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Du hast dir ein smartes Ziel gesetzt. Den Weg dorthin hast du komplett verinnerlicht. Du hast zahllose richtig gute und motivierende Artikel zu diesem Thema gelesen. Du weißt ganz genau, mit welchen Techniken du dieses Ziel erreichen kannst.

Was aber, wenn diese Art des bedingungslosen  goalgetting dich eher ausbremst, als dass sie dich voranbringt?

Der wirklich großartige und mein persönlicher Motivationsheld, Tony Robbins sagt:

„ Setting goals is the first step in turning the invisible into the visible.“

Tony ist in seiner Energie und Power wirklich einzigartig. Wenn ich einen dieser lustlosen und unmotivierten Tage habe, ist ein Motivationsvideo von ihm mein Positiv-Pusher, der mich energiegeladen durch den Tag bringt.

Aber manchmal kommt mir auch der Gedanke: Was hat der Mann genommen? Bitte nicht falsch verstehen: Mr Robbins ist fantastisch. Doch im Vergleich zu mir erscheint er mir in manchen Momenten wie von einem anderen Stern, denn er ist nie mutlos, zweifelnd und er bleibt immer dran.

Wie sieht es bei dir aus: Schaffst du es immer dranzubleiben?

Lass uns das mal durchspielen wie das mit den Zielen ist. Die Theorie ist super easy.

  • Setz dir ein Ziel. Du musst dafür kämpfen. Gerne darf das Ziel etwas übermütig und zu groß sein. Trau dich nach den Sternen zu greifen. Visualisiere es. Dein Ziel soll dich pushen. Dein Ziel ist dein Motivator. Ist der Motor, der dich auf Touren bringt und vorwärts treibt.
  • Entwickle eine Strategie wie du das gesetzte Ziel erreichst. Mit dieser Strategie füllst du deinen Plan mit Leben. Du setzt dir Meilensteine, Zwischenziele auf dem Weg zu dem einen großen Ziel.
  • #Getthisshitdone! Und jetzt gehst du für dein Ziel, das du definiert, visuell erfasst und mit einer Strategie für dich erreichbar gemacht hast. Du gibst niemals nach. Du bleibst auf deiner selbst definierten Spur. Stick to it. Und dann am Ende hast du es geschafft und stehst auf dem Gipfel und bist voller Glück und Erfüllung.

Leider ist oft auf diesem Weg irgendwo der Punkt, wo es zwischen dem Beispiel der Vorbilder und unserer Realität, auseinanderbricht. Irgendwo auf der Strecke passiert etwas mit dir, dass theoretisch nur eine episodenhafte Hürde auf dem Weg zum Ziel ist. Eine Hürde, die erkannt, analysiert und genommen werden will. Wirklich, kein Ding. Das schaffst du. Soweit die Motivations-Theorie. Aber so einfach ist es nicht.

Gerade war Silvester. Wie viele von euch haben den Vorsatz gefasst: Im neuen Jahr mache ich mehr Sport. Und bis zum nächsten Sommer habe ich genau  den Körper, den ich als Idealbild im Kopf habe. Nicht zu dünn, nicht zu dick, muskulös und athletisch, mit definierten Muskeln. Einen Körper, der einfach gesund und stark aussieht. Anna, meine süße, alle Wünsche, Träume und Ziele in sich vereinende virtuelle Freundin, hatte auch diesen Vorsatz.

Sofort im neuen Jahr  meldete Anna sich im Sportstudio an. Und auf die Frage des smarten Trainers  „Wie oft willst du in der Woche trainieren?“(oh, man, der weiß ganz genau wie Anna tickt und wie ihre motivationsüberbordende Antwort sein wird) antwortet Anna voller Überzeugung und mit einer starken, motivierten, durch nichts zu erschütternden Haltung, dass sie 5 Mal die Woche trainieren will. Denn sie will diesen gesunden und starken Körper. Anna will für ihr Ziel gehen.

Natürlich kennt Anna Geschichten von Menschen, die auf halber Strecke schlapp gemacht haben. Aber das wird bei ihr nicht so sein, denn sie hat ihr Ziel definiert und zwar klar und sehr exakt. Anna hat eine Strategie und ist eine Verpflichtung mit sich selber eingegangen. Und sie wird nicht ruhen bevor sie ihr Ziel erreicht hat.

Ach süße Anna! Jetzt geht die 3. Kalenderwoche zu Ende und möglicherweise war es nicht so gut in der ersten Woche jeden Tag drei Stunden zu trainieren. Denn am freien Sonntag der ersten Woche hatte Anna einen mörderischen Muskelkater. Ihr Körper blieb die zweite Woche über schlapp und es hat nur für zwei Trainingseinheiten gereicht. Anna ist total genervt. Sie ist enttäuscht von sich und traurig, weil sie schon nach wenigen Tagen mutlos ist. Anna schämt sich und sie hat große Zweifel, ob sie ihr Ziel je erreichen wird.

Aber Anna rafft sich wieder auf und  ist fest entschlossen nächste Woche wieder ihrer Strategie zu folgen. Sie schaut sich noch ein Tony Robbins Video an und sie weiß, dass sie es schaffen wird. Aber irgendwo da hinten in einer Ecke ihres Egos sitzt ein kleines Kerlchen, das Anna leise ins Ohr wisperst „Du wirst es nicht schaffen.“

Das ist das große Dilemma. Ob bei Anna oder bei dir, eure Gefühle entsprechen eben gerade nicht dem, wie sie theoretisch sein sollten und von den Motivationshelden vorgelebt werden. Tatsächlich geht es dir sogar noch etwas schlechter. Und zwar zum einen, weil du auf dem Weg zum Ziel nicht so straight bist, wie du es dir wünscht. Aber zum anderen noch viel mehr, weil du dein Mindset nicht unter Kontrolle hast.  Warum klappt es einfach nicht? Du hast doch alles richtig gemacht.

Wenn du in dieser Situation steckst, ist der Rückgriff auf deinen Intellekt und eine glasklare Analyse keine wirklich große Unterstützung. Denn natürlich weißt du, dass dein Gefühl der Frustration, der Enttäuschung normal und absolut menschlich ist. Und dass du genau dieses Gefühl ignorieren solltest und dranbleiben müsstest. Und du bleibst auch dran, aber es ist so schwer und anstrengend.

Und das hat einen Grund. Das Arbeiten mit  hohen und klaren Zielen ist sehr energieraubend. Denn du musst  sehr viel Energie und Disziplin aufwenden, um  – neben den eigentlichen  Steps in Richtung Ziel –  deine Motivation hochzuhalten. Das kostet dich unendlich viel Kraft. Das fokussierte und absolute Erreichen von Zielen entwickelt sich so  sehr leicht zu einem Energieräuber. Du konsumierst deine Motivation-Energiemenge in einem sehr hohen Maß.

Wie wäre es, wenn du es dir gelegentlich leichter machen würdest?

Muss es immer eine klare, strikte Zielsetzung sein? Hinterfrag doch einfach mal deine Ziele. Sind sie wirklich so wichtig? Was ist ihre Essenz? Musst du sie alle in ihrer spitzen Definition erreichen oder ist da auch etwas Spiel, etwas Leichtigkeit möglich?

Natürlich kannst du dir das Ziel setzen, im kommenden Monat einen 5 stelligen Umsatz zu fahren oder  in vier Wochen ein Sixpack zu haben. Aber das Ziel ist ganz bewusst sehr hoch angesetzt. Und zwar so hoch, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass du es exakt so  erreichst. Das Ziel soll schließlich smart sein. Das ist das kleine Psychologie-Verkäufer-Motivations 1 x1. Und das ist auch okay so und kann wunderbar funktionieren. Aber manchmal bremst du dich mit  dieser Strategie aus.

Fahr doch diese harte energiezehrende Strategie nur da, wo es wirklich, wirklich wichtig ist. Und mach es dir deshalb bei deinen Soul-Zielen – wie dem Wunsch nach einem gesunden Körper – einfacher. Versuch nicht den üblichen Weg zu gehen, sondern installiere stattdessen eine Gewohnheit um deine Ziele zu erreichen. Versuch  das  Ziel für einen Moment zu vergessen und installiere einfach diese eine Gewohnheit, die du dann auch  erledigst. Und zwar täglich. Nehmen wir doch mal Annas Ziel. Es wäre für sie sehr viel einfacher sich als ersten Schritt anzugewöhnen, täglich eine halbe Stunde in der frischen Luft zu sein, ob sie walkt oder spazieren geht, wäre vollkommen egal. Die Überwindung dazu ist wesentlich leichter, weil weniger aufwändig und fordernd.

Diese Gewohnheit könnte Anna schnell in ihren Alltag integrieren. Und nach einer Zeit könnte noch eine weitere hilfreiche Gewohnheit hinzukommen, die sie ihrem Ziel näher bringt. Anna nimmt sich vor, jeden Tag frisches Gemüse zu essen. Und diese beiden Gewohnheiten integriert sie in ihren Alltag. Nach  einer Weile  wird sich Anna fitter fühlen und bereit sein für eine weitere Gewohnheit, die sie ihrem Ziel näher bringt.

Ja, eine Gewohnheit ist unsexy im Vergleich zu einem klaren, ambitionierten Ziel. Aber ein fixiertes Ziel mit einer rigiden Strategie zu erreichen ist auch viel härter als eine Gewohnheit in seinen Alltag zu integrieren. Beim Setzen von Gewohnheiten arbeitest du mit Investitionen. Du investierst etwas Zeit und Mühe und jeder Tag, an dem du diese Investition tätigst, tut dir gut.  Und zwar auch, wenn du dein Ziel nicht erreichst. Die Energie, die du bei der Zielstrategie verbrauchst, ist hingegen limitiert. Und wenn dein Ziel sehr hoch ist, wirst du möglicherweise auf halber Strecke schlapp machen.

„Ich bin zwar vielleicht noch nicht am Ziel, doch näher dran als gestern“

Durch die installierten Gewohnheiten, die dir Energie und Unterstützung geben, fühlst du dich besser. Du tust dir etwas Gutes. Die Umsetzung der Gewohnheit fällt dir irgendwann durch ständige Wiederholung so leicht wie das tägliche Zähneputzen. Und du hast nicht den täglichen Kampf mit der Erreichung deines Ziels, sondern du reduzierst den Druck auf dich. Du verschwendest keine Energie mehr dafür ständig deine Motivation auf dem Level eines 100 Meter Sprinter zu halten. Du bist einfach ein bisschen gut zu dir.

Anna hat sich übrigens entschieden nur 2 mal die Woche ins Studio zu gehen und an den anderen Tagen einfach etwas frische Luft nach der Arbeit zu genießen.

Liebe Grüße
Claudia

4 Comments

  1. Hallo Claudia,

    danke für den Beitrag.

    Ich setze mir Ziele, die ich realistisch angehen „könnte“. Warum könnte? Weil ich glaube, dass wir noch so viel planen können. Wenn im Leben ein Zwischenfall ist kann es sein, dass wir eine andere Richtung oder einen anderen Weg gehen müssen. Dann würde ich mein Ziel verlieren und wäre vielleicht unmotiviert überhaupt weiter zu machen.

    Meine Ziele sind schon lange variabel. Ebenfalls setze ich mir nicht zu viele Ziele, um immer wieder einen kleinen Erfolg zu spüren. So motiviere ich mich.

    Lieber Gruß
    Verena

    1. Liebe Verena,

      es freut mich sehr, dass mein Artikel für dich interessant war.

      Ich finde deine Strategie bezüglich dem Setzen von Zielen ziemlich klasse, denn du eröffnest dir die Möglichkeit deinen Weg anzupassen, zu verändern oder einen Umweg zu nehmen. Und zwar ohne dich wie ein Versager zu fühlen. Ich glaube, sich Ziele zu setzen, ist schon wichtig und motivierend. Aber man sollte Maß halten, wie du auch sagst und sich nicht von zu vielen Zielen erschlagen lassen.

      Danke für deine Ideen und herzliche Grüße

      Claudia