Der (wirklich simple) Grund, warum deine guten Vorsätze nicht funktionieren

 

 

Gute Vorsätze für sinnlos zu halten, ist mainstream.

Keine Timeline, kein Artikel, keine Sendung, ohne Anti-Gute-Vorsätze Zitate, Aphorismen oder Appelle. Genauso verläßlich wie zu Weihnachten unisono Besinnlichkeit und der Rückzug ins Private und echte Werte propagiert werden, wird uns mittlerweile ebenso sicher zum Jahreswechsel emphatisch Mut zu Achtsamkeit und Selbstliebe und das Loslassen der Guten Vorsätze vermittelt, wo uns noch vor 5 Jahren die ultimativen Tipps für die Top 3 der guten Vorsätze um die Ohren gehauen wurden: Aufhören zu Rauchen, mehr Bewegung und 5 kg abnehmen.

Nur ganz wenige, scheinbar Unbelehrbare, vollkommen außerhalb des Zeitgeistes Agierende, tröten noch in das Horn der guten Vorsätze. Doch sie ernten nur ein mildes Lächeln der Eingeweihten. Denn es scheint, als wenn die ewig gestrigen vollkommen unbeeindruckt von dem, was Menschen wirklich brauchen, ihre Pamphlete schreiben.

Doch die Wahrheit ist: sie schreiben lediglich an dem vorbei, was Menschen lesen wollen. Gute Vorsätze zu haben ist oldschool, weil scheinbar sinnlos. Also belassen wir doch lieber alles so wie es ist: fein achtsam, kuschelig, gemütlich und in gefälligem Stillstand.

Bevor jetzt kollektive Empörung aufbrandet: Es ist grundsätzlich nichts Falsches daran, auf sein Inneres zu hören, achtsam zu sein und in Einklang mit deinem Sein zu sein. Doch an der Entscheidung, Dinge, die in deinem Leben nicht gut laufen, zu ändern, ist nichts Sinnloses. Tatsächlich ist es die Essenz, das Wesen und die Basis jeglicher Entwicklung. Ohne deine Bereitschaft etwas zu ändern, wird immer alles so bleiben wie es ist. Kein Wachstum möglich. Dead end.

Das weißt du auch. Auch, wenn dich die Anti-Gute-Vorsätze-Pamphlete magisch anziehen, genau das ausdrücken, was du so sehr in deinem Inneren fühlst, die große Sehnsucht anzukommen, anzunehmen, gut genug zu sein.

Wenn es nicht easy ist, lass ich es bleiben

Doch ohne die Bereitschaft für eine gewisse Zeit etwas zu tun  oder zu unterlassen – je nach Perspektive – um dann irgendwann genau das zu bekommen, was du anstrebst,  dir so sehr wünschst, wird das nichts werden. Das ist eine nicht verhandelbare Wahrheit.

Und auch das weißt du.

Ganz tief in dir weißt du, dass das Besinnen auf dich allein nicht ausreicht, um deinen Weg erfolgreich zu gehen, deinen Visionen näher zu kommen. Du weißt, dass diese Form der Achtsamkeit lediglich ein Puzzleteil ist, das du in konzentrierter Detailarbeit integrieren musst, um nachhaltig zu agieren und ohne dich unterwegs zu verlieren.

Du weißt, dass du agieren musst. Achtsamkeit hin oder her. Du kannst absolut in dir ruhend auf deinem Sofa sitzen. Doch wenn du nichts tust, wirst du auch noch in 10 Jahren auf dem Sofa sitzen, dann jedoch nicht mehr achtsam, sondern frustriert.

Die Entscheidung, etwas zu tun, ist ein Vorsatz. Auch wenn du es anders nennst, weil Vorsatz einfach so, so, so unchic und hinderlich klingt. Es bleibt ein Vorsatz. Ob du diesen Vorsatz zum Jahreswechsel oder an Fronleichnam triffst, ist bedeutungslos. Statt in den Chor derer einzustimmen, die die guten Vorsätze verdammen, kannst du dir die alles entscheidende Frage stellen:  Warum funktioniert es für dich einfach nicht?

 

Vom der Sinnlosigkeit ein Hochhaus auf Morast zu erbauen

Ich bin mir sicher, du weißt eine ganze Menge über die Neurologie von guten Vorsätzen. Über das, was es braucht, um zu funktionieren. Es gibt klar zu definierende Schritte, die aufeinander aufbauen. Ob du mit simplen Tricks arbeitest oder Erkenntnisse der Biologie und des Belohnungsaufschubs benutzt, ist vollkommen bedeutungslos. Denn alle Ansätze basieren auf einem System der Selbstüberlistung, sind Kraftakte gegen dich selbst.

An diesem Ansatz ist jedoch trügerisch, dass der tatsächliche Aufwand an Energie, an physikalischer Kraft nicht in Relation zum Ergebnis steht. Denn die reine einmalige Kraftüberwindung, die mit 5-4-3-2-1-GO zur Aktion führt, lediglich und zwar im besten Fall, einen einmaligen Erfolg bringen kann. Natürlich kannst du es schaffen. Hilma, Ely und Susi schaffen es doch auch. Doch wenn für dich bereits dieser einmalige Akt die maximale Überwindung zu sein scheint, ist die Praxis des guten Vorsatzes für dich vermutlich nicht der way how to proceed. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit  wirst du flügellahm bei dem Versuch dauerhaft gegen dich selbst zu agieren.

Du kannst nur denken, fühlen und handeln, was dich scheinbar von außen inspiriert, aber tatsächlich schon längst in dir war. Die Idee der Inspiration ist trügerisch, täuschend. Du schwingst dich lediglich auf der Welle dessen ein, dessen Samen schon längst vor Urzeiten in dir angelegt war.

Wie machst du das, wie schaffst du es, in meine Seele zu schauen?

Nein, mein Liebes, ich schaue nicht in deine Seele. Ich zeige dir meine Seele. Du erkennst nichts Neues, sondern lediglich das, was schon längst in dir ist. Du hast es gedacht, vielleicht erst gestern, vielleicht vor Urzeiten, und hast möglicherweise schon sehr lange darauf gewartet, dass jemand diesen Gedanken denkt, so dass du dich nicht so alleine fühlst damit.

Tatsächlich bist du jedoch nicht allein damit, mit dieser Verzweiflung bei diesem sinnlosen Versuch, gegen dich zu agieren. Du kannst dich besiegen. Einmal, heute oder auch morgen und übermorgen, aber das dauerhafte verändern, umsetzen und implementieren funktioniert nicht, weil du gegen dich arbeitest. Gegen das handelst, was du denkst und fühlst. Gegen deine Überzeugungen, gegen deine Erfahrungen. Wenn du heute entscheidest, regelmäßig Kunden zu kontaktieren, deine Produkte  zu verkaufen oder auch nicht beim Codewort XY in die rotglühenden, jede Ratio verbrennenden Sphären deiner Funktion-Mechanismen zu springen, hat das

keinen Wert.

Denn wenn du nicht tiefer bohrst, gräbst, guckst, buddelst und irgendwann erkennst, hast einfach nur einen universellen, dich langsam verbrennenden Kraftakt vor dir. Diese Entscheidung hierzu ist wie das Lächeln einer Lotosblume, verführerisch und süß, unverbindlich und verlockend und auf schwimmenden Inseln aufgebaut. Wie die Insel Roanoke, vor der Küste North Carolinas vermutet und ohne nachweisbare Spuren einfach verschlungen. Es bleibt lediglich eine scheinbar skurrile Erinnerung der Archäologen. Es fehlt die Base. Das Fundament, das dich trägt. Die Struktur, die unabänderlich ist.

Gefangen in deinen Mustern

Der Grund Nummer 1, warum Vorsätze nicht funktionieren, ist, dass wir in unserem Mustern gefangen sind. Da gibt es Muster, die so leicht durchschaubar sind, dass sie dir nur ein müdes, wissendes Lächeln entlocken. Dann sind da noch die geheimen, fein verwobenen Verhaltensschemata, die nicht einmal wie Muster erscheinen, die du auch nach Jahren der unermüdlichen Wiederholung nicht als fest installierte Modelle erkennst. So unfassbar geschickt, fast transparent  aus dem Garn der Gewohnheit gewoben, dass du von allein oft erst in der Krise des einen Moments, die Unfreiheit und den Gehorsam deines eigenen Verhaltens erkennst. Dazwischen die kaum störenden, weithin akzeptierten, konditionierten Tieren gleichkommenden Verhaltensmuster, die in dem immer gleichen Karussell der Wiederholungen ablaufen, wenn du so, dann ich so, Verzweiflung kommt auf, Resignation ergreift dich, wird abgelöst von leisem Mut und kleiner Hoffnung, von einer Welle an Euphorie überrollt und wieder abgelöst von Resignation beim ersten kleinen Misserfolg.

Und  so mustern wir uns durch unserer Leben. Vermeintlich frei entscheidend und doch gelenkt von unseren fest gezimmerten Backförmchen, unseren Mustern, den treuen Begleitern.

Was unsere wohlvertrauten Muster – die, die du kennst, aber auch die, die du energisch verleugnest – so perfide macht, ist die hinterlistige Eigenschaft, dass sie wunderbar funktionieren.  Lieb gewonnene Routinen, die dich durch dein Leben lenken und dir die Pflicht abnehmen, immer wieder neu entscheiden zu müssen. Immer wieder und immer auf’s Neue. Brauchst du nicht machen dank dieser verlässlichen Begleiter. Du machst einfach.Du stellst nicht in Frage. Du verwendest  und verschwendest keinerlei Energie, um dich nach dem „Warum?“ oder dem „Wie ginge es anders?“ zu fragen. Denn du machst immer genau die Schritte, die du immer schon gemacht hast. Mühelos. Gelegentlich ungeliebt. Manchmal störend. Doch immer mit minimalem Aufwand.

Willst du eines dieser Muster überwinden, musst du einen extrem harten Kraftaufwand betreiben.  Dabei ist es vollkommen bedeutungslos, was deine Muster sind. Wenn es tief vergrabene Muster sind, mag es dir noch leicht nachvollziehbar erscheinen, warum sie dich quälen, warum sie sich dir widersetzen, Mutti aus der Vergangenheit, Gender aus der Gesellschaft – all das erscheint dir fassbar, kontrollierbar, weil du es scheinbar so mühelos verstehst. Doch auch die leicht durchschaubaren Muster widersetzen sich deinem Wunsch nach Veränderung.

Mit aller Macht.

Deshalb können Vorsätze nicht funktionieren, wenn du in deinen Mustern gefangen bist. Denn wenn du mit guten Vorsätzen etwas verändern willst, greifst du immer auch in ein wunderbar funktionierendes und geöltes Verhaltens- und/oder Denkmuster ein.

Du willst mehr Sport treiben? Ne feine Sache doch eigentlich. Schade nur, dass du dich so prima eingerichtet hast, in deinem Erschöpftsein nach einem Tag voller Arbeit, Familien-Dies-Das und diesem „wenn ich es nicht mache, macht es niemand“. Tatsächlich hättest du es jedoch in der Hand, dein Überfordertsein wenn auch nicht vollkommen aus dem Weg zu räumen, so doch in einem ersten Schritt einfach mit deinem Sportzeug direkt ins Gym zu fahren. Das würde jedoch bedeuten, dass du nicht einfach über die ungerechte Rollenverteilung in deiner Familie meckert und dich dann dennoch hinein fügst, sondern du müsstest mit deinem Partner sprechen. Es würde voraussetzen, dass du Entscheidungen triffst. Es würde aber auch das Risiko beeinhalten, dass möglicherweise niemand widersprechen würde. Niemand da, der sagen würde, dass du nicht zum Sport darfst, denn schließlich haben wir fast 2018. Vielleicht käme heraus, dass du die Geschichte deiner Eingespanntheit einfach brauchst, weil du dir dann so furchtbar gut vorkommst und ganz nebenbei noch eine wunderbare Ausrede parat hast, warum du nicht zum Sport kannst. Weil du feststellen und erkennen  müsstest, dass du im Grund nicht zum Sport gehst, weil du nicht gehen willst.

Weil du den Erfolg, die starken Muskeln, den gesunden Körper ohne die Anstrengung willst.

Die Kohle ohne die Arbeit willst

und die Anerkennung ohne die Nächte der Dranbleiben willst.

Wenn du die nackte Wahrheit auf dem Tablett hast: Wenn du es dir verinnerlichst, die Ausreden und die Muster hinter dir lässt, diese absolute Verantwortung übernimmst, bist du frei.

Du bist frei, genau die Entscheidung zu treffen, die du treffen willst. No excuses. Keine Muster, die dich zurückhalten.

Genau dann kannst du deine Vorsätze, die nichts anderes als Entscheidungen sind, umsetzen.

Ob es dann leicht ist?

Nein. Aber, das wird es nie.

Aber es ist möglich. An Neujahr und an jedem anderen Tag.

Dein größter Fan

 

xoxo