Brennpunkt: Dein Geld-Mindset

 

 

Deine Tochter ist schon genauso geldgierig wie du!

Anna spürte noch heute – Dekaden später – die Scham, die sie damals heiß erfüllte, als sie diese Worte hörte, die ihr Vater im Streit zu ihrer Mutter sagte. Die geldgierige Tochter, das war sie.

Sie selbst.

Sie wusste das damals, obwohl sie erst 10 Jahre alt war und die Bedeutung der Worte nicht genau kannte. Sie wusste nicht genau, was sie falsch gemacht hatte, sie wusste nur, dass es offenbar mit Geld zusammenhing, mit Urlaub und mit wohlverdientem Feierabend, mit Scham und Anstand, mit Wünschen und mit Gier.

Sie erinnerte noch heute die Worte der Erklärung, die sie damals nicht über die Lippen brachte, weil sie sich so sehr schämte. Sie schämte sich, obwohl sie nicht genau wusste, welchen Fehler sie gemacht hatte. Doch sie hatte einen schlimmen Fehler gemacht. Das wusste sie. Sie hörte es an der enttäuschten, wütenden Stimme ihres Vaters. Seine Tochter, sein Papa-Kind, hatte ihn enttäuscht, war nur auf’s Geld aus.

Anna erinnerte sich genau an diesen Streit. Auch  deshalb, weil ein Streit in ihrem zu Hause etwas Außergewöhnliches war. Sie hatte sehr liebevolle Eltern. Vielleicht hatte sich dieser eine Streit, dessen Zeugin und Streitgegenstand sie selbst war, umso mehr in ihr Gehirn eingepflanzt.

Sie hatte diesen Streit die letzten Dekaden bewusst erinnerst. Kein verschüttetes Trauma und mühsam ausgegraben. Es war einfach eine frühe Erinnerung und eine Erinnerung daran, wie unangenehm Streit für Kinder ist und wie schwer es für Kinder wiegt, wenn die Eltern etwas Schlechtes über das Kind denken.

Bitte Papa, versteh mich. Ich habe es doch nicht so gemeint.

Anna wühlte nicht in der Vergangenheit. Anna lebte heute.  Anna liebte ihre Eltern. Anna wusste, dass es ihr einen unglaublichen Start in die Welt gegeben hatte, Eltern zu haben, die sie einfach liebten.

Doch erst jetzt erkannte  Anna, dass in diesem Moment, der für ihre Eltern sicher nur eine unangenehme Episode war, für sie etwas anders passiert ist. Nein, Anna war nicht böse auf ihre Eltern. Wie auch?! Herrgott, wie oft hat Anna selbst schon mit ihrem Mann gestritten. Wie oft haben sie sich gegenseitig Vorwürfe gemacht, die nur gemacht wurden, weil sie genau wussten, welchen Knopf sie drücken mussten, um einen Treffer zu landen. Jahrelang hatte Anna diese Episode aus ihrer Kindheit als Episode abgetan. Als Geschichte, die sie erzählt hatte, als den einzigen Streit ihrer Eltern, den sie erinnerte.

Money, money, money

Doch in diesem Moment ist etwas passiert. Ganz nebenbei. Weil Kinder eben so funktionieren. Annas frühe Erinnerung  ist also, dass es schlimm ist, gierig, egozentrisch und oberflächlich gierig auf Geld zu sein. Geld zu wollen ist keine gute Sache. Ein Mienenfeld. So gefährlich. Wie leicht kannst du damit Menschen verletzen – ohne, dass du es willst.

Wer eine Erinnerung dieser Art in seinem Glaubens-System implantiert hat, ist draußen. Gier auf Geld ist nicht akzeptabel. Diese Gier haben nur ganz, ganz schlimme Menschen.  Das willst du nicht. Denn es ist oberflächlich. So oberflächlich. Du setzt die Gier nach dem Geld über die Liebe  zu  den Menschen. Fragst du dich, was mit Gier gemeint ist? Wieso du sie über die Liebe setzen solltest? Schämst du dich nicht?!

Einen Glaubenssatz dieser Güte und dieser Art hinterfragt man nicht. Du erkennst nicht einmal, dass es ein Glaubenssatz ist. Wenn du wie Anna sehr reflektiert bist, erinnerst du diesen Satz, die Situation und siehst das missverstandene Kind.

Poor little Sweets

Du fühlst mit diesem Kind, das sich missverstanden fühlt. Diesem Kind, dass nur wollte, dass die Eltern nicht mehr streiten. Aber alles kein Drama, denn du erinnerst alles sehr bewusst. D.h. du musst nicht wühlen, keine erschreckenden und aufwühlenden Erkenntnisse. Du weißt das alles.

Aber weißt du auch, dass genau diese Sätze sich bei dir eingegraben haben. Unbeabsichtigt. Ohne Schwere. Ohne Bosheit. Du erkennst nicht einmal, dass sich hier ein First-Class-Money-Mindset-Glaubensssatz ein gemütliches zu Hause bei dir geschaffen hat.

Wer kein Geld will, ist gut

Es ist für Anna keine große Erkenntnis zu sehen, dass sie ihren Vater enttäuscht hat. Es ist auch nicht schwer zu erkennen, dass es nicht um die Äußerung des Kindes ging. Es ging gar nicht um Anna. Es war ein Knopf den ein Mann in einem Streit gedrückt hat. Das war nicht nett; aber wir kennen das alle, oder? Du kennst deinen Partner und in einem Streit schießt du den Pfeil ab, wenn es notwenig ist. Das ist hart. Aber auch normal.

Es ist dabei auch bedeutungslos, dass Anna nicht weiß, was geldgierig bedeutet. Es ist bedeutungslos, dass sie nicht weiß, was genau das Schlimme daran ist, Geld zu mögen. In der Denkweise eines Kindes sind die Werte der Eltern relevant.

Geld ist eines der Themen, die von der Elterngeneration sehr ambivalent besetzt sind. Dieses Thema ist auch von der Töchter- und Söhne Generation sehr besetzt – negativ oder extrem positiv.

Ein besetztes Thema.

Nie leicht, immer mit eigenen Erlebnissen, Erinnerungen und Überzeugungen besetzt. Es ist kaum möglich dieses Thema relaxed anzugehen. Der Wandel, die Transparenz der Generationen: die Oma auf der Love-Parade, der Opa auf Instagram, die Tochter im Vorstand, der Kind in der Kirche – vieles ist möglich in der Durchlässigkeit der Generationen, der Werte, der Positionen.

Aber das Geld ist besonders. Manchmal bedrohlich. Dann wieder verlockend und zum Greifen nah.

Es gibt kein Thema, das von Glaubenssätzen mehr besetzt ist, als das Thema Geld.

Doch eines ist niemals schön – egal wie du zu Geld stehst: Geldgierig zu sein.

Gierig. Das bedeutet, etwas im Übermaß zu wollen. Das hat den Anteil des Rücksichtslosen. Besser ich als du. Das bedeutet, dass du das Geld mehr willst, als etwas anders. Das heißt, dass du bereit bist, dafür etwas zu opfern. Nein, kein echtes  Opfer. Es ist eher wie eine balinesische Opfergabe, die Schale Reis, mit den wunderschönen Blüten, die du für die guten Geister vor die Tür stellst. Es macht nichts, wenn jemand kommt und die Opfergabe mitnimmt. Wichtig ist, dass du gegeben hast. Der Rest ist nicht in deiner Hand.

Kein Kind möchte das sein. Möchte gierig sein.

Kein Kind möchte, dass die Eltern denken es könnte so etwas sein.

Denn das ist nicht gut. Das weiß ein Kind intuitiv. Denn es ist Kind der Gesellschaft, in der es lebt. Gier ist schlecht. Schon in den zehn Geboten ist die Gier omnipräsent. Gier kombiniert mit Geld. Nein, dass willst du nicht. Du willst nicht, dass das jemand von dir denkt. Auf keinen Fall dein Papa.

Es ist genauso wenig gut, wie die, die etwas wollen, ohne sich anzustrengen. Oder die, die einfach die Abkürzung nehmen wollten. Oder die, die etwas geschenkt wollten. Oder die, die meinen, es könnte einfach sein, Geld zu verdienen. Viel Geld.

All das möchtest du nicht sein. Denn bewegst du dich außerhalb der Norm. Außerhalb deines Kulturkreises. Der Kulturkreis, in dem wir leben, sagt, dass von nix nichts kommt. Das, wenn es so einfach wäre, es alle machen würden. Und natürlich, dass man auf ehrliche Art und Weise nicht so viel verdienen kann.

Nein, Papa, ich will nicht geldgierig sein. Ich möchte nicht diesen Blick in deinen Augen sehen. Ich möchte gut sein.

Auf der glasklarem Oberfläche  ist die Ruhe

Dann sickert diese Episode ein. Sinkt langsam, tröpfchenweise, in dem Meer der Bedeutungslosigkeit. Eine Erinnerung, eine kleine Anekdote, die du erinnerst. Du weißt, dass es keine schöne Situation war. Doch es war einfach Familie. Es war nichts tief Verschüttetes. Da gab es kein Drama. Kein mühsam aus den Trümmern geborgenes Erkennen.

Ja doch,  da gab es diese Episode. Doch du lebst heute. Du bist lösungsorientiert. Doch irgendwann ist da in dir eine Erkenntnis. Du siehst einen Zusammenhang. Denn wenn du als Kind nicht geldgierig sein wolltest, in welche Sprache hast du das mit deinem kindlichen Gemüt übersetzt?

Die Sprache des Kindes ist einfach. Sehr einfach. Zu einfach. Aber sie ist.

Geldgierig = schlecht

Geld wollen = schlecht

Kein Geld wollen = ist gut

Das wusstest du nicht. Du wusstest nicht, dass Geld zu wollen, schlecht ist. Du wusstest nicht, dass es dir wichtig war, kein Geld zu wollen. Was immer dein Weg war, an welcher Stelle du gestanden hast in deinem Leben, es gab eine Konstante: Geld will ich nicht. Ist nicht dir nicht wichtig. Du hast das Geld losgelassen. Denn du wolltest gut sein.

Du hast gedacht, dass dir Geld einfach nicht wichtig ist?

Ich verstehe dich Sweety, du konntest das nicht sehen. Wie auch. Denn alles in dir hat es doch gefühlt. Du warst dir so sicher, dass du anders bist als die anderen. Geld war dir nicht wichtig. Deine Werte waren andere. Du hast es wirklich geglaubt. Und gelebt.

Ob du gut sein wolltest? Nein, das war nicht deine Motivation. Es war dir wirklich nicht wichtig. Nicht wahr. Oder? Oder vielleicht doch?   Es ist egal. Du hättest es sehen können, wenn es die richtige Zeit gewesen wäre. Doch dahin musstest du erst wachsen.

Was wäre, wenn ich beides haben könnte?

Jetzt , wo du es weißt. Wo du erkannt hast, dass du ein Schauspieler in deinem Schauspiel warst. Ohne eine Rolle, die es zu füllen galt. Nur mit der Rolle deines Lebens, die du ausgefüllt hast, so lange du es konntest.

Du könnest alles ändern. Du könntest dir eine neue Wahrheit kreieren. Du könntest bestimmen, dass in deiner Welt beides möglich ist.

Ich liebe es, Geld zu verdienen und ich bin ein guter Mensch.

Was wäre, wenn du das glauben würdest? Was wäre, wenn du den alten Glaubenssatz  einfach abstreifen würdest wie eine alte Haut. Eine Haut, die du hinter dir lässt.

Wenn du dir erlauben würdest dir eine neue Welt zu gestalten?

Wenn du diese alten Ängste, die Ängste der Ablehnung hinter dir lassen würdest?

Wenn du erkennen würdest, dass du ein wunderbarer Mensch bist, auch wenn du Bock darauf hast Geld zu verdienen?

Der Moment, wenn du dir das erlaubst, ist der Moment, wo du unfassbare Höhen erreichen kannst. Denn du wirst erkannt haben, dass du gut bist. Verdammt gut.

Doch bevor du diesen Schritt nicht gehst, wirst du niemals viel Geld verdienen, denn du möchtest nicht das geldgierige Mädchen sein.

Dein größter Fan

Claudia xoxo

 

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