Darfst du glücklich sein? Teil 1

Es kommt der eine Moment, in dem du dich fragst, was du vom Leben verlangen darfst.

Du stellst dir die Frage, ob du zu viel willst. Dich verrannt hast und einfach nicht mehr bei Sinnen bist. Der Moment, der darüber entscheidet, wie dein Leben zukünftig aussehen wird.

Anna fürchtet den Morgen. Die ersten Momente des Tages, eingetaucht im mystischen Licht der schwindenden Nacht und des anbrechenden Tages. Im Zwischenreich. Sie spürt dieses magische Licht, lange bevor sie es sieht und wird überrollt von einer tiefen Liebe. Es ist keine spezifische Liebe. Es ist einfach nur Liebe. Universell.

Doch in einem Bruchteil von Sekunden ist ihr Gehirn wach. Es drängt sich nach vorne, überrollt alles und genau da, wo nur universelle Liebe war, ist nun auch Schmerz und Angst. Sie sieht ihren schlafenden Mann und lächelt. Während sie lächelt, läuft ihr eine Träne über das Gesicht. Anna spürt einen tiefen  Schmerz, denn ihr Mann ist krank. Sehr krank. Und er kämpft seinen Kampf.

Später wird  auch er aufwachen und seinen Kampf weiter kämpfen. Wie jeden Tag. Wie jede Stunde.

Annas Kampf beginnt jetzt. In den Stunden der Morgendämmerung. Während sie emotional wie entblättert und durchlässig in ihrem Bett liegt und den tiefen Schmerz mit jeder Phase ihres Seins spürt, beginnt sie ihren Kampf. Ihren Kampf für das Leben. Ihren Kampf für Glück und Erfolg. Für Leichtigkeit und Spaß, für Lachen und Ganz-im-Moment-Sein.

Während Anna schon im Bett mit ihrer Morgen-Routine beginnt und sich die drei Dinge bewusst macht, für die sie in genau diesem Moment dankbar ist, während sie visualisiert und sich von diesem warmen Gefühl durchdringen lässt, schießt ihr – wie so oft – die Frage ins Bewusstsein, wie sie auf die absurde Idee kommen kann glücklich sein zu können.

Das was Anna sich fragt, ist eine universelle Frage. So universell wie die Liebe, die Anna in den ersten Minuten des Tages empfindet. Eine Frage, die viele Tabus anrührt. Echte und erdachte. Geglaubte und eingeredete.

Die zwei wesentlichen Themen, die dir diese Frage wie einen nassen Waschlappen um die Ohren haut, der dich jäh aufweckt und  zweifellos aufrüttelt, ist die Frage nach deiner Empathie und deinem Mitgefühl. Die andere Frage, die nackt auf dem Tisch der Tatsachen liegt, ist die Frage nach dem Wesen des Glücks.

Willst du ein stumpfes Glückskind sein?

Darfst du glücklich sein, wenn jemand leidet, den du liebst? Kannst du überhaupt glücklich sein? Solltest du nicht Mitgefühl haben? Mitleid. Mit leiden. Leiden. Tränen im Herz und auf der Backe haben. Schließt nicht das tiefe Gefühl der Liebe, die du für jemanden empfindest, aus, dass du glücklich sein darfst. Solltest du den geliebten Menschen nicht begleiten auf seiner Reise des Leidens? Bei ihm sein. Mit sein.

Warum fragst du dich das überhaupt? Wenn du jemanden liebst, der leidet und dir diese Fragen stellst, dann verstehe ich dich sehr gut. Denn es ist ein so einzigartiges Element der Liebe, dass du gerade fühlst. Gefühle und Situationen miteinander erleben, erleiden, überstehen. An diesen gemeinsamen Gefühlen wächst eure Beziehung. Ihr werdet miteinander verwoben. Symbiotisch. Ihr seht eine bestimmte Situation und während die Umstehenden vielleicht lachen, weil der kleine, auf der Strasse tanzenden Hund, für sie nur bezaubernd ist, bedeutet er für euch die Erinnerung an den Verlust eures kleinen Hundes.

Dieses symbiotische Miteinander ist Teil einer tiefen und innigen Beziehung. Doch es ist nur ein Teil. Bei aller Symbiose seid ihr einzelne Lebewesen. Das weißt du auch. Sehr genau. Ich erzähle dir nichts Neues. Doch in der Krise des einzelnen dieser tiefen Verbindung passiert etwas ganz besonderes. Du leidest auch mit dem anderen. Du weißt, was der Schmerz, das Leiden für ihn bedeutet. Doch das ist Empathie, nicht Symbiose.

Wie oft haben wir schon den Satz gehört, dass man alles tun würde, um den anderen den Schmerz zu nehmen. Doch während du diesen Satz sagst, weißt du, dass er nicht wahr ist. Weil er nicht möglich ist. Es ist sinnlos diesen Gedanken zu denken. Ist nur der untaugliche und hilflose Versuch, deiner tiefen Empathie Ausdruck zu verleihen.

Warum solltest du dir überhaupt versagen glücklich zu sein? Vielleicht liegt es daran, weil es da irgendwelche fiesen, gemeinen Glaubenssätze gibt die sagen, dass es dir erst gut gehen darf, wenn es den anderen gut geht. Möglicherweise denkst du aber auch, dass du nur emphatisch und mitfühlend sein kannst, wenn du das Leid und das Büßerhemd laut wehklagend vor dir herträgst.

Was auch immer deine Motivation ist, wirkliche Liebe und Mitgefühl ist es nicht. Du darfst mich jetzt anschreien und stocksauer auf mich sein. Was auch immer deine Motivation ist, dich in das Unglück und das Mitleiden zu stürzen, hat mehr mit dir zu tun als mit dem Leid deines Lieblingsmenschen. Denn ein Mensch der leidet, hat mich sich zu tun. Und zwar sehr viel. Glaubst du, dass es diesem Menschen das Leiden leichter machen würde zu sehen, dass du vor Unglück fast zerbrichst? Zu sehen, dass er nicht nur sein, sondern auch dein Leiden tragen muss.

Wenn du es grundsätzlich ablehnst, glücklich zu sein, wenn ein Mensch, den du liebst, leidet, handelst du aus einem Gefühl der Angst und des Nicht-Genügen heraus. Aus dem Gefühl, den anderen verletzen zu können. Der Sorge, nicht emphatisch zu sein. Der Hilflosigkeit, dass du nicht weißt, was du sonst fühlen sollst, wenn nicht Unglück.

Du siehst, es gibt keinen zwingenden Grund, nicht glücklich zu sein in Zeiten des Schmerzes. Keine perfekte Anleitung, wie du dich zu fühlen hast, in Situationen, die Schmerz bedeuten, Leiden und die dir den Atem nehmen. Ja, es kann sein, dass dir das Unglück den Atem nimmt. Es ist möglich, dass du dir nicht vorstellen kannst, je wieder zu lachen. Vielleicht möchtest du auch nur weinen, dir die Decke über den Kopf ziehen und heulen, um dich schlagen und nie wieder aufstehen.

All das darfst du. Du darfst alles fühlen, was du willst. Doch du MUSST nichts fühlen. Das, was du fühlst, ist. Das kann tiefe Ratlosigkeit und Schmerz sein, der dich zerreißt.

Doch du darfst auch glücklich sein.

Auch wenn dich der Schmerz zerreißt. Auch wenn du dir Sorgen machst. Auch wenn du verzweifelt bist.

Du spielst kein verdammtes Spiel, in dem der den größten Topf kriegt, der lautesten wehklagt. Also entspann dich und sei froh, dass du schon den schwierigsten Teil geschafft hast.

Wenn du es allerdings noch nicht geschafft hast, glücklich zu sein, wenn dich der Schmerz in seinem Würgegriff gefangen hält, dann lass uns mal schauen, was Glück eigentlich ist.

Glück passiert nicht, Glück ist

Glück hat wenig zu tun mit dem, was in der Welt passiert. Wenig zu tun, mit dem, was in deinem Leben passiert. Glück ist etwas Tieferes. Glück ist etwas Profundes. Ein Sein. Ein Status deiner selbst, den du, je mehr du in dir ruhst, immer mehr erlangst und stabilisiert – unabhängig davon, was außen ist.

Natürlich gibt es wunderbare Momente und Situationen, in denen du das pure, reine Leben spürst. Freude, die dich elektrisiert, die dich vibrieren lässt. Du tanzt auf einer Party, bis du den Schweiß zwischen deinen Brüsten hinunterrinnen spürst. Du knutschst, bis dir die Lippen brennen. Du lachst, bis dir die Tränen über das Gesicht laufen und einen lustig lachenden Mascara-Clown zurücklassen.

All das ist auch Glück.

Aber viel mehr ist Glück das, wie du die Dinge siehst. Denn der rinnende Schweiß zwischen deinen Brüsten, könnte jemanden anderen als dich, auch anekeln, die Tränen, die über das Gesicht laufen, könnten den anderen auch ärgern, wenn er daran denkt, wie er bald bald aussehen wird.

Wie du all das empfindest, ist abhängig davon, was du denkst. Was genau DU denkst. Es gibt nirgendwo ein goldenes Gesetzbuch, in dem steht, wie du wann empfinden musst. Es ist also primär deine Entscheidung, ob du die Dinge, die passieren, annehmen kannst. Ob du das Geschenk sehen kannst, wo andere die Prüfungen sehen. Ob du dich in schwersten Zeiten dennoch über die Momente der Innigkeit freuen kannst oder eben nicht.

Glück ist nicht das, was passiert. Glück ist das, was du empfindest. Glück ist das, wie du mit den Situationen umgehst.

Glücksfähigkeit ist Krisenresistenz

Deine Glücksfähigkeit hat viel mit deiner Bereitschaft zu tun, deinen Muskel zu trainieren und formen. Ihn zu immunisieren und zu stärken. Ihn den Stürmen des Lebens auszusetzen, gut behütet unter deinen liebenden Armen. Ihn wachsen zu lassen.

Wenn du das erste Mal erlebst, dass du auch nach dem furchtbarsten Tag auf der Wiese liegen und die wärmende Sonne genießen kannst. Mit voller Intensität die wärmende und nährende Stärke der Sonne spüren und genießen kannst. Wenn du erkennst, dass du trotz des Scheiß in deinem Leben das Schöne genießen kannst. wenn du begreifst, dass du dankbar sein kannst zu leben. Wenn du realisierst, dass du die überreife süße und saftige Erdbeere dennoch genießen kannst, dann wirst du mit voller Wucht begreifen, dass das Glück in dir ist.

Wahres Glück benötigt auch Unglück. Braucht die Kompetenz mit dem Unglück umzugehen und zu transformieren. All die Formulierungen, die du so genau  kennst, belegen diese tiefe, menschliche Wahrheit. Ob es das Licht am Ende des Tunnels ist oder das lapidare „es kann ja nur besser werden.“. All das ist Ausdruck der zutiefst menschlichen Eigenschaft zuversichtlich zu sein, weiterzugehen, zu glauben.

Je mehr du das empfindest, umso strahlender wirst du dieses Glück auch ausstrahlen. Weil du es kannst. Und weil du es darfst.

Wenn du diese Immun-Fähigkeit verlierst, die jeder von uns in sich trägt, wirst du in einer sich immer schneller drehenden und kälteren Welt, wie eine Pflanze ohne Licht und Sonne eingehen. Diese Fähigkeit zu lachen, obwohl Schlimmes passiert, die Kunst zu motivieren, wenn du selbst  zutiefst verunsichert bist und diese Fähigkeit glücklich zu sein, während du genau weißt, dass auch die Tränen immer präsent sind, ist das, was uns Menschen wachsen lässt. Zu reiner Liebe und tiefen Sein und bedingungslosem Glück.

Deine Fähigkeit glücklich zu sein im Auge des Tornados ist ein wundervolles Geschenk, dass du dir selbst und der Welt machst.

Deshalb sage ich dir aus tiefstem Herzen: Ja, du darfst glücklich sein.

Dein größter Fan

 

Claudia xoxo

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