claw-191187_640

Ich mag nicht gerne Fernsehen schauen. Es ist meistens blöd, nicht lustig und nicht inspirierend. Aber manchmal tue ich es. So auch an einem Abend im Januar. Mein Fazit nach diesem Film ist: Wenn du ein unpopuläres Ziel hast für das du gehst, dann solltest  dich warm anziehen.

Ich fasse für dich den Plot zusammen, so dass du eine Idee hast, wo ich mich atmosphärisch bewegt habe. Die Protagonistin Beate war zu  DDR Zeiten Leistungsschwimmerin. 20 Jahre später ist sie die Mutti der gesamten Familie. Sie behütet die Enkelin ihrer erwachsenen Tochter, während diese studiert. Der ebenfalls erwachsene Sohn lebt mit seiner launischen Freundin in einer Einliegerwohnung in Beates Haus. Beate jobbt  Teilzeit. aber ihr eigentlicher Lebensinhalt ist das Wohlergehen und die Bequemlichkeit ihrer Kinder. Eigene Interesse werden von Beate zurückgestellt. Natürlich in einem politisch korrektem Umfang: Selbstverständlich trifft sich Beate einmal wöchentlich mit ihren  Freundinnen zum Sport. Dieser Film hat mich wirklich wütend gemacht. Er triefte nur so vor Klischees. Dann erhielt Beate die tödliche Krebs  Diagnose. Und an diesem Scheidepunkt ihres Lebens entschied sie, dass sie es noch einmal wissen will und beschließt durch den Ärmelkanal zu schwimmen.

Beate legte alle Pflichten nieder und ging für ihr großes Ziel. Sie trainierte täglich wie eine Besessene. Und dann lief die komplette Familie Amok. Wo war Mutti? Es gab keinerlei Verständnis für diese egoistische Person, die ohne Rücksicht für ihr Ziel kämpfte und darüber alle anderen hängenließ.  Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Am Ende erfuhren die Kinder von der lebensbedrohlichen Krankheit. Nun gab es natürlich ein riesengroßes Verständnis für Beate und ihr Ziel. Als ich den Satz hörte „Mutti, und jetzt geht es nur noch um dich“, war der Moment, als ich den Ort des Geschehens verließ.

Ich gebe zu, ich habe etwas überreagiert auf  diesen Film. Aber die Denkschemata, die dort zu Tage traten, haben etwas damit zu tun, wie in unserer Gesellschaft darauf reagiert wird, wenn jemand erkennt, dass er einen Weg hat. Eine Vision, für die er einstehen will. Der Ausbruch aus dem bisherigen Verhalten verunsichert die Mitmenschen und manchmal ärgern sie sich darüber. Denn oft bedeutet die Entscheidung seinen Weg zu gehen gleichzeitig, dass anderen etwas „weggenommen“ wird.

Und was hat das alles mit dir zu tun?

Warum schreibe ich diesen Beitrag?

Was hast du mit der Schwimmerin Beate zu tun?

Wie war es denn als deine Familie von deinen Plänen erfuhr? Als du dich entschlossen hast, dass du es noch mal wissen willst und wirklich für dein Ziel gegangen  bist.

Die anschließenden Reaktionen kennt jeder von uns. Deine Nächsten – Freunde und Familie – sind oftmals irritiert von den Veränderungen, die sie an dir beobachten. Und zwar nicht nur  deshalb weil sie es nicht  verstehen.

Tatsächlich geht es oft um mehr. Es geht manchmal eben auch darum, dass du deinen Fokus und deine Energie anders ausrichtest. Der Fokus ist nicht im außen auf deine Lieben, sondern auf dich und dein Business oder dein großes Ziel ausgerichtet. Fakt ist, du nimmst an einer Stelle Energie weg, die du stattdessen auf dich richtest.

Wie war das für deine Lieben und deine Freunde als sie nicht mehr deine ungeteilte Aufmerksamkeit bekamen?

Uneingeschränkte Begeisterung wird das nicht ausgelöst haben. Ein kleines, schnuckeliges Hobby Business wäre ja noch akzeptabel. Aber dass du es Ernst meinst, löst nicht nur positive Gefühle in deiner Umgebung aus.

Aber bei dieser Reaktion geht es nicht nur um deine nähere Umgebung. Es geht auch um ein Bild, dass zu großen Teilen in unserer Gesellschaft noch vorherrscht. Es ist das Bild der Frau, für die die Familie immer an erster Stelle steht. Und zwar nicht nur in emotionaler Hinsicht, sondern auch faktisch. Und insbesondere auch im Hinblick auf ihr Time-Management.

In dem Film wurde praktizierter Egoismus und die Fokussierung von Beate auf ihr Ziel erst dann akzeptiert, als klar war, dass sie sterben würde.

Puh, das muss ich sacken lassen…

Wenn du dich also entschieden hast, für deine Sache zu gehen, wird dir möglicherweise ein steifer Wind entgegen wehen. Vielleicht hast du auch Glück und du findest Unterstützung in deiner Familie und bei deinen Freunden. Falls das aber nicht so sein sollte, ist es wichtig, dass du für dich ein paar Punkte erkennst.

Es hat nichts mit dir zu tun

Die Gefühle und Reaktionen haben nichts mit dir zu tun. Wie bitte? magst du dich fragen. Deine Ideen und Pläne sind doch der Auslöser für den Ärger in deiner Umgebung. Wie soll das nichts mit dir zu tun haben? Es mag sich irrational anhören, aber  doch ist es so.

Wie andere Menschen dein Tun empfinden ist sehr unterschiedlich. Es hat mit der jeweiligen eigenen Geschichte zu tun. Es sind nicht nur rein praktische Erwägungen, die bei anderen Menschen zum Unwohlsein führen. Manchmal geht es um die  persönliche Geschichte des anderen. Vielleicht hatten diese Menschen zu einer anderen Zeit auch einen Traum. Aber sie haben diesen Traum begraben, vergessen oder sich einfach nicht getraut. Wenn sie dich nun deinen Traum verwirklichen sehen, werden sie an ihr Scheitern, Versagen oder ihre Angst erinnert.

Aber mach dir bewusst: Das ist alles nur eine Hypothese. Du weißt nicht,  was die Gründe dafür sind, dass jemand dich nicht unterstützt oder deine Pläne kritisiert. Warum sollte das maßgeblich für dich sein? Was hat das mit deinen Plänen zu tun?

Ich erinnere mich z.B.  an die Frage einer sehr, sehr lieben Freundin. Als ich neben meinem Vollzeitjob voller Begeisterung meinen Blog aufzog, was viel Arbeit und wenig Schlaf bedeutete, fragte mich diese Freundin voller Sorge, was mich denn antriebe. Ja, was soll mich schon antreiben? Dass ich es will, dass es mich glücklich macht, dass ich mir nichts Schöneres vorstellen kann. Diese Frage meiner Freundin hatte nichts mit meiner Realität zu tun, sondern mit der meiner Freundin. In ihrer Welt muss  jemand, der so viel arbeitet vielleicht vor etwas weglaufen. Was ich meine, ist, diese Frage und dieser Ansatz hat nichts mit mir zu tun.

Dieses Beispiel soll dir ganz klar verdeutlichen, dass Einwände, Bedenken und Ratschläge  gut gemeint sein mögen, dennoch von dir äußerst kritisch geprüft werden sollten, ob es wirklich um dich geht und nicht eher um Projektion.

Bitte warte nicht auf die Krankheit

Mein dringender und ernst gemeinter Tipp für  dich ist deshalb: Warte nicht, bis im Äußern irgendetwas passiert, das dafür sorgt, dass alle happy mit deiner Entscheidung sind. Warte nicht auf den einen Umstand, der dazu führt, dass alle deine Idee lieben und dich unterstützen. Warte nicht auf den richtigen Moment. Und warte auf keinen Fall wie Beate auf eine verdammte tödliche Krankheit.

Mach es jetzt. Und kämpfe den Kampf.

Es ist dein Leben und es ist dein Ziel. Geh dafür.

Wenn du tust wofür du wirklich brennst,

und ich meine wirklich und aus tiefstem Herzen,

dann fängst du an zu glühen.

Und habe keine Angst vor den Kämpfen. Du bist stark und du wirst es schaffen. Und sicherlich wird es leichter werden für deine Umwelt, dein neues Ich zu akzeptieren, je klarer du bist und je mehr sie dieses neue ICH kennenlernen.

Deine, an dich glaubende

 

Claudia

 

 

4 Comments

  1. Hallo liebe Claudia,

    was für ein toller, tiefgreifender Artikel! Wirklich super geschrieben und spricht mir total aus dem Herzen.
    Bei mir war das ganz genau so, dass ich wenig Interesse und Unterstützung von den Leuten um mich herum bekommen habe (mal abgesehen von meinem Partner, sehr, sehr engen Freunden und meiner Mama).
    Was mich am Anfang sehr irritierte, scheint aber leider „normal“ zu sein. Mittlerweile kenne ich keine einzige Person, die ihr eigenes Business gegründet hat, und diese Erfahrung nicht machen musste.

    Mir ist auch egal was dahinter steckt, aber Neid, oder die Selbstreflektion der eigenen Angst oder Passivität könnten Auslöser sein. Oder auch die Tatsache, dass plötzlich „einer aus den eigenen Reihen“ ausbricht, um sein eigenes Ding zu machen, könnte für viele auf Unverständniss und vielleicht sogar Missgunst stoßen.
    Solange mir niemand negative Sachen sagt, dass das alles keine Sinn hätte etc., so wie es bei einigen leider auch vorkommt, steh ich da drüber.

    Aber selbst die Ignoranz schmerzt.
    Abhalten lasse ich mich davon definitiv nicht.

    Es ist wichtig, sich dann andere Leute zu suchen, die auf dem gleichen Level sind und das gleiche Ziel haben. Wie eine Mastermind Gruppe oder Accountabilitypartner. Ohne sie geht es nicht.

    LG
    Cindy

    1. Liebe Cindy,

      ich danke dir für deine lieben Worte. Das Feedback, dir aus dem Herzen gesprochen zu haben, bedeutet mir sehr viel, denn genau darum geht es. Super, dass du mittlerweile meistens drüber stehst, wenn anderen egal ist was du tust. Das war sicher keine einfacher Prozess für dich, oder? Ich stimme dir total zu, dass man eine Mastermind-Gruppe behaucht. Ich finde es relativ schwierig da die richtigen Leute zu finden; vielleicht muss ich das mal etwas „forscher“ in Angriff nehmen. Wie hast du das hinbekommen?

      Liebe Grüße

      Claudia

  2. SUPERARTIKEL! Vielen Dank dafür!! Das macht Mut, auch mal ganz egoistisch die eigenen Ziele zu verfolgen – was nicht immer leicht ist, wenn einem auch noch das eigene altruistische Gewissen dazwischenfunkt… Ich fragte neulich jemanden, wie es geht, und die Antwort war: „Tja – man lebt so vor sich hin, nicht?“ Bzw. man ist innerlich tot… Das käme für mich nicht in Frage. Ich bin eindeutig im Zweifel für die Achterbahn, und auch wenn immer mal dieser Es-ist-alles-zuviel-ich-schmeiß-hin-Gedanke kommt, lohnt es sich doch, für seine Selbstbestimmung zu kämpfen. Und wenn dann auch noch meine Tochter sagt: „Muddi, ich bin stolz auf dich, du bist eine richtige Powerfrau geworden“, dann geht echt die Sonne auf.

    1. Liebe Tatjana,
      ich danke dir. Egoismus ist echt schwer – für die, die nicht genug geübt haben. Ich finde es großartig, dass du für dich weisst, dass es richtig ist und dass es sich lohnt auch mal den Weg mit den Turbulenzen zu gehen. Das ist nicht einfach und erfordert Mut. Aber die Alternativen lohnen sich nicht. Hmm und das Lob der Töchter…. ist etwas ganz, ganz Besonderes. Ist es nicht das, worum es geht? Ein Vorbild sein? Für sich und andere einstehen? Ich wünsche dir noch viele solcher magischen Mutter-Tochter-Momente. Liebe Grüße
      Claudia