Dreiergespann

Anna spürt die Augen der Mitarbeiter auf sich gerichtet.

Nach außen hin ist Anna, meine süße virtuelle Freundin, mein mini-me,  komplett ruhig. Contenance bewahren. Der dritte Auftrag in Folge ist an ihrem  Unternehmen vorbei gegangen. Aufträge von Stammkunden, die mit schöner Regelmäßigkeit, treu und loyal, Geschäfte mit ihr machen. Doch dieses Mal können sie nicht am Preis der Konkurrenz vorbei.

Es gibt nichts, was Anna dagegen machen kann.

Annas Mitarbeiter sind bestürzt, machen sich Sorgen, sehen schwarz. Tiefschwarz.

Anna hat das Gefühl einer Meuterei gegenüber zu stehen. Einer Meuterei des Schwarzsehens. Einer kollektiven „Das war’s“ Verzweiflungs-Welle. Niemand glaubt ihr mehr ihr positives denken Gequatsche. Dunkle, schwere angstüberzogene Gemütswolken, die alles zu verschlingen drohen, ziehen auf.

„Aufträge, Boss, wir brauchen Aufträge. Die Zahlen müssen stimmen. Mein Arbeitsplatz ist gefährdet. Was sollen wir tun? Wie geht es weiter?“ Das ist es, was das Team umtreibt.

Wortlos zwar, keiner spricht es aus. Aber Anna spürt die Ängste. Kann die Sorgen und Gedanken fast körperlich fassen.  Schwer und klebrig hängen sie im Raum. Anna lächelt, tröstet, spricht Mut zu.

Doch auch  sie hat Angst. Unglaubliche Angst. Sie spürt ihr Herz rasen. Die Angst in Tränen auszubrechen ist übermächtig. Alles ist so schwer. Sie kann die Last nicht mehr tragen.

Aber sie funktioniert. Sie nimmt die Sorgen der Mitarbeiter an. Nimmt sie ernst. Diskutiert. Bespricht Strategien. Und  stets vermittelt sie, dass sie einen Weg finden werden. Daran gibt es keinen Zweifel.

Und endlich spricht Anna die erlösenden Worte:

„Okay Leute, macht Feierabend. Morgen sprechen wir weiter.“ Anna

Während die anderen das Office verlassen, sackt Anna in sich zusammen und ist mutlos. Verzweifelt. Sie übersteht die restlichen Stunden des Tages. Als sie  im Bett liegt, lässt sie sich umarmen von den tröstenden Armen des traumlosen Schlafs. Während sie hinübergleitet in die Dunkelheit, entwirft sie erste Strategien.

Das ist die Realität eines Selbstständigen. Die Zahlen sind dein Freund oder dein Feind. Beide Seiten der Medaille.

In seiner Blogparade fragt sich  Peer Wandinger , ob das zusammengeht: Selbstständig und glücklich.

Es gibt unzählige Artikel zu diesem Thema. Artikel, die dir Hacks und Tools und Strategien verraten mit denen du es schaffen kannst als Selbstständiger glücklich zu sein. Strategien für alle Arten von Business-Typen. Es gibt die Individualisten, denen die Selbständigkeit alles bedeutet. Es gibt die Traditionalisten, die das Unternehmertum im Blut zu haben scheinen. Es gibt die Solopreneure, die sich ausprobieren. Ihre Vision leben wollen.

Sie alle sind bunt.

Die Ballettlehrerin, mit dem großen Herzen für ihre kleinen Schüler und der Freude am Beobachten der ersten zaghaften Schritte, die sie begleiten und anleiten darf.

Der Marketing Mann, der networkt bis die Polizei kommt und auf jedem Event der Stadt dabei ist und  so potentielle Neukunden akquiriert.

Und Anna mit dem Handelshaus und  dem austauschbaren Qualitätsprodukt, die ihre Kunden über charmanten und komfortablen Service und Kompetenz  an sich bindet.

Die zahllosen Artikel passen für jeden und doch für keinen. Anna braucht andere Kompetenzen als die anmutige Ballettlehrerin. Der Döner-Buden-Mann etwas anderes als der Personal Coach.

Drei Dinge brauchst du auf deinem Weg

Doch  sie alle brauchen die drei „ohne-geht-es-nicht“-Komptenenzen:

  • Die Kunst zu verlieren.
  • Die Kraft den  Angstmoment auszuhalten
  • Die Fähigkeit, wenn alles gegen einen Erfolg spricht, den long run Erfolg zu sehen, ihn zu riechen, ihn zu spüren

Denn du wirst verlieren als Selbstständiger. Wieder und wieder.  Es wird immer irgendetwas Unvorhergesehenes  passieren. Ein Konkurrent, der plötzlich der Liebling aller ist. Der Mitbewerber, der mit den Preisen in den Keller geht. Die neue Wanderung. Der neue Hype.

Wann immer du glaubst auf dem Zenit des Erfolgs zu stehen, wird etwas passieren. Selbständigkeit bedeutet Wandel. Was gestern gut war, ist heute langweilig. Du darfst nie stillstehen. Du darfst nie aufhören dein Business weiterzuentwickeln.

Das alles ist sehr anstrengend. Du arbeitest viel. Sehr viel. Würdest am liebsten rund um die Uhr arbeiten um alles zu schaffen. Doch auch das geht nicht. Du  musst dich ausruhen. Worklife Balance ist gefragt.

Doch die wahre Herausforderung tritt ein, wenn du verloren hast. Die Fähigkeit, ein ganzes Feuerwerk an Ideen und Strategien loszutreten, gerade wenn du es NICHT geschafft hast.

Das ist die Key Kompetenz.

Der Moment, wenn du wie ein verletztes Tier nur deine Wunden lecken willst. Wenn deine Ängste dich in einer atemberaubenden Umarmung umschlingen. Okay, gönne dir die Phase des Verzweifeltsein. Diesen einen Abend der Hoffnungslosigkeit.

Okay Leute, wir schaffen das

Aber morgen musst du wieder da sein. Dein Wille zu gestalten und deine Freude an deiner Arbeit muss größer sein als deine Angst vor Niederlagen. Deine Freude an der Autonomie,  der Kreativität und das Leben deiner Vision,  muss die wachen Nächten, die bedrohlichen Gespräche mit dem Steuerberater wert sein.

Es muss so vieles in dir sein, dass du in die Welt bringen willst. Das Korsett einer  Festanstellung  wäre zu eng für dich. Würde deine Flügel stutzen.

Aber Passion allein reicht nicht. Entscheidend ist deine Fähigkeit gerade in den Momenten der Niederlage loszulegen. Denn das ist der Moment, in dem du deine Konkurrenz überholen kannst. Das ist der Erwachenmoment, wo die anderen klagen, sich ängstigen und gelähmt sind.

Diese Kompetenz hat etwa Widersprüchliches. Denn ja, auch du hast Ängste. Denn auch du möchtest dich verkriechen. Aber deine „Here I am back“ Erholungsphase ist einfach kürzer als die der anderen. Dir reicht die eine schlaflose Nacht. Das eine Glas Rotwein  zu viel. Der 12 km Lauf. Oder das unbeschwerte Lachen deiner Kinder. Das reicht, damit du am nächsten Tag wieder da bist. Und du glaubst wirklich daran. Du hast Ideen. Und du hast eine Vision.

Mit dieser Vision, dieser bedingungslosen Zuversicht an die eigene Kompetenz schaffst du es. Auch wenn im Moment vielleicht alles gegen einen Erfolg spricht. Du guckst weiter. Du siehst nicht nur den nächsten Monat, sondern siehst ganz genau, wo du in 10 Jahren stehen wirst.  Dieser Sichtweise wohnt eine gewisse Weltfremdheit inne. Ein Ausblenden der Realität. Doch wenn du nur das Jetzt sehen würdest, wäre da nur die Niederlage. Von dort – dieser Fähigkeit deine Vision realisiert vor dir zu sehen –  bekommst du deine Kraft und Zuversicht.

Wo andere nur die Niederlage sehen, siehst du neue Möglichkeiten.

Du bist ganz fest davon überzeugt, dass es immer einen Ausweg, eine neue Chance gibt.

Zieh die Tanzschuhe an – Rock’n Roll, Baby

Diese Fähigkeit zu Verlieren und wieder Aufzustehen steckt  auch in dir. Vielleicht ganz klein, vergraben unter einem Reisighaufen der Scham, des Versagen, der Vorwürfe.

Du hast versagt. Du bist ein Looser. „Verzieh dich und lass mal die Sieger vor“. Das sind deine Erfahrungen. Niemand sagt es in dieser Deutlichkeit. Ja und dennoch gab es schon in der Schule nur die beste Freundin, die dich umarmt hast, als du dir die dritte 5 in Folge abgeholt hast. Niemals wirst  du hingegen die mitleidigen und überheblichen Blicke der anderen vergessen, die von deiner Inkompetenz überzeugt waren.

Erfahrung auf Erfahrung. Nie hat einer die Möglichkeit gesehen, dass du durch gemachte Fehler verbessern kannst. Niederlagen werden verschwiegen.

Und so bist du  hier. Ganz ungeübt in der Kunst des Verlieren. Doch die Fähigkeit ist da. Sie ist in uns angelegt. Denn Verlieren und Niederlagen sind Bestandteil des Lebens.

Ur-Instinkte. Der Clan, der das Mammut gejagt hat und es nicht erlegen konnte. Wochen des Hungers. Diese niederschmetternde Erfahrung folgte der furiosen Erlegung des Mammuts im Vormonat. Die Genetik des Verlieren ist Bestandteil unseres Lebens.

Verhungern musste jedoch nicht der Jäger,  dem das  Tier entkommen ist, sondern der, der nach dieser Niederlage  nicht erneut auf die Jagd gegangen ist.

Das heißt, du musst diese Fähigkeit zu verlieren, die du in dir trägst, wie einen Muskel trainieren . Ihn langsam aufbauen. Dem Muskel zu vollem Wachstum verhelfen.

Mit dem Training dieser Key Kompetenz steht deinem Glück als Selbstständiger  nichts im Weg. Mit der nötigen Portion Realismus, mit einem gescheiten Back-up und einer Kultur des Scheiterns hast du die Möglichkeit, deinen Traum zu realisieren. Nie wirst du authentischer und individueller du selbst sein und deinen Weg gehen, als in deinem eigenen Business. Und diese Freiheit ist die Anstrengung auch wert, denn du gehst deinen Weg.

Take care und sei glücklich

 

Deine Claudia

2 Comments

  1. „Es ist manchmal ein großes Glück, nicht zu bekommen, was wir uns wünschen.“ (Dalai Lama).
    Das ist auch meine ganz persönliche Erfahrung.
    Und ich habe das Gefühl, dass nach dem abgesagten Auftrag nun ein viel besserer, größerer, lukrativerer, erfüllender auf Euch wartet! Wirklich…! 🙂
    TSCHAKAAA! <3
    Alles Liebe, Melanie

    1. Liebe Melanie,

      was für ein schöner Kommentar. Danke. Genau darum geht es: Annehmen, was passiert. Und erkennen, dass es weiter geht. Immer. Und ja, dein Ansatz, dass etwas Besseres kommt, ist großartig. Denn wenn du daran glaubst, ist das Aufstehen sehr viel leichter.
      Auch dir alles Liebe

      Claudia