Warum du die Niederlage zu deinem Freund machen solltest und warum du sonst untergehen wirst

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5:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Anna, meine hochmotivierte, virtuelle Freundin, springt beseelt aus dem Bett. Sie trinkt ein Glas warmes Wasser, springt unter die kalte Dusche. Sie ist fit. Sie ist ganz bei sich.  Ganz präsent und offen. Anna nimmt sich Zeit für eine 10 Minuten Meditation und bereitet sich einen grünen, gesunden, energiereichen Smoothie zu.

Anna wählt ein Outfit, in dem sie sich sehr wohl fühlt. In dem sie ganz sie selbst ist. Und  dennoch sehr souverän rüberkommt. Trotz ihrer Aufregung und Nervosität ist sie ganz bei sich. Positive Affirmationen bestärken sie, es läuft die richtige Powermusik,  sie sieht überall im Haus knallig-gelbe Post-it’s mit Tschakka Botschaften.

Anna, du wirst dein Ziel erreichen.

Anna, you rock.

Anna will es wissen. Sie will Rock’n Roll. Heute hat sie die letzte Verhandlung, in einer Reihe von Präsentationen und Meetings für ein Riesenprojekt. Ein fettes,  10.000 Mitarbeiter zählendes Bauunternehmen will ihre urbanen Dachgärten in den kommenden 4 Jahren, in allen neu zu errichtenden Anlagen installieren. Die Vorgespräche liefen hervorragend. Anna hat den Auftraggeber am Haken.

Ihr Mindset ist einwandfrei. Obwohl sie wenig berufliche Erfahrung hat. Nach dem Studium hat sie sich primär den Kindern und dem Haushaltsmanagement gewidmet. Ja, die Kinderzeit war etwas hinderlich. Aber  Anna kann es. Und das weiß sie auch.

Anna  ist sich sicher, dass sie diesen, im oberen  5 stelligen Umsatzbereich anzusiedelnden, Auftrag und die Folgeaufträge an Land ziehen wird.  Das wäre ihr Durchbruch. Bislang waren alle Signale des potentiellen Auftraggebers positiv.

Und Anna – ah, verdammt – sie brennt.  Sie will es wissen. Anna hat ihre Hausaufgaben gemacht. Sie hat ihre Unsicherheit überwunden. Hat  ihre ich-bin-doch-nur-ne-Mami-mit-Uni-Abschluss-Selbstzweifel bearbeitet. Anna ist fokussiert. Hat ihr Ziel ganz klar, messbar und eindeutig definiert. Die letzten Wochen hat sie genau auf diesen Tag hingearbeitet.

Und dann kommt der Moment, den du selber so gut kennst. Aus einer Vogelperspektive beobachtest du die Szene und hörst die Worte. Hörst die Worte, die Anna (liebe süße, kleine Anna, wie gern würde ich dich beschützen)  in real time wahrnimmt. Der Boden öffnet sich unter ihr. Wie durch eine Nebelwand nimmt sie schallgedämpft die Worte ihres – nunmehr game-over -Kunden wahr.

Anna bleibt stehen, sie lächelt, sie bleibt professionell. Und sie begreift, dass sie diesen Auftrag nicht bekommen wird. Diesen Auftrag, der ihr Durchbruch gewesen wäre. Dieser Auftrag, den sie mehr als alles andere wollte, denn er hätte ihr Renommee unglaublich gesteigert und ihr den Einstieg auf das nächsthöhere Level verschafft.

Anna hat eine Niederlage erlitten. Eine bittere, gallige, schmerzhafte, finanziell deutlich spürbare und nicht zu leugnende Niederlage erlitten.

Anna wartet bis sie zu Hause ist. Und erst dort. In ihren Bau, hinter den schützenden Mauern, kommen die bitteren Tränen. Tränen des Schmerzes. Das Gefühl des Versagen. Das Gefühl der Inkompetenz. Ängste. Und  außerdem sind da reine, nackte, existentielle Sorgen. Mehr