Auf Stöckelschuhen ins Nirwana

 

Irgendwann ist dein unfassbares Glücksgefühl über die sehnsüchtig ersehnte Birkin Bag verflogen.

Darauf kannst du dich verlassen.

Das ist so sicher, wie der erste Krach mit der größten Liebe deines Lebens kommen wird. So sicher,  wie deine erste Genervtheit in deinem Traumjob dich eines Tages einholen wird. Genauso sicher, wie du  irgendwann verzweifelt deine Augen verdrehen wirst, weil dein Kind, dessen Reden du dir einst so sehr herbeigewünscht hast, dich mit einer scheinbar endlosen Plapper-Kaskade direkt in den Wahnsinn treiben wird.

Kohle ist eine Stimulanz, aber keine Happy-Pill

Ein gut gefülltes Konto lässt dich definitiv ruhiger schlafen. Dabei geht es weniger um die absolute Summe, sondern eher um dein persönliches Wohlfühlpolster, das dafür sorgt, dass du des nachts nicht über Zahlen und Rechnungen, Ausgaben und Abgaben, Eingänge und Nachzahlungen sinnierst.

Dem einen reicht das Wissen, gut essen und wohnen zu können. Dem anderen entspannt erst das Wissen, dass in jedem Monat Summe X kommt  – bis zum Pensionsalter. Sicher, verlässlich, statisch. Und dann gibt es, die es lieben groß zu denken. Fette Ziele. Umsatzbiester. Goldene Uhren, endlose Urlaube, Villa am Strand.

Oder auch gern noch größer mit Teambildung, Expansion und Diversifizierung. Immer höher.

Das Spiel mit den Moneten, um die es selten wirklich geht, ist viel mehr ein Spiel des Wachstums. Ein Manifest gegen den Stillstand. Eine Ode an das Wachstum. Eine Hommage an die eigene Fähigkeit zu wachsen. Über sich selbst hinauszuwachsen.

Fixierte Ziel, herbei manifestierte Zwischenziele. Ob du mit Babyschritten vorangehst oder ob dich erst die wirklichen großen Zahlen aktivieren können, Kohle hält für alles her. Ein probates Mittel im Business, höchst effektiv, so wie Honig ganz sicher die Fliegen anzieht.

Selbstverständlich ist dir klar, dass Geld nur ein Mittel ist. Du weißt, dass es dich nicht glücklich macht.

Doch genauso wenig ist das Erreichen von Zielen geeignet um wirkliches Glück zu finden. Denn ähnlich dem Scheffeln von Geld, ist das Erreichen deiner Ziele allein, also für sich genommen, kein wirkliches Ziel. Denn beides macht dich abhängig. Abhängig vom Eintritt, abhängig vom Vorhandensein und abhängig von der Setzung immer neuer Ziele. Again and again.

Da ist nix Schlimmes dran. Es macht unfassbar viel Spaß das zu tun, was du liebst und das gesetzte Ziel zu erreichen – ob monetär oder ideell. Aber es ist keinesfalls die Quelle deines Glücks.

Erinnere dich einmal daran, als du das letzte Mal im Job ein definiertes Ziel erreicht hast. Erinnerst du dich noch an dieses Kribbeln im Körper, den Cocktails der Hormone, das Gefühls die Arme in Luft reißen oder laut jauchzen  zu wollen vor lauter Freude. Du warst so stolz auf dich.

Du durchläufst im Schnelldurchgang den ganzen Weg bis zu diesem einen Moment. Du erinnerst dich an die Schwierigkeiten, die du überwunden hast. Du weißt noch genau, wie du zwischendurch gezweifelt hast. All das spult sich vor dir ab. In genau diesem Moment bist du da. Angekommen. Das Leben ist perfekt. Du möchtest auf die Stopp Taste drücken und diesen Moment konservieren.

Aber du weißt es auch, oder? Du erinnerst dich noch, wie am nächsten Morgen oder auch erst eine Woche später die Wirkung dieses rauschhaften Zustands verflogen war.

Wenn das Erreichen von Zielen hingegen dauerhaft glücklich machen würde, hätte diese Ernüchterung nicht eintreten dürfen. Das ist einzig mögliche Erkenntnis. Etwas, das du nicht ignorieren kannst.

Lass es uns  deshalb sehen, wie es ist: Das, was du empfindest, wenn du dein Ziel erreicht hast, ist ein Moment des Glücks. Doch es ist kein dauerhafter Gefühlszustand.

Klar, kannst du diesen Kick wiederholen. Wenn du Bock darauf hast, kannst du dieses Spiel fortwährend wiederholen. Doch der Ablauf wird immer der gleich sein.

Nach dem High kommt das Normal.

 Das Geheimnis des Dieners in dir

Das Damoklesschwert der Ernüchterung schwebt auch über dir, wenn du dich frei gemacht hast von der vermeintlichen Sklaverei dem schnöden Mammon gegenüber. Wenn du dich dafür entschieden hast zu dienen. Wenn du das Gefühl hast, dass du deinen Teil dazu beitragen willst, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Andere Menschen unterstützen. Sie voranbringen. Helfen, dass es ihnen besser geht.

Dieses sehr wundervolle Ziel ist ein bisschen wie eine geplatzte Pudertüte. Ich weiß, dass du jetzt entrüstet die Augenbrauen hochziehen wirst. Doch die meisten von uns, die sich auf die Fahne geschrieben haben zu dienen, sind keine komplett uneigennützigen, absolut in sich ruhenden altruistischen Franziskanermönche.

Kaum jemand aus dieser Zunft ist frei von dem Gefühl der Freude und Befriedigung, die es bedeutet, wenn du die Dankbarkeit des Bedienten spürst. Dieses schöne Gefühl, wenn du erfüllt davon bist, ein guter Mensch zu sein. Dieses wohlige Kribbeln, das sich durchläuft, wenn dich jemand wissen lässt, dass es so gut ist, dass es dich gibt.

Dieses geile Gefühl, wenn dir jemand dankbar ist.

Das hört dich für dich zynisch an? Das ist es aber nicht. Es ist auch kein Appell das Dienen einzustellen, denn die Welt wäre tatsächlich ein schlechterer Ort ohne all die Menschen, die etwas für andere Menschen, Tiere oder den Planeten tun. Bitte, bitte macht weiter. Es ist kein Angriff, keine Kritik.

Doch dieser Kick, den der Helfende geschenkt bekommt, ist ein genauso intensiver und höchst effektiver Kick, wie das Erreichen eines Umsatzziel.

Wenn du einer der wenigen bist, der nicht weiß, wovon ich spreche und der aus tiefster Seele gerne gibt und voller Ehrlichkeit sagen kann, dass er diese Gefühle nicht kennt und auch nicht braucht, dann musst du nicht weiterlesen, dann ist das hier nichts für dich.

Doch für die anderen, zu denen ich mich auch zähle, gilt die Wahrheit, dass das Glück, die Freude, die du gibt’s, ebenso temporär ist, wie das Spiel mit dem Zaster.

Der geheime Blick aus dem Erfolgszirkel

Wenn du das erste Mal in vollem Umfang erkennst, dass es nicht um die Kohle, nicht um den nächsten fetten Auftrag, aber auch nicht um das Glück des Auslebens deiner Kreativität und Menschenliebe geht, wird dich vielleicht ein Gefühl der Sinnlosigkeit erfassen.

Deine voller Liebe erarbeitete Lebensvision, deine #biggoals, deine Strategien, scheinen nur noch für die Tonne gut.

Vielleicht bist du auch sauer auf mich, denn was soll das für ein bescheuerter Rat, für ein sinnloser Impuls von einer Unternehmerin an Unternehmerinnen sein, an Karrierefrauen, an Menschen mit Ambitionen?

Was will ich dir damit überhaupt sagen?

Ich will dir sagen, dass du das verdammte Spiel genießen solltest. Und zwar so sehr wie du kannst. Setz dir deine großen Ziele, erreiche sie, feiere deine Erfolge, diene, so oft du dienen kannst, sei ein guter Mensch, sei dankbar, wenn du inspirieren und dich verbinden kannst. Schreib dein Buch, das dir so auf der Seele brennt. Feiere das fette Geschäft, das du abgeschlossen hast mit so viel Champagner, dass du am liebsten wie Jennifer Lawrence in der Bar an der Stange tanzen willst.

Aber sei dir auch bewusst, dass du an der nächsten Ecke gewaltig stolpern kannst. Dich kann es so richtig der Länge nach hinschlagen und du kannst so auf die Schnauze fallen, dass du glaubst, niemals wieder aufstehen zu können.

Tatsächlich ist es keine Frage des Konjunktivs, ob es dich hinhaut, ob dir das Leben so richtig Dresche gibt. Es ist eine Frage des Timings.

Das Ganze ist ein Spiel, mit Regeln, die komplizierter als beim Quidditsch sind, undurchschaubar. Wenn es dein Ziel ist, dieses Spiel zu gewinnen, wirst du verlieren. Du wirst es auch verlieren, wenn du immer gewinnst. Denn es gibt nichts anders als Glasperlen, wunderschön glänzend, verlockende Glasperlen, sie kommen für den einen daher in hübschen Bilanzen. Für den anderen ist es das befriedigende Gefühl anderen Menschen so oft und so viel wie möglich geholfen zu haben, für den anderen wieder in dem Haus am See und für noch wieder einen anderen eben als Must have Birkin Bag.

Doch es bleiben Glasperlen.

Glänzend. Aber kalt.

Nimmt man dir diese Glasperlen, ist dein Glück verschwunden. Doch es verschwindet auch, wenn du die Perlen behalten darfst. Selbst dann, wenn du einen verdammt hohen Berg bestehend aus zahllosen bunten Glasperlen hast.

Denn je mehr Perlen du hast, um so mehr erkennst du, dass es nur kalte Perlen sind. Diese klare Erkenntnis wartet auch am anderen Ende der Skala, dort wo du stehst, wenn du keine Perlen mehr hast.

Perlen. Nix als Perlen. Sie können dich nicht erfüllen.

Die Erfüllung hingegen liegt im grundlosen Glück. In einem Glück, das unabhängig ist von tollen Erfolgen, aber auch von bodenlosen Niederlagen. Ein Glück, das nichts braucht außer des puren Sein.

Wenn du erkannt hast, dass das Ziel hinter dem Ziel ist, kannst du Fahrt genießen. In allen Farben.

Und zwar auch mit der neuen Pradatasche, die du glücklich am Arm trägst.

Dein größter Fan

 

 

Claudia xoxo

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