Ohne Leid, kein Preis oder you can’t have one without the other

Bach Gebirge
Du wirst leiden müssen.
 
Die Frau sitzt im Café, denn dort ist es warm. Ein bisschen Klischee, zugegeben, aber sie mag einfach nicht in dieser düsteren Wohnung sitzen.   Sie fertigt das Anschreiben für den 37. Verlag, an den sie das Manuskript ihres Romans  schickt. Nein, tatsächlich ist es mehr als ein Roman. Es ist ein Epos. Sie weiß, wie gut ihr Werk ist. Ja, und sie bleibt dran und schickt ihr Manuskript an jeden verdammten Verlag. Ihre Verzweiflung wird immer größer. Da sitzt sie nun, in dieser düsteren Kellerwohnung, ist abhängig  von den Unterhaltszahlungen ihres Mannes, ihr wunderbares cum laude Examen in Literatur nutzt  ihr nichts.
Und sie leidet.
Aber sie ist bereit dieses Leiden in Kauf zu nehmen, denn sie weiß, dass irgendwann, irgendwer ihr Manuskript annehmen wird. Sie ist bereit dafür zu leiden, an sich zu zweifeln und immer wieder aufzustehen. Denn was wäre die Alternative?  Sie könnte ihr Manuskript in die Schublade legen und versuchen es zu vergessen. Aber auch das wäre Leiden. Denn es steckt ihr Herzblut in diesem Baby. Also geht sie lieber den Weg. Obwohl jede Absage, die in den mausgrauen, politisch korrekten Fairtrade Umschlägen bei ihr eintrudelt, wie eine Ohrfeige ist. Eine Ohrfeige, die ihr sagt:
„Du kannst nichts. Vergiss dein „Werk“. Es ist schlecht. Wäre es gut, hätte es schon längst irgendwer angenommen.“
Cut!

Ich und mit mir Millionen Menschen auf der Welt sind J.K. Rowling dankbar, dass sie das Leiden in Kauf genommen und Harry Potter auf die  Welt gebracht hat. Hätte J.K. loslassen sollen? War  dieses langandauernde Leiden ein Zeichen, dass sie auf dem falschen Weg war?  Hat sie die Zeichen ihrer Seele nicht erkannt?
Leute, von mir ein „Nein“ aus tiefstem Herzen.
Ich verstehe, dass kein Mensch leiden möchte. Ich verstehe auch, das Leiden dir manchmal etwas sagen möchte, wie : „Lass los. Es ist Zeit zu gehen.“
Doch wo ist die Grenze? Wann ist Leiden okay? Oder ganz man Leiden ganz aus seinem Leben verbannen? Ist Leiden ein Zeichen davon, dass man noch nicht genug gewachsen ist? Was hat  es  mit diesem Leiden und dem Loslassen auf sich? Warum ist bei J.K. gut, was eigentlich schlecht wäre und ein Zeichen dafür, dass du nicht bereit bist loszulassen, was du ziehen lassen musst und bei mir wäre es aber doof?
Okay,  hol das Lexikon, Baby.
Wiki ist wie immer ganz klar:
„Leid ist eine Grunderfahrung und bezeichnet als Sammelbegriff all dasjenige, was einen Menschen körperlich und seelisch belastet. Unter anderem werden die Nichterfüllung von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen, der Verlust von nahestehenden Individuen, die Trennung von sozialen Gruppen, äußere Zwänge und Begrenztheiten, Alter, Krankheit, Tod und Schmerzen als Leid empfunden.“
Okay. Und was noch? Lass uns mal schauen, was sprachhistorisch hinter dem Begriff Leiden steckt:
In unserem Sprachgebrauch  bedeutet leiden:  schulden, ertragen, Unglück empfinden. Tatsächlich geht das Wort auf eine  indogermanische  Wurzel zurück  und bedeutet „etwas Unangenehmes hinnehmen, erdulden“ kombiniert mit der Komponente  „gehen, fahren, reisen „. Das hört sich für mich überzeugend an. Oder kannst du dir eine längere Reise ohne Probleme, ohne Schwierigkeiten, ohne unangenehme Erfahrungen vorstellen?
Wenn du den Begriff „Leiden“ eher buddhistisch angeht, siehst du Leiden als etwas viel Normaleres, als etwas das – zunächst – Bestandteil unseres Lebens ist.
Leiden als etwas, das immer wieder und immer wieder überwunden werden muss.

Leider geht’s nicht ohne dich, liebes Leiden

Wenn ich mich frage, wofür ich bereit bin zu leiden, muss ich antworten: Für alles. Richtiger wäre: Leiden ist für mich ein  Bestandteil des Lebens. Ying und Yang. Schwarz und weiß.
Du wirst unter Schmerzen geboren und du gebierst unter Schmerzen. Und ja, das hört sich schlimm. Ja, es ist nicht easy, aber das ist es wert. Ohne die Geburt gibt es kein Kind. Ohne Leiden gibt es kein Leben.
 Leiden ist allgegenwärtig
  • dein Kind verlässt das elterliche Zuhause
  • dein Partner wohnt in einer anderen Stadt
  • jemand, den du liebst, ist krank
  • ein Produkt, dass du entwickelt hast voller Leidenschaft, verkauft sich schlecht
  • ein Examen, das du nicht bestehst.
All das ist Leiden. Hab keine Scheu vor dem Begriff. Wenn du es nicht magst,  diesen Begriff zu benutzen, kannst du auch sagen, dass du dich durchkämpfen mußt, das etwas enorm schwierig ist. Nimm einfach  das Wort, das dir zusagt.
Durchkämpfen, dranbleiben, durchhalten, ertragen…
Aber – face it. Was auch immer für ein schönes  Wort du  dafür findest: Es ist  Leiden, was du in solchen Situationen empfindest.
Zur Erinnerung:
„Leiden ist etwas Unangenehmes erdulden, das temporär ist.“
Zu leiden muss nichts destruktives haben. Du liebst, du empfindest und du leidest. Du möchtest etwas und du bekommst es nicht. Zumindest nicht sofort. Und du leidest.
Leiden ist omnipräsent.

„Ich bin dein Motor!“, sprach das Leiden

J.K. ist drangeblieben, WEIL und OBWOHL  sie gelitten hat. Wenn sie dieses Gefühl des Leids nicht zugelassen hätte, wenn sie sich stattdessen dafür entschieden hätte, loszulassen, was ihr Schmerzen bereitet, hätten wir nicht Harry Potter.
Dass wir Harry P.  haben, resultiert daraus, dass Rowling bereit war zu leiden. Der Wunsch, den Zauberlehrling  samt Entourage zu uns zu bringen war so groß, dass sie bereit war, dafür zu leiden.
Ich könnte dir noch unendlich viele Beispiele nennen, in denen Leid der Motor war. Kein Hemmnis, keine Sache, die losgelassen werden will, keine Altlast. Sondern Situationen, in denen die Qual des temporären  Leidens der Motor war: die Gebrüder Wright, Umberto Eco. …. Tbc (hab ich gerade erst gelernt;  d.h. es sollte fortgesetzt werden….)
Es mag sein, dass du das Wort Leiden nicht magst. Es mag sein, dass du damit etwas anderes verbindest. Aber wir sind uns einig darüber, dass jemand wie J.K. durch ein Tal  der Tränen gegangen ist, um HP die Geburt in unsere Herzen zu ermöglichen. Das war ihre Vision. Ihr Traum. Und NATÜRLICH war es das Leiden wert!
Und so geht es doch auch mir und dir. Was ist es, dass du in die Welt bringen willst?  So sehr?  Und der Weg ist steinig. Nein, du weißt eigentlich gar nicht, ob es der richtige  Weg ist. Mal stolperst du nach links, mal nach rechts. Richtest dich wieder auf. Und du fragst dich „Warum tue ich all das? Es tut weh.“  Du willst dieses Gefühl  nicht mehr haben. Dieses Gefühl des nicht Genügen. Der Ablehnung.
Und schon gehst du weiter. Noch ein Tag und noch ein Tag. Weil du weißt, dass es dein Weg ist.
Okay Baby! Das ist Leiden und das ist dein verdammter Motor.
Achtung: blueprint
 
Das Gefühl des Leidens, resultiert immer und ausschließlich daher, dass du dein Leben abgleichst mit einer Blueprint, einer Vorlage, die du in deinem Kopf hast.
Da sind all die glücklichen und  erfolgreichen Leute in deinen Kopfkino und sie lachen und sie trinken Wein, ihre Kinder und Familien sind furchtbar nett, klug und warmherzig, die Gespräche inspirierend.  Geld, ja Geld ist nicht so  wichtig. Es muss einfach reichen für dieses 6-Zimmer Haus am Hang auf Kos, mit der wunderbaren Sonnenterrasse und den Sonnenuntergängen.
Der Reality Loop zeigt dir, dass du noch etwas nachlegen musst, um dieses Ideal zu erreichen. Der Weg könnte  steinig sein. Aber der Weg und das Bewusstsein, dass du das, was du dir so sehr wünschst, noch nicht hast, ist der Motor. Der Motor wieder weiterzumachen. Dieser Motor befähigt dich dazu das  Leiden als Teil des Weges hinzunehmen. Für das Ziel. Für den Lorbeerkranz. Für die Sonnenterrasse auf Kos.

 Ich leide, also bin ich 

Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe keine masochistischen Tendenzen. Dennoch ist Lieben der Motor  des Lebens und damit auch des Leidens. Wenn du liebst , dann leidest du:
  •  Dein Kind ist unglücklich. Du leidest so intensiv mit. Es zerreißt dir das Herz und du würdest so gern den Schmerz dieses zauberhaften  Wesens übernehmen.
  • Dein geliebter Partner leidet und du würdest alles tun, um den Schmerz zu lindern.
  • Menschen, die du liebst, gehen durch schwere Zeiten und du bist empathisch bei ihnen .
Du leidest.
Liebe ohne Leiden gibt es nicht.
Ich liebe Spaß, ich liebe tanzen. Ich liebe Einhorn-Pipi-in-pink. Aber manchmal bekomme ich etwas anderes. Wäre mir der Mensch egal, würde ich zum nächsten  Spaß, zur nächsten Kirche gehen. Wenn du aber liebst, bist du auf der Spur. Du wirst niemals den Weg verlassen. Du bist bei denen, die du liebst.
Und du leidest manchmal. Denn du bist verletzlich, weil du liebst.
Und es ist okay.
Leide dich groß
 
Irgendwann haben wir alle die Situation, dass uns einer genau das sagt, was wir nicht hören wollen. Wir wollen es beiseite schieben. Ich kann den Schei* jetzt nicht gebrauchen.
Das klappt einmal. Vielleicht auch zweimal. Aber es gibt immer jemanden,  dem du so wichtig bist, dass er nicht locker lässt.
Auch wenn du noch so sehr denkst, dass du da nicht hinschauen willst.  Und du dort nicht hingehen willst, weil du genau weißt,  dass es weh tun wird. Du weißt doch irgendwann, wenn du genau an diesem Punkt festgenagelt wirst, dass du  nicht weglaufen kannst. Du siehst den Weg des Leidens vor dir. Du weißt,  es gibt keinen Weg diese Last und diesen Schmerz loszuwerden, als wenn du genau dort hingeht. Du triffst die Entscheidung und gehst.
Gehst den harten Weg.
Weil  du weißt, dass du wachsen wirst. Du wirst größer und stärker aus diesem steinigen Weg  hervorkommen, oft gestolpert zwar und  angeschlagen. Aber du wirst größer sein. Weil du es geschafft hast.
Du bist in die Angst gegangen, obwohl du wusstest, dass du leiden wirst.

Bleib für eine Zeit bei mir 

Es gibt keinen Weg das Leiden aus deinem Leben zu verbannen. Leiden ist der Grund, warum du wachsen willst. Leiden ist der Grund, warum du tief lieben kannst. Leiden muss dich nicht erschrecken, denn Leiden ist nicht immer schwarz gekleidet und gebeugt. Leiden ist Wachstum, Leiden ist der Motor für Veränderung. Leiden ist die Geburt. Ist der Tod und der ewige Kreislauf des Lebens
„It’s the  The circle of life„. –  König der Löwen.
 Take care und bleibe gesund
Deine Claudia

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