„Ich zähle nicht alle Liegestützen, die ich mache. Ich zähle erst die,  die richtig weh tun.“ sagte der legendäre Bruce Lee sinngemäß.

Diese Aussage läßt mich nicht mehr los. Was bedeutet diese Aussage für mich, geäußert von einem Mann, der mit beiden Armen 1.600 push-ups am Stück, 400 Stück einarmig und 200 Liegestütz einarmig mit nur zwei Fingern machen kann? Was für ein Denken steckt dahinter? Und was hat Bruce Lee hier auf dem Blog zu suchen? Hier geht es um Glück.

Ja, aber eben auch um Erfolg.

Bruce ist der legendärste Kampfkunstsportler aller Zeiten, war Schauspieler und philosophischer Lehrer. Unzählige seiner Leistungen sind bis heute unerreicht. Seine Trainingstechniken sind legendär. Es ist zweifellos so, dass die Tatsache seiner Unglaublichkeit auch seinem unermüdlichen Training geschuldet war. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn Bruce war einer Begründer der Erkenntnis, dass der Körper dem Geist folgt.

Die Kämpfe werden im Kopf gewonnen.

Das gilt für jeden einzelnen deiner verdammten Kämpfe. Du und ich, wir wissen das. Aber wir vergessen es immer wieder. Wir reiben uns auf, indem wir nach außen strampeln, uns abmühen, Erklärungen heranziehen, auf den passenden Moment warten. Sind Opfer der Umstände. Spielball der Gegner. Ob Körper oder Geist. Ob Liebe oder Freundschaft.

  • Ach, wie gern würde ich regelmäßig Sport machen, aber neben Job und Familie bekomme ich das nicht hin.
  • Ich wünsche mir so sehr ein harmonisches Weihnachten, aber Tante Lisbeth ist immer so stur und streitsüchtig.
  • Ich hätte so gern den Job bekommen, aber mein Mitbewerber hatte einfach bessere Beziehungen.

Und darum lässt du alles fein wie es ist. Kuschelst dich ein. Und bist stolz auf deine 10 Push-ups, die du jeden Morgen durchziehst und bist zufrieden mit dir, weil du nicht so streitsüchtig bist. Und gehst jeden Tag zu deinem Job, in dem du zwar nicht happy, aber okay bist.

So können wir weiter machen. Nix Schlimmes dabei.

Oder wir können von Bruce lernen.

Hinter dem Schmerz liegt das Wachstum

Wenn du jedem Tag 100 Pushis machst ist das sehr lobenswert. Nein, es ist viel mehr. Ich bin unfassbar stolz auf dich. Das ist fantastisch. Du tust etwas für deine Fitness. Du setzt ein Zeichen gegen diese fiesen wackelnden Oberarme, die boshaft Wackelfleisch genannt werden und du hast eine daily routine. Du machst schon viel mehr als die Masse. Du kannst wirklich stolz auf dich sein.

Aber du wirst nie mehr 100 Liegestütz am Stück machen können.

Ja, aber warum sollte ich auch? Und was hat das mit mir als Mensch zu tun?

ALLES.

Du bist gut in dem was du tust. Zweifellos. Bist ein guter Mensch. Ein guter Boss. Eine gute Mutter. Gut. Fein. Zufrieden. Alles so gemütlich. Und einfach. Ich mach einfach das weiter, was ich jetzt mache und bin einfach gut. Warum muss man immer mehr wollen? Warum diese Sucht nach größer, schneller, weiter? Vielleicht denkst du, dass genau daran unsere Gesellschaft krankt. An diesem Streben nach immer mehr und immer besser. Möglicherweise denkst du, dass wir  einfach lernen sollten zufrieden zu sein mit dem, was wir haben.

Ja, vielleicht ist das so.

Aber jetzt denk noch  mal an deine push-ups. Wenn du in Zukunft jeden Tag deine 100 Liegestütz machen wirst, jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr. Für Dekaden. Irgendwann wirst du feststellen, dass die 100 weh tun. Wirst reduzieren auf 90, 80, 70. Irgendwann magst du gar nicht mehr. Irgendwann kannst du gar nicht mehr.

Doch was wäre möglich, wenn du ab sofort jede Woche 5 Liegestütze mehr machen würdest? Wohin könntest du wachsen?

#No limits. Du könntest, wenn du deine Routine immer weiter steigern würdest, irgendwann 500. 1.000 oder auch unfassbare 1.600 am Stück machen.

Auch dann würde dich dein Alter einholen. So wie jeden von uns. Aber überlege dir mal von wo es dich holen würde?

Was würde mit dir passieren, wenn du dich jede Woche zwingen würdest diese unfassbar anstrengenden 5 weiteren Liegestütz zu machen?

Du würdest wachsen. Unfassbar wachsen. Und zwar in deinem Kopf. Weil du immer wieder dahin gegangen bist, wo der Schmerz sitzt. Das ist der Ort vor dem wir so viel Angst haben. Das Unbekannte. Das Unbequeme.

Warum sollte ich dorthin gehen? Wofür? Was erwartet mich dort?

Dort, meine Liebe, erwartet dich DEIN Wachstum. Und dieses Wachstum ist unendlich. Es gibt kein Limit.

Es ist nicht so, dass irgendwann der Personality-Doctor dir auf die Schulter klopfen und dich mit energischer Stimme wissen lassen würde:

„Sorry, aber hier ist Endstation, Sweety. Du bist jetzt gut genug. Ein noch besserer Mensch brauchst du für diese Welt nicht zu werden.“

Was würde passieren, wenn du nicht akzeptiert, dass Tante Lisbeth streitsüchtig ist und du halt damit leben musst. Was wäre möglich, wenn  du schaust, was du tun kannst, um nicht immer wieder im gleichen Streit mit deiner Mecker-Tante zu stecken?

Was, wenn du dich trauen würdest hinzuschauen, was das mit dir zu tun hat? Genau hinzuschauen. Ganz genau. Wenn du dich trauen würdest, dahinzuschauen, wo es dunkel ist. Vor dem du Angst hast.

Es ist alles möglich. Du musst nur aufhören genau das weiterzumachen, was du immer gemacht hast, sondern mach einfach mal die 5 Liegestütz, die du gestern noch nicht gemacht hast, die dir so weh tun und die deine Muskeln zum Zittern bringen. Die dich dahin bringen zu denken, dass du nicht mehr kannst: Keine einzige Liegestütz, keine einzige Prüfung, keine einzige verdammte Herausforderung. Die Verzweiflung überrollt dich. Du weißt, dass wenn du noch ein einziges Mal deine Arme einknickst du es nicht mehr schaffen wirst, dich hochzustemmen. Es ist zu anstrengend.

Mach es trotzdem.

Und atme.

Atmen hilft gegen alles.

Atme noch einmal. Halte den Schmerz, die Trauer, die Verzweiflung, die Mutlosigkeit einfach aus. Für einen weiteren Moment.

Sei dir bewusst, dass du diese extra Liegestütz nicht machen MUSST. Entscheide, ob und dass du sie machen willst. Lass diesen verdammten Wunsch es zu schaffen einfach in dir wachsen während du weiteratmest.

Und dann geh und mach diesen push-up und lüfte den Vorhang.

Hach wie schön: Geschafft!  Jetzt bin ich aber fertig

Das ist leider nicht vorgesehen. Die schlichte Wahrheit ist, wenn du wachsen willst, wirst du nie fertig sein. Wenn du die eine Baustelle bearbeitest hast, wird schon das nächste Mal der Notfallknopf klingeln.

Wir Menschen nutzen nur ein Bruchteil unseres Potentials aktiv. Und leider funktioniert es nicht so, dass du ein bestimmtes Level erreicht hast, ein feiner guter Mensch geworden bist und dann mit deinem Tribe happy ever after leben kannst.

Nope. So funktioniert es leider nicht. Mit der Gemütlichkeit kommt ganz langsam auf indianergleichen leisen Sohlen der eine oder andere unerwünschte  Zeitgenosse daher. Hier ein leises Zweifeln. Dort ein verhaltenes Grummeln. Und dann wieder taucht ein Vergleich mit einem Helden aus dem Nichts auf.

Wenn du wachsen willst, hört es nicht auf. Es geht immer weiter.

Das ist dir zu anstrengend? Du hast keinen Bock auf einen ständigen Kampf? Du möchtest einfach mal zufrieden sein?

Glaub mir meine Süße, Zufriedenheit ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Satt und bequem. Unbeweglich und leicht vermodert vor lauter Selbstzufriedenheit. Aber du kannst stattdessen glücklich sein . Jeden Tag und immer wieder. Laut lachen und das Leben lieben. Du kannst dein Leben genießen und  die Momente feiern.

Wachstum ist nicht nur der Schmerz im Moment des Durchhaltens. Ist nicht nur Qual im Angesicht des Bergs, der scheinbar unüberwindbar erscheint.

Wachstum ist auch pure Freude. Die Freude, drangeblieben zu sein. Das Gefühl der  Leichtigkeit  darüber, es geschafft zu haben. Wachstum ist auch die pure Freude. Die Freunde darüber, dass es keine Grenzen für dich gibt, außer du setzt sie dir.

Ob du diese Freude im Sport erlebst, wie Pascal Jlyas vom Bodystreet Team in Bremen mit seiner beeindruckenden Performance

oder ob du deine inneren Kämpfe ausfichst, um besser im Job zu werden. Oder ob du einfach ein besserer Mensch werden möchtest.

Du gehst deinen Weg. Du schwingst deinen Hintern aus dem Sofa. Du kennst dahin, wo es weh tut. Und der Moment, wenn du es geschafft hast, das, was gestern noch dein Ziel war, als deine Realität zu erleben, wird dir ein Gefühl reiner Freude und unbändigen Spaß schenken.

Oder du lässt es.

Ich werde jedenfalls ab sofort meine mickerigen täglichen zehn Liegestütz steigern. Und das ist kein Vorsatz, sondern eine Reise. Eine Reise ohne ein konkretes  Ziel. Ein Abenteuer, bei dem ich einfach nur immer wieder eine mehr machen will, als die, die mir leicht fällt.

Ich wünsche dir einen grandiosen Start in ein wunderbares, buntes, lautes und leises und unperfektes perfektes Jahr 2017!

Take care und bleib glücklich

 

 

Deine Claudia

2 Comments

    1. Liebe Elisabeth,

      ich danke dir. Für dein Leben und dein Feedback und dafür, dass ich dich erreichen durfte.

      Liebe Grüße und einen wunderbaren Start in das Neue Jahr!

      Claudia