Deine „Scheiß drauf“ sind limitiert und deshalb solltest du haushalten

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Gestern habe ich mich nach einiger Zeit mal wieder mit  meiner virtuellen Freundin Anna getroffen. Ein kleines, gemütliches Café zwischen den Wolken, irgendwo in den Irrungen von Nimmerland. Anna war in einer ganz speziellen Stimmung: ausgelassen, abgehoben, genervt irgendwie, doch auch distanziert. Sie war am Abend zuvor auf einer Party gewesen. Gute, alte Freunde, unbedeutende Bekannte und irgendwelche Leute, die Anna noch nie gesehen hatte.

Im Hintergrund lief Jazz. Natürlich lief Jazz. Überall läuft zur Zeit soft-chill-Lounge-Jazz. Aber das ist eine andere Geschichte. So sind die Parties seit Jahren: Es passiert nichts Aufregendes. Die immer gleichen Leute, die immer gleichen Gespräche. Anna, die im letzten Jahr ihr Leben  komplett umgekrempelt hatte, seit sie  ihr Projekt der urbanen Dachgärten gestartet hatte, fühlte einen leichten Anflug von Langeweile im Angesicht des Austauschs von Plattitüden. Sie spürte sogar eine leichte Überheblichkeit –  wusste sie doch, wie wichtig es ist seine Freizeit mit den richtigen Menschen, den richtigen Gesprächen und den richtigen Themen zu füllen. Egal, sie würde den Abend jetzt durchziehen.

Anna kam ins Gespräch mit einer wirklich guten alten Freundin. Aber irgendwas lief hier falsch. Die Freundin – nennen wir sie Nina – war distanziert, nicht herzlich und irgendwie gehemmt. Anna plapperte vor sich hin, in der Hoffnung Ninas Panzer zu durchbrechen und sie zu erreichen. Vielleicht hatte Nina einen schlechten Tag gehabt? Aber das wäre kein Problem. Anna würde sie mit ihrer positiven Stimmung, Energie und Lebensfreude bald aufheitern.

Und dann brach Ninas Panzer auf. Nina hatte eine Menge zu sagen. Die gute, liebe Nina war genervt. Genervt von Anna. Sie sprach von Annas Veränderungen, dass sie sie kaum noch wiederkennen würde. Es fielen Worte wie egoistisch, abgehoben, durchgedreht und unrealistisch.

Was geht hier vor? Anna war fassungslos. Ohne Worte. Verletzt. Getroffen.

Noch vor einem Jahr hätte sie sich ganz intensiv mit Vorwürfen dieser Art auseinandergesetzt, reflektiert, hinterfragt.

Ja, sie war verletzt und auch etwas verunsichert.

Aber Anna dachte auch daran, dass sie damit rechnen musste auf ihrem Weg liebe Menschen zu verlieren. Sie sagte sich, dass es hier um Ninas Ängste und Gedanken ging und dass das alles nichts mit ihr zu habe. Es sei zwar traurig, aber

Scheiß drauf!

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