Die beste Möglichkeit herauszufinden, ob du jemandem vertrauen kannst, ist es, ihm zu vertrauen.

Vertraue einfach jemanden. Mit offenem Herzen. Ohne Netz. Den Rest erledigt das Leben: Entweder du hast zu Recht Vertrauen geschenkt oder eben nicht. Du bekommst Klarheit. So oder so.

Das hört sich für dich banal an? Ist es aber nicht. Ich erzähle dir eine Geschichte. Eine sehr alte Geschichte.

Der geschäftstüchtige Mann, lass ihn uns wieder Karl nennen – und lass uns die online Welt für einen Moment verlassen –  hatte eine geniale Geschäftsidee. Sein Ansatz war komplett neu und revolutionär für seine Zeit. Er hatte den Fokus komplett auf den Kunden ausgerichtet. Er fragte sich, was genau das Problem seines potentiellen Kunden ist.  Er fragte sich, worin er ein Experte war. Immer spitzer drang er in diese Fragestellungen ein.

Ratten. Häßliche, gierige Nager, waren das Problem. Eine wahre Plage. Sie breiteten sich aus. Waren überall. Jeder Versuch, die Situation zu beherrschen, scheiterte.

Das war Karls Nische. Ordentlich spitz. Er konnte dieses Problem lösen. Alles war perfekt. Und so tauchte er in Hameln auf. Sorgte dafür, dass er Aufmerksamkeit erregte. Buntes Gewand. Machte seine Angebote. Löste das Problem. Schaffte die Ratten aus der Stadt.

Doch er bekam den versprochenen Lohn nicht. Dafür rächte er sich ganz furchtbar. Doch das ist eine andere  Geschichte. Ihr kennt sie alle. Muss ich hier nicht erzählen. Doch was in Hameln passierte, ist ein Paradebeispiel dafür, wie Vertrauen und Mißtrauen funktionieren, alles beeinflußen und behindern.

Die Erkenntnis, die wir aus Karl und Hameln und den Ratten mitnehmen können ist:

So geht es nicht.

Ich lass mich nicht verscheißern

In uns ist ein ungeheuer starkes Bedürfnis nicht der Dumme sein zu wollen. Das Ego feuert diesen Wunsch immer weiter an:

„Ich passe auf, du kannst mich nicht überlisten. Da musst du eher aufstehen. Du wirst es nie schaffen mich zu verletzen. Ich bin schlauer. Ich lese die Zeichen. Ich werde wissen., wann du lügst.“

Wenn wir misstrauen, geben wir all diesen Gedanken und Ängsten bereitwillig die Bühne:

Herzlichen willkommen, Misstrauen!

„Das passt  überhaupt nicht zu dem, was du letzte Woche erzählt hast. Und nein, es ist nicht logisch. Es ist komplett unlogisch.“

Wir versuchen intellektuell alle Informationen zu sammeln, zu archivieren, zu verknüpfen und auszuwerten. Eine glasklare Analyse, die nur ein Ergebnis zulässt: Es kann nicht stimmen, was du mir erzählst.

Highnoon – wer zieht zuerst?

Da hast du sie, deine Fakten. Sauber recherchiert. Glasklar analysiert. Du bist dir so sicher, dass du belogen wirst. Dabei ist es vollkommen egal, ob es sich um deinen Mann, eine Geschäftspartnerin, deinen Sohn oder deine Freundin handelt. Du bist dir sicher, dass du verscheißerst wirst. Deine Analyse hat ohne jeden Zweifel ergeben, dass die ganze Geschichte stinkt. Und zwar hinten und vorne.

Es kann niemals so gelaufen sein. Du hast den Verräter erwischt. Du führst ihn vor. Konfrontierst ihn  mit deinen Erkenntnissen. Richtest den Strahl der Lampe direkt in seine Pupillen. Haust ihm die Fakten um die Ohren.

Was ist eigentlich dein Ziel?

Da hast du nun den Verräter bravourös  überführt. Dein Mißtrauen war wieder einmal dein Mitarbeiter Nummer 1.

Du haust dem Verräter deine Wahrheit um die Ohren:

„You are a thief and a liar“ – Tess

Du reckst stolz deinen Rücken, ein süffisantes Grinsen überzieht dein Gesicht.

Der Blues des Sieges

Aber bist du deinem Ziel  einen Schritt näher? Oder zumindest einen halben Schritt? Bist du heute glücklicher als gestern, als du noch belogen wurdest?

Nein.

Die Wahrheit ist, wenn du hervorragend deinen Lügner entlarvt hast, geht es dir nicht besser.

Denn du wolltest diese Erkenntnis nicht. Sie lähmt dich. Traurigkeit und Enttäuschung überfluten dich.

Obwohl,  eigentlich  bist du genau jetzt da, wo die Arbeit beginnst. Was können wir in Zukunft besser machen, damit du nicht das Gefühl hast, mich belügen zu müssen. Was ist der eigentliche Grund für deine Lüge? Aber ich weiß, es ist jetzt nicht der richtige Moment für diese Fragen.

Doch ich muss dir etwas sagen: Dein Ziel war es niemals den Lügner zu entlarven. Du bist doch nicht Sherlock Holmes. Du wünscht dir sehnsüchtig ein „Nein“. Du wünscht dir die Bestätigung, dass alle deine Sorgen und Ängste unnötig waren. Eigentlich möchtest du am liebsten bestätigt bekommen, dass alles so läuft und immer laufen wird, wie du es dir wünscht.

Denn es sind deine Ängste, die dich nachts nicht schlafen lassen. Das können Befürchtungen jeder Art sein:

Was, wenn mein Geschäftspartner eine bessere Kooperationspartnerin gefunden hat? Was, wenn die Affäre meines Mannes keine Affäre, sondern eine große Liebe ist? Was, wenn mein Kind eine anderen  Weg geht, als den, den ich in meinem gedanklichen Portefeuille habe?

Es sind deine Probleme. Deine Sorgen. Deine Ängste. Wenn du deinem Mißtrauen die Bühne überlässt, bekommen genau diese Ängste die Kontrolle. Das Drama. Die Aufmerksamkeit.

Das kannst du nicht zulassen. Niemals. Du musst die Kontrolle behalten. Mutti wird das alles richten.

Die Wahrheit ist: Du wirst nichts richten. Es ist nicht deine Aufgabe. Egal was du dir einredest: Dein Mißtrauen schützt dich nicht vor Schmerz, sondern schafft ganz neuen und extra bösen Schmerz.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie es für DEINE Menschen ist, wenn sie spüren, dass du ihnen misstraust? Verständlicherweise haben sie nicht den Fokus auf dich und deine Angst vor dem Kontrollverlust, wenn sie Mißtrauen spüren. Sie wissen nicht, dass deine primäre Motivation ist, sie zu beschützen.

Was sie sehen und voller Wut und Enttäuschung spüren, ist dein Misstrauen. Dein Misstrauen, das sie verletzt. Dein Mißtrauen, dass ihnen zeigt, dass sie falsch sind und nicht gut genug, das Problem allein zu lösen.

Pimp-up your best part

Warum misstraust du eigentlich? Geht es um Recht bekommen? Besonders investigativ oder clever zu sein?

Ganz sicher nicht. Es sind zwei elementare Motivationen, die dich misstrauisch sein lassen:

  • Du möchtest nicht verletzt werden.
  • Du möchtest nicht, dass die verletzt werden, die zu liebst.

It’s really that simple.

Es geht nicht wirklich um die anderen, sondern es geht um deinen Film, den Film deines Lebens. Deiner Vorstellung wie die Dinge laufen müssen. Wenn du das Gefühl hast, dass dieser Plan in Gefahr ist, beginnen deine Alarmglocken schrill zu kreischen.

Schmeiß das alles einfach weg. Und fang wieder an auf deine Intuition zu hören. Deine Intuition ist der  beste Berater,  den du haben kannst. Schau auf die Liebe und lass einfach los, was dich überhaupt nichts angeht.

Und denk daran, zu vertrauen ist der sicherste Weg.

Außerdem ist es manchmal gar nicht so wichtig den Lügner zu entlarven. Denn wie schon Danny Ocean, Tess auf ihre Aussagen, dass er ein Dieb und ein Lügner sei, erwiderte:

„I only laid about being a thief.“

 

xoxo

 

Deine Claudia

 

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