The pushing Art of Asking – Durch richtige Fragen zum Ziel

 

Nun lass doch mal gut sein!

Wenn dir dieser leidgeplagte Stoßseufzer schon mal von einem frustriert-verzweifelten Opfer entgegen geschleudert wurde, dann bist du ziemlich sicher ein Fragen-Junkie. Dir geht es nicht primär um die Antworten. Du liebst die Fragen. Richtig gute Fragen. Überraschende Fragen. Fragen, auf die es keine einfache Antwort gibt. Fragen, die Antworten hervorholen, die dich atemlos machen.

Anna ist so eine unentwegt Fragende. Dabei weiß sie nicht einmal woher all die Fragen kommen. Nicht nur die anderen, sondern auch Anna selbst hätte gern von sich selbst eine fragen-freie Fastenzeit. Denn die immer neuen Fragen sind nicht einfach nur eine Last für die, die Anna immer wieder mit ihren Fragen löchert. Viel öfter ist Anna selbst ein Opfer ihrer eigenen Fragen.

Alles war gerade so schön. Irgendwie so, ja, einfach so nett. Du weißt schon: das Kaminfeuer prasselt, Al Green läuft auf Spotify, die Kerzen flackern, dein Mann liest ein gutes Buch und du selbst checkst deinen Insta-Account.

Nein, ich scherze. Den Insta-Account zu checken ist nicht glamourös genug.

Okay, was tust du also?

Du schreibst. Du schreibst einfach ein paar Notizen für den nächsten Tag. ganz entspannt. Keine To Do Liste, einfach nur ein paar Gedanken, die dir durch den Kopf gehen. Du machst das gern. Das hilft dir den alten Tag loszulassen und dich auf den neuen Tag auf eine leichte angenehme Art vorzubereiten.

Okay, genauso ist es bei Anna. Sie schreibt ein wenig vor sich und denkt an das heutige Meeting mit den Mitgliedern ihres Teams, das sie für ein großes Projekt einberufen hat. Sie ist die Chefin und auch die Leitung dieses Teams obliegt ihr. Doch das Besondere in diesen projektbezogenen Teams sind die flachen Hierarchien und die Arbeitsatmosphäre, die kreativ-lösungsorientiert ist. Das heißt, in diesem Team wird gleichberechtigt gearbeitet und respektvoll miteinander umgegangen.

Irgendwann ist Lunchtime. Kreatives Geplapper zwischen genussvoll runtergeschlungenen Sandwiches, Wraps und Rohkoststicks. Der Deal mit dem Caterer von nebenan ist einfach genial: Healthy super food und lecker obendrein. Klar, würde jeder gern mal Pommes Schranke essen. Aber das kannste echt nur noch mit Verkleidung und auf der Reeperbahn machen.

Zurück zu Annas Lunch im Team: Die Abwicklung ist so simpel wie genial. Das Team muss einfach das Geschirr von den Resten des Essen freimachen, die Teller in eine vom Caterer bereitgestellte Kiste stellen und um den Rest kümmert sich der Essensmann.

Nun zurück zum Reality Check: Nachdem alle fertig sind, räumen sie gemeinsam auf. Eine schnelle Nummer, dadurch, dass alle helfen, ist das ganze Ding in maximal 10 Minuten erledigt und das Meeting kann frisch gestärkt wieder losgehen.

Hugo bleibt jedes Mal sitzen, entweder er checkt seine Mails, oder er telefoniert, alternativ sortiert er seine Unterlagen. Hugo sieht dabei nie provokativ aus, sondern absolut gedankenverloren und entspannt. Er macht einfach, was er macht.

Katie, Anna persönliche Assistentin, zischt Anna zu:

Auf die Idee einfach sitzen zu bleiben, käme ich nie!

und räumt weiter gemeinsam mit den anderen ab.

Hugo, Egon & all die anderen Idiotinnen

Während Katie komplett damit zufrieden ist, sich über Hugo zu ärgern und durchzudeklinieren, was in seiner Erziehung wohl falsch gelaufen sein muss, in seiner Ehe nicht stimmt und was für ein Macho-Idiot er ist, kann sich Anna diesem – zugegebenermaßen sehr verführerischen – Urteils-Kick nicht hingeben. Auch wenn sie sich selbstverständlich mit Katie wütend darüber ereifert, was sich Hugo rausnimmt, weiß sie dennoch, dass Hugo austauschbar ist.

Nicht nur austauschbar gegen einen anderen Mann, sondern beliebig austauschbar, auch gegen Frauen. Die Gender-Klatsche bietet sich hier einfach nur an. Seien wir ehrlich. Es passt ja auch oft. Warum nicht einfach das kuschelige Männer-Frauen-Dings nehmen, wo es uns doch wirklich perfekt aufbereitet serviert wird?

Warum Anna das nicht einfach macht? Weil sie weiß, dass sie Fragen liebt, mehr als sie die Antworten liebt. Diese Männer-Geschichte ist eine Antwort, die gerade passt. Sie passt so leicht und so oft und so gut, dass wir alle wissen, was wir zu tun haben. Stoff für 1.000 Blogposts und Bücher. Für die Tiefe, für die Gründe, für das gesellschaftliche Große und Ganze. Aber mit Hugo hat das Nix zu tun.

Hugo dem Idioten, müssten wir einfach sagen:

Hugo Schatz, leg das Handy beiseite und räum mit ab. Jetzt.

Zuckersüß, höflich, charmant oder mit einem Tritt gegen das Schienbein, je nachdem wie fein Hugos Antennen austariert sind.

Wenn du es wirklich wissen willst,

musst du die richtigen Fragen stellen.

Anna fragt sich zunächst:

Warum bleibt Hugo sitzen?

Warum räumt Anna für Hugo mit ab, voller Unmut und voller Groll? Warum spielt sie mit in einem Muster, das sie hasst?

Doch die Hugo-Frage kannst du getrost vergessen. Ganz einfach aus dem Grund, weil wir keine Ahnung haben, warum Hugo tut, was Hugo tut. Vielleicht war er 10 Jahre in einem geheimen Serail als Sklave eingesperrt, anfangs freiwillig seine Sklavenrolle ausfüllend und am Ende degradiert zum Putzjungen. Vielleicht hat er sich geschworen, dass wenn er lebendig aus dem Serail entkommt, nie wieder Putzdienste ausüben wird.

Was wissen wir davon?

Es ist auch vollkommen egal was Hugos Motivation ist.

Denn hier geht es um die richtigen Fragen. Die Fragen, die du dir stellst, weil du die Essenz, das Wesen der Dinge erkennen und verstehen willst. Die profunde Wahrheit kannst du jedoch nur bei dir finden. Sie offenbart sich dir nie sofort, nie leicht. Sie ist auch nie nett zu dir. Die Wahrheit ist nicht wie Katie, die dir sagt, dass ihr es doch gar nicht nötig habt, Hugo, dem Faulpelz hinterher zu räumen, weil ihr viel zu klug, zu schön, zu emanzipiert sein. Die dir sagt, dass Hugo ein Problem hat und echt an sich arbeiten muss. Dieser Bastard.

Die Wahrheit ist eher wie eine Mischung aus Miranda Priestly und Hannibal Lector, klug, zynisch und dich sofort durchschauend. Die einzige Frage, die die Wahrheit interessiert ist, warum du etwas tust, das du nicht willst.

Schon wieder so eine Frage. Die einzige Frage, die du dir jetzt stellen musst. Und die Anna sich immer wieder stellt:

Will ich sehen?

Bin ich bereit die Wahrheit zu sehen?

Bin ich bereit mich zu sehen?

Kunst ist nicht immer das, was wir verstehen

Selbstverständlich will jeder halbwegs bewusste Mensch sich sehen wie er ist. Keine besondere Erkenntnis, die eines Preises wert wäre. Die Bereitschaft zur radikalen Selbstliebe, die eine schonungslose Selbsterkenntnis und Selbstwahrnehmung voraussetzt, ist uns allen nur allzu sehr bewusst und begleitet uns als Dauerthema für die – sagen wir mal… na ja, die Dekaden, die wir noch leben.

Versprochen, wir alle wissen wirklich wie wichtig das ist und wir kümmern uns darum. Wieder und wieder. Wir wissen das.

Doch auch wenn die Liebe zu uns selbst die Basis für alles ist, was wir in die Welt zu bringen vermögen. Ist der Boden, in dem diese Saat der Liebe erst wachsen kann,  die Kunst zu fragen.

Die Kunst zu Fragen bedeutet die Erkenntnis, dass du die Leiter hinaufgehen willst. Nicht, weil dort oben das Ende der Leiter ist, denn das ist es nicht. Du willst die Leiter aus dem einfachen Grund hinaufgehen, weil du die nächste Sprosse schaffen willst. Weil du weißt, dass es dein Wesen ist, die nächste Sprosse zu erklimmen. Auch wenn die Leiter morsch und  die Knochen müde sein mögen, auch wenn der Wind gerade heftigst weht und auch, wenn dir auf der aktuellen Stufe ein verführerischer Duft von Hyazinthen sinnlich in die Nase steigt. Du weißt, dass es die nächsten Sprossen gibt. Du kannst sie einfach nicht verleugnen. Dir ist bewusst, dass nur die richtigen Fragen dich aus deinem so sinnlichen Hyazinthen-Paradies  herauslocken und dich motivieren können weiter  zu gehen.

Manchmal fragst du dich, warum die anderen sich nicht deine Fragen stellen. Warum sie sich so angestrengt fühlen von deinen Fragen.

Doch du weißt genau, dass  diese Frage ebenso sinnlos ist, wie die Frage danach, warum Hugo sitzen bleibt.

Weil du das weißt,  lässt du diese Frage auch los. Du lässt sie ziehen.

So siehst du weiter all diese Fragen, die schneller in deinem Kopf sind, als du sie aufschrieben kannst. Bevor du es noch bewusst entscheidest, greifst du in die Luft und schnappst dir die nächste Frage. Die Frage, die gestellt werden will. Die Frage, die zu sehen, die Kunst ist, die Leiter und die nächste Sprosse zu sehen.

Dein größter Fan

 

 

Claudia xoxo

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