Die Lüge von der Lust am Aussteigen oder Memoiren einer Blume

Du hast genug davon.

Von diesem ganzen Geplapper von höher, besser, schneller, weiter. Genauso satt hast du aber auch das am anderen Ende der Skala stehende salbungsvolle achtsam-, flow- und slow-Gedöns.

Ich sage dir jetzt etwas: Du bist nicht allein damit. Das kennen wir alle. Nase voll. Power-Stiefel in die Ecke schmeißen, Netflix an, dich in die Kissen auf dem Sofa kuscheln und Popcorn raus. Keine Anforderungen. Kein Wachstum.

Du denkst vielleicht, dass es nur dir so geht. So ist es aber nicht. Es gibt so viele, die genauso empfinden.  Soulsisters, die ihre Stimme erheben,  die für dich und mich die Fahne hissen und es laut die Welt schreien:

„Schluss. Es ist genug. Ich optimiere mich nicht mehr. Denn ich bin gut genug.“

Vor kurzem gab es bei einer anderen Anna, der zauberhaften Anna von Weibswort eine großartige Ode an die Verweigerung des Selbstoptimierungswahn.

Ja, manchmal tut es unfassbar gut auf die Bremse zu treten und auszusteigen.

Private Exit. Ciao ciao Baby.  Ohne mich.

 

Just me and my way

Du ziehst es durch. Du traust dich den ganzen Selbstoptimierungs-Krams in die Tonne zu treten und zu sagen, dir zu sagen, dass es genug ist. Ich verrate dir kein Geheimnis, wenn ich dir sage, dass du viele Menschen mit deiner Weigerung, weiter ein Opfer des Hamsterrads zu sein, inspirierst. Die Welle der Erleichterung der anderen wird dich tragen und dich ermattet und glücklich und vielleicht ein bisschen wegweisend lächelnd zurücklassen.

Da ist sie nun, diese Zufriedenheit, diese Ruhe, nach  der du dich so sehr gesehnt. Du bist angekommen im Moment. Hier, wo du einen Schei* musst. Wo du gut genug bist. Innere Ruhe. Die kleinen Affen in deinem Hirn und in deiner Seele, die ansonsten immer ununterbrochen plappern, sind endlich, endlich friedlich und liegen schlummernd in der Ecke.

Es fühlt sich herrlich an, nicht wachsen zu müssen. Nicht besser und schöner sein zu müssen, als du bist. Gelassen und großmütig musst du auch nicht sein. Du darfst dich genussvoll über die schnippische Kuh aus dem Job aufregen und deiner Freundin musst du auch nicht ununterbrochen Verständnis entgegenbringen, sondern darfst ihr schon mal sagen, dass sie sich verdammt noch mal zusammen reißen soll, wenn sie  mal wieder hat das Drama für sich gepachtet hat

Da liegst du nun, liest deinen oberflächlichen Krimi, knabberst Erdnüsse und trinkst Kaffee (oder Wein oder Chai – keine Ahnung, was deine Droge ist). Zwischendurch telefonierst du mit deiner besten Freundin und eure Themen wechseln sprunghaft  und springen zwischen Lästerschwester und Bitchtalk, dem blöden Chef und euren persönlichen Wachstumsmöglichkeiten munter hin und her. Die Yogamatte bleibt zusammengerollt liegen und du akzeptierst, dass du nie wie Tomb Raider aussehen wirst und bist happy damit. Die Welt willst du auch nicht mehr verbessern und dich selbst schon lange nicht mehr. Denn du hast ja bewusst entschieden, dass du nicht mehr mitmachst bei den Optimierungswahn. Sollen die anderen sich doch quälen.

Du hast es geschafft. Endlich geschafft, dich von alledem zu lösen. Endlich Ruhe. Endlich kein Druck mehr.

Der fiese Druck der schönen, neuen Welt

Wie lange du wohl auf deinem selbstgewählten Wohlfühlsofa  liegen bleiben wirst? Eine Woche? Einen Monat? Ein Jahr?

Die eine wichtige Frage, die sich stellt, ist doch: Ist dieses Sofa des Ausstiegs, die Chaise der Verweigerung, das, was du wirklich willst?

Ist das dein Ziel?

Oder ist es nur eine Phase? Eine Pause, die du dir nimmst? Eine Unterbrechung, die vor jedem Wachstum ihrem Raum einfordert – egal, ob du es willst oder nicht. Ein Tribut der Seele, die es besser weiß, an das Wachstum. Den Stillstand, den der Fortschritt fordert, bevor er sich Kaktusblüten-gleich öffnet.

Warum liest du – nach in schöner Regelmäßigkeit auftauchenden Phasen der Übersättigung – immer wieder diesen ganzen Selbstoptimierungs-Krams, verschlingst die Ratgeber und folgst den Schönen und den Guten. Harsche Medienschelte folgt. Der Druck, dieser verdammte Druck gut genug zu sein, steigt immer weiter. Bis ins Unerreichbare. Aber wie war das, als es diese „How to..“ Literaturflut noch nicht gab? Kein Instagram, Facebook & Co.? War da alles gut? Keine Erschöpfung. Jeder mit sich im Reinem. Kein Role Model = kein Druck = lauter happy people überall?

Kann es so einfach sein? Social media und die moderne Welt ist  an allem Schuld und wir müssen auf uns achten und dann und wann aussteigen und dem Druck entsagen?

WARUM tust du dir das an – immer wieder – jedesmal ernüchtert – jedesmal ermüdet. Und doch gehst du jedesmal diesen Weg. Du liest und versuchst zu verstehen. Du bist inspiriert und entwickelst eigene Idee. Du schaust hin und du siehst.

Warum tust du das? Wenn du es doch nicht willst? Wenn es dich quält und umtreibt.

Du kannst der Blume nicht das Blühen verbieten

Vielleicht ist es viel einfacher als du denkst. Was wäre, wenn die eine Phase genauso ihre Berechtigung hätte wie die andere? Was, wenn nicht jeder diesen Weg kennen würde, sondern nur die wenigen, die ihn gehen?

Die Wahrheit ist, dass du wachsen willst, sonst würdest du dich all dem nicht immer aussetzen. Du könntest bequem in deiner Puppenstube sitzen und zufrieden sein. Doch das bist du nicht. Denn du weißt, dass da noch viel mehr ist. Es sucht sich seinen Weg. Wie eine Blume, wie Pflanzen sich in einer verlassenen Einöde aus Beton  sich  ihren Weg suchen, durch den Asphalt, durch  den Schatten. Ohne Erde, ohne Dünger.

Du kannst es nicht aufhalten.  Du kannst die Pausen bestimmen. Die Pausen, die du auf diesem Weg – der verdammt nochmal nicht einfach ist – brauchst. Die Pausen, die du brauchst in diesem unaufhörlichen Wachstum, in dem  „ich bin nicht schnell genug, die anderen überholen mich, ich weiß nicht, ob ich es schaffe“-Karussell sind. Die Phasen, in denen du die Optimierer, die Perfektionierer, die Immer-Erfolgreichen, die ach-so-Gelassenen, aus deinem Leben schmeißt.

Was ist falsch  an den Phasen?

Mein Gott. NICHTS. Aber sie sind erst dann richtig, wenn es für dich richtig ist. Wenn du dir erlaubst, die Phasen der Müdigkeit, des Stillstands, des Rückschritts, der Unvernunft anzunehmen. Wenn du erkennst, dass der Stillstand nicht etwas Schlechtes ist. Wenn du ihn als Teil des Weges hinnimmst. Genauso wie die Wellen des sich Lieben, des Zufriedensein, des Leidens,

Doch du kehrst immer zurück. Zum Lernen. Zur Erkenntnis. Zur Inspiration. Das tust du nicht, weil du es musst. Du tust es, weil du es willst. Du tust es, weil Wachsen Teil deines Wesen ist.

Wenn du beides als Teil von dir annimmst und nicht den Gurus im Außen die Schuld gibst, wirst du eine große Erleichterung spüren. Denn du bist in deinem Wunsch nach Wachstum – auch wenn der sich mal verflüchtigt und sich versteckt hinter einer „Ich-gucke-nur-noch-Netflix-und-esse-worauf-ich-Lust-habe-und-die-Erfolgsgurus-können-mich-mal“ – nicht allein.

Zu diesem Streben nach Wachstum gehört das Gefühl, des „ich-schaffe-es-nicht“. Ist so. Macht aber gar nichts. Denn natürlich wirst du wachsen. So wie die Blume sich ihren Weg durch den gesprungenen Asphalt sucht.

Dein größter Fan

 

Claudia xoxo

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