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Was du brauchst, sind knackige Tipps, die dich zum ultimativen Krawallmeister machen.

Christina Wenz, die wunderbare und inspirierende  Mediatorin hat zur Blogparade aufgerufen und bittet um Tipps, wie du zum wahren Konfliktmeister wird. Doch wenn du diesen Artikel liest, brauchst du keine Tipps wie du besser Konflikte löst. Denn das kannst und lebst du bereits.

Für dich ist es viel wichtiger ein erfolgreicher Krawallmeister zu werden. Du wirst gleich verstehen warum.

Neulich habe ich einen interessanten Artikel gelesen, in dem es darum ging, wie wichtig es ist, seinem Gegenüber in Gesprächen  mehr und wirklich zuzuhören. Voller Empathie zuhören und wirklich wahrnehmen. Es gab gut umsetzbare, praxiserprobte Tipps, mit denen du deine Zuhör-Techniken optimieren kannst.

Der Artikel wurde von zwei Gruppen von Menschen kommentiert:

  • Gruppe 1 gab noch mehr gute Tipps.
  • Gruppe 2 waren die Menschen,  die darunter litten, dass ihnen nie richtig zugehört wird. Menschen, die darunter litten, in Gesprächen immer wieder verbal plattgemacht, manipuliert oder übergangen zu werden.

Beide Gruppen waren sich einig wie fantastisch der Artikel sei.

Es gab nicht einen Kommentar von  einem Leser der Gattung, die  im Artikel beschrieben wurde. Weder gab  es einen Kommentator,  der eine Konterposition einnimmt. Noch bekannte irgendein Kommentator, dass die Lektüre eine Offenbarung gewesen sei und zur Erkenntnis geführt habe, was für ein unempathischer Genosse er bislang gewesen sei.

Aber das war doch die Zielgruppe des Artikels. Es sollten doch Kompetenzen an genau diese Hart-Herzen vermittelt werden.

Das Ergebnis meiner Beobachtung ist keine Überraschung. Denn unempathische Menschen, die es gar nicht interessiert, was du denkst, fühlst und zu erzählen hast, lesen Artikel dieser Art überhaupt nicht.

Denn sie wollen ihr Verhalten gar nicht ändern.

Diese Erkenntnisse sind (ein wenig pauschal – ich gebe es zu – aber in diesem Fall passt es) übertragbar: Der, der an einem Problem arbeiten sollte, dem es gut täte, sein Verhalten zu überdenken, dem ist das Thema komplett egal. Denn es geht ihm doch  gut. Warum sollte er etwas ändern?

Wenn ich diese Regel auf Konflikte übertrage, dann brauchst du keine knackigen, originellen oder  effektiven Tipps, wie du zum Konfliktmeister wirst. Denn diesen Artikel werden lediglich Menschen lesen, die bereits erfolgreiche  Konfliktmeister sind. Du weißt schon wie man Konflikte wertvoll löst. Weil du empathisch, wertschätzend und lösungsorientiert bist.

Wenn du scheiterst bei der Suche nach einer effektiven Lösung, sind nicht deine fehlenden, empathischen Kompetenzen und das Fehlen des Super-Tricks ursächlich. Der Grund ist wahrscheinlich dein lösungsresistentes Gegenüber. Und der wird diesen Artikel nicht lesen.

Ein hinterhältiger Teufelskreis.

Dennoch fährst du die Strategie  „mit-irgendeinem-Trick-bring-ich-ihn-schon-dazu-den-Vorteil-einer-win-win-Lösung zu erkennen“. Doch damit kommst du nicht weiter. Die Möglich- und Wahrscheinlichkeiten das Verhalten, Denken und Handeln der anderen irgendwie zum vermeintlich Richtigen zu drehen, sind überschaubar.

Was du deshalb brauchst, sind die ultimativen Tipps wie du ein großartiger Krawallmeister wirst.

Sag mal – warum willst du überhaupt Konfliktmeister werden ?

Menschen sollen sich verstehen. Kräfte, Ressourcen und Emotionen  sollen nicht in sinnlosen Konflikten verschlissen werden. Lösungen, die allen etwas bringen, sollen gefunden werden. Du weißt schon  #winwin

Gähn!

Wollen wir alle. Wäre auch sinnvoll.

Ist es vielleicht so, dass du Disharmonie einfach ganz schlecht ertragen kannst? Kommt es vor, dass der Streit zwischen Krethi und Plethi, zwischen Hinz und Kunz oder auch zwischen einem befreundeten Paar dich bereits verunsichert? Am liebsten greifst du ein, versuchst zu schlichten:

„Leute, vertragt euch. Das ist doch irgendwie blöd.“

Du magst es nicht, wenn andere streiten. Du kannst es kaum aushalten. Richtig wohl fühlst du dich eigentlich nur, wenn alles weich, warm, schön und irgendwie harmonisch ist. 

Warum lehnst du dich nicht  einfach zurück, wenn sich A-Hörnchen und B-Hörnchen streiten? Es hat doch nichts mit dir zu tun. Das weißt du auch. Manchmal zoomst du heraus und dann erkennst du, dass du Distanz haben solltest. Hast du aber nicht. Es ist wie eine kleine Sucht nach Harmonie, nach Sternenstaub und Liebhaben.

Diese Sucht nach Harmonie ist dein Gegner Nr. 1 auf dem Weg zum wahren Konfliktmeister. Deshalb musst du erst an dieser Baustelle arbeiten und ganz bewusst gegen deine ersten Instinkte handeln. Gegen deinen Wunsch nach Harmonie. 

Ist dir eigentlich  bewusst, dass du mit deinem Bedürfnis nach Harmonie nicht nur dir selber schadest, sondern auch enormen Druck auf andere Menschen  ausübst? Du gibst ihnen das Gefühl, etwas Falsches zu tun. 

Also schmeiß die Harmoniesucht einfach über Bord. Lass die anderen streiten. Hol den Nagellack raus, trink eine nette Tasse Tee. Und halte dich einfach raus. Sei ein Krawallmeister.

Das ist nicht einfach für dich. Nein, tatsächlich ist es kaum zu ertragen. Du fühlst dich schlecht, ignorant, kalt und irgendwie bedroht. Aber das ist nur dein Thema. Nicht das Thema der anderen. 

Ich weiß, dein Bedürfnis nach Harmonie könntest du in Konfliktsituationen hervorragend einsetzen, dich einfühlen. Aber geht es dir wirklich um die anderen? Geht es nicht vielmehr darum dir selbst zu helfen? Die Situation, die du nicht magst, zu beseitigen? 

„Bitte hört auf auf zu streiten. ich kann es nicht ertragen!“ – Ich, irgendwo tief drinnen

Klischee-Alarm: Nicht alles ist so wie du es glaubst

Deine  Harmoniesucht führt außerdem dazu, dass du gelegentlich einen Konflikt siehst, wo gar keiner ist. Was andere als eine kleine Disharmonie erleben, treibt deinen Adrenalinspiegel bereits heftig in die Höhe.

Auch hierzu gibt es ein Beispiel, dass du sicher kennt. Die gute alte WhatsApp Gruppe. Stellvertretend als Spiegel der Gesellschaft kannst du dort den Pseudo-Konflikt inklusive anschließendem Tsunami erleben. Again and again. 

A schreibt x. B interpretiert y hinein. C gibt seine 50 Cent dazu. Und A ist froh, dass er die Sache erledigt hat. Er hat mitgeteilt, was er sagen wollte. Nachricht übermittelt. Zurück zum realen Leben

Doch B, nennen wir sie Bettina, ist wütend. Für sie ist die Sache nicht erledigt. Sie spürt die spitzen Pfeile, die in guter 150 Zeichen-Manier abschossen wurden, sehr präsent und schmerzhaft. Der Ärger und die Verunsicherung brodeln in ihr. Bettina kann sich nicht beruhigen. Alte Geschichten ploppen auf.

 „Die dumme A! (das ist natürlich unsere süße Anna) Immer muss sie im Mittelpunkt stehen. Immer muss sie Recht haben….“

Als Bettina nach drei Tagen endlich mit Anna über ihren Ärger spricht, stellt sich heraus, dass alles ganz anders gemeint war.

Äußerungen, die objektiv eine ganz andere Bedeutung haben, werden gewichtet, gewendet, bewertet, auseinandergenommen, in vermeintliche Zusammenhänge gebracht. Sie regen auf, bringen  dich in Rage.

Und manchen Menschen passiert das immer wieder.

Hands up: wie oft hast du dich schon in einer whatsapp Gruppe geärgert? Oft, ich weiß. Ersetz die Whatsapp Gruppe durch eine Freundin, deine Eltern, deinen Arbeitskollegen. 

Du siehst manchmal Konflikte, wo keine sind. Die Konflikte sind gelegentlich nur in deinem Kopf.

Also sei ein guter Krawallmeister und ignore den vermeintlichen Konflikt. Tue so, als wenn es ihn gar nicht gäbe. Hör mal auf, immer alles klären, regeln und lösen zu wollen.

Sei einfach mal desinteressiert.

Es wird nicht immer alles gut 

Es gibt Konflikte, z.B. bedingt durch unvereinbare Ziele oder Wünsche und Vorstellungen, die man nicht lösen kann.

  • Du  möchtest an der Küste wohnen, dein Mann in den Bergen
  • Du findest Lügen okay, dein Mann verurteilt sie zutiefst.
  • Du willst Monogamie, dein Mann Polygamie.

Du kannst mit sehr effektiven Mediationstechniken versuchen eine Win-Win Situation zu entwickeln. Klappt aber nicht immer. Weil es manchmal so ist, dass für dich nur weiß und für dein gegenüber ausschließlich schwarz akzeptabel ist.

Grau ist keine Option, die euch glücklich machen würde.

In dieser Situation hast du genau drei Optionen:

  •  du ziehst in die Berge und hasst es
  • dein Mann zieht ans Meer und hasst es
  • ihr wohnt mal hier und mal dort und einer hasst es immer

Manchmal kannst du eben kein Konfliktmeister sein. Manche Konflikte sind nicht lösbar. Das ist die Kröte, die du schlucken musst.

Sei mal Pippi Langstrumpf und mach dir die Welt, wie sie dir gefällt

Du kannst ein Konfliktmeister werden, wenn du es lernst, dein Verhältnis zu Konflikten zu verändern. Wenn du es lernst, Konflikte zu akzeptieren. Nicht auszuhalten oder dich damit zu arrangieren. Nein, wenn du sie akzeptieren kannst. Als Teil des Lebens.

Was für eine ungeheure Erleichterung. Ein Konflikt ist da, doch man kann damit leben und es ist okay.

Du kannst das hinbekommen, wenn du mehr bei dir als im Außen lebst. Wenn du aufhörst  Konflikte als Angriffe auf deine Person zu empfinden. Wenn du deine Furcht vor Kränkung und Ablehnung ablegen kannst. Denn diese Angst vor Konflikten macht dich unfrei.

Und weil dir Konflikte – eigene und fremde – so unangenehm sind, hast du Strategien entwickelt, wie du damit umgehen kannst. Nur gelöst müssen sie werden. Für dich sind Konflikte gefährlich.

Ein Konflikt hat jedoch nicht nur Nachteile. Du erfährst z.B. in einem heftigen  Streit manchmal nach langer Zeit endlich, was der andere fühlt und denkt.

Bevor du also zum wahren Konfliktmeister werden kannst, solltest du ein engagierter Krawallmeister sein. Nimm den Konflikt an, wo er dir begegnet. Halte ihn aus. Erlebe wie sich die Welt weiterdreht, wie du weiterhin geliebt wirst. Mach ruhig mal ein bisschen Krawall. Schau dir  die Welt des Konflikts  mal aus der anderen Perspektive an und such  nicht nur die rosa Kuschel-Wolke.

Und wenn du ein richtig guter Krawallmeister mit drei Sternchen bist, der nach einem Streit dennoch gut schlafen kann, wirst du – ohne es gemerkt zu haben – ein wahrer Konfliktmeister geworden sein.

Take care und bleib glücklich

 

Deine Claudia

4 Comments

  1. Liebe Claudia, wow, Du weißt ja, dass ich Deine Artikel und Deinen Schreibstil sehr liebe! Ich freue mich so, dass Du bei der Blogparade dabei bist! Ich find, Dir ist wieder ein sehr wertvoller und sehr weiser Beitrag gelungen! Und die Idee, nicht einen weiteren Artikel mit Tipps zum Meistern von Konflikten zu schreiben, sondern mal deutlich zu machen, wie wichtig das Aushalten und das Ändern der Einstellung zu Konflikten ist, finde ich super! Danke! Liebe Grüße, Christina

    1. Liebe Christina,

      du bist die Fachfrau für dieses Thema und deshalb freut es mich riesig, dass dir mein Beitrag zu deiner Blogparade gefällt.

      Deine Worte zu dem Artikel berühren mich sehr und bedeuten mir sehr viel.

      Danke.

      Liebe Grüße
      Claudia

  2. Liebe Claudia,

    einen Artikel, der randvoll mit Wahrheiten ist, habe ich hier gefunden. Ich freue mich total.

    Dein Artikel bringt wunderbar auf den Punkt warum uns Konflikte so schwer fallen, weil es einfach unserem Harmoniebedürfnis widerspricht sie auszuhalten und doch können sie uns verdammt weit bringen.

    Ich danke dir für deine Sicht der Dinge.

    Liebe Grüße

    Melanie

    1. Hi Melanie,

      und wie ich mich erst freue. Das ist wirklich großartig, dass dich der Artikel so anspricht. Und ja, es lohnt sich Konflikte auszuhalten, aber in einem positiven Sinne. Nicht schlicht erleiden, sondern einfach nur nicht blind in die Harmoniefalle tappen.

      Ich wünsche dir auf deinem Weg zum Krawallmeister viel Erfolg. Allerdings hört es sich so an, als wenn du schon gut dabei bis.

      Liebe Grüße

      Claudia