Unterstützung

Die ganze Woche beschäftigt mich schon ein Video, das  Matthew Mockridge Facebook hochgeladen hat. Und es geht nicht nur mir so: Tausende likes, shares und Kommentare für  diesen Clip. Eindringlich fordert Matthew auf, endlich loszulegen statt immer neue Antworten zu suchen in der Hoffnung, das Rezept für den ultimativen Erfolg mit der Du-wirst-nicht-scheitern Garantie zu finden. Er warnt vor der Illusion des süper-sexy-start-up-lifstyle und will wachrütteln.

Schau dir dieses Video an, du wirst berührt sein.

Der Clip ist genial gemacht: Eindringliche, emotionale Bilder, eine berührende Hintergrundmusik, eine perfekte Tonspur mit wunderbarem Sprechtempo. Besser geht es nicht.

Doch das ist die Technik. Aber was ist das Besondere an diesem Video? Was macht den Unterschied? Den Unterschied, dass du das Gefühl hast, er hat in deine Seele geblickt. Was ist da passiert? Was hat Matthew ausgesprochen, was die Leute so berührt?

Die Botschaften des Clips sind keine Raketen-Wissenschaft. Sie sind einfach und sie ist elementar

und

sie sind nicht neu:

  • Fang heute an
  • Du bist gut genug
  • Better done than perfekt.
  • Von nix kommt nix
  • Leb dein Leben 
  • Zu scheitern ist nicht schlimm

Das weißt du alles. Warum bekommst du dann beim Hören eine Gänsehaut? Warum kommen dir die Tränen?

Weil du das Gefühl hast,  GESEHEN zu werden!

Da ist jemand, der packt diesen Schmerz, den du spürst, diese Verzweiflung, diese Mutlosigkeit in Worte. In Worte, die dich erreichen. Kopf und Seele.

Von den vielen Botschaften des Clips will ich zwei genauer anschauen. Zwei Botschaften, die elementare Ängste ansprechen, die dafür sorgen, dass du dir selbst im Wege stehst. Die bremsen und behindern.

Scheitern, aber richtig

Hast du schon mal etwas richtig verbockt? Du hattest hochtrabende Pläne, die perfekte Geschäftsidee, den richtigen Plan, das perfekte Ziel für dich und es hat

nicht geklappt!

Oder du bist gescheitert, weil dir der Atem ausgegangen ist. Auf halber Strecke aufgegeben hast, weil du einfach nicht mehr die Kraft hattest.

Die Zahlen stimmten nicht. Keine Kunden. Kein Erfolg.

Wenn du schon mal versagt hast, dann kennst du das  Gefühl der Scham. Der Scham, die  sich wie ein glühender Lavastrom  in dir ausbreitet. Scham, die dir die Worte nimmt. Du verkriechst dich wie ein verletztes Tier in deinem Bau, willst dich nicht bewegen, willst nicht sprechen, willst niemanden sehen.

Agonie.

Wie soll es weitergehen?

Du möchtest nie wieder einem anderen Menschen unter die Augen treten. Du glaubst, die Welt bleibt stehen. Du weißt nicht, wie es weitergehen soll.

Irgendwann trittst du wieder hinaus in die Welt. Bringst es hinter dich. Spürst die mitleidigen oder hämischen Blicke der anderen auf dir. Doch du ignorierst sie. Was ich nicht sehe, ist nicht da. Falls  dich tatsächlich jemand mal auf dein Scheitern  ansprichst, hast du deine Standard Antworten parat.

  • Bad economy
  • zu viele Konkurrenten
  • du hattest nicht genügend Zeit
  • war irgendwie doch nicht dein Ding
  • die anderen hatten mehr Unterstützung

Der immer wieder erdrückenden Frage-Situationen leid, hast du eine  smarte, eindeutige, zweifelsfreie Erklärung parat, warum es nicht geklappt hat. Und ratterst diese auf Knopfdruck herunter. Nicht nur für die anderen. Es ist auch dein Denkmodell. Du hast damit abgeschlossen, du willst nichts mehr davon wissen.

Du möchtest nur, dass dieses Gefühl der Scham, dass du jetzt sorgsam eingemauert hast, nicht wieder aufbricht.

Dabei würde es sich so sehr  lohnen hinzuschauen. Was hast du gelernt? Was kannst du mitnehmen? Wie kannst du es beim nächsten Mal besser machen?

Aber es wird kein nächstes Mal geben. Du willst dich nie wieder diesem Druck, dieser Angst aussetzen. Zu schlimm waren die Ängste, die Gefühle, der Druck. Diese Angst hält dich ab, es überhaupt zu versuchen. Du machst weiter. Klein-klein. Nichts riskieren. Nichts gewinnen. Nichts verlieren. Trügerische Sicherheit.

Alle um dich halten es genauso. Dein Scheitern wird nicht thematisiert. Tabuisiert. Terra deserta auf der Landkarte deines Lebens.

„Wir brauchen eine Kultur des Scheiterns“

hat es die von mir sehr geschätzte Christina Baier formuliert. Ein Akzeptieren des Risikos, den der Start von etwas bedeutet. Wenn du etwas startet, kann es klappen oder auch nicht. Ich wünsche dir, dass es klappt. Wenn es nicht klappt, machst du etwas Neues. Du stehst auf. Und gehst. Immer weiter. In einer idealen Welt würdest du Unterstützung finden für deine Idee. Trotz des Bewusstseins, dass es schiefgehen kann. Das Schiefgehen ist im Gedankenmodell als eine absolut mögliche Variante vorhanden. Nicht die gewünschte Variante. Ja, aber die statistisch wahrscheinlichere.

Ganz genau: Die statistisch wahrscheinlichere Variante. Die Chance, dass du es schaffst, ist deutlich kleiner als die Chance, dass du scheiterst. Und dieses Wissen sollte in unseren Köpfen präsent sein. Aber nicht als Druck es nicht zu versuchen. Sondern als Hilfe um das Scheitern als einen absolut möglichen Ausgang des Plans zu akzeptieren.

Keine Scham. Keine Agonie.

In einer Kultur des Scheiterns würdest du dich ärgern, wütend sein, enttäuscht sein, wenn du scheiterst. Aber du würdest dich als Mensch nicht  in Frage stellen.

It’s me: Claudia

Noch ein Kurs, noch ein Podcast, noch ein Lebensberater-Bestseller. Überall „suchst du nach der Pille“ . Dem Geheimrezept, wie dein Plan funktionieren kann.

Du bist so erschöpft von der Suche. Bist immer weiter auf der Suche: Was brauche ich noch, damit ich genug weiß, kann, bin?

Hinter dieser Suche steckt nicht nur die Angst vor dem Scheitern. Die dahinterstehende Angst ist es, einfach du selbst zu sein. Du versteckst dich hinter den Ideen der anderen, weil du deinen eigenen Ideen gar nicht vertraut.  Du entfernst dich immer weiter von deiner Intuition. Du wählst den sicheren Pfad. Den Weg, den alle gehen. Alle, die genau wie du  – getrieben von dem Wunsch alles richtig –  zu machen, den genau gleichen Kurs besuchen.

Aber wenn du machst, was alle tun, bist du austauschbar.

Darum hör auf dich abzusichern durch immer mehr von anderen. Ja, vielleicht bist du dann alleine. Aber du bist du selbst. Schau einfach in den Spiegel deiner Seele und such dort nach den Antworten. Nach deinen Antworten! Nach deinem Weg! Vergiss die anderen und vergiss die Ratgeber. Mach es so, wie du es willst.

Wäre das nicht wunderschön? Wenn du einfach mit deiner Idee loslegst. Dich nicht verbiegst, dich nicht anpasst. In deinem Tempo vorgehst. Nach deinen Regeln spielst.

Denn was auch immer passiert: Du wirst gewinnen. Und zwar auch dann, wenn du scheiterst. Denn du bist gewachsen, bist deinen Weg gegangen.

 

„Denn wenn du wächst,… werden Steine fliegen. Und genau darum geht es: Aus den Steinen etwas Neues erbauen.“ Matthew Mockridge

Deine Claudia

 

 

 

 

8 Comments

  1. Hey Claudia, schöner Artikel! Dir vielen Dank!
    Ich für meine Art würde nicht so gern eine Kultur des Scheiterns einführen, sondern eine Kultur des Lebens. Scheitern ist Bestandteil und muss weder glorifiziert noch weggedrückt werden. Es gehört dazu wie das Aus- zum Einatmen.
    Und muss es denn immer das große Scheitern sein? Oftmals reicht eine kleine Neujustierung und nicht das Überbordwerfen des gesamten Projektes. Oftmals geht es einfach ums Durchhalten, bis das Universum (und andere Menschen) verstehen, dass du es ernst meinst 🙂
    Alles, was ich im Leben gemacht hab, ist Teil meiner Erfahrung heute. Da gibt es kein Scheitern per se. Auch wenn der eine Job nicht geklappt hat, die eine Liebe nicht Realität geworden ist, die eine Kooperation mit eine lieben Freundin nicht zustande gekommen ist, der Weg anders ging, als ich es anvisiert habe – das ist mein Leben!! Das ist kein gescheitertes Projekt, oder gescheiterte Liebe. Ich liebe ja Eckhart Tolle – surrender, annehmen dessen was ist.
    Ich finde wir dürfen viel weicher werden im Formulieren, im Denken insgesamt, nicht mehr schwarz weiß, sondern unterschiedlichste Farben und Schattierungen.

    Liebe Grüße dir und danke für die tollen Inspirationen, dich auch mich wieder angeregt haben zum philosophieren 🙂
    Lydia

    1. Liebe Lydia,

      ich bin total berührt und happy über deinen ausführlichen Kommentar. Ich danke dir dafür und für deine liebe Worte.

      Eine „Kultur des Lebens“, in der Scheitern nur ein Bestandteil ist, gefällt mir richtig, richtig gut. Das ist das Ziel, dass es zu erreichen gilt. Das Ideal-Bild sozusagen. Das Bild, das du zeichnest, gefällt mir gut. Sehr gut. Natürlich will das Scheitern nicht glorifizieren. Aber Scheitern ist so negativ, so elementar, so ausgrenzend belastet, dass denktheoretisch ein Ausflug ins andere Extrem helfen kann. Also eine zeitlang scheitern light, scheitern, sozial-adäquat, um dann zu deinem Modell zu kommen, in dem Scheitern nur ein Bestandteil ist.

      Ich bin total bei dir: Jedes Scheitern ist Teil des Lernprozesses. Aber im Moment des Scheiterns fühlt es sich nicht so an. Das ist eher die Retrospektive, die Analyse im Nachhinein. Der Moment ist bitter.

      Aber ich weiß, es gibt Menschen, die ein Level erreich haben, dass sie bereits im Moment des Erlebens, diese Erfahrung einfach annehmen können. Kompliment, an dich, dass du da die Leichtigkeit bereits hast. Ich freue mich total für dich, dass du das hinbekommst. Es wäre schön, wenn du da noch ein bisschen mehr erzählen könntest, wie du das hinbekommst. Meine Leser würden sich sehr freuen.

      Mich sprechen deine Bilder total an wie z.B. „weicher im Formulieren“. Und ich werde mir unbedingt Eckhart Tolle anschauen. Danke für den Tipp.

      Liebe Grüße

      Claudia

      1. Liebe Claudia,

        hehe, also Experte bin ich noch nicht 😉
        Und ich würde sagen, der Weg geht durch den Schmerz. Erstmal fühlen und die Erfahrung machen, dass der Schmerz irgendwann nach lässt. Außer dieser Erfahrung, dass erst durch das Fühlen (das Annehmen) anstatt in den Widerstand zu gehen sich Situationen entspannen können, kann ich dann lernen beim nächsten Mal viel schneller schon in die Annahme zu kommen.
        Das ist immer so mein erster Ansatz. Gefühle voll zulassen. Wenn man merkt, sie verflüchtigen sich nicht (das ist ja der Sinn von Gefühlen), dann Hilfe in Anspruch nehmen. Ich nutze für mich und meine Klienten z.B. wingwave Coaching. Es gibt da ja Unendliches auf dem Markt.
        Und je mehr wir an eigenen Themen auflösen, umso seltener werden die Rückschläge, die uns wirklich zu Boden reißen.

        Alles Liebe
        Lydia

        1. Liebe Lydia,

          den Schmerz annehmen – genau darum geht es. Ein absoluter key. Und dann zu erleben, wie er nachlässt. Mir gefällt sehr gut, wie du da den Dreh hineinbringst, dass es natürlich nicht immer und nicht bei jedem so ist. Diesen Moment dann zu erkennen bzw. anzunehmen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

          Nach meiner Erfahrung ist es wirklich ein sehr großer Schritt für Menschen genau das zu tun – das Gefühl des Schmerzes anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass die Intensität nachlässt. Ich erlebe da eine ungeheuere Angst vor der Angst und dem Schmerz. Das sitzt so sehr tief. Nicht alle sind bereit so tief zu bohren bzw. es einfach mal zuzulassen – fürchten sich zu sehr.

          Und es gibt nichts, was man diesen Menschen sagen kann, außer dass sie vertrauen müssen. Sie müssen springen und es erleben. Es gibt keine light Version.

          Oder hast du einen mega Mutmacher, der immer funktioniert?

          Liebe Grüße

          Claudia

          1. Hey Claudia,

            du hast ja immer noch eine Frage für mich 😀

            Der Mega Mutmacher hehe…
            Ich hab drei an die Leserinnen und Leser, einer ist sogar ein kleiner Tritt in den Hintern:
            – Fangen wir mit dem Tritt an: Angst wird größer, wenn du sie unterdrückst. Und sie wird kleiner, wenn du in sie hineingehst. Dann wirst du auf einmal feststellen, dass sie wie ein riesig aufgeblasener Ballon war, in den du jetzt reingepiekst hast.
            Also, wenn du sie wegdrückst wird sie GRÖßER, egal wie riesig sie schon ist. Wenn das als Motivation nicht ausreicht, sie anzugucken, dann ist sie vielleicht noch nicht groß genug…
            – Wenn du wirklich große Angst vor deiner Angst hast, dann hol dir Unterstützung (von einem Profi, also Coach oder Therapeut, denn das können schon krasse Erlebnisse sein, die man als Coach halten können muss)! Jemand der ein Feld der Sicherheit um dich kreiert, wo dich fallen- und leiten lassen kannst. Wo alles sein darf. So musst du nicht mehr alleine durch deine Angst, sondern hast jemand, der mit dir da hindurch geht. Und das meine ich wirklich so!
            – Und noch ein Motivationsschub: Es ist HAMMERGEIL, wenn du durch eine Angst durchgegangen bist. Ein mega Adrenalinschub 🙂 Fühlt sich klasse an, wenn diese Energie sich im Körper auflöst.

            War da was dabei liebe Claudia?
            Mir halfen und helfen die drei Dinge auf jeden Fall. Ich habe noch Ängste, aber keine Angst mehr vor ihnen, sondern weiß, dass ich reich belohnt werde, wenn ich mich ihnen stelle!
            Und es braucht Zeit, es ist ein Prozess. Was jetzt noch nicht geht, geht vielleicht in 6 Monaten. Überfordere dich nicht! Alles ist gut <3

            Alles Liebe
            Lydia

          2. Liebe Lydia,

            das ist super, was du hier an Wissen einbringst! Ich liebe dein Bild bezüglich der Angst: „Sie wird kleiner, wenn du in sie hineingehst. Dann wirst du auf einmal feststellen, dass sie wie ein riesig aufgeblasener Ballon war, in den du jetzt reingepiekst hast.“

            Ebenso geil sind deine anderen Tipps. Das sind super Tipps, die leicht anwendbar und erlebbar sind.

            Ich danke dir von ganzem Herzen und hoffe, dass viele Leser einfach ausprobieren, was du vorschlägst.

            Einen wunderschönen Abend für dich und ganz leibe Grüße aus dem Norden

            Claudia

  2. Hallo Claudia,

    ich bin auch immer wieder erstaunt, wie die Dinge, die wir selbst in uns tragen, uns am stärksten berühren. Du hast wahrscheinlich auch die Vidos von den Hörsaal-Slams gesehen, die (war das letztes Jahr) durch die Medienwelt zogen, in denen Julia Engelmann uns eigentlich auch einen Spiegel vorgehalten hat … und zum Mut, zum verrückt sein aufrief.

    Ich glaube, wir brauchen einfach das Gefühl erkannt zu werden, das tut uns gut. Aber wie viel schwerer ist dann der mutige Schritt, anders zu sein….

    Dazu hab‘ ich ein Zitat von Ingmar Bergmann, das gerade aktuell an meinem Computer hängt…
    Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.

    1. Lieber Henning,

      danke für das Zitat. Es ist wirklich genial. Sich bewusst zu machen und wirklich zu erkennen, dass es die eigene Angst ist, die dich ausbremst, lässt alles möglich werden.

      Ja, die Videos von Julia Engelmann habe ich ebenso befunden wie du es beschreibst. Der Erfolg von Julia oder Matthew liegt darin begründet, dass sie genau dieses tiefe Bedürfnis des Menschen, danach GESEHEN zu werden, befriedigen.

      Liebe Grüße