Cyrano und fremde Federn

Zutiefst berührt von den unendlich romantischen Zeilen, die vermeintlich ihr Mann ihr zweimal täglich an die Front schreibt, eilt Roxane durch die belagerten Linien, um eben diesem Geliebten zu gestehen, dass sie nun erkannt habe, dass ihre Liebe für ihn unendlich ist und unabhängig von seinem zweifellos schönen Äußeren. Sie liebe vielmehr seine Seele.

„So, eine verdammte Scheiße!“,

so oder so ähnlich, wird  Neuvillette in diesem Moment empfunden haben.

Denn die Romanfigur wusste, dass nicht er der wahrhaftige und berechtigte Empfänger der hingebungsvollen Liebe dieser anbetungswürdigen Frau war. Seinem väterlichen Freund Cyrano gebührte die Liebe der wunderschönen Roxane, denn er war der Verfasser der Zeilen, die Roxanes Seele berührt hatten.

Er hatte sich mit fremden, mit Cyranos Federn, geschmückt. Er hatte getäuscht, geblendet und sich die Liebe und Bewunderung Roxanes  erschlichen.

Ich sage es nicht gerne und ich sage es nicht leicht: So wie dem betrügerischen Neuvillette ging es mir kürzlich. Mich hat  lange das Kartoffelsalat-Chaos im Kopf geplagt, bis ich es erkannt habe. Doch die bittere Wahrheit ist: Ich hatte Angst, nicht zu genügen.

„Puh, das ist ja mal etwas ganz Neues, Frau Münster! Diese Angst kennen wir doch alle.“

Dieses Unbehagen steht ganz oft in direkter Verbindung zu seinem dunklen  Kumpel „Vergleich“, den wir auch alle kennen und fürchten.

Das ist wirklich nix Neues, nix für meinen Blog, nicht geeignet, um dich vom Gähnen abzuhalten.

Oder vielleicht doch? Vielleicht ist es doch interessant. Denn der Vergleich, den ich gescheut habe, der Anspruch, dem nicht zu genügen ich befürchtete, war der Vergleich mit

MIR.

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