Warum du deine Schwächen zeigen solltest

 

 

So lange du nicht deine kräftezehrenden Versuche, ständig stark und smart zu erscheinen, einstellst, wirst du niemals  dein volles Potenzial nutzen.

Im Gegenteil: Du bremst dich selber aus.

Nicht Anna, sondern ich sitze in der ersten Reihe vor  unendlich langer Zeit bei der Premiere der Night of the Prom. Open air. Historische Altstadt. Knisternde Spannung. Ich trage eine cremeweiße Marlene Hose zu einer cremeweißen Bluse. Killer Heels. Das Orchester macht den Sound check. Nein, so heißt es nicht beim klassischen Konzerten. Egal, du weißt, was ich meine. Es ist ein Spätsommerabend.  Ungewöhnlich warm. Ich genieße die angespannten, etwas nervösen letzten  Minuten vor dem Beginn des Konzertes.

Das Violoncello beginnt zart, leise zu erklingen. Bratsche, Posaune und Trompete stimmen ein. Ein furioses 120 minütiges Crescendo der klassischen Musik. Alle sind beseelt. Der Abschluss Akkord ertönt. Applaus. Schlussapplaus. Glückliche Menschen . Stehende Ovationen

und ich spüre das warme Blut meine Schenkel hinunterrinnen.

Ich sehe das Blut auf dem Dreieck meiner Scham auf meiner cremeweißen Hose, ohne es wirklich zu sehen. ich weiß, dass es da ist. Drehe meinen Kopf und sehe einen großen Blutfleck auf dem zuvor wunderschönen, edlen, zarten, rosenholzrotem Samt.

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Erfolgs-Manifest einer Bitch – Teil 2: Gestatten, Krull. Felix Krull

 

 

Anna, meine süße, liebe, ein  bisschen chaotische, aber immer suchende Anna, ist endlich wieder da und sie kann dir dazu etwas erzählen. Anna ist aktuell in fremden Gefilden unterwegs. Sie arbeitet gemeinsam mit einem Team  an einem absolut innovativen und kreativen Projekt mit. Es geht um das Einkaufserlebnis der digitalen Zukunft. Industrie 4.0. Digitalisierung. Na ja, ist für dich im Detail auch nicht so wichtig. Es geht also um die Optimierung des Einkaufs in der digitalen Welt. Um Vereinfachung. Um Zeitersparnis.

Anna sitzt in diesem dynamischen Team. Sie ist die einzige Frau. Und wie in jedem Team gibt es den Bremser. Den „Ja, aber…“ Kerl. Das Team diskutiert darüber, was sich der Kunde wünscht. Und der Kollege, nennen wir ihn Karl, wendet gegen das innovative, bahnbrechende und zukunftsorientierte Modell ein:

„Aber ich will meine Tomaten beim Einkaufen in die Hand nehmen. Ich will sie riechen. Ich will sie haptisch erleben. Das ist Bestandteil meines Wunsches als Kunde.“

Alle im Meeting – zu 100% Männer bis auf Anna – nickten zustimmend. Ein Mann, der verstand und  empathisch erfasste, was der Kunde im Supermarkt so will. Ja, der Kunde will einkaufen. Mit all seinen Sinnen. Er will wissen, ob die Tomate nach Tomate riecht.

Anna nickte nicht. Anna dachte nach. Anna fragte nach. Oh, Anna du kannst deine Klappe einfach nicht halten. Anna war eine kluge Strategin. Bevor der ahnungslose Karl überhaupt realisierte, was passierte, tappte er in alle Fallen, die Anna charmant lächelnd, auslegte.

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Mein Koffer voller Glück

Jeder von uns hat das Ziel glücklich zu sein.

Auch wenn du denkst, dass das nicht dein Ziel ist: Glücklich zu sein ist IMMER das Ziel

Mutter Theresa hat den Ärmsten der Armen unermüdlich geholfen, weil es sie glücklich gemacht hat zu helfen.

Der geldgierige Milliardär scheffelt nicht immer weiter Geld um des Geldes willen, sondern weil es ihn glücklich macht, immer mehr Geld anzuhäufen.

Die Frau, die zehn Hunde vor dem sicheren Tod rettet und sich liebevoll um sie kümmert, macht das, weil sie es liebt den Tieren zu helfen, es macht sie glücklich.

Die Frau, die ihren Mann regelmäßig betrügt, macht es (in manchen Fällen), weil sie das aufregende Gefühl des Neuen anmacht. Das Abenteuer, das Prickeln sorgt dafür, dass sie sich lebendig und glücklich fühlt.

Der Gärtner, der voller Hingabe zarte Setzlinge hegt und pflegt, sie versorgt und nährt, um sich irgendwann seinen  größten  Wunsch – die Kreation einer neuen Rosensorte – zu erfüllen. Auch er sucht nach Glück.

Was auch immer dein Ziel ist, du strebst einen beseelten Zustand an, der dieses wohlige Gefühl der Zufriedenheit, der Gelassenheit, der Ausgelassenheit in dir erzeugt. Dieses im perfekten Moment-Sein, das den Wunsch in dir auslöst, die Zeit stillstehen zu lassen.

Glück. Es geht immer um Glück.

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Erfolgs-Manifest einer Bitch – Teil 1: Sei die Göre, die das letzte Stück Pizza nimmt

Nur einer kann das letzte Stück Pizza bekommen.

Nein, du sollst kein egoistischer Egomane werden. Aber du solltest aufhören, immerzu so lieb, so nett, so höflich, so verdammt kontrolliert und so emphatisch zu sein.

Nein, ich meine nicht, dass du total und komplett und allumfassend unfreundlich, gemein und rücksichtslos werden sollst. Doch du solltest die Bitch in dir zum Leben erwecken. Ihr ein wenig Atem einhauchen, pulsierende Lebenskraft, überbordende Energie.

Nein, nicht immer. Aber auch. Bitches haben ein paar Sachen drauf, die den Uneingeweihten sehr schwer fallen. Bitches sagen Sachen, die unhöflich sind.

Nein, du musst keine böse, gemeine, rücksichtslose Hexe werden, um deine Ziele erfolgreich zu erreichen. Denn du bist ganz wunderbar, so warmherzig und liebevoll wie du bist. Aber es gibt ein paar klebrig-süße, weiblich-verklärte Softskills, die dich dabei massiv behindern, dass du das bekommst, was du dir wünschst. Die es dir unnötig schwer machen.

Bitches kennen ein paar smarte Abkürzungen. Sie haben ein paar Tricks drauf. Eigentlich ist es ganz einfach. Wie bei einem One-Pot-Gericht: sie schmeißen ein paar leckere Sachen in den Topf, sie lassen die Sachen weg, die nicht schmecken, ein bisschen Würze, Feuer aufdrehen und go!

Deshalb teile ich mit dir mein Erfolgs-Manifest einer Bitch. In einer kleinen Serie verrate ich dir meine Hacks, die ich  von Bitches gelernt habe. Und weißt du was? Manchmal sind mein Bitches-Ikonen weiblich, manchmal männlich, manchmal sind es Kinder und gelegentlich ist es das Leben selbst.

Fünf Fähigkeiten, die dich deinem Traum, glücklich und erfolgreich zu sein, einen großen Schritt näher bringen. Fünf Folgen einer Mini-Serie.

Den Start macht die Fähigkeit, kindisch-stur und ohne jede Vernunft für seine Wünsche einzustehen – wenn es nicht anders geht.

Anna hatte das Gefühl in einer Endlosschleife festzustecken. Das Murmeltier grüßte täglich und sie fand sich wieder, schon wieder, in der bekannten Situation: Reihe 7 im Flieger, verhasster Mittelplatz, eingepfercht zwischen ihrem Mann zur Rechten (natürlich hatte er den Gangplatz) und einem fremden Mann zur Linken. Sie versuchte sich zu entspannen, nahm ihr Buch, lehnte sich zurück und schob die Ellenbogen in Richtung Armlehnen.

Beide besetzt. Auf beiden Lehnen lagen entspannt abgelegt, in feinen Zwirn gehüllt, zwei Männer-Ellenbogen.

Anna spürte eine leises Grollen aus der Tiefe ihrer Seele. Sie hasste es, keine Armlehne im Flieger zu haben. Sie hasste den Mittelplatz und sie hasste es, wie diese Kerle in aller Selbstverständlich eine Armlehne für ihre anlehnungsbedürftigen rechten und linken Arme in Anspruch genommen hatten.

Und sie hasste es, so zu empfinden. So kindisch. Albern. Konfrontativ.

In gewohnter Manier verkloppte Anna in ihrem Inneren die Kerle, fluchte über den Egoismus von Männern im Allgemeinen und sagte

kein Wort.

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Meine Frauen haben Hüften – Teil 2

Sind meine Frauen klebrig-süß und jämmerlich?

Sind sie unausgelastete, unzufriedene Vorstadtweiber?

Ist meine süße Anna eine visionslose, unausgelastete, nägellackierende Vorstadtmutti mit einem schnuckeligen Hobby-Business? Ist sie die Frau, die es sich erlauben kann, Lustlos-Phasen auszuleben, weil sie keine finanzielle Verantwortung trägt? Ist sie die Frau, die sich Termine zur Maniküre einschiebt anstatt nonstop und unermüdlich an ihrem Traum zu arbeiten?  Und wenn ja, wäre das schlimm? Wäre Anna dann weniger eine starke Frau? Weniger erfolgreich? Aber dafür mehr bemitleidenswert und nicht ernstzunehmen? Und was ist überhaupt die richtige Frau?

Kürzlich habe ich über „meine“ Frauen geschrieben, die Frauen, für die schreibe, die ich liebe, die Frau, die auch ich bin. Dieser Post hat eine sehr große Resonanz hervorgerufen und viele Frauen schrieben mir, wie sehr sie sich in „meiner“ Frau wiedererkennen.

Aber es gab auch Kritik. Die Kritik kam von einer sehr klugen und sehr lieben Frau, die ich unglaublich schätze, deshalb setze ich mich damit auseinander.

Sind meine Frauen jämmerlich und unzufrieden? Weil sie es sich gönnen zu jammern, zu zweifeln, unsicher zu sein und auch suchend zu versuchen. Weil in ihrem Leben Theorie und Praxis auseinanderdriften und einfach das nackte Leben dazwischenkommt.  Was ist überhaupt eine jämmerliche Frau und was eine starke? Wer bestimmt das und hat das irgendeine Bedeutung, was irgendwer so als starke Lady zu definieren müssen meint?

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10 überzeugende Gründe, warum es sich für dich lohnt, die Women&Work 2017 zu besuchen

Oben ohne.

Das ist das Motto bei TOP-Unternehmen, einflußreichen Meinungsmachern, visionären Strategen und  einflussreichen Politikern. Frauen sind Mangelware. Klar, die eine oder andere Frau hat es bis ganz nach oben gebracht, aber von Proporz sind wir Lichtjahre entfernt.

Ähnlich ist es im oberen und mittleren Management. Die Summe der Frauen in Führungspositionen repräsentiert nicht den statistischen Frauenanteil der Bevölkerung.

Und nein, das  liegt nicht daran, dass es nicht genügend gebildete, kluge, erfolgsorientierte und strategische Frauen gibt. Eine ganz fiese Melange unterschiedlichster Gründe ist dafür verantwortlich. Und nein, das ist keine pauschale Anklage gegen die Männer. So einfach ist es nicht. Die Gründe sind absolut vielfältig. Ich wette, ihr kennt auch ein paar davon und es gibt hervorragende Analysen zu diesem Thema. Aber nicht hier.

Doch eines ist für mich klar: Wann immer sich mir die Gelegenheit bietet, Unterstützerinnen zu finden oder andere kompetente Frauen effektiv zu unterstützen, nutze ich diese Chance. Denn wir sollten nicht warten, dass ein Prinz geritten kommt und uns den perfekten Job, die super Chance oder die Verwirklichung deiner Träume oder auch einfach finanzielle Unabhängigkeit oder auch schlichtweg deine persönliche Selbstentwicklung als Geschenk in pink glitzerndes Papier  gewrappt überreicht und uns dabei ins Ohr haucht:

„Ich werde dich dahin bringen, wo du hin gehörst. Ans Ziel all deiner Träume.“

Wir sollten selber unseren Weg gehen. Mit Unterstützung und einem Netzwerk ist es leichter. Klar, der Prinz darf auch gern helfen. Doch du solltest selber loslegen.

Und deshalb möchte ich euch erstmalig den Besuch einer Veranstaltung empfehlen: Die Women & Work am 17.06.2017 in Bonn.

Aber weil du als meine Leserin eine kluge Frau bist, nickst du höflich und bedankst dich vielleicht sogar für die Empfehlung. Doch du fragst dich zu Recht,

„Was springt für mich dabei raus, wenn ich mich auf den Weg mache?“

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Meine Frauen haben Hüften und ihre Leben haben Umwege

Auch glückliche Frauen haben manchmal das Bedürfnis eine ganze Armee an Nervensägen vor sich aufmarschieren zu lassen und ihnen  gnadenlos  eins auf die Schnauze zu geben. Die unangenehmen Genossen direkt mit einem lucky punch auf die Matte zu befördern.

Game over. Klappe halten.

Es gibt seit Jahren eine ganz unangenehme Tendenz.  Eigentlich ist es nichts Neues. Es ist  der wiedergeborene amerikanische Traum:

„Du bist deines Glückes Schmied“

hieß es vor 100 Jahren.

„Vom Tellerwäscher zum Millionär“

seit  vielen Dekaden in den USA.

Heute heißt es im Lifestylebusiness:

„Du bist, was du denkst.“

Das sind Wahrheiten, die einen wahren Kern, doch eine verlogene, schleimige Hülle haben. Eine Hülle, die mehr schadet als hilft. Ganze Heerscharen Glücks- und Erfolgswilliger domestizieren ihre Gedanken, ihre Gefühle, lesen, meditieren und erziehen sich selbst. Setzen sich Ziele, untersagen sich Aufschieberitis. Verbieten sich Jammer- und Lustlos-Tage. Hoffnungslosigkeit ist verboten. Negatives Mindset nicht erlaubt.

„Negative Gedanken? Raus aus meinem Haus!“

Die Ratgeber lassen es dich wissen:  Alles ist easy. Du musst einfach nur konsequent und unnachgiebig, aber aus voller Güte, aus deinem tiefsten Herzen und in deiner ganz persönlichen Größe, dranbleiben. Dann kannst du nur erfolgreich sein.

Alles was du vorbringst, warum es bei dir nicht so einfach möglich ist und du deine ganz persönlichen Stolpersteine hast, sind dumme kleine Ausreden. Das solltest du endlich erkennen. So oder so ähnlich wird es dir um die Ohren gehauen.

Mit markigen Worten und ohne jeden Zweifel wird dir vermittelt, dass wenn du nur wirklich willst, du glücklich, erfolgreich und emphatisch sein willst, dann kannst du es auch.

Deine Ausreden seien ein Werk deines Egos,  der personifizierte Satan, deine schlechte Umwelt, die dich infiltriert hat.

Ich möchte dir etwas verraten: Das ist dummes Zeug und dennoch ist es  gleichermaßen wahr . Genau das ist das Tückische, das Perfide daran.

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Shewolf – stairways to haven

 

Die Tränen der Erschöpfung und Überforderung  fließen immer in der Einsamkeit.

Nicht in der Einsamkeit einer Palmblätterhütte am Amazonas oder der Stille einer Berghütte. Unsere Einsamkeit sieht anders aus. Ist moderner. Urbaner. Unsere Tränen fließen beim Befüllen der Waschmaschine, im Feierabendstau in der Dunkelheit des Autos oder im Wald beim Joggen, nur von hechelnden Hunden unterbrochen.

Jede Geschichte braucht einen Helden. Meine Dauer-Heldin ist Anna. Anna, die immer herhalten muss für meine und deine Befindlichkeiten. Doch heute brauche ich Anna nicht.  Ich kann Susi, Tina oder einfach Eva nehmen. Eva passt perfekt. Eva ist die Mütter aller Frauen. Eva steht für das, was uns vereint, nicht für das was uns trennt. Eva ist der kleinste gemeinsame Nenner.

Eva liegt im Bett, kommt nicht zur Ruhe. Gedanken rasen in ihrem Kopf hin und her, wie kleine,  wilde Springmäuse, rauf und runter. Nein, es sind doch eher Meerschweinchen; sie quieken immerzu. Es gibt keinen Moment der Stille. Eva wünscht sich nichts mehr als Schlaf. Doch sie kann nicht Hinübergleiten in das andere Reich. Sie spielt die Szenarien durch. Sieht die Sequenzen wie Filme ablaufen. Sie ist so müde. Nicht die wunderbare Müdigkeit des Abends nach einem erfüllten Tag. Nein, eine bleierne Müdigkeit hält sie gefangen, nimmt ihr den Atem.

Eva, unsere Mutter, fühlt sich erschlagen vom Druck der Verantwortung. Vom Druck des Gebens. Sie hat das Gefühl, dass sie mehr geben muss als sie zu geben hat. Eva kann nicht mehr unterscheiden zwischen geben aus vollem Herzen und Aufgesaugtwerden.

Eva weiß nicht, wie sie trotz dieses Drucks, dieses zerren und ziehen, sein soll. Sie selbst sein. Scheinen.

Sie sucht ihren Weg. Eva liebt ihren Job, ihre Kinder, ihren Mann, alles. Sie liebt ihren Sport, ihren Tribe.

Doch sie hat das Gefühl zu viele Arme reißen an ihr:

Sei klug, sei schön, sei fit, sei erfolgreich und gib mir, gib mir immer mehr. Mehr. Komm schon, du bist gut. So gut, dir fällt es doch leicht. Komm Eva, nur noch ein kleines bisschen. Fahr mich hierhin, schreib mir dieses, organisiere jenes. Höre mir zu. Verstehe mich.

Eva ist müde. So müde. Und sie ist jämmerlich. Sie will jämmerlich sein und sich bedauern. Die Tränen laufen ihr über das Gesicht.

 

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Endstation Happiness

Die Suche nach dem Perma-Glück nervt!

Das, was als sinnstiftender Mindshift begonnen hat, endet oft in einer frustrierten und katzenjämmerlichen Fruststimmung.

Doch lass mich dir erzählen, was passiert ist. Und zwar Anna, meiner süßen, virtuellen Freundin, die für alles herhalten muss, wo ich nicht die Hosen runterlassen will.

Anna schlägt die Augen auf. Aufschlagen ist übertrieben, sie klimpert sich mit müden und etwas nervösen, noch ganz schwachen, schmetterlingsgleichen Augenaufschlägen aus dem Traumreich in die reale Welt zurück. Wie jeden morgen dreht sie den Kopf zur Balkontür, nimmt die Dunkelheit wahr, die schon von den bläulichen Streifen der Morgendämmerung durchzogen wird.

Anna ist irritiert. Sie wartet. Sie wartet auf das sanfte, müde und leichte Lächeln, dass ihre Mundwinkel nach oben ziehen sollte. Dieses süße Morgenritual, dass sie so verinnerlicht hat, dass es einfach passiert. Einfach da ist. Diese ersten Minuten, die der Dankbarkeit für drei besonders schöne Momente des gestrigen Tages gewidmet sind. Anna tut normalerweise nichts, um dieses Ritual in Gang zu setzen, es passiert einfach .

Ya know: 66 days routine creates a habit.

Danach wird’s einfach wie Zähneputzen.

Anna begreift nicht was da passiert. Wie ein Außenstehender beobachtet sie sich selbst. Sieht, dass sich  ihre Mundwinkel nicht zu einem zarten, elfengleichen Lächeln nach oben ziehen….

(Na ja, ich übertreibe etwas: Sooo elfengleich sieht es nicht  aus; schließlich ist Anna nicht mehr  14. Doch so fühlt es sich für sie an.)

…stattdessen sieht Anna heruntergezogene Mundwinkel. Sieht ihre traurigen Augen.

Anna quält sich aus dem Bett. Sie schlürft mit müden Schritten ins Badezimmer. Die Schultern hängen. Sie ist müde und mutlos. Am liebsten würde sie direkt wieder ins warme Bett krabbeln und die ….na ja, sagen wir, nächsten  100 Jahre schlafen. Nie mehr aufstehen.

Müde, mutlos, traurig.

Fu*ck, was ist hier los? Anna ist doch mein alter ego und ich bin die Glücks-Mentorin, die Mrs Happiness und Erfolg und alles easy und wo ist die nächste Herausforderung? Warum hängt jetzt mein verdammter Mundwinkel und warum könnte ich einfach losheulen?

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Cyrano und fremde Federn

Zutiefst berührt von den unendlich romantischen Zeilen, die vermeintlich ihr Mann ihr zweimal täglich an die Front schreibt, eilt Roxane durch die belagerten Linien, um eben diesem Geliebten zu gestehen, dass sie nun erkannt habe, dass ihre Liebe für ihn unendlich ist und unabhängig von seinem zweifellos schönen Äußeren. Sie liebe vielmehr seine Seele.

„So, eine verdammte Scheiße!“,

so oder so ähnlich, wird  Neuvillette in diesem Moment empfunden haben.

Denn die Romanfigur wusste, dass nicht er der wahrhaftige und berechtigte Empfänger der hingebungsvollen Liebe dieser anbetungswürdigen Frau war. Seinem väterlichen Freund Cyrano gebührte die Liebe der wunderschönen Roxane, denn er war der Verfasser der Zeilen, die Roxanes Seele berührt hatten.

Er hatte sich mit fremden, mit Cyranos Federn, geschmückt. Er hatte getäuscht, geblendet und sich die Liebe und Bewunderung Roxanes  erschlichen.

Ich sage es nicht gerne und ich sage es nicht leicht: So wie dem betrügerischen Neuvillette ging es mir kürzlich. Mich hat  lange das Kartoffelsalat-Chaos im Kopf geplagt, bis ich es erkannt habe. Doch die bittere Wahrheit ist: Ich hatte Angst, nicht zu genügen.

„Puh, das ist ja mal etwas ganz Neues, Frau Münster! Diese Angst kennen wir doch alle.“

Dieses Unbehagen steht ganz oft in direkter Verbindung zu seinem dunklen  Kumpel „Vergleich“, den wir auch alle kennen und fürchten.

Das ist wirklich nix Neues, nix für meinen Blog, nicht geeignet, um dich vom Gähnen abzuhalten.

Oder vielleicht doch? Vielleicht ist es doch interessant. Denn der Vergleich, den ich gescheut habe, der Anspruch, dem nicht zu genügen ich befürchtete, war der Vergleich mit

MIR.

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