Sommer-Inspirationen: Vom Wolkenschauen und anderer Seelen-Nahrung

Stella Damm ist ein wunderbarer Coach. Jemand, der dich das Nein-Sagen lehrt. Nein, vielmehr lehrt sie dich das Ja-Sagen. Ja-Sagen zu dir selbst. Zu deinem Weg. Stella Damm ist auch die Meisterin der Worte, der Poesie, der leisen Töne. Stella Damm inspiriert. Genau deshalb ist sie auch die Beste, um die Sommerpause zu beenden. Sie bringt die Leichtigkeit, das Tagträumen in den Alltag. Es braucht keinen Sommer um zu träumen. Es braucht nur dich. 

In einem Park in meiner Nähe steht eine schön geschwungene Liege aus Holzlatten, die perfekt dazu geeignet ist, um mal eine Weile den Wolken zuzuschauen.

Und irgendwann im Frühsommer war sie mal leer, stand gerade im Schatten, und ich hab mich draufgelegt. Hände hinterm Kopf verschränkt, Blick hinauf, an den Baumkronen vorbei ins spät nachmittägliche Dunkelblau des Himmels. Durchsichtige kleine Wolkenfetzen zogen langsam vorüber, und wild gezackt fliegende kleine Vögel zischten herum und verwirrten mich, bis mir klar wurde, dass es in Wirklichkeit Fledermäuse auf Mückenjagd waren. Die Wölkchen weit drüber waren so dünn, dass ich manchen dabei zusehen konnte, wie sie sich auflösten. Nach einer Weile ist es in mir ganz ruhig geworden, so als könnte ich jetzt den Gedanken unter den Gedanken zuhören. So als hätte ich alle Zeit der Welt und ganz viel Platz in mir.

Später an diesem Abend hab ich einem Gefühl nachgespürt, das mir bekannt und langvermisst vorkam. Einer Vollständigkeit. Einer inneren Aufgeräumtheit. Ein Freund fragte mich, was ich denn getan hätte an diesem Tag, und vor allem anderen, das ich auch getan hatte, vor allen gesellschaftlich anerkannten Geschäftigkeiten sagte ich: Tag-geträumt.

Und plötzlich wurde mir klar: das war es! Da kam dieses Gefühl her. Diese innere Weite. Ich hatte mir nach langem wiedermal gegönnt, Gedanken einfach so schweifen zu lassen. Den Wolken nach. Ich hatte innere Bilder aufsteigen und sich wieder auflösen lassen. Ich hatte nichts vor, als ich auf diese Liege lag, wollte nichts durchdenken, keine Probleme wälzen, keinen Text schreiben, ich hatte überhaupt keine Absichten und hab keinen Gedanken verschwendet dran, was noch alles zu tun wäre. Ich hatte einfach taggeträumt. Und diese 20 Minuten absichtslos Gedanken schweifen lassen hatten mich innerlich komplett wieder aufgefüllt. Mit Ruhe, mit Lebensfreude, mit Lächeln.

Vielleicht ist das Tagträumen der Ort, an dem deine Seele mit dir spricht. Nicht dein innerer Antreiber, nicht deine innere To-Do-Liste und nicht deine innere Problemsammelstelle, sondern wirklich deine Seele.

Vielleicht ist Tagträumen der Zustand, in dem das innere Geschnatter verschwindet. In dem an die Stelle des Geschnatters eine innere Weite und Vollständigkeit tritt. Ein Gefühl von Raum, von Möglichkeit, von Angeschlossen-Sein an dein Innenleben.

Vielleicht ist Tagträumen auch der Ort, an dem dir wieder gelingt, was du als Kind so gut konntest: noch vor dem Frühstück an 7 unmögliche Dinge glauben, um mit Alice (im Wunderland) zu sprechen.

Manchmal zeigen sich darin deine wirklich großen Träume, wilden Wünsche und verrückten Ideen. Und manchmal ist es darin ganz still. Manchmal verarbeitest du Dinge, die passiert sind – aber nicht indem du sie zum 100ersten Mal innerlich abspielen lässt und nach deinen Fehlern suchst (oder denen der anderen), sondern indem du sie sanft zurechtrückst. Manchmal erträumst du dir Zukunftsversionen, die dir gefallen würden, probierst sie an, verwirfst und korrigierst Details, bis sie dir passen. Manchmal verschaffst du dir Erleichterung, indem du herrlich bösen Rachephantasien Raum gibst, von denen du genau weißt dass sie in „real und umgesetzt“ nur alles verschlimmern würden, die aber hier, in der Tagtraumzone, genau das sind was du gerade brauchst. Und manchmal geschieht in diesem Zustand einfach rein gar nichts, das sich greifen ließe, das man jemandem erzählen könnte.

Ich für mich weiß jedenfalls: ich brauche diesen Zustand, damit es mir gut geht. Am besten täglich. Auch wenn es nicht immer so leicht ist, hineinzukommen. Auch wenn die innere Geschäftigkeit sich gern dazwischenschiebt, und die äußere Geschäftigkeit oft nicht beiseite rücken will für so etwas Frivol-Nutzloses wie Tagträumen.

Mittlerweile bin ich von der Nutzlosigkeit des Tagträumens ganz und gar nicht mehr überzeugt. Wie gesagt, es macht mich ruhiger, vollständiger, freudvoller. Es bringt mich zu mir selbst. Und wenn dir auch gerade auffällt, dass das sehr ähnlich klingt wie das, was viele über Meditation sagen: vielleicht hat es wirklich ganz ähnliche Effekte. Mich persönlich stresst der Versuch, zu meditieren, eher – einfach weil ich es irgendwie schaffe, dass ich auch in Sachen „wenig bis nichts Denken“ in die Leistungsfalle kippe.

Was ich sicher sagen kann: Tagträumen, wenn du es möglichst absichtslos machst, hilft dir auch dabei, deinen Raum zu füllen. Es ist eine Zone von Zeit und Platz für dich. Dich ohne Ansprüche, dich ohne Absichten, dich ohne To-Do-Listen.

Und warum soll das so wichtig sein? Oder so toll? Ach Anna (liebe Claudia, ich borge mir kurz mal deine virtuelle Freundin aus), du weißt warum. Du weißt, dass deine Seele ihre Flügel aufspannen will und fliegen möchte. Ohne Ziel in verrücktem Zickzack wie die Fledermäuse. Dass sie einfach Spaß haben will, dass sie manchmal (oder oft) Stille braucht, und Langsamkeit. Du weißt, dass du nicht nur hier bist, um alles erledigt zu bekommen, alles richtig zu machen, und Bucket-Listen abzuhaken. Du weißt auch dass du ein Gegengewicht brauchst für die Geschwindigkeit, mit der alles um uns herum abläuft, und für die riesigen Mengen an Information, die täglich auf dich einströmen.

Es ist nicht immer leicht, in diesen Zustand zu kommen. Mir fällt auf, dass es eher schwieriger wird, wenn ich es erzwingen will. Aber hier sind ein paar Dinge, die mir helfen, einfach so hineinzugleiten – vielleicht tun sie das auch bei dir.

  • Den Wolken zuschauen, wie sie vorüberziehen.
  • Am Wasser sitzen.
  • Aus dem fahrenden Zug in die Landschaft schauen.
  • Musik – für mich muss es Klassik oder Jazz sein, weil mich Worte zu sehr ablenken
  • Bewegungsformen ohne sportlichen Ehrgeiz, wie Spazierengehen oder langsam und entspannt Rad fahren.
  • Manchmal auch beschäftigte Hände bei freiem Kopf – wie beim Bügeln, oder wenn ich etwas koche, das ich in und auswendig kann.
  • Ziellos durch die Stadt flanieren

Wenn du es ausprobierst, dann wünsch ich dir schöne Gespräche mit deiner Seele. Und wenn du ohnehin schon eine erstklassige Tagträumerin bist, dann würde ich gerne hören, ob es auf dich die gleiche Wirkung hat – und was dir hilft, um hineinzugleiten!

 

Mehr von Stella Damm findest du hier

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