose Male an diesem Weekend wiederholt hat.

Doch die Episode ist nur scheinbar banal. Tatsächlich zeigt sie etwas auf, was dir unglaublich schmerzhaft in deinem Leben fehlt:

Komplette Leichtigkeit

In diesem Moment ist etwas passiert, was sehr selten Raum findet. Ganz im Moment sein, sich nicht verantwortlich fühlen, nicht planen, nicht überlegen, nicht den nächsten Schritt planen.

Wir standen im Fahrstuhl und waren ausschließlich  in der Gegenwart. Im Moment. Es gab kein gestern, es gab kein morgen. Es gab nicht einmal die nächste halbe Stunde. Es gab nur das lustige oder spannende oder auch das traurige Gespräch des Moments mit all seinen Gefühlen, seiner Empathie, seiner Trauer oder seinem Lachen.

Wir haben alles los gelassen. Soll sich doch die verdammte Fee darum kümmern, dass der Fahrstuhl fährt. Wir waren Königinnen, die nicht einmal ein Bewusstsein dafür hatten, dass sie zuständig sein könnten.

Wir waren vollkommen im Moment. Leicht wie eine Feder, ohne jedes Gewicht. Vogelfrei.

Dieses Gefühl der Leichtigkeit ist in unser  aller Leben viel zu selten. Wann warst du das letzte Mal komplett im Moment?

Wirklich, wirklich nur im Moment? In diesem Moment.

Ohne zu planen? Ohne den nächsten Schritt im Kopf? Nicht der Job am nächsten Tag? Nicht im Gedanken dabei, rechtzeitig nach Hause kommen, weil du deinen Mann bei den Kindern ablösen musst? Nicht beim nächsten Tag und dem Einkauf für den Grillabend am Wochenende? Nicht am nächsten Tag bei dem Kunden, der so enorm anstrengend ist?

Wann hast du das letzte Mal so los gelassen, dass du im Fahrstuhl innerlich überzeugt warst und zwar ohne es bewusst zu entscheiden, dass es nicht deine Aufgabe ist, sich um so etwas zu kümmern? Peter Pan, Wendy oder Tinkerbell wird es schon richten. Nicht dein Job.

Bei mir ist es lange, lange her und es geschieht sehr selten. Ich bin immer total im Jetzt, aber nebenbei mache ich das Morgen klar. Ach ja, und über das Gestern muss ich auch sehr viel nachdenken.

Aber genau diese Fähigkeit  den Alltag loszulassen, die Macht seiner Gedanken, Sorgen und Befürchtungen beiseite zu schieben und den schönen Moment in voller Fülle zu genießen, ist eine Fähigkeit, die du brauchst, um dein volles Potential auszuschöpfen und dich komplett wohl zu fühlen. Leichtigkeit erreichst du erst in dem Moment, wenn du die Verantwortung loslässt. Und die negativen Gedanken beiseite schieben kannst.

Was ist eigentlich der Grund, dass es uns  so schwer fällt komplett in den Moment einzutauchen? Warum können wir nicht loslassen, die Kontrolle und die Verantwortung abgeben und einfach geschehen lassen? Wo wir alle es uns doch so sehnsüchtig wünschen? Wir wünschen uns so sehr nicht an die Sorgen, das Schwere, die Ängste zu denken. Wir wünschen es uns so sehr in den Moment einzutauchen.

Ich mache, dass morgen gut ist

Die Angst vor der Zukunft und die Sucht, diese zu kontrollieren, ist in dir als modernem Menschen mit Widerhaken verankert. Lässt sich nicht rausreißen.

Die Angst vor der Schwere dessen, was passieren könnte und die Sehnsucht durch Kontrolle genau diese Faktoren kontrollieren zu können, ist enorm schwer loszulassen. Die Fähigkeit zu akzeptieren, dass du das Morgen nicht kontrollieren kannst, ist unterentwickelt.

Das Gefühl durch absolute Kontrolle nicht in die Opferrolle zu kommen, sondern jederzeit alles unter Kontrolle zu haben , ist übermächtig.

Doch es geht nicht darum leichtfertig zu sein oder das Leben auf die leichte Schulter zu nehmen. Sondern es geht darum ein selbstbestimmtes und glückliches Leben zu leben, dessen eigener Gestalter du bist.

Durch das unaufhörliche Schauen in die  Zukunft, das Ausmalen der Risiken, das förmliche Fühlen der Katastrophen sind wir immer mehr im Morgen als überhaupt auch nur für einen Moment im Moment.

„Die Quelle der Angst liegt in der Zukunft, und wer von der Zukunft befreit ist, hat nichts zu befürchten.“ – Milan Kundera, Die Langsamkeit

Ganz genau HIER ist das Gras am grünsten

Stell dir vor, dass du das Morgen vergisst. Du wärst nur in genau diesem Moment. Es gibt so viele magische Momente, die so federleicht und zart und gar nicht schwer sind. Du musst sie gar nicht lange suchen.

Ein herzhaftes Lachen mit Freunden.

Der atemberaubende Kuss deines Liebsten.

Das fesselnde Buch.

In diesen Momenten hast du keine Verantwortung, keine Kontrolle. Du lässt es  einfach geschehen.

In den Situationen, wenn du nicht im Moment bist, wenn du an gestern oder morgen oder später oder früher denkst, holst du dir eine dunkle Schwere in den Alltag.

Du hast die Macht mit deiner Wahrnehmung und deinen Gefühlen  die Wirklichkeit zu steuern. Wenn du es schaffst, die Gedanken das Morgen betreffend,  wirklich auf Morgen zu verschieben, bekommst du eine ganz klare, transparente Sicht auf die Dinge, die gerade sind.

In genau diesem Moment.

Der üble Reality check

Was passiert aber tatsächlich? Du bist nie im Moment. Deine Gedanken rasen und deine Gefühle drohen dich zu übermannen. Du machst dir Sorgen. Was könnte passieren? Was macht XYZ? Was, wenn ich meinen Job verliere? Oh, ich muss noch die Waschmaschine anschmeißen.

Fakt ist, dass wir jeden Tag über 60.000 Gedanken haben. Wir sind immer, wirklich immer, schon beim nächsten Schritt.

Ein Gefühls-und-Gedanken-Karussell, dass sich ununterbrochen dreht. What, if? What, if? What, if?

Genau das ist es, worunter du am meisten leidest. Nicht an den negativen Gedanken und Gefühlen selbst. Sondern an der Verzweiflung, dass du diese nicht kontrollieren kannst. An dem Schmerz, dass sie Macht über dein Leben haben.

Du weißt, dass du es können solltest. Du weißt, dass du durch deine fehlende Kontrolle diesen fiesen Gefühlsschurken eine ungeheure Macht einräumst.

Doch du bist machtlos. Ausgeliefert. Deinen eigenen negativen Gefühlen ausgeliefert.

And that’s the reality, my dear.

Ich habe eine bittere Wahrheit für dich

Hier sollten jetzt die drei super Tricks stehen, mit denen du die negativen Gedanken und Gefühle für immer verjagst. Aber habe ich diesen ultimativen Tipp für dich?

Nope.

Es tut mir wirklich leid. Aber genau das ist das Leben. Du kannst deine Gefühle nicht kontrollieren und schon gar nicht deine negativen Gefühls-Saboteure. Diese schweren, negativen Emotionen werden immer wieder aufploppen. Trotz aller Selbstentwicklung und aller Größe.

Ernsthaft?

Du fragst dich, warum du diesen verdammten Artikel überhaupt liest, wenn ich dir nur das sage, was du sowieso schon weißt und von dem du hoffst, dass ich es dir nehme.

Tat oder Wahrheit – oder geht auch Tat und Wahrheit?

Es gibt einen guten Grund für dich dran zu bleiben. Denn es gibt die extrem guten und effektiven und todsicheren Tricks. Denn auch wenn du nicht verhindern kannst, dass die  negativen Emotionen immer wieder auftauchen werden, und wie Fischlein atemlos nach Luft schnappen, gibt es einen Weg in die Leichtigkeit.

Das Wesentliche ist zu erkennen, dass es einen Unterschied gibt zwischen deinem Emotion und deinem Verhalten. Du musst nicht mit den negativen Emotionen, die dich zu überschwemmen drohen, verschmelzen, sondern du hast die Wahl, wie du mit ihnen umgeht. Du hast die Wahl, wie du dich verhältst und zwar vollkommen unabhängig von deinen Gefühlen.

Die Qualität deiner Gefühle muss nicht zwangsläufig in die Qualität deines Handelns münden.

Auch wenn die gleichen intensiven Ängste ganz real vorhanden sind, musst du sie dir nicht zu eigen machen. Du kannst nichts, wirklich nichts daran ändern, dass diese unangenehmen, schwermütigen, kraftsaugenden Emotions-Genossen dich heimsuchen, aber du kannst eine klare Grenze zu deinem Verhalten ziehen.

Und deshalb gebe ich dir meine drei todsicheren Tricks, wie du dir Leichtigkeit in dein Leben holst, auch wenn dich Ängste und Sorgen  plagen.

#1 Du bist, was du sprichst

Es hört sich lächerlich an. Aber du bist der Macht deiner Sprache ausgeliefert. Durch die Wahl der richtigen Sprache schaffst du es, eine Distanz zwischen dich und deine negativen Emotionen aufzubauen.

„Mein Leben ist sinnlos.“ – Ich

versus

„Ich weiß, dass mein Leben nicht sinnlos ist. Aber ich habe dennoch  das Gefühl, dass es so ist“ – Ich

So banal es dir erscheinen mag, aber durch diesen minimalen Unterschied, schaffst du eine Distanz zwischen dir und deinen negativen Gefühlen, die dich hinunter ziehen in die Schwere. Wir sind was wir denken.

#2 Lieb, dass du aufpasst oder Mami ist bei dir

Du solltest versuchen Dankbarkeit für deine negativen Gefühle zu entwickeln. Egal, wie furchtbar sie sind. Egal, wie sehr du sie hasst. Du solltest erkennen, dass sie durchaus etwas Liebevolles haben, etwa Fürsorgliches.

Wenn deine überängstlichen  Gefühle dir z.B. sagen, dass du zu 100% durch die Prüfung rasseln wirst, weil du es einfach nicht drauf hast,  dann versuch einfach mal deinem inneren Chaos, deinem quälendem Ich, deinem Störenfried zu sagen:

„Gut, dass du auf mich aufpasst. Ich werde mich besonderes gut auf die Prüfung vorbereiten, so dass einfach nichts passieren kann. Danke, dass du mich erinnert hast.“

– Ich

Nimm diese Störer, diese Angstmacher einfach als eine Mami wahr, die halt etwas überängstlich ist, aber oft die Wahrheit sagt. Du nimmst den Gefühlen  so die Macht, dir Angst zu machen. Denn würdest du vor Mami, die dich mehr als ihr eigenes Leben liebt,  jemals Angst haben?

Hört sich esoterisch an. Ist es auch irgendwie. Wirkt aber.

#3 Der Killer deiner Angstmacher

Wenn das alles noch nicht geholfen hat. Wenn  die Ängste in dir immer weiter hoch kriechen und gnadenlos zuschlagen, dir den Atem nehmen und du einfach nicht zur Ruhe kommst, weil die schlimmsten Befürchtungen so real sind. So fassbar.

„Ich werde verarmen. Ich werde sterben. Ich werde nicht gut genug sein. Ich werde versagen“ – Immer wieder mein inneres  Ich

Dann ist dieser Trick der Killer für dich:  Nimmt dir  deine präsenteste Sorge vor. Lass die Sorge einfach Nemo oder Bambi oder Balu, den Bären  sein und nun lass deine gewählte Figur für dich sprechen:

„Ich glaube, ich schaffe das alles nicht. Es ist einfach zu viel. Ich bin nicht gut genug. “

– Balu, der Bär

Siehst du Balu vor dir? Den trotteligen, fetten, immer lieben Bären? Stell dir die Situation ganz konkret vor, wie er vor Kaa der Schlange steht und ihr in seiner tollpatschigen, etwas dümmlichen  hakuna matada Stimme diese Geständnisse macht.

Es ist süß. Etwas lächerlich.

Es reicht dir immer noch nicht? Du fühlst deine Sorgen noch immer?

Dann stell dir jetzt das Setting in einem Film vor. Balu steht vor Bambi und sagt ihm  den  niederschmetternden Satz, im Hintergrund versucht Pocahontas Nemos zu fangen und Bridget Jones chattet am Smartphone mit Mr Darby und Balu sagt die traurigen Sätze:

„Ich glaube, ich schaffe das alles nicht. Es ist einfach zu viel. Ich bin nicht gut genug“

– Balu

Spätestens jetzt wird sich dein Gefühl der Angst und der Panik und der Überforderung relativiert haben. Du wirst einfach nicht mehr deine Sorgen und Ängste mit gleicher Intensität spüren.  Es ist lächerlich wie der dicke Balu jammert. Ich wette, du hast sogar ein Lächeln auf den Lippen. Nein, du lachst.

Und das – garantiere ich dir!

Leichtigkeit  lohnt sich wirklich. Und ich meine wirklich, Süße

In einem  Zustand der Leichtigkeit ist dein Gehirn zu 90% leistungsfähiger. Du kommst in diesem Zustand in einen Flow, der Kreativität erst möglich macht. Und ja, in einem gestressten Zustand, der nur in die Zukunft denkt, kann deine Leistungsfähigkeit auf 7% dessen, was wirklich in dir steckt, sinken. Also kein Zustand, den du anstreben solltest.

Es wird nie aufhören, dass du Angst hast und dir Sorgen machst. Aber es liegt an dir, wie sehr du dich von deinen negativen Gefühlen kontrollieren lässt. Mit den richtigen Techniken kannst die Situation kontrollieren, beherrschen, kannst der Boss auf deinem Ponyhof sein. Finde dich damit ab, dass diese negativen Gedanken zum Menschensein dazu gehören. Es geht nur darum, was du damit machst. Nein, es geht darum, dass du dass Optimum für dich herausholst. Arbeite die drei Punkte durch und schick deine Ängste, die ja etwas nicht real Vorhandenes betreffen, einfach mal zur Hölle.

Wenn du dir diesen Druck nimmst, den Druck zu versagen, weil du verdammt noch mal trotz all deines  Bemühens immer wieder negative Gedanken und Gefühle bekommt, hast du die Chance, die absolute Leichtigkeit zu empfinden. Nu für einen Moment und sei dafür dankbar.

Nimm dir den Druck, ein rosa Pipi machendes Einhorn zu sein, das sich nie Sorgen macht, immer leicht und effektiv ist. Dieser eine Moment der absoluten Leichtigkeit ist ein guter Anfang.

Sei du selbst und finde einfach heraus, wie du dich wieder auf die Reihe bringst, wenn dich die Gefühls-Achterbahn zu sehr im Griff hat.

Und vielleicht wirst auch du dann einmal in einem  Fahrstuhl stehen und

nichts tun. Und  du wirst dir sicher sein, dass eine Fee sich um den Rest  kümmern  wird.

Take care und bleib glücklich

 

Deine Claudia

P.S. Der Weg zur Leichtigkeit ist nicht leicht. Und ich weiß wovon ich rede. Und doch ist es der Schlüssel zu deinem persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg. Wenn du diese Kompetenz hast, bist du auf der anderen Seite der Strasse, wo alle anderen neidisch hinblicken und wo der Rasen grüner ist,   weil DU ihn grüner machst. Wenn du Unterstützung auf deinem Weg braucht, ich bin für dich da

6 Comments

  1. Hallo Claudia,

    was für ein schöner Moment der Leichtigkeit beim Schwatz mit deiner Tochter vor dem Fahrstuhl. Der Trick mit Balu gefällt mir. Witzige Idee, ihm eine „Dauersorge“ in den Mund zu legen. Bei meinen Coaching-Klienten wirken solche emotionalen Methoden oft besser als rationale Fragen wie „Was könnte mir schlimmstenfalls passieren?/ Wie wahrscheinlich ist die Katastrophe?“ Lachen befreit. Vielen Dank für den anregenden Blogpost.

    Viele Grüße
    Christine

    1. Liebe Christine,

      der Moment war magisch!

      Stimmt, das ist total wichtig: Raus aus dem Kopf und hin zum Gefühl. Noch besser zur Fröhlichkeit. Denn es hilft immer ungemein, wenn man lacht oder schmunzelt und begreift: „Ja, es tut weh. Ja, es ist schlimm. Aber die Welt dreht sich weiter.“ Und wer wäre für diese Erkenntnis besser geeignet als Balu & Co? Ich freue mich sehr, dass ich dich berühren konnte mit dem Artikel.

      Auf bald und liebe Grüße

      Claudia

  2. Ein sehr schöner und lesenswerter Artikel,
    liebe Claudia!
    Ja, ja, nichts vergeht so schnell wie der Moment. Ich finde das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist: Dranbleiben, sich nicht runtermachen und tatsächlich viel, viel Lachen!
    Lächelnd
    Peter

    1. Hi lieber Peter,

      vielen Dank für dein Feedback, das mich sehr, sehr freut.

      Deine Tipps für den Moment sind super. Und Lachen kann man nie genug. Schön, dass du genau darauf hinweist.

      Ich lächle zurück

      Claudia