Wie du deine Chance nutzt und aufhörst ein Opfer zu sein

Der Vorteil am Opfer zu sein ist, dass du nicht aktiv werden musst. Du lässt einfach alles passieren. Und klagst. Oder schweigst und opferst dich weiter auf.

Das Mitgefühl aller ist dir sicher.

Die Arme!

Diese Worte bringen dein Blut in Wallung. Da kommt eine tiefe Wut auf mich auf, nicht wahr? Denn das, was ich schreibe, ist so ungerecht und ignorant. Außerdem habe ich keine Ahnung wie dein Leben aussieht.

Du würdest so gern, dass alles besser liefe. DU WILLST KEIN OPFER SEIN!

Wer will das schon? Kein Mensch, der bei Sinnen ist.

 Du irrst dich. Absolut und ich werde dir eine Geschichte erzählen, die keine Geschichte ist, sondern

Die bittere Wahrheit

Vor etwa einem Jahr ist das Entgelttransparenzgesetz in Kraft getreten. Dieses Gesetz gibt Menschen in Unternemen mit in der Regel mehr als 200 Mitarbeitern das Recht, von ihrem Arbeitgeber Auskunft darüber zu verlangen, was Kollegen in gleicher Position verdienen.

Ist das nicht großartig? Diese Regelung ist die Machete, die uns gefehlt hat im Kampf gegen Ungleichbezahlung. Bislang war die Ungleichbezahlung kaum nachweisbar. Klar, wir wissen es alle. Aber nachweisbar? Wie denn auch? In einer Gesellschaft, in der oft noch nicht die einmal die eigene Familie weiß, wieviel du verdienst, wie willst du da wissen, was der dreiste Kollege verdient, der sich immer so gern aufspielt?

Nein, natürlich spielt er sich nicht wirklich auf. Aber er ist ein Mann und aus allen Statistiken wissen wir, dass genau diese ehrenwerten und bezaubernden Wesen der Schöpfung beim equal pay die Nase ganz vorn haben.

Wundervolle Geschenke erreichen uns

Da haben wir nun dieses wundervolle Gesetz geschenkt bekommen. Amazonenwerkzeug. Zackzack. Gehalt erfahren, Anspruch auf Gleichbehandlung geltend machen, gewinnen, gleiches und angemessenes Gehalt erhalten, zufrieden zurücklehnen und die fette Gehaltserhöhung akzeptieren.

Oh ja, wir haben einen wirklichen Meilenstein erreicht. Die Zeiten der Ungleichbehandlung sind vorbei. Wir hinterlassen unseren Töchtern eine Welt, in der sie sich gar nicht mehr vorstellen können, dass so etwas möglich war und dass es eine Bewegung #equalpay gab.

Aha, so war das damals also

Wir werden uns zurücklehnen und uns darüber freuen, dass wir den Menschen eine bessere Welt hinterlassen haben. Eine Welt, in der gleiche Leistung gleich bezahlt wird – unabhängig vom Geschlecht, dem Alter oder der Hautfarbe. Wir werden erfüllt sein vom dem Wissen und der Gewissheit und der tiefen Überzeugung, dass sich der Kampf gelohnt hat.

Manchmal muss man eben kämpfen für sein Recht.

Was für Geschichten erzählst du dir bloß?

So war es nicht. Es war ganz anders. Leider hat diese Geschichte, die ich fiktiv für unser fernes ICH in der Zukunft kreiert habe, nichts mit der Realität zu tun.

Let’s face the facts:

Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Tribe hat ergeben, dass keiner Ahnung von dieser Verordnung hat, obwohl sie von ihrer Bedeutung her wahrhaft wichtiger ist als die DSGVO.

Nicht nur mein Tribe war ahnungslos. Eine Umfrage hat ergeben, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung überhaupt Kenntnis von dieser grenzgenialen Kampfwaffe hat.

Doch es kommt noch schlimmer. Dieses Recht wird in einem erschreckend geringen Maß in Anspruch genommen. Lediglich zwischen 0 und 50 Personen haben in den befragten Firmen von diesem Recht Gebrach gemacht, wobei die Firmen zum Teil bis zu 100.000 Mitarbeiter haben. 

Jetzt könnten wir argumentieren, dass bloße Unkenntnis die Erklärung für die Nichtinanspruchnahme ist. Mag sein, für den einen oder anderen. Aber die großen Konzerne haben hausintern zum Teil massiv auf dieses Recht hingewiesen. Doch das hat das Ergebnis nicht verändert. Man könnte sogar behaupten, dass die geringe Inanspruchnahme noch mal um zig Prozentpunkte nach unten fiele, wenn das nicht gelaufen wäre.

Truthbomb

Viele Frauen hält sicher die Angst vor möglichen Konsequenzen davon ab, ihr Recht auf Auskunft einzufordern. Die Angst, dass der Arbeitgeber sehr genau beobachten und möglicherweise abstrafen könnte, wer kein braver Soldat ist.

Doch wenn das der Grund ist, ist es kein guter Grund, denn er bedeutet, dass sich nie etwas ändern wird. Wir leben glücklicherweise in einem Land, in dem der Gesetzgeber NICHT qua odre de mufti zwangsanordnen kann, wer was verdient. D.h. jeder einzelne Mensch in unserem Land muss daran mitarbeiten, dass sich etwas verändert. Die großen Unternehmen sind erst der Anfang. In je größerem Umfang dort dieses Recht wahrgenommen wird, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch Klein-  und Mittelständler irgendwann die Hosen runterlassen müssen.

Wenn sich jedoch keine Sau für dieses Recht interessiert, wird es sehr schnell in der Versenkung der zahllosen, nutzlosen Rechtswerke versinken, die wie zahnlose Tiger im Keller der Juris vor sich hinschimmeln.

Also sollten wir alle die Rosa Parks von 2018 sein, die Pobacken zusammenkneifen und einstehen für das, was wir wollen.

Truthbomb II

Ja, die Furcht vor Repressalien mag vordergründig für einige der Grund sein, nicht die Stimme zu erheben, aber das ist nur der Zuckerguss auf dem Apfelkuchen.

Die tiefe Wahrheit ist: Wir sind es nicht gewohnt für unser Recht einzutreten. Wir sind ungeübt darin einzufordern, was uns zusteht. Wir scheuen die Auseinandersetzung für das Geld, das uns zusteht.

Die mangelhaften Kompetenzen in Sachen fight for your rights (and money) treibt die absurdesten Blüten. Da haben Frauen Geld verliehen in erheblicher Höhe und fordern es nicht zurück, weil sie den anderen nicht beschämen möchten. Da verzichten Frauen auf Unterhalt, weil sie nicht geldgierig erscheinen wollen.

Die noch tiefere Wahrheit ist: Wir mögen es auch nicht für unsere Ansprüche einzustehen. Die Blockaden zum Thema Geld sind bei Frauen so zahllos und weit verbreitet, wie die Sommersprossen bei Pippi Langstrumpf

Aber Schatz, wenn du nicht für dein Recht eintrittst, wird es keiner tun. Nicht weil die anderen schlechte Menschen sind. Doch sie haben genug damit zu tun, ihr Leben auf die Reihe zu bringen.

Deshalb solltest du trainieren für dich einzutreten. Für deine Rechte, deine Wünsche. Ja, und auch für dein Geld.

Wie wäre es, wenn du klein anfängst und mal etwas zurückforderst, was du vor langer Zeit verliehen hast, die € 50,00 an deine Freundin nach einer durchgefeierten Nacht vor zwei Jahren, das Buch, das du vor mehr als sechs Monaten deinem Kollegen geliehen hast.

Dir wird schon etwas einfallen. Du wirst merken, wie schwer dir das fällt, wie unangenehm berührt du dich fühlt und peinlich ist das Ganze auch. Genau dann halte inne in diesem Moment und denk daran, dass dir ganz nichts peinlich sein muss. Aber indem du für dich aufgestanden bist, du wieder einen Babystep in deine Zukunft in Fülle und Zufriedenheit getan hast.

Fülle und Reichtum – innen und außen –  wirst du aber nie erreichen, wenn du weiter im Opfermodus bleibst. Übernimm die volle Selbstverantwortung. Am besten heute. Jetzt. Und entdecke, was für eine wundervolle, starke Frau in dir steckt mit einem Riesenpotential. Du musst sie einfach nur behutsam aus dem Keller ins Licht führen

Dein größter Fan

 

 

Claudia xoxo

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