Das mit uns hat keine Zukunft, Kleines!

Es ist brutal es sich einzugestehen: Aber wir passen nicht zusammen.

Anna, meine süße, virtuelle Freundin ist in den Vorbereitungen für das Neue Jahr. Beruflich und privat. Hohe Ziele wollen gesetzt werden, Strategien wollen entwickelt und Urlaubsreisen wollen gebucht werden. Anna hat Bock darauf. Im Grunde genommen. Da sind richtig schnuckelige Projekte dabei und auch ganz viel private Herzensangelegenheiten.

Doch irgendwie fühlt sich diese Planung für das neue Jahr, für die Zukunft, für den Alltag und auch die Vision schwer an. Das Jahr hat noch nicht einmal begonnen und schon sieht sie einen Berg vor sich. Einen mit dichten moosgrünen Bodendeckern  durchgehend bewachsenen Berg, den sie überwinden muss.

Denn mit jedem Projekt, das sie plant, mit jeder Reise, die sie organisiert, jeder Renovierung, die sie vorhat, verstärkt sich ihr leises Unbehagen – trotz der vordergründigen Freude und Euphorie. Es ist das Unbehagen des Unerledigten. Die Last der nicht abgearbeiteten To-Do’s. Die Scham der Aufschieberitis.

Dein Ego ist nicht blöd. Dein Unterbewusstes noch viel weniger. Hey, und du auch nicht. Selbstverständlich wisst ihr als Dreamteam gemeinsam, dass ihr neben vielem, das ihr erreicht und umgesetzt habt, einen ganzen Berg an Unerledigtem in eurer Bilanz vorzuweisen habt.

Dabei ist es vollkommen egal, ob es private oder berufliche Projekte oder Ideen betrifft. Die Last des  einen ist nicht minder schwer als die des anderen. Bei einem Vortrag, den ich neulich gehalten habe (es war mein erster Vortrag überhaupt. Oh boy, war das ein großartiges Gefühl!) erzählte eine Frau in der anschließenden Diskussionsrunde von ganzen Säcken und Kartons, die mit Fotos gefüllt seien, die ihr verstorbener Mann geschossen habe. Ihren Plan, die Fotos zu sortieren, die besonders schönen in Alben zu kleben und die Unbrauchbaren auszusortieren, schiebt sie seit Jahren vor sich her. Diese Aufschieberei ärgerte sie  furchtbar und ebenso verärgert war sie über die Aufgabe an sich, auf die sie gar keine Lust hatte.

Ihre Frustration  war genauso intensiv wie mein Ärger über meine erdachten, aber  nie konzipierten und umgesetzten Onlinekurse, Webinare, lebendigen YouTube-Kanälen, Seminaren, Wochenenden mit meinen Freundinnen oder anderen schönen privaten Aktionen.

Alles fein in der Aufschieberitis-Cloud  abgespeichert

Da könnten doch alle geplanten und nicht umgesetzten Pläne und Ideen der gesamten Menschen ganz wunderbar gespeichert bleiben und wir könnten sie abrufen, wann immer die richtige Zeit für den Plan gekommen ist. Eine gute Sache eigentlich.

Leider hat diese raffinierte Cloud die Eigenschaft – wie es sich für eine gescheite Speicherwolke gehört – sich zu synchronisieren. Mit allen deinen Geräten. Mal steckt der facettenreiche Plan sein kleines Köpfchen aus dem Sieb des Unterbewussten und mal pocht der Plan ganz laut mit hoher Dringlichkeit durch deinen Outlook Kalender bei dir an.

Deine ganzen kreativen, ambitionierten und auch manchmal sehr wichtigen und tollen Ideen werden mit schöner Regelmäßigkeit bei dir vorstellig. Mit hochgezogenen Augenbrauen schauen sie dich missbilligend an und fragen dich spöttisch, wann du denn vorhast den Keller endlich aufzuräumen, das spannende Buch zu schreiben, deinen Kleiderschrank auszusortieren, die Texte für die neue Webseite zu schreiben und das verdammte Familienfest zu planen.  Dann drehen sie sich um, nicht ohne kaum hörbar verächtlich zu schnaufen und lassen dich beschämt stehen.

Der primäre Grund für diesen Berg an Unerledigten ist ganz einfach:

Wir sind Menschen. Menschen denken schneller als sie machen können

That’s it!

Kein Hexenwerk. Nichts Tiefenpsychologisches. Keine versteckte Botschaft.

Ja, du hast Recht. Es kann im Einzelfall auch eine ganz besondere Bedeutung haben, wenn du etwas vor dir her schiebst. Und ja, es lohnt sich da genauer hinzuschauen. Doch für die Vielzahl von Projekten, die du vor dich herschiebst,  gibt es diese einfache Erklärung.

Wie immer gucke ich zuerst auf das Naheliegende. Ich untersuche nicht erst den unwahrscheinlichen Fall, sondern prüfe das Wahrscheinlichste. Und Menschen haben einfach mehr Ideen, als sie wirklich umsetzen können.

Nun sitze ich da also wie Anna und du auch vor meinem Berg an Unerledigten bei der Planung meines neuen Jahres. Fühle mich vom Unerledigtem gebremst. Sollte ich nicht erst das bereits Geplante erledigen, bevor ich neue Projekte anstrebe?

Doch ich will mich nicht bremsen lassen von Unerledigtem. Deshalb habe ich eine kleines „Byebye Kleines“-Ritual eingeführt. Ich habe als Richterin alle meinen großen und kleinen, die geliebten und die ungeliebten unerledigten Ideen und Projekte nacheinander vor mir an meinem Richterpult wie Heidis Engel (ich mixe…I know…mein Blog, mein Kopf…) vorbeilaufen lassen. Direkt vor mir angekommen unterziehe ich jedes geplante und schmählich immer wieder verschobene  Projekt  meinem gestrengen Blick.

Und genau das kannst du auch tun, wenn du endlich die Altlasten los werden willst. Bei jedem einzelnen Projekt kannst du dich fragen, ob du das überhaupt noch willst. Ob diese Idee noch zu dir passt. Oder ob es einfach nur eine spontane Idee war? Vielleicht fühlt sich der Plan auch einfach nicht mehr so dringlich an, weil dir andere Projekte viel wichtiger sind.

Du wirst genau wissen, welches Projekt dir noch immer wichtig ist und mitgenommen werden soll ins neue Jahr. Doch du wirst auch sehr genau wissen, was nicht mehr zu passt. Wozu du einfach keine Lust mehr hast.

Da stehen sie dann, die kleinen und großen Projekte, unerwünscht, überflüssig. Und du hast kein Foto für sie.

Und in einer Art Abschiedszeremonie kannst du sie einfach loslassen. Hauch ihnen ein liebevolles und zartes

„Mit uns wird das nichts mehr, Kleines!“

entgegen und tritt sie in die Tonne.

Dieses kleine, aber feine Abschiedsritual ist unglaublich befreiend. Du schmeißt einfach deine Altlasten weg, ärgerst dich nicht über Unnötiges und Unerledigtes und nimmst deine Energie für das, was dir wirklich wichtig ist.

Die nette Frau von der Veranstaltung hatte nach der Diskussion übrigens die Idee aufgegriffen, ihre Kinder anzurufen und ihnen anzubieten, die Fotos bei ihr abzuholen, bevor sie den Weg in die Tonne finden.

Manchmal kann es so einfach sein, sich das Leben ein kleines wenig leichter zu machen.

Take care und bleib glücklich

 

Deine Claudia

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