Shewolf – stairways to haven

 

Die Tränen der Erschöpfung und Überforderung  fließen immer in der Einsamkeit.

Nicht in der Einsamkeit einer Palmblätterhütte am Amazonas oder der Stille einer Berghütte. Unsere Einsamkeit sieht anders aus. Ist moderner. Urbaner. Unsere Tränen fließen beim Befüllen der Waschmaschine, im Feierabendstau in der Dunkelheit des Autos oder im Wald beim Joggen, nur von hechelnden Hunden unterbrochen.

Jede Geschichte braucht einen Helden. Meine Dauer-Heldin ist Anna. Anna, die immer herhalten muss für meine und deine Befindlichkeiten. Doch heute brauche ich Anna nicht.  Ich kann Susi, Tina oder einfach Eva nehmen. Eva passt perfekt. Eva ist die Mütter aller Frauen. Eva steht für das, was uns vereint, nicht für das was uns trennt. Eva ist der kleinste gemeinsame Nenner.

Eva liegt im Bett, kommt nicht zur Ruhe. Gedanken rasen in ihrem Kopf hin und her, wie kleine,  wilde Springmäuse, rauf und runter. Nein, es sind doch eher Meerschweinchen; sie quieken immerzu. Es gibt keinen Moment der Stille. Eva wünscht sich nichts mehr als Schlaf. Doch sie kann nicht Hinübergleiten in das andere Reich. Sie spielt die Szenarien durch. Sieht die Sequenzen wie Filme ablaufen. Sie ist so müde. Nicht die wunderbare Müdigkeit des Abends nach einem erfüllten Tag. Nein, eine bleierne Müdigkeit hält sie gefangen, nimmt ihr den Atem.

Eva, unsere Mutter, fühlt sich erschlagen vom Druck der Verantwortung. Vom Druck des Gebens. Sie hat das Gefühl, dass sie mehr geben muss als sie zu geben hat. Eva kann nicht mehr unterscheiden zwischen geben aus vollem Herzen und Aufgesaugtwerden.

Eva weiß nicht, wie sie trotz dieses Drucks, dieses zerren und ziehen, sein soll. Sie selbst sein. Scheinen.

Sie sucht ihren Weg. Eva liebt ihren Job, ihre Kinder, ihren Mann, alles. Sie liebt ihren Sport, ihren Tribe.

Doch sie hat das Gefühl zu viele Arme reißen an ihr:

Sei klug, sei schön, sei fit, sei erfolgreich und gib mir, gib mir immer mehr. Mehr. Komm schon, du bist gut. So gut, dir fällt es doch leicht. Komm Eva, nur noch ein kleines bisschen. Fahr mich hierhin, schreib mir dieses, organisiere jenes. Höre mir zu. Verstehe mich.

Eva ist müde. So müde. Und sie ist jämmerlich. Sie will jämmerlich sein und sich bedauern. Die Tränen laufen ihr über das Gesicht.

 

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