Von der klebrigen Sucht nach Lob – Inner Bitch Teil 2

 

Du sehnst dich so sehr danach gesehen zu werden.

Aber du wirst im Leben nicht darum betteln. Niemals. Dafür bist du viel zu stolz. Das hast du nicht nötig.

Der Wunsch, für das, was wir sind und für das, was wir leisten, anerkannt, gelobt und auch honoriert zu werden, ist tief in uns verankert. Wenn dieser Wunsch nicht befriedigt wird und unerfüllt bleibt, trifft uns das zutiefst. Wir fühlen uns missachtet und ausgenutzt.

Auch Anna kennt dieses beißende, ätzende Gefühl

Anna, liebe, süße Anna, steht ihrem Chef mit klopfendem Herzen gegenüber. Es ist Zeit zu reden. Anna hat ihre Hausaufgaben gemacht. Die letzte Gehaltserhöhung ist 15 Monate her, ihre Zahlen sind gut, der Chef ist in einer up-Phase, er hat Bock, denn die Zahlen stimmen, es laufen extrem gute Kooperationsgespräche. Das gesamte Team ist energiegeladen und jeder schaut mit positiver Spannung auf die nächsten 24 Monate.

Während Anna ihren ganzen Mut zusammen nimmt, um das längst fällige Gespräch zur überfälligen Gehaltserhöhung zu führen, zögerlich beginnt, nimmt ihr Chef die Zügel des Gesprächs unauffällig , scheinbar unbemerkt in die Hand. Er lenkt. Anna weiß nicht, wie es passieren konnte, doch ihr gesamter Plan, ihre Strategie für das perfekte 6-Stufen-Gespräch wird ihr komplett aus der Hand genommen.

Von ihrem Chef. der ihr sehr freundlich, mit einem jovialen Lächeln und voller Empathie, doch auch ebenso eindeutig und unmissverständlich die klare Botschaft mit auf den Weg gibt, dass es für eine Lohnerhöhung noch zu früh sei. Sie solle noch ein bisschen liefern. Sich etwas gedulden. Andere Kollegen seien vor ihr dran. Pipapo.

Brain meets mindset

Das ist der Moment, in der Annas Mindset sich einen unerbittlichen Kampf mit ihrem Wissen gibt.

Wir alle kennen es, dass Forderungen oder auch Wünsche nicht immer sofort erfühlt werden. Manchmal müssen wir warten bis zum richtigen Moment. Ein anderes Mal müssen wir uns eine neue Strategie überlegen und dann noch Mal gezielt für die Forderung eintreten.

Der nächste Schritt nach einer abgelehnten Forderung, wäre die Analyse des Gesprächs, die Untersuchung des Status Quo. Hilfreich wäre auch ein Austausch mit Menschen, die dich schätzen und die bereitwillig mit dir nach einer Lösung suchen. Dein Weg ginge über die Analyse zur Entscheidung, um schließlich in eine Tat zu münden.

Doch da ist diese Stimme in dir, die dich eine Närrin schalt. Die dir leise einflüstert, dass deine Forderung unverschämt ist. Eine sehr vertraute Stimme, die du nur schwer zur Räson bringen kannst. Eine Bitch, die nur darauf wartet, Häme und Spott über dich auszugießen.

Doch nicht umsonst hast du dich lange genug mit Persönlichkeitsentwicklung und Selbstliebe beschäftigt, um zu erkennen, dass du dieser Stimme nicht folgen solltest.  Du erkennst das gekränkte Ego, das die Saat der Selbstzweifel mit großer Freude über das frisch umgegrabene Feld streut, so bald sich die Gelegenheit bietet.

Du erkennst die Prozesse, die sich in deinem Inneren abspielen. Zu behaupten, dass der Zweifel nicht an dir nagt, wäre eine Übertreibung, aber du hast deinen inneren Zwist unter Kontrolle.

Es ist wirklich cool, was ich geschafft habe

Was dich jedoch wirklich verletzt, ist das Gefühl, dass deine Fähigkeiten und Leistungen, dass du, nicht anerkannt wirst. Das Gefühl, nicht gesehen zu werden, verletzt uns zutiefst. Auch, wenn wir es besser wissen. Selbst wenn wir mit allen Techniken und mit einem hohen Grad an Reflexion erkennen, dass unser Wert und unsere Leistung nicht vom außen abhängen sollten, bleibt das beißende Gefühl der Ablehnung.

Bleiben wir bei der Gehaltserhöhung. Selbst, wenn wir wissen, dass unsere Arbeit sehr gut ist und nicht angemessen honoriert wird,  sind wir nur allzu oft nicht in der Lage, eine rein rationale Bestandsaufnahme zu machen, auf deren Basis wir unsere Entscheidung treffen.

Oder wenn wir es doch irgendwie hinbekommen, unsere Zeile erreichen, bleibt da ein schales Gefühl.

Denn die erkämpfte Gehaltserhöhung wiegt weniger als ein Bonus, der dir aus vollem Herzen gewährt wurde. FREIWILLIG. Und selbstverständlich. Um deine Leistung zu honorieren. Dir zu zeigen, wie wertvoll du und deine Arbeit bist. Man möchte dich noch enger ans Unternehmen binden, verhindern, dass du fortgehst.

Diese Anerkennung ist es, was du dir so sehr wünschst.

Was, du hast mich wirklich gesehen?

Du verstehst einfach nicht, warum andere es schaffen, dass ihnen Jobs angeboten, ja, dass sie sogar abgeworben werden. Du bist verunsichert, weil andere die Gehaltserhöhung von alleine bekommen und du erst nach einem erbitterten Kampf.

Am liebsten würdest du den so erkämpften Sieg ablehnen, so sehr verletzt es dich in deinem Stolz. Du möchtest nicht die 500 EURO mehr, du willst verdammt nochmal gut sein, so wie du bist. Lieber verzichtest du auf das Geld, als dich jemals wieder so lächerlich zu machen. Dich so klein zu fühlen, so unbedeutend.

Dann passiert überraschend das Wunder. Du bekommst deine Gehaltserhöhung. Du bist so wahnsinnig stolz. Du bist fast schon dankbar. Die Worte deines Chefs machen dich überglücklich. Dein ganzer innerer Kampf war überflüssig, denn er lässt dich wortreich wissen, wie sehr er dich schätzt.

Von der Macht des Mächtigen

Weißt du was? Hier geht es nicht um Gehaltserhöhungen. Es geht um Macht. Und es geht um Selbstliebe.

Was wird passieren, wenn dir dieses Lob verwehrt und entzogen wird?

Du wirst verdursten. Wie ein Fisch, der vom Haken genommen, auf dem Steg liegend, auf sein weiteres Schicksal wartet. Der Puls des Fisches rast, denn er ist nicht in dem Biotop, in dem er sein müsste. Seine Kiemen pulsieren, laufen leer, die Lungen drohen einzufallen, zu kollabieren.

Das lang ersehnte Lob bleibt aus. Die Hoffnung auf eine angebotene Gehaltserhöhung musst du aufgeben, nach dem die diesjährige Gehaltsrunde an dir vorübergezogen ist. Die Anerkennung deiner Leistung bleibt aus – auf ganzer Linie. Dein Freund macht dir keinen Heiratsantrag. Deine Freundin lobt nicht deinen Durchhaltevermögen,  obwohl du es endlich geschafft hast die 25 Kilo Übergewicht abzutrainieren und deinen Körper von gemütlich und übergewichtig in gesund und stark zu transformieren.

Erst wenn du erkennst, wie sehr du vom Lob im Außen abhängig bist, wirst du dich freimachen können von diesem klebrigen Zuckerbrot der Anerkennung. Natürlich ist es wunderschön, wenn andere Menschen, das, was du tust, anerkennen und wertschätzen. Selbstverständlich darfst du diese Momente genießen.

Doch erst wenn du verstehst, dass du deinen Frieden mit dir schließen musst, um wahrhaft zufrieden zu sein, kannst du die äußere Anerkennung als das nehmen, was sie ist: Eine Anerkennung. Kein allgemeingültiges Urteil. Keine Skala. Kein Maßstab.

Wenn du diese innere Zufriedenheit erlangt hast, wirst dieser dringliche Wunsch nach Anerkennung im Außen immer kleiner werden. Dieser Frieden wird es dir ermöglichen deine Wege und Entscheidungen zu treffen. So verliert die innere bitch, die immer mehr Anerkennung will, immer weiter an Kraft. Sie wird dich wahrscheinlich nie ganz verlassen, aber sie hat die absolute  Macht über dich verloren.

Dein größter Fan

 

Claudia xoxo

PS: Ich weiß, manchmal sind die inner bitches hartnäckig. Sehr hartnäckig. Wenn du es nicht allein schaffst, ist das keine Schande. Aber auch kein Grund zur Verzweiflung. Du musst es überhaupt nicht allein schaffen. Ich kann dir dabei helfen, schau einfach hier vorbei.

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