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Du kannst entscheiden, ob du glücklich bist oder nicht.

Ich höre dich schon aufschreien. Die Umstände, das Pech, du findest keinen Job oder du hast zu viel tun. Du würdest nichts lieber tun als glücklich zu sein, aber du hast einfach ein echt hartes Leben. Du scheinst das Unglück magisch anzuziehen. Und du bist eben einfach viel schlechter dran als andere.

Ich höre oft von anderen, dass ich ja leicht reden habe. Mit einem Leben wie meinem, kann man auch nur glücklich sein. Ein Unternehmen, das erfolgreich läuft, Spaß macht und mir Reisen in die ganze Welt ermöglicht, meinem Lifestyle-Blog Business, in dem ich mich kreativ austoben und andere Menschen inspirieren kann, einem Mann, der mich grenzenlos liebt, den besten Kindern der Welt und wunderbaren Freunden.

Jaja, das ist ganz einfach, oder? Man nehme die richtigen Zutaten, ein bisschen Geld, einen Topf voll Liebe, Erfolg on top und fertig ist das glückliche Leben.

Bullshit.

So funktioniert das aber nicht mit diesem mysteriösen und sagenumwobenen Glücklichsein. Es gibt sehr viele Menschen, die scheinbar alles haben, was es braucht, um glücklich zu sein. Alle materiellen und immateriellen Glücks-Booster sind ausreichend vorhanden.  Die süße und ungeheuer gebildetete 27-jährige Tochter aus gutem Haus, die gemeinsam mit ihrem fantastischen und furchtbar netten Mann in einem ungeheuer geschmackvoll eingerichteten Apartment an der UpperEastSide in Downtown NY wohnt. Nennen wir sie Claire. Obwohl unsere Claire so jung ist, hat sie mit ihrem Start-up, das sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin und ebenfalls grenzenlos begabten  Frau, aufgezogen hat, schon ihre erste Million gemacht.

Claire spürt häufig beim Aufwachen diese ungeheure Schwere. Sie ist irgendwie unzufrieden mit ihrem Leben. Macht sich Sorgen um die Zukunft. Und außerdem findet sie ihren Po zu dick.

Claire hat scheinbar alles. Aber sie würde sich nicht als glücklich bezeichnen. Denn irgendwas ist doch immer.

Und Recht hat Claire: Irgendwas ist immer. Wenn du warten willst, bis dein Leben perfekt ist, bevor du anfängst mit dem Glücklichsein, dann wird das mit euch beiden nichts mehr werden, fürchte ich. Wenn du erst die große Liebe gefunden haben willst, oder den richtigen Job angeboten bekommen möchtest. Oder wenn du erst nach Ibiza umziehen willst, um ein Finca-Hotel zu führen,  alles in der Hoffnung, dann das große Glück zu fühlen, dann unterliegst du einem großen Irrglauben.

Das Glück wartet  nicht auf Ibiza auf dich. Das Glück ist heute hier. Bei dir. In dir.

„Glück ist eine Entscheidung.“

Ich bin nicht deshalb glücklich, weil mein Leben so perfekt ist. Ich bin glücklich, weil ich es will. Und dafür ist mir – fast – jedes Mittel recht. Ich blende Sachen aus, die mich nur runterziehen  und mutlos machen. Ich schaue auf das, was funktioniert, anstatt auf das, was nicht funktioniert. Ich konzentriere mich auf das, was ich kann und nicht auf das, was ich nicht kann. Ich lese keine Zeitungen mehr und verlasse mich darauf, dass mich die wichtigen Dinge doch schon irgendwie erreichen.

Bin ich deshalb manchmal nicht über jedes weltpolitische Detail informiert? Ja, das ist so. Aber was würde es mir nutzen zu wissen, dass ein Gericht in Singapore einen 35-jährigen öffentlich mit 25 Stockhieben bestraft hat, weil er ein Kaugummi auf die Straße gespuckt hat.

Nichts. Es würde mir nichts nutzen. Im Gegenteil, es ließe mich traurig und fassungslos zurück. Aber – und das ist viel wichtiger – es würde auch diesem bedauernswerten Mann nicht helfen, wenn ich von der Grausamkeit wüsste, die ihm angetan wurde. Er hätte lediglich einen Nutzen durch meine Mitwisserschaft, wenn ich meinem Entsetzen Taten folgen lassen würde. Tue ich aber nicht, wie mich meine Vergangenheit gelehrt hat. Ich bin keine Politikerin, keine Aktivistin und auch keine politische Journalistin geworden, die gegen dieses Unrecht kämpft.

Ich tue nichts dagegen. Und genau deshalb nehme ich mir auch die Freiheit, es nicht wissen zu wollen.

Mit einer gnadenlosen und unbestechlichen  Anti-Runterzieh-Brille gehe ich durch mein Leben und wische weg, was mich unglücklich mach. Tilge sorgenvolle Gedanken und schaue auf das Schöne.

Das geht nicht so weit, dass ich die Macht habe, Mist und Ärger in meinem Leben zu unterbinden. Doch was auch immer passiert, betrachte ich unter der großen Frage, warum genau das jetzt passiert, was ich dadurch lernen soll und kann.

Und ist es nicht so, wenn alles einen Sinn hat, was dir passiert, dass dann nichts wirklich gegen dich passiert, sondern immer auch für dich?

Wenn du dir vorstellst auch nur einen Tag mit meiner vielleicht etwas naiven aber sanften und liebevollen rosaroten Brille durch dein Leben zu gehen, was würdest du dann sehen?

  • Dein Ärger über die verlorenen sündhaft teuren kalbsledernen Handschuhe würde im Nu verfliegen. Denn endlich hättest du den Antrieb dir wunderschöne dicke warme und alltagstaugliche Handschuhe zu kaufen, die deine Finger wirklich wärmen und dich nicht mit zitternden Fingern an der Bushaltestelle stehen lassen.
  • Deine Enttäuschung über deine Freundin, die zum wiederholten Mal eine Verabredung hat platzen lassen, würde sich auflösen, weil du dadurch unerwartet zu einem ganzen Abend Me-Time inklusive Badewanne, Kerzenschein und Champagner gekommen bist. Du weißt gar nicht, wann du dir das, dass letzte Mal gegönnt hast.
  • Deine Sorge über die Reklamation deines Kunden gleich beim ersten Geschäft würde dich motivieren, ihm zu zeigen, dass du im aktiven und proaktiven Beschwerdemanagement unschlagbar bist und du dich hier deutlich von der Konkurrenz absetzt.

Ist das wirklich immer so leicht?

Nein, dass ist es nicht. Es ist manchmal ein verdammt dreckiger Job. Auch meine Emotions- und Gedankenverknüpfungen machen nicht immer sofort das, was ich will. Aber diese Praxis ist wie ein Muskel, den du trainieren kannst. Mit jedem Mal wirst du stärker und stärker. Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Gefühle und Gedanken richtig ein wenig Angst vor mir haben und sich wegducken.

„Jetzt kommt sie wieder, die Verrückte!“ – dein Ego

Du musst also bereit sein zu arbeiten für dein Glück. Hart zu arbeiten. Zu schwitzen. Und nicht nachzugeben. Und wenn du doch nachgegeben hast, nicht aufzugeben. Nach einer kleinen Runde am Boden, in der du dich in deinem Unglück  wälzt und Tränen und Rotz sich mit dem Staub des übermächtigen Pechs vermischen, solltest du wieder aufstehen und dem Unglück den Kampf ansagen.

„Klappe halten. Ich bin zurück.“ – Du

Ja, tatsächlich sind bei diesen Kämpfen innere Dialoge an der Tagesordnung. Aber mach dir keine Sorgen. Diese Stimmen hören wir alle. Doch das ist eine andere Geschichte.

Ich jedenfalls lasse mich davon nicht aufhalten. Und das solltest du auch nicht tun. Denn wenn du irgendwann eine Meisterin geworden bist, wirst du den heiligen Gral, den Weg zu deinem Glück und deiner Zufriedenheit in den Händen halten. Und dieser Lohn ist den Kampf  wert.

Take care und werde glücklich

 

Deine Claudia

4 Comments

    1. Haha, genau so geht es mir auch immer 😉

      Es freut mich riesig, liebe Doro, dass dieser Post dich so anspricht. Denn es ist einfach so viel sinnvoller seine Kraft zum Glücklichsein als zum Unglücklichsein aufzuwenden. Die unangenehmen Sachen kommen eh von allein. Also, auf geht’s, lass uns versuchen jeden Tag zu feiern. Klappt nicht immer. Aber den Versuch ist es wert.

      Liebste Grüße

      Claudia

    1. Liebe Manuela,

      ja, genauso geht es. Selbst für das Glück sorgen. Nicht warten und hoffen, sondern aktiv gestalten. Danke für deine lieben Worte.

      Liebe Grüße

      Claudia