Angst und andere Selbstverständlichkeiten

Statt deine verdammten Ziele exakt zu definieren, solltest du dich besser deiner Angst widmen.

Denn deine Ängste zu kennen, ist bedeutend wichtiger als deine Ziele perfekt zu definieren.

Lass mich das mit Annas Beispiel erklären. Ja, denn Anna ist nicht tot. Sie lebt. Hat sich nur versteckt, denn sie war sich einfach nicht mehr sicher, was sie will, wohin es geht, ob sie genügt, wie es geht. Sie war irgendwie enttäuscht von sich. Nicht, weil sie etwas komplett verrissen hätte. Nein, da war gar nichts Spezifisches. Da war einfach nur das Gefühl, dass ihr gut genug nicht gut genug ist. Das SIE nicht gut genug war. Nicht positiv genug. Nicht optimistisch genug.

Denn was auch immer sie tat, wie sehr sie sich auch fokussierte, die Essenz und das Wesentliche erfassen wollte, es klappte nicht durchgehend. Nicht so, wie es sollte. Anna war glücklich. Wirklich. Meistens jedenfalls. Sie war auch dankbar. Doch da war immer auch dieses traurige Gefühl in ihr. Etwas war nicht perfekt. Eine Stimmung fing sie ein. Sie hatte Zweifel.

All das passierte, obwohl sie den Weg genoss.

Sometimes even to live is an act of courage – Seneca

Die Angst in unserem Leben ist der Standard

Dieses unbestimmte, zweifelnde Etwas ließ Anna und lässt uns zweifelnd zurück.

Anna fragte sich unermüdlich: Was verdammt noch Mal, stimmt nicht mit mir? Sollte nicht alles klarer sein? Jedes Mal, wenn mich der Zweifel umarmt, bleibe ich verunsichert und unklarer zurück.

Denn ist es nicht so, dass wir so hart daran arbeiten, um Klarheit zu bekommen?

Doch Anna ist diesen Gefühl in Guter Gesellschaft. Insbesondere in zahlreicher Gesellschaft.

Auch wenn wir hart arbeiten, bleibt every now and then eine Art Unzufriedenheit mit sich selbst zurück. Unzufriedenheit darüber, noch nicht zufrieden zu sein. Trotz der intensiven Arbeit an der inneren Haltung, trotz der Gewissheit auf einem Weg zu sein.

Manchmal, wenn ich morgens aufwachte und einen Schmerz spürte, war mein Schmerz über diesen Schmerz noch heftiger als der Schmerz selber.

Scheinbar reichte all das Wissen nicht, um zu wissen.

Ist es nicht so, dass wir erwarten, dass das Eintauchen in die Erkenntnis dessen, was da passiert, die Grundlage bildet für eine gewisse Gelassenheit, eine Akzeptanz. Genug bietet für das Ende des Schmerzes nicht genug zu sein. Nicht gut genug. Nicht einmal für die Verinnerlichung der theoretischen Erkenntnisse.

Manchmal droht uns dieses den eigenen Ansprüchen nicht genügen, zu überwältigen. Nicht weil wir uns schwach fühlen. Nein, was uns so verdammt wütend und irgendwie schwach, machtlos macht, ist das Gefühl, dass unser Brain nicht über unseren…ja, was? Body siegt? Nein, es ist nicht der Körper, der sich sperrt. Es ist die innere Haltung, unsere Gefühle, unsere Gedanken.

Wie oft fühlst du, was du nicht denken willst?

Wie oft sind deine Gedanken der Leitstern für deine Gefühle?

Ich sehe, ich weiß, dass ich nicht allein damit bin. Alle, die ich sehe, arbeiten daran, an dieser Mammutaufgabe,  das, was sie wissen, auch zu empfinden. Eine scheinbar leichte Aufgabe, doch wir alle scheitern mit schöner Regelmäßigkeit an ihr. Wieder und wieder und wieder und wieder.

Warum nützt das Wissen, über das, was in unseren Köpfen passiert, nicht, um die Gefühle dauerhaft einzuordnen? Ganz tief in uns bleibt deshalb der Zweifel, dass wir noch nicht weit genug sind. Aber wenn wir es irgendwann schaffen, die inneren Synapsen komplett neu zu verknüpfen, die alten Müllhalden abzubauen,  die inneren Stimmen zu entfernen, mit der Bürste auf den Knien sitzend alles weg geschrubbt haben, was sich so hartnäckig in die Poren eingegraben hat, dann… ja dann, wird das aufhören. Dieser Zweifel.

Oder?

Bei jedem Überfall der Negativität, des Zweifels, der uns überrollt, schauen wir gnadenlos auf uns. Wir sehen, dass wir noch nicht frei sind von den Wertungen, von den Zweifeln. Wir sehen den Weg, der noch vor uns liegt. Wir gehen ihn, denn wir wollen unbedingt dorthin, wo die Angst, die Zweifel, das Versuchen, das Bitterböse nicht mehr sind.

Je mehr ich an mir arbeite, umso mehr nähere ich mich dem Ideal an. Ich verpflichte mich. Bleibe an meinem Ziel, sehe meinen Weg. Ich höre das Gleiche von dir. Wie in einer Spirale höre ich deinen Wunsch. Nein, ich höre dich meinen eigenen Wunsch sagen, meine und deine Wünsche verschwimmen. Sie werden eins. Irgendwann werden wir dort sein. Dort, wo nicht der eine Tag absolute Zuversicht und Freude und Euphorie ist und schon der nächste Tag der Unsicherheit und dem Zweifel gewidmet ist. Irgendwann werden wir dort sein.

Es ist wie ein Erkennen. Wir sehen,  dass es genau diese Konsistenz der Emotionen ist, die uns trennt, von denen, die es scheinbar geschafft haben. Diese Sehnsucht, dieses Sehen dessen, was noch nicht da ist, definiert das Ziel. Nicht das greifbare, smarte Ziel, nein es geht tiefer, elementarer. Es geht um die Essenz des Fühlens. Es geht um dieses Gefühl aufzustehen, morgens in der Dämmerung fokussiert zu sein, die Morgenroutine zu absolvieren und bei sich zu sein. Voller Freude. Voller Dankbarkeit. Zu wissen, warum du bist, was du bist. Warum du tust, was du tust. Sehr klar. Ohne jeden Zweifel. Zuversichtlich trotz aller Hindernisse. Ganz bei dir.

Der Begrüßungskuss befreit dich

Doch meine Stunden in der Morgendämmerung sind nicht immer so. Egal, wie weit ich gekommen war. Egal, wie sehr ich bereit war. Dennoch gab es – auch – das Aufwachen mit dem Zweifel. Es gab Stunden der Morgendämmerung, die schwer waren, in denen ich mich in den Tag hinein meditierte.

Doch dann kam der erlösende Kuss, der mich befreite. Diesen Kuss gaben mir zahllose Männer und Frauen. Mein Gesicht ist übersät von ihren Küssen. Küssen der Wahrheit. Küsse der Erkenntnis. Diese Küsse bekommst du immer von Mentoren. Von Menschen, die deinen Weg begleiten, die ihr geheimes Wissen mit dir teilen, die den Weg schon gegangen sind und scheinbar bereits angekommen sind.

Der Grad des Erfolgs meiner Mentoren, bestimmt den Grad der Erkenntnis in meinem Herzen. Es geht weniger um den messbaren Erfolg, nein, tatsächlich ist der Schlüssel, das Samenkörnchen, das mich am meisten berührt, die unerklärliche Diskrepanz zwischen dem, was im außen ist und dem, was durchlitten wird.

Der Moment, wenn ich realisiere. Der Moment, wenn ich durchdrungen bin von der Erkenntnis, dass egal, wo wir stehen, was wir geschafft hat, unsere Dämonen als treue Begleiter bei uns bleiben, ist genau der Moment, der das Potential hat, mich, uns zu befreien.

Denn dann sehen wir die Frage, die zugleich die Antwort ist:

Was, wenn es so bleibt?

Was, wenn wir alle das für immer mit uns tragen, was uns ausmacht?

Was, wenn du dich jeden Tag aufs Neue fokussieren musst auf das Leben? Was, wenn du bleibst, was du bist? Egal, was im außen ist. Was wäre, wenn du  dennoch morgens an dir zweifelst, auch wenn du 7-stellig im vergangenen Jahr abgeschlossen hast? Was, wenn du an deinem Weg zweifelst, auch wenn du Menschen hast, die lieben, was du tust? Was, wenn du für deine Performance einen Bonus bekommt und dir dennoch an manchen Tagen mühsam den Weg zurück in die Freude suchen musst?

Was, wenn du das alles bist?

Nein, das allein macht dich nicht aus. Du bist auch das Lachen, du bist die Euphorie, du bist die Leichtigkeit und die Unbeschwertheit.

Doch du bist auch das andere. Das Dunkle. Das Schwere. Das, was sich auch einen Weg zu dir sucht.

Day by day by day.

Es ist Zeit dich zu sehen

Mit deiner Entscheidung zu erkennen und mit deinem Willen, das Leben anzunehmen, kannst du selbst den schwersten Stunden in deinem Leben, einen Sinn geben. Das mag dir heute noch absurd erscheinen, aber denk daran, dass die Mentoren, die Menschen, die dich am meisten berührt haben, die genau diese Erlebnisse und Erkenntnisse mit dir geteilt haben. Sie haben ihre Seele und ihr Herz geöffnet. Sie haben sich mit dir verbunden. Von Mensch zu Mensch.

Was auch immer gerade ist, versuche daran zu denken. Ganz fest. Ganz tief. Das alles geht vorbei. In 10 Tagen. 10 Minuten oder in 10 Monaten. Es ist vorübergehend. Irgendwann wirst du mit jemanden zusammensitzen, auf einer Terrasse, bei einem Sonnenuntergang. Die Zeit wird stillstehen und ihr werdet reden und zuhören und reden und du wirst deine Erkenntnis weitergeben. Du wirst der Mentor. Es wird sein, als wenn die Seelen durchlässig geworden sind. Totales Verstehen. Absolute Leichtigkeit.

Der Moment, wenn das, was du erlebt hast, von dir weitergegeben wird. Voller Liebe und Großzügigkeit geteilt. Das ist der Moment, wenn ein anderer Mensch Mut schöpfen wird und Zuversicht, weil er erkennen wird, dass das, was ihn heute noch zu vernichten droht, ihn morgen wachsen lässt.

Das wird dein Geschenk an ihn. Dein Geschenk an die Welt sein.

Doch vor allem wird es dein Geschenk an dich sein. Das Geschenk, dass dir zeigt, dass du keine Angst vor deiner Angst haben musst. Du wirst erkennen, dass sie ein Teil von dir. Ein Teil von uns allen ist.

Dein größter Fan

 

Claudia xoxo

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