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Meine virtuelle Freundin Anna hält einen Vortrag vor einer ausgewählten Gruppe von Architekten und präsentiert ihre Version der Innenstädte 3.0 . Mit Dachgärten, die mit ihrem  Grün beruhigende und inspirierende Impulse geben. Mit Luft, die  von dem betörendem Duft von Flieder, Lilien und Lavendel erfüllt ist.

Und dann passiert es – Speakers Alptraum: Ein Blackout.

Anna hat den Faden verloren, verhaspelt sich, findet nicht die richtigen Worte

und

sie lacht.

Anna lacht über diesen Alptraum, flicht ihr Erleben in den Vortrag ein und zieht die Zuhörer in ihren Bann.

Der Vortrag ist nicht so gelaufen, wie es geplant war. Aber er war deshalb nicht weniger gut. Alle Anwesenden gratulieren  Anna nachdem sie den Vortrag beendet hat. Gratulieren zu ihrem Vortrag, aber noch viel mehr zu ihrer Fähigkeit unperfekt zu sein. Spontan, sich annehmen in der der eigenen Un-Perfektion und bereit, die neue Situation anzunehmen.

Was soll’s? Es ist nur ein Vortrag.

Ich und mit mir ganze Heerscharen von Perfektionen wären so gern wie Anna. UnPerfekt.

Ein gutes Ziel. Ein sehr gutes Ziel. Ein Ziel,  dessen Erreichung dich weiterbringen würde. Aber wie soll das funktionieren? Die Blogparade von Jutta Held nehme ich als Anregung, in dieses Thema einzusteigen.

Wie kommst du aus Perfektion-Falle?

Warum willst du perfekt sein

Perfektion.

Laut Wikipedia ein Zustand, der den Peak erreicht hat. Verbesserung ist nicht mehr möglich. Vollkommene Befriedigung und Zufriedenheit. Makellos.

Es gibt 1000 Bücher, Ratgeber und Studien und alle sagen dir das Gleiche: Verlass die Perfektions-Falle.

Die (Sehn)sucht nach der Perfektion macht krank. Du kannst schlecht abschalten.

Diese offensichtlichen Gründe sind das kleine 1 x1 von Coaches, Psychologen und Volkesstimme.

Und auch die offensichtlichen Gründe sind jedem klar. Du hast

  • Angst vor Ablehnung
  • Angst zu versagen
  • ein geringes Selbstwertgefühl
Und wir wissen auch alle, dass sich das Selbstwertgefühl, dass einer DER Faktoren dafür ist, ob du komplett  in die Perfektions-Falle tappst,  in den prägenden ersten Jahren der Kindheit entwickelt.
Das ist alles altbekannt. Bringt dich nur zum Gähnen und müsste nicht neu als Artikel geschrieben werden.

Du und ich, wir wissen, dass es falsch ist, nach Perfektion zu streben. Wir wissen, dass es uns lähmt. Dass uns dieses Bedürfnis starr und unflexibel macht. Wir wissen Gründe und Ursachen.

Wenn dich ein Perfektionist fragt, ob er loslegen soll, obwohl er noch nicht zufrieden ist mit seinem Projekt, wirst du ihm mantra-artig die Standard-Radschläge geben:
„Geh raus.“
„Better done than perfekt.“
Ja, ja, ja. Aber das gilt nicht für dich. Denn dieses Gefühl perfekt sein zu wollen,  ist so sehr da.

Vermeintliche Wege aus der Perfektion

Mit der  Strategie des Kopfmenschen zwinge ich mich gelegentlich dazu Dinge zu tun, die unperfekt sind. Mit einem vermeintlichen Augenzwinkern. Stehe nach außen scheinbar zum Un-Perfektsein. Doch in meinen Inneren will ich immer noch perfekt sein, die Dinge perfekt tun und fehlerfrei sein.  Denn natürlich sind diese frühkindlichen und gesellschaftlichen Prägungen nicht mit einem guten Blogartikel oder einer Coaching-Stunde erledigt.
Denn der Schmerz vor Ablehnung und die Sucht zu gefallen, sitzt sehr viel tiefer. Tim von Mymonk beschreibt  diesen Schmerz mit einer Präzision, die der Punktlandung einer A380 auf dem Segelfliegerplatzplatz in Ovelgönne gleichkommt.
„Wenn Du wüsstest, wie ich wirklich bin. Du würdest mich genauso wenig mögen wie ich mich selbst mag. Das ist meine Angst.“
Und für diesen tief sitzenden Schmerz, diese Angst nicht zu genügen, braucht es mehr als ein paar gut gemeinte Ratschläge.
Es braucht ein Feuerwerk an  wirkungsvollen Tipps, Tricks und Learnings um aus dieser Sucht-zu-gefallen-Falle zu entkommen. Worte, die dein Herz erreichen. Erkenntnisse, die tiefer gehen. Und Learnings, die es dir ermöglichen, DICH zu präsentieren. Und nicht die Fiktion des Unperfekten, die du konstruiert hast, um unperfekt  zu erscheinen.
Und hier sind meine ultimativen Mindsetter, die über Kopf und Seele gehen und so die Versöhnung mit dem ICH wirklich leichter machen. Denn sie  drücken die Knöpfe des Perfektionisten: kleine Eitelkeiten, großen Sorgen und Ängste.

Perfektion ist okay

Entspann dich.  Du willst perfekt sein.

Das ist komplett okay.

Auch wenn die Welt der Persönlichkeitsentwicklung angesichts dieser These aufschreien mag. Aber das Streben nach Perfektion ist nicht per se schlecht. Tatsächlich brauchst du in bestimmten Berufen genau dieses Streben. Immer mehr, immer tiefer, immer weiter. Oder wünscht du dir  einen Forscher,  der satt und entspannt seine komplett desaströsen, ungenauen, sehr unperfekten  Forschungsergebnisse  in die Welt hinaus lässt?

Nein, in  bestimmten Berufen brauchst du dieses Streben nach Perfektion und Präzision, nach Fehlerlosigkeit.

Also verachte dich nicht dafür, wenn du aus deinem tiefsten Inneren  nach Perfektion strebst.

Perfektion ist langweilig

Perfektion ist Stillstand. Perfektion ist langweilig.

Hast du schon mal die Mona Lisa angeschaut? Wie lange fasziniert dich dieses Bild? Dieses Bild, das alle Anforderungen im Hinblick auf Komposition, Farbgebung, Stimmung und Kontext erfüllt?  Mich langweilt es, wenn ich es lange genug anschaue. Ich kann mich nicht daran reiben. Nichts stört mein Auge, meinen Geist.

Nein, ich will nicht das künstlerische Genie von Leonardo, dem Universal-Genie in Frage stellen. Aber dennoch ist die gute La Gioconda ein kleines bisschen fad. Hätte Mona Lisa einen Pickel auf der Nase würde sie mich mehr faszinieren.

Perfektion ist Stillstand

Ich hatte in den 80-igern das perfekte Outfit: eine schwarze Leggings, ein neon-pinkes knielanges T-Shirt, dass ich auf der Hüfte geknotet trug. Dazu einen hohen Zopf mit Dauerwellenlöckchen auf dem rechten Oberkopf. Meine Freundin Claudia – die im Partnerlook natürlich das gleiche Outfit trug – und ich waren uns sicher, dass wir das perfekte Outfit trugen. Wir waren cool, wir hatten den ultimativen Geschmack und es würde nie ein besseres Outfit für den Samstagabend geben. Alles war perfekt.

Wie schade, dass es niemanden gab, der uns sagte, dass Perfektion subjektiv ist.

Und wie schade, dass uns niemand sagte, dass Perfektion Stillstand ist. Was heute noch der perfekte Film ist, kann den Zuschauer von morgen langweilen. Ist zweitklassig.

Perfektion ist eine Illusion. Ist nicht objektiv.

Die wahre Perfektion liegt im Prozess. Darin, anzuerkennen, dass es nichts Perfektes gibt. Ein Ergebnis, das nur in unserer Fantasie und unseren Träumen existiert. Und je schneller du akzeptierst, dass nicht Perfektion sondern Entwicklung das Ziel ist, um so besser für dich. Und umso schneller kannst du dich zurücklehnen und das Leben genießen.

Das ganze Gestrampel nach der Perfektion kannst du dir also sparen.

 

Provoziere dich mal selbst

Was sind deine Lieblings  „Ich-bin-perfekt“ Fantasien? Der perfekte Blogartikel? Die spannungsgeladene und lösungsorientierte Präsentation? Der ultimative Elevator Pitch oder auch die atemraubende Geburtstagstorte für dein Nesthäkchen?

Dann hör mir mal gut zu: vergeig es. Mach es ganz bewusst und tue dein Bestes dazu, dass es nicht klappt, dass es schlecht wird.

Schreib einen langweiligen Artikel, voller Fehler, schlecht recherchiert und überflüssig. Backe die Torte für dein Kind mit Salz statt mit Zucker. Vergeig die Präsentation, zieh dir eine Bluse mit Flecken an. Und stottere auf dem nächsten Netzwerktreffen mit knallrot angelaufenem Gesicht  herum.

Stell dir diese Situation bildlich vor. Spüre, wie dich alle anschauen, alle peinlich  berührt schweigen und dich dann verlegen stehen lassen. Hast du dieses Gefühl vor dir?

Und jetzt geh noch einen Schritt weiter. Du sitzt Abends mit den Menschen zusammen, die dich lieben. Und was werden diese Menschen tun? Werde sie überlegen dich zu verlassen, weil du so unperfekt bist? Sind sie entsetzt DICH zu sehen?

Nein, sie werden dich umarmen, dich vielleicht ein bisschen aufziehen, mit dir lachen und dann mit dir über die Dinge reden, die wirklich wichtig sind.

Der Perfektionist steigt perfekt aus

Vergiss nie wer du bist: Mrs oder Mr Perfekt. Natürlich willst du auch den perfekten Ausstieg aus dem Perfektionismus hinlegen. Aber du bist nicht irgendwer. Du macht die Dinge eben … perfekt. In deiner Sucht alles perfekt zu machen, wirst du dir auch bei diesem Schritt  – nämlich dem Ausstieg aus der Perfektions-Falle – selbst im Weg stehen.

Also, nimm noch mal die vorherigen Schritte und verinnerliche sie. Fühle die Erleichterung. Und vergiss, was außen ankommt, mach es es dir intellektuell bewusst oder meditiere es dir herbei. Aber mach keine Mission daraus. Versuch es halt einfach. Und wenn es nicht klappt, versuchst du es das nächste Mal.

Es ist keine Aufgabe. Es gibt keine Punkte.

Und wenn du es mal fakest, ist das auch okay. Denn du wirst dennoch erleben, dass die Welt im Angesicht deiner unperfekten Performance nicht untergegangen ist. Und du wirst es genießen. Zuerst ein bisschen und beim nächsten Mal dann schon etwas mehr.

Akzeptiere es, du bist du und wirst nie ganz aufhören nach Perfektion zu streben. Nimm dennoch die Hilfestellungen und sag dir einmal am Tag: Ich werde niemals perfekt sein.

Niemals.

Perfektion ist also ein Paradoxum. Eine Illusion. Darum brich einfach  mit deiner Sucht nach Perfektion. Probiere das Unperfekte. Spiele mit den Vorstellungen. Erschrecke dich über das Unperfekte. Genieße das Unperfekte. Und ja, das ist schwer, denn du musst Dinge von dir akzeptieren, die du nicht magst. Das geht uns allen so. Schluck die Kröte und lass uns die Pizza bestellen für einen super gemütlichen Abend

Alles ein Spiel, eine Illusion. Lass es einfach los. Du bist in einem unendlichem Kreislauf und du wirst nie ankommen. Nie ankommen bei deiner Vision von deiner eigenen Perfektion. Lass los.

„Hab keine Angst vor der Perfektion, denn du wirst sie nie erreichen.“ Salvador Dali

Deshalb sei einfach smart statt perfekt und sage dir – wann immer dich dein ganz persönlicher Perfektion-Dämon reitet:

Gut ist auch genug.

Deine – definitiv und ganz und gar – unperfekte – aber wäre so gerne perfekt –

Claudia