Glaub nicht den Mist, den du dir selbst erzählst in den ersten Aha-Momenten.

Wir lieben sie alle so sehr: Diese Durchbruch-Momente, Situationen des Erkennens, wenn alles plötzlich so klar ist.

Auf dieser Welle schwimmen ist wirklich herrlich. Die Welle kommt, du springst hinein in das kühle, aber nicht zu kalte Nass, lässt dir die Beine von der Kraft der Welle wegspülen. Du fällst lachend in die Fluten.

Es ist ein Spiel. Das weißt du. Dieses prickelnde, erfrischende Erfasstwerden von den Fluten hat nichts zu tun mit dem, was du empfinden würdest, wenn dich echte Wellen überrollen. Da ist kein Wasser, dass in deinen Mund strömt, dir den Atem nimmt, dich zum Verschlucken bringt. Da ist nicht der Schmerz und nicht die Dramatik. Da ist keine Angst.

Da ist nur Lebensfreude. Ein Prickeln. Und da ist dein Gefühl die gesamte Situation zu beherrschen.

Du WEISST, dass du in diesem wasserschäumenden Spiel jederzeit aufstehen kannst. Du spielst lediglich mit dem Gefühl, dass dich die Welle überrollt. du genießt die Lebensfreude, die dieses Spiel in dir auslöst.

Es ist nur die Oberfläche, an der du gekratzt hast.

Und ich hab wohl ne echte Erkenntnis

Vermutlich bist du jetzt ein bisschen angesäuert und fragst dich was das soll. Denn schließlich ist es doch so, dass wirklich jede einzelne Erkenntnis, jedes Akzeptieren, jedes liebevoll ironische Annehmen der eigenen Inperfektion so wichtig ist. Das sind Meilensteine auf dem Weg bei dir selber anzukommen. Dich anzunehmen mit deinen Ecken und Kanten. Und es sind genau diese Erkenntnisse, die sich weiterbringen. So dass du dich akzeptierst so wie du bist. Masken runter. Hinsehen. Akzeptieren. Annehmen. Pipapo.

Oh, come on. Du weißt es. Ich weiß es. Diese beim netten Glas Weißwein, kichernd mir deiner Freundin rausgehauenen Erkenntnisse sind wirklich nur der Schaum auf dem Cappuccino. Sind Erkenntnisse der Natur, die du freigiebig raushaust. Nein, du bist es nicht mal selber. Das Ego, dieser gemeine Verräter, wirft sie dir zum Fraß vor. Aber nicht direkt vor die Füße, sondern mit viel Schwung und aller Kraft ordentlich aus der Sicherheitszone heraus. Da musst du schon ein bisschen laufen, um die Brocken reinzuholen.

Eben das Ego, der miese Verräter.

Es könnte dir die Brocken auch direkt vor die Füße werfen. Aber wir reden von deinem Ego. Nicht von irgendeinem Idioten. Dein Ego ist nicht blöd. Es weiß, dass du arbeiten willst für deine Lorbeeren. Also ordentlich weit rausschmeißen, damit du denkst, dass du richtig etwas geschafft hast.

Ein Hundeknochen, der dich  stillhalten soll

Diese smarten, hübsch-galanten Erkenntnisse, die sich dir direkt präsentieren, sind ähnlich fake wie 50 Shades of Grey für echte SM Fans. Es geht darum, dass du ruhig gestellt wirst. Dein Ego liefert dir genau die Erkenntnis, die absolut nur an der Oberfläche kratzt, komplett banal ist, dich keinen Schritt weiterbringt und bei dir doch das befriedigende Gefühl der Erkenntnis, der Weiterentwicklung zurücklässt.

Es gibt so viele Erkenntnisse, die dich ermattet und zufrieden zurücklassen. Weil sie grundsätzlich schon in die richtige Richtung gehen, ein Körnchen Wahrheit haben. Für dich sind es scheinbar wirklich wichtige Erkenntnisse. Das Perfide daran ist, dass dein Ego dir genau den richtig schmackhaften, mit Fleischresten behafteten Knochen serviert, so dass du Ruhe gibst. Dich zufrieden gibst.

Von der Erkenntnis: „Oh ja, das hat meine Mutti auch schon so gemacht!“

über die Erkenntnis, dass du im Kindergarten gemobbt wurdest

bis hin zu der Erkenntnis, dass du in der Beziehung, das Verhaltensmuster deiner Eltern wiederholst.

Ach, es gibt unendlich viel, was dir Django, simply called Verräter zum Fraß vorwirft:

  • der charmante Chef, der dich ähnlich geschickt um den Finger wickelt, wie dein erster Freund, der dich damals für die kurvige Silvia verlassen hat.
  • der unverschämte Kunde, der deinen Preis immer wieder in unanständige Sphären drückt, in dem er bei dir latente Existenzängste schürt
  • die immer glücklich verliebte Freundin, die dich das Scheitern deiner Ehe umso heftiger spüren lässt.

Oh, ja, das sind Momente des Erkennens des Verstehens. Und vielleicht hast du sogar Glück und sofort eine echte Unkrautwurzel erwischt. Aber wir wissen, dass es meist nur die oberirdischen Löwenzahnblätter sind , die du erwischt hast, während sich die Wurzeln  munter unter der Oberfläche weiter ausbreiten.

Du bist der Herr und Meister

Die Wahrheit ist, dass dein Ego sich unendlich oft zurücklehnt und sich über dich kaputtlacht. Es ist so einfach uns über’s Ohr zu hauen. Wir glauben allzu gern. Es ist so einfach. Erkenntnis und Selbstentwicklung light. Ohne Anstrengung. Ohne Schmerz.

Und die anderen lassen es uns auch allzu gern durchgehen. Im Gegenteil: Du bekommst für dein Oberflächengestocher noch Lob dafür, dass du zu mutig bist zu SEHEN.

Wie oft schon war ich selbstzufrieden, dass ich wieder an mir gearbeitet, nicht lockergelassen habe, um dann erst Wochen später, wirklich zu verstehen. Das zu verstehen, was mein Ego selbstsüchtig verstecken wollte.

Das ist okay. Wir sind Menschen und nehmen den ersten Weg, der uns als der richtige erscheint. Der uns am schnellsten aus dem Schmerz führt. Und manchmal wollen wir nicht einmal wissen, was sich hinter dem Vorhang wirklich verbirgt.

Doch das bringt dich nicht weiter. Der fiese Schmerzgeber, der zunächst artig Ruhe gibt und nicht mehr mit messerscharfen Krallen an deinen Armen kratzt, wird wieder aufwachen. Dich anspringen mit einer Wut  und seinem Schmerz.

Es gibt nur eine Möglichkeit, wie du diesen Kreislauf beenden kannst. Du musst diese kleine Bestie mit Besen und Stöckern und viel Geschrei und Gebrüll aus dem Haus treiben.

„Trampel nicht mit deinen schmutzigen Füßen in meinem Kopf herum!“

Das ist zwar zunächst mehr Arbeit für dich und definitiv nicht so nett wie den Knochen, der sich dir so verführerisch präsentiert, lediglich  abzuknabbern, aber es ist effektiv.

Und wenn du ordentlich sauber gemacht hast, wird dein Ego am Abend verbittert durch das kleine Fenster in dein gemütliches Haus hineinschauen, in dem du bei Kerzenschein herrlich entspannt und vollkommen bei dir auf dem Sofa liegst. Und das ist der Moment, in dem du erkennst, dass sich der kräftezehrende Hausputz gelohnt hat.

Du bist meine Heldin.

 

Deine Claudia xoxo

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