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Wer kennt sie nicht, diese Tage, an denen alles schief zu laufen scheint. Du hast verschlafen, machst dich  in aller Hetze fertig, das Frühstück fällt aus und du rennst wie eine Verrückte um den Bus zu kriegen, der dir natürlich vor der Nase wegfährt. Als du endlich bei der Arbeit angekommen bist, hat das Meeting schon begonnen und weil du keine Zeit hattest dich noch einmal zu sammeln und vorzubereiten, kämpfst du dich durch deinen Vortrag und wirst immer nervöser und gestresster. Dein Chef ist nicht begeistert und du quälst dich frustriert und gestresst durch den Tag, um dich am Abend mit deinem Partner zu streiten, weil er die Spülmaschine nicht ausgeräumt hat und nach diesem miesen Tag auch das noch an dir hängen bleibt. Spät am Abend fällst du todmüde ins Bett und bist frustriert und fragst dich, warum an diesem verdammten Tag aber auch alles schief gegangen ist.

Wäre es nicht großartig, wenn es einen Ausweg gäbe? Wenn du es in der Hand hättest, wie dein Tag verläuft?

Zuerst die schlechte Nachricht: Dinge passieren. Du wirst verschlafen, du wirst einen Vortrag vermasseln und deine Umwelt wird  gelegentlich deine Erwartungen enttäuschen.

Die gute Nachricht ist, dass du es in der Hand hast, was diese Dinge mit dir machen. Unsere erste Reaktion auf Missgeschicke oder Ärgernisse ist spontan und nicht von uns zu beeinflussen. Aber du kannst beeinflussen, ob du die erste Reaktion beibehältst. Es ist eine Frage der Perspektive. Durch die Haltung, die zu den Ereignissen einnimmst, beeinflußt du, was sie mit dir machen und wie du sie empfindest.

Dein Tag hätte auch so aussehen können: Du bleibst noch etwas länger im Bett liegen und genießt die Wärme des Bettes, du sammelst  und fokussierst dich auf die  Aufgaben, die heute anstehen. Um keine Nervosität vor dem Vortrag im Meeting aufkommen zu lassen, straffst du deine Morgenroutine. Zwar hast du dich zeitlich etwas verkalkuliert, so dass du dein Frühstück ausfallen lassen musst. Das ist wunderbar, denn so kannst du spontan einen Obsttag eingeschieben, der dir gut tun wird.  Du schnappst dir im Rausgehen einen Apfel und freust dich und genießt dein leichtes Frühstück. Im Meeting beginnt du sofort mit deinem Vortrag. Da die Zeit etwas knapp ist, lässt du ein paar Passagen aus und spürst, dass dein Vortrag gerade durch die  spontane Kürzung an Qualität gewinnt. Du bist zufrieden mit dir und genießt das Lob der Kollegen. Nach einem intensiven Arbeitstag freust du dich auf einen gemeinsamen Abend mit deinem Partner und entscheidest, dass die Hausarbeit liegen bleibt und du den Moment genießt. Später liegst du erschöpft und zufrieden in deinem Bett und freust dich über deinen guten Tag.

Durch den Wechsel deiner Sichtweise auf die Ereignisse kannst die Dinge in einem anderen Licht sehen.

Damit ist nicht gemeint, dass du Dinge schönreden sollst. Selbstverständlich gibt es Ereignisse, die du nicht haben musst und Tage, die dich nerven. Aber durch die Gewichtung und Bewertung kannst du den Kreislauf unterbrechen, so dass du nicht alles, was dir passiert, in einem negativen Licht siehst. Du musst dir bewusst machen, dass deine eigene Bewertung keine absolute Wahrheit ist, denn die gleiche Sache kann für jemanden anderen eine vollkommen andere Bedeutung haben.

Der 70 jährige Rentner und der 25 jährige Arbeitslose haben beispielsweise gemeinsam, dass sie sehr viel Freizeit haben. Die gleiche Lebenssituation wird von beiden jedoch vollkommen anders wahrgenommen. Während der Rentner die freie Zeit nach einem langen Arbeitsleben genießt und sich freut, endlich die Dinge zu tun, für die er früher nie Zeit hatte, ist es für den jungen Arbeitslosen der Beweis seines Versagens. Die Stunden ziehen sich und er hat Schwierigkeiten die Stunden zu füllen.

Vorkommnisse haben also keine festgeschriebene Bedeutung. Nur durch die Betrachtung aus einer festen Perspektive erscheinen sie  eindeutig.  Wenn du die Ereignisse in einem anderen Licht betrachtest, gibst du ihnen einen anderen Rahmen. Wenn du den Rahmen wechselt, kannst du ihnen eine neue, ganz andere Bedeutung geben. Dadurch kannst du den Missgeschicken oder Misserfolgen, die dir passieren, eine  neue positive Bedeutung geben. Zumindest aber kannst du ihnen einen positiven Aspekt abgewinnen oder dich mit ihnen versöhnen.

„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wir sehen sie, wie wir sind.“ Talmud

Anfänglich fällt es uns sehr schwer, das, was uns passiert, unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten und umzudeuten. Aber mit ein bisschen Übung fällt es leichter. Denn du wirst merken, wie du Situationen leichter nimmst, wie du gestärkt aus deinem Tag gehst und es selber in der Hand hast, ob dich Missgeschicke runterziehen oder du sie versöhnlich annimmst.

Durch die Betrachtung in einem neuen Rahmen eröffnest du dir Perspektiven. Du kannst Misserfolge als Teil des Weges bewerten oder sogar einen Nutzen daraus ziehen. Die Erfinder des Post-it wollten eigentlich einen Super-Kleber entwicklen. Herausgekommen ist ein löslicher, leicht haftender Klebstoff. Statt dieses Ergebnis ausschließlich als Misserfolg zu bewerten, haben sich die Entwickler gefragt, was sie mit diesem Ergebnis  anfangen können. Den Rest der Erfolgsgeschichte kennst du.

Diese Methode der Umdeutung  ist verlockend und möglicherweise überlegst du, ob du in Zukunft nicht immerzu Ereignisse umdeutet und einfach alles wunderbar findest, was dir passiert. Tu es nicht. Die Umdeutung verbraucht sich, wenn du ständig damit arbeitest. Lass die Dinge zu – auch  Frust. Frust  und Misserfolge gehören dazu. Doch wenn du das Gefühl hast, dass dir ein Tag oder ein Projekt  komplett aus dem Ruder laufen und du förmlich auf das  nächste Mißgeschick wartest, dann kannst du die Umdeutung ganz gezielt einsetzen und so den  Kreislauf  unterbrechen.

Wenn du die Situation anders bewertest, erlangst du die Kontrolle über das, was dir passiert. Du setzt einen neuen Rahmen, der es dir ermöglicht, die Dinge in einem neuen Licht zu betrachten. Du kannst sie annehmen oder im besten Fall zu deinem Vorteil nutzen. Und so wird aus einem total miesen Tag doch noch ein schöner Tag.

Deine

 

Claudia

 

 

 

 

 

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