Warum Nähe für deinen Erfolg entscheidend ist

 

 

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„Wieviel Privates verträgt ein Blog?“ fragt sich Maria vom Unruhewerk und hat deshalb zu einer Blogparade aufgerufen. Die Ausgangsfrage zieht weitere Fragen nach sich: Wie viel Persönliches darf man dem Leser zumuten? Und wie viel möchte der Autor preisgeben? Wo ist die Grenze und wer setzt sie?

Ein Blog verträgt alles oder auch nichts. Der Blog ist lediglich die ganz persönliche Plattform seines Erschaffers und ausschließlich ausgerichtet auf seine Absichten. Für den einen Blogger können das Fragen der Ahnenforschung sein und für den anderen ist es ein geeignetes Mittel, um sein Geschäft voranzubringen. Es gibt tief berührende und auch teilweise verstörende Blogs, auf denen der Leidensweg eines Kranken in Echtzeit verfolgt werden kann. Es gibt eben nicht den einen Blog, sondern unzählige Varianten.

Das  gilt auch für den Leser. Selbstverständlich folgst du ausschließlich Blogs zu einem Thema, das dich interessiert. Du bist dort, weil du berührt, informiert oder bereichert werden möchtest. Und genau deshalb wird jeder Blog dauerhaft  ausschließlich die Leser anziehen, die exakt das suchen, was auf diesem Blog angeboten wird. Die Frage, wieviel Nähe darf ich zumuten, stellt sich deshalb auch  nicht grundsätzlich. Es ist deine Entscheidung und die ist komplett okay. Denn der Leser, der bleibt, sucht genau das Maß an Nähe, das du  anbietest. Andernfalls ginge er. Es gibt deshalb nicht im Allgemeinem zu viel Persönliches. Aber  auch nicht zu wenig.

Zwischen dem Schreibenden und seinen Lesern entsteht im Laufe der Zeit eine virtuelle, zum Teil tiefe, emotionale Verbindung. Es entsteht eine Vertrautheit, ein Gefühl des sich kennen und verstehens. Und genau  diese Art der Verbindung will der Leser  und deshalb bleibt er und wird zum treuen Gefährten.

Wie sieht es aber aus mit dem Schreibenden? Wonach entscheide ich, wieviel ich offenbaren möchte? Das Thema eines Blogs gewinnt  an Glaubwürdigkeit dadurch, dass  der Autor weiß, worüber er schreibt. Meine Leser möchten beispielsweise keine abgehobene Frau, die akademisch und distanziert über Lebensmodelle und Entwicklungsmöglichkeiten und Wege zum Glück  berichtet. Es geht neben der fachlichen Kompetenz darum, dass meine Leser erwarten, dass ich das Leben kenne. Dass ich Dinge erlebt und auch durchlitten habe. Kämpfe mit mir und mit der Welt geführt habe. Es geht darum Position zu beziehen und voran zu gehen. Aufzuzeigen, dass der Weg wirklich gangbar und zu schaffen ist.

Der Leser, der aus diesen Grund bei mir ist, möchte abgeholt werden und eine Reise antreten. Diese gemeinsame Reise  ist ohne Persönliches nicht möglich. Erst durch das Einbringen des  Persönlichen entsteht die  enge Verbindung. Denn dadurch offenbare ich meinen persönlichen Blick auf die Lösungen und Wege, die ich dir aufzeige. Und diese Beziehung braucht Nähe und Offenheit.

Am Ende bleibt also für mich nur eine Frage offen: Wie viel Persönliches mag ich preisgeben? Diese Frage stelle ich mir im Zusammenhang mit anderen Menschen, die mich zu Themen inspirieren. Mitmenschen, deren Privates ich nicht preisgeben geben will. Dafür habe ich meine wunderbare virtuelle Freundin Anna. Anna, die so viele Eigenschaften, Erfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte in sich vereint. Anna ermöglicht es mir, Dinge und Themen von anderen Menschen aufzugreifen, ohne zu privat zu sein. Und  in Anna ist auch immer ein Teil von mir.

Wenn ich nicht auf Anna zurückgreife, sondern meine eigenen Erfahrungen einbringe, frage ich mich nicht intensiv, ob das Thema zu persönlich ist. Meine Ausgangsbasis ist, darüber zu schreiben, was dich bewegt und dich voran bringen kann. Wenn bei einem Thema dafür mein persönliches Erleben und Empfinden wichtig ist, dann schreibe ich darüber. Dabei muss ich  meine eigene Verletzlichkeit zulassen. Wenn ich eine Schwäche oder meine Fehler zeige, so bin ich dort angreifbar. Aber ich überwinde diese Scham und meine Angst vor Verletzlichkeit, denn genau das ist notwendig.

Diese Sichtbarkeit, die meine Verletzlichkeit zur Folge hat, ist kein Selbstzweck. Wenn ich mich verletzlich zeige und Persönliches preisgebe, dann nur deshalb, um meinen Lesern einen Nutzen zu bieten. Die Erkenntnis, dass wir  in unserer Unperfektion nicht allein sind. Um aufzuzeigen, dass es Wege und Lösungen gibt zu wachsen.  Indem ich Persönliches preisgebe, mache ich erst die Beziehung, die es zwischen mir und meinem Leser braucht, möglich.

Aber das Ding mit der Verletzlichkeit ist, dass sie bedingungslos und ohne Absicht gelebt werden muss. Alles andere wäre Manipulation. Wenn ich also etwas Persönliches in meinen Artikeln offenbare und zwar in dem Maß, das ich für notwendig halte, um meinen Lesern eine Lösung, einen Weg aufzuzeigen, dann muss das ohne Bedingungen und Erwartungen geschehen. Wenn ich ein trauriges Ereignis mit meinen erlebten Gefühlen beschreibe, dann nur, weil mich gerade etwas davon inspiriert hat und ich es teilen möchte. Oder weil ich glaube, dass genau dieses Maß an Offenheit in Bezug auf meine Gefühle wichtig ist, um den Leser einen Weg aufzuzeigen. Um eine mögliche Lösung für Problem anzubieten.

Das Zuviel an Persönlichem ist allerdings erreicht, wenn ich mich lediglich auskotze. Weil ich wütend bin und etwas einfach  loswerden will. Wenn es dabei nur um mich geht und nicht um den Wert, den ich damit stiften kann. Wenn es für dich als  Leser unangenehm  wird, weil du keinen Sinn in dem Erzählten siehst. Der Leser eines Blogs besucht immer eine Seite, weil er etwas sucht. Er will Lösungen, Inspiration und Motivation. Wenn der Autor aber nur auf sich bezogen ist, bringt er keinen Mehrwert.  Natürlich ist der Autor dabei in einem hohen Maß verletzlich. Aber in diesem Fall ist diese Verletzlichkeit  keine Stärke, denn sie geschieht nicht aus der Absicht heraus, andere Menschen zu unterstützen. Wenn das Private sich zum anklagenden und jämmerlichen Selbstzweck entwickelt, wird der Blog unattraktiv. Der Autor wirkt in seinen selbstbezogenen Ergüssen zwar verletzlich, aber eben auch  bedürftig. Denn seine Motivation Persönliches zu offenbaren, hat keinen gebenden Charakter, sondern er will es einfach loswerden. Vielleicht sucht er auch Unterstützung. Aber –  Bedürftigkeit wirkt nie attraktiv.

Es geht also darum zu entscheiden, wie viel Persönliches notwendig ist, um zwischen meinem Leser und mir eine atmosphärische Verbindung aufzubauen. Um ein lebendiges Bild einer Situation zu schaffen, in der er sich wiedererkennen kann. Es geht darum, dass Gefühl entstehen zu lassen, dass ich genau da war, wo du gerade bist. Ich will dich  abholen und dir  Unterstützung für die Lösung deiner Probleme anbieten. Was auch immer nötig ist an Persönlichem, um diese Atmosphäre der Verbindung aufzubauen, gebe ich preis. Die Verletzlichkeit, die daraus entsteht, intensiviert die Atmosphäre, die für den Leser eine Identifikation ermöglicht. Sie stellt eine Verbindung zwischen uns her. Denn ich bin nicht die Dozierende, die Problemlösungen von der Stange anbietet. Durch den Mut, den es braucht, Persönliches zu offenbaren und dabei authentisch zu sein, gebe ich dir die Zuversicht, dass auch du  stark genug bist, genau dieses  eine Problem anzugehen.

„And that visibility that makes us most vulnerable is that which also is the source of our greatest strength.“ Andre Lorde

Mein Blog braucht und verträgt also exakt soviel Persönliches, wie notwendig ist, um die Leser zu erreichen. Und genau das Maß an Persönlichem bekommt er auch.

Deine

 

 

Claudia

 

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