Es gibt niemanden, zu dem du kritischer bist als zu dir selber.

Also, außer du bist ein Narziss. In dem Fall kann es durchaus anders sein. Aber das ist Stoff für einen separaten Post.

Ansonsten passt diese Schublade und zwar ohne nur eine Floskel zu sein,  für jung und alt, für Frauen und Männer. Wenn dir etwas mißlingt, bist du ein Versager. Wenn du in einer Gesprächsrunde etwas nicht weißt, fühlst du dich ungenügend. Wenn du Cellulitis an den Oberschenkeln hast, glaubst du am Strand guckt die halbe Mannschaft nur dort hin und denkt, dass du besser in einer Burka statt im Bikini am Strand erscheinen solltest. Wenn du eine  halbe Tafel Schokolade aufgegessen hast, empfindest du dich als halt- und disziplinlos.

Welchen Bereich deines Lebens du auch  betrachtest, es ist immer der gleiche Ablauf: du genügst deinen eigenen Ansprüchen nicht und beurteilt mit der Missbilligung eines Fräulein Rottenmeier deine Leistungen, dein Aussehen und dein Sein.

Du weißt, dass das falsch ist. Oh ja, du weißt es so sehr. Natürlich propagierst du auch etwas anders. Schließlich bist du ja nicht doof. Ob im Gespräch mit deinen Freundinnen oder in blumigen Posts auf Social Media, du reichst die Schale der Selbstliebe und Akzeptanz, des Annehmen und  der Leichtigkeit, sanft lächelnd weiter. Ja, du willst entspannter sein – auch dir selbst gegenüber. Auch mal herzhaft über dich lachen. Dich nicht so wichtig nehmen und es dir leichter machen.

Vielleicht schaffst du es sogar. Wenn das so ist, dann hör bitte auf zu lesen, jetzt sofort und schreibe mir,wie du das machst. Bitte bring diesen Heiligen Gral in die Welt und teile ihn mit uns.

We need you badly.

Okay, machen wir weiter mit der nun (homöopathisch) reduzieren Leserschaft. Jetzt sind wir unter uns. Wir, die wissen, dass es falsch ist, sich zu geißeln, schlecht über sich zu reden, sich herabzusetzen und sich als nicht genügend zu empfinden. Wir, die wir wissen, dass es falsch ist und denen es dennoch passiert. Die wir in diese klebrige  Falle tappen. Natürlich gelingt es dir oder mir gelegentlich auch mal, die Falle rechtzeitig zu erkennen und dann souverän und selbstbewusst einen großen Bogen um diese tückische Hinterlist zu machen. Doch nicht immer. Nein, eher selten. Genau deshalb verrate ich dir meine vier besten Tipps, wie du dich besser behandelst und deine Treat-me-best-Quote erhöhst.

Warum du das tun solltest? Weil es dich unendlich viel Kraft kostet, dich selbst wieder aufzubauen, nachdem du dir wieder einmal erfolgreich eingeredet hast, dass du zu fett, zu dumm, zu untalentiert, zu durchschnittlich, zu nachlässig, zu faul, zu wenig konsequent, zu wenig erfolgreich, zu bossy, zu nachgiebig, zu großzügig, zu geizig, zu unambitioniert,  zu schüchtern, zu laut, zu empathisch, zu ehrlich, zu sehr du halt bist.

Diese vier Tipps sind dein Durchbruch zu dir selbst und zu mehr Glück und Leichtigkeit.

Tipp #1 – Einfach mal die Klappe halten

Wie oft hast du im letzten Monat ein Kompliment, dass dir jemand gemacht hat, klein gemacht? Relativiert, was jemand dir voller Zuneigung und Freundlichkeit schenken wollte?

  • Ach, das Kleid ist schon drei Jahre alt.
  • Tja, jetzt sehe ich vielleicht gut aus, du musst mich aber mal morgens direkt nach dem Aufstehen sehen.
  • Ach du, mein Anteil an diesem Projekt war jetzt nicht so ausschlaggebend, das war wirklich eine absolute Teamleistung.
  • Meine Kinder sind freundlich? Ernsthaft? Die musst du mal zu Hause erleben.
  • Im Ernst, ich bin gar nicht so ein zuverlässiger Typ. Wenn du wüsstest, wie verplant ich bin.

Los jetzt, sei ehrlich und antworte ganz spontan. Du weißt nicht mal, wie oft dir das passiert ist. Weil es dir schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Du hast das verinnerlicht, so wie du automatisiert „Danke“ sagst, wenn jemand dir „Gesundheit“ wünschst.

So, und jetzt lass mich dir etwas sagen: es egal, warum das so ist. Wir könnten jetzt tief in die menschlichen Abgründe der Psyche eintauchen, frühkindliche Prägungen untersuchen und zusätzlich noch das ganze Gender-Dings diskutieren.

Mach das jetzt nicht. Denn du willst JETZT damit aufhören, dich selber runterzumachen. Deshalb höre einfach auf damit. HEUTE. Mach mit dir selber einen Vertrag, dass du es einfach mal machst. Einen Monat lang. Wann immer dir jemand ein Kompliment macht, dir etwas Freundliches sagt. Nimm es einfach an. Freu dich und bedanke dich.

That’s all. Kein Feenstaub notwendig.

Tipp #2 – Die anderen wissen es besser

Dieser Tipp steht in direktem Zusammenhang mit dem ersten Tipp. Das ist fantastisch, denn so hast  du, indem du den ersten Tipp bereits  befolgt hast, diese Aufgabe auch fast schon erledigt.

Der zweite Vorteil dieses Tipps ist sehr tricky. Denn wiederum besteht deine Aufgabe darin, nichts zu tun. Nicht zu bewerten, nicht in Frage stellen, nicht ungläubig nach einer Hinterlist suchen. Du musst einfach nur das Liebe und Nette, dass dir gesagt wird, glauben.

Oh, das ist jetzt aber einfach meinst du. Na ja, nicht so ganz. Ich schätze, das weißt du. Du machst es einfach trotzdem. Weil du mir vertrauen kannst. Weil du weißt, dass es richtig ist.

Vertrau außerdem drauf, dass es dir so wie den meisten Menschen geht. Wir leiden fast alle an dem gleichen Syndrom: der Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Außenwirkung. Dazu gibt es die unfassbarsten Geschichten. Jahrelange, peinigende Sorgen, die du dir vollkommen unnötigerweise gemacht hast. Es ist zweifelsfrei so, dass die meisten von uns nicht zu 100% richtig einschätzen, wie andere Menschen sie wahrnehmen.

Weil das so ist, glaube doch bitte zum Beispiel einfach mal deinem Abteilungsleiter, wenn er dir gegenüber hervorhebt, wie wichtig deine Leistung für das Teamergebnis war. Er ist nicht blöd. Glaub es einfach.

Tipp #3 – Blutsbrüder und Schwestern  – für immer

Sei dein eigener Blutsbruder (oder Schwester, aber lass es uns einfach halten- für die bessere Lesbarkeit) . Mit deinem Blutsbruder gehst du eine Verbindung ein, die nicht lösbar ist. Mit bedingungsloser Treue verpflichtet ihr euch dazu, euch im Kleinen und im Großen, im Alltag und bei den Herausforderungen des Lebens bedingungslos zu unterstützen. Unerschütterliche Hilfe, Treue und Unterstützung.

Da ist kein Raum für so Sachen wie:

„Na ja, Winnetou, vielleicht hat ja Schnelle Kralle vom Stamm der Apachen doch irgendwie Recht. Du bist tatsächlich in den Verhandlungen der letzten Monate ein wenig starrer und eigensinniger geworden. Du solltest wirklich mal überlegen, ob du noch die richtige Person für den Stammesvorsitz bist.“ – Old Shatterhand

Geht nicht! NEIN. NIEMALS.

Was auch immer passiert in deinem Leben. Du bist dir dein eigener Blutsbruder. Du hältst dir die Treue. Bedingungslos. Du lässt dich nicht allein auf dem Schlachtfeld des Lebens stehen und bringst deinen eigenen süßen kleinen Popo in Sicherheit. Du stehst dir bei. Unerschütterlich.

Du hast etwas verbockt? Egal, du gehst da durch. Dein innerer Blutsbruder ist bei dir und lässt dich wissen, dass er immer zu dir steht. Und dass deine Entscheidung genau die einzigeEntscheidung war, die du treffen konntest und musstest. Dein Blutsbruder lässt dich wissen, dass ihr das zusammen durchziehen werdet.

Tipp #4 – Die Freiheit, völlig du selbst zu sein

Stell dir mal  folgenden Plot vor:

Die süße Carly ruft ihre beste Freundin Eva aufgelöst an. Ihre Stimme ist vor lauter herzzerreißendem Schluchzen kaum zu verstehen. Carlys lang gehegter Verdacht hat sich bestätigt:  Ihr Mann betrügt sie  und ist nach einem Riesenstreit ausgezogen. Eva setzt sich ins Auto und findet Carly heulend auf dem Sofa, mit verschmierter Mascara, während sie mit einem Esslöffel aus einem Riesenbecher Ben&Jerries Double White Chocolate Chips Eiscreme  in sich hineinstopfst.

Carly ist kaum zu beruhigen. Sie heult und rotzt, verflucht den verdammten Kerl und will ihn doch wieder bei sich haben, wiederholt seine Schwüre, verzeiht ihm und will ihn im nächsten Moment wieder zur Hölle schicken.

Eva schaut sich das alles fünf Minuten an und maßregelt Carly dann mit harten, klaren und unmißverständlichen Worten:

„Carly, ich liebe dich, aber du hast dich in den vergangenen Monaten gehen lassen, den armen Kerl vernachlässigt und es ist kein Wunder, dass er dich betrügt, du warst einfach keine gute Partnerin mehr. Total auf deinen Job fixiert. Ehrlich gesagt, bist du in den letzten Monaten auch immer dicker geworden und hast auf dein Äußeres nicht mehr geachtet. Ich verstehe ihn irgendwie. Und was du jetzt hier machst, ist absolut jämmerlich und wird ihn auch nicht  zurückbringen.“

Dieser Plot würde in uns allen die weibliche Solidarität auf den Siedepunkt treiben. „Warum macht keiner diesen Scheiß Film aus? Das ist doch total unrealistisch. Was stimmt mit dieser verdammten Eva nicht?“

Beste Freundinnen sind FÜR dich da, nicht gegen dich. Beste Freundinnen gucken mit dir den schmalzigen Film und  essen dabei so viel Eiscreme, wie du brauchst.

Sie lieben dich und unterstützen dich – auch, wenn sie dich nicht immer verstehen.

Echte Freundinnen sind klug, denn in all dem Drama erkennen sie das kleine Wurmloch, wenn du soweit bist Kritik anzunehmen.

Bei echten Freundinnen darfst du ganz du selbst sein.  Verheult und verrotzt. Sie lieben dich, sie unterstützen dich, sie nicken zustimmend. Sie lachen und sie heulen mit dir. Sie bringen dich voran.

Aber sie sind nie. Nie. NIEMALS gegen dich.

Sie nehmen dich genauso an wie du bist.

Evas und Carlys Geschichte lässt dich verständnislos zurück. Du würdest immer für deine Freundin da sein. Ohne Zweifel. Ohne Frage. Carly weiß überhaupt nicht, was Freundschaft bedeutet.

Aber du weißt es.

Jetzt nimm all deine Empörung. Dein Unverständnis. Deine Traurigkeit Carlys Verhalten gegenüber.

Und unterbinde es. Unterbinde es, dass irgendeine unempathische Eva etwas in  deinen Leben zu suchen hast. Schmeiß Carly einfach raus. Sei dir selbst die beste Freundin, genau die, die du brauchst. Sei dir die gute Freundin, die du auch deinen Freundinnen gegenüber bist. Lass es nicht zu, dass du dich selber jemals schlechter behandelst, als du deine beste Freundin behandeln würdest.

Wenn du diese vier Tipps konsequent umsetzt, wirst du überwältigt sein, wie wunderbar es sich anfühlt. Wenn du gut zu dir selbst bist und nicht nur zu anderen. Nicht nur  dann gut, wenn du gerade etwas besonders Gutes geleistet hast. Sondern auch, wenn du mal etwas verbockt hast.

Wende deine Energie in Zukunft nur noch FÜR und niemals gegen dich auf.

Weißt du, was du alles mit dieser Energie erreichen und realisieren kannst? Diese Energie, die du bislang dafür aufwendest, um alles was du nicht kannst und bist, hinreichend zu missbilligen. In den Vordergrund zu stellen. Auf den Thron zu heben.

Mit dieser Energie könntest du  lachend durch den Wald rennen, du könntest dich amüsieren, du könntest deine Pläne vorantreiben und einfach mehr Spaß am Leben haben.

Wenn du es schaffst, diese vier Tipps konsequent umzusetzen, wirst du eine unfassbare Liebe und Leichtigkeit in dein Leben holen.

Einfach so. Ohne ein anderer Mensch zu werden.

Weil du endlich so stolz auf dich wärst, wie andere Menschen es schon längst auf dich sind.

Xoxo

 

Claudia

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